Sequenz Jg. 10-12:   „Kommunikationsstörungen“ als Thema fiktionaler Kurztexte

 

     Einführung in die „Kommunikationsanalyse“ als fachmethodischer Zugriff auf Texte

     „Misslingende und erfolgreiche Kommunikation“ als Thema literarischer Texte

 

* Kommunikationsanalyse =  Situationsanalyse + Handlungsanalyse + Rede-/Gesprächsanalyse[1]

(auch in: FACETTEN [Klett])

 

Texte und Verfahren

 

Literarische Texte ► fachliche Zielsetzung:

1.  Aichinger, Ilse: Das Fenster-Theater ► indirekte Thematisierung von „Kommunikation“

2.  Borchert, Wolfgang: Bleib doch, Giraffe ► Situationsanalyse

3.  Steenfatt, Margret: Im Spiegel  ► Handlungsanalyse

4.  Wondratschek, Wolf: Mittagspause ► Situations- und Handlungsanalyse

5.  Manzoni, Carlo: Der Rauch ► Gesprächsanalyse

6.  Gabriele Wohmann - Ein netter Kerl ► Gesprächsanalyse

7.  Brambach, Rainer: Känsterle ► Rede- und Handlungsanalyse

8.  Bernhard, Thomas: Der junge Mann ► direkte Thematisierung von „Kommunikation“

9.  Bichsel, Peter: Die Tochter ► Anwendung aller drei Analyseverfahren + Rolle des Erzählers

10.Wohmann, Gabriele: Denk immer an heut Nachmittag ► dito + Inhalts- und Beziehungsaspekt

11.Wohmann, Gabriele: Schönes goldenes Haar ► dito + Inhalts- und Beziehungsaspekt + nonverbale Kommunikation

 

Sachtexte:

12. Watzlawick u.a.: Menschliche Kommunikation (TTS) ► Inhalts- und Beziehungsaspekt

13. von Thun: Anatomie einer Nachricht (rororo/FACETTEN) ► Botschaften: Sachinhalt - Selbstoffenbarung - Beziehung - Appell

14. Beilhardt, Karl u.a.: Formen des Gesprächs im Drama (Klett) ► spezifische Gesprächsformen

 

Analysebeispiel zur Kommunikationsanalyse am Romanauszug Rosa Montero: „Geliebter Gebieter“ (Romananfang)

Klausurbeispiel zur Kommunikationsanalyse zu Montero Romanauszug (andere Stelle) (aber LK 13)

 

Kombination mit Analyseverfahren für erzählende Texte (Erschließung nach Schlüsselstellen / Aspekten)

 

Modelle:

s. Arbeit mit Modellen

 

Kommunikationsmodell und Sprachfunktionen

 

 

histor.-polit.

- Situation / Kontext -

aktuell

 

                 

 

Beziehung

 

 

 

Absicht

                                      

 

Erwartung

                        

 

Sprecher-/ Schreiber-in

Medium

Rede / Text

Medium

Hörer- / Leser-in

Sender

 

Signale

 

Empfänger

 

 

 

 

 

         Ich / Wir

 

 

 

    Du / Ihr

 

Ausdruck

Expression

        Botschaft

          

Aufforderung

Appell

 

 

 

 Darstellung

 Information

 

 

 

 

     Es

   Gegenstände,   Sachverhalte...

 

 

 

 

Links:

http://www.br-online.de/wissen-bildung/thema/psychologie/08_sprache.xml

 

weitere Anwendungen mit folgenden Texten:

Bender, Hans: Fondue oder Der Freitisch

Berg, Sybille: Ein Paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot

Bichsel, Peter: San Salvador

Borchert, Wolfgang: Schischyphusch oder Der Kellner meines Onkels

De Bruyn, Günter: Babylon

Evers, Horst: Gestatten, Schulze

Franck, Julia: Streuselschnecke

Jakobs, Karl-Heinz: Der Weg zur Bühne

Kafka, Franz: Vor dem Gesetz – Eine kaiserliche Botschaft – Der Nachbar

Kischon, Ephraim: Niemand hört zu

Lenz, Siegfried: Die Nacht im Hotel

Lenz, Siegfried: Eine Liebesgeschichte

Lettau, Reinhard: Willkommen, lieber Manig – Absage – Auftritt

Loriot: Das Frühstücksei

Manzoni, Carlo: Der Rauch

Schnurre, Wolfdietrich: Reusenheben

Werfel, Franz: Der Dichter und der kaiserliche Rat

Wohmann, Gabriele: Der Antrag – Karrière – Auto fährt er gern – Die Frau vom Gleis 4 – Menschenscheu - 

 

 

Kommunikationsstörungen - fachspezifisches Beschreibungsvokabular: Störfaktoren

 

1.     Irreversibilität sprachlicher Äußerungen - z.B. Schimpfwort (Wort als Waffe, Beleidigung...)

2.     Codedifferenz - z.B. Dialekt (unterschiedliche Sprachen, nach Rollen, Entwicklung, Alter, soz. Status)

3.     Mangelnde Beachtung des Kontextes - z.B. „Endlösung“ (nur verwendbar im histor. Kontext III. Reich)

4.     Verstoß gegen die Konvention - z.B. „abschnallen“ ( Vereinbarung über den Sprachgebrauch)

5.     Mangelnde Eindeutigkeit - z.B. „bald“ (offen für Missverständnis, unpräzise, Ironie, Anspielung...)

6.     sachliche Inkompetenz - z.B. „Klirrfaktor“ (mangelnde Kenntnis des Sachverhalts)

7.     Stilbruch - z.B. „echt geil“ (Wechsel der Stilart, der Textsorte nicht angemessen)

8.     mangelnder Adressatenbezug - z.B. Vortrag statt Gesprächsbeitrag (Dominanz, Arroganz, Blind­heit)

9.     mangelnde Hörbereitschaft - z.B. über den Vorredner hinweggehen ( nicht zuhören, Misstrauen)

10. negative Sozialbeziehung - z.B. neu in der Gruppe (Ablehnung, Neid, Rivalität, Isolation...)

11. paradoxe Vermittlung im Inhalts- und Beziehungsaspekt - z.B. „ärgerlich: 'Ich lieb dich doch!'“ (Unklarheit für den Rezipienten, wie die inhaltliche Aussage nun gemeint ist)

12. Aneinandervorbeireden - z.B. „Das hast du doch so gemeint...“  (Sprecher achten nur auf den eigenen Standpunkt, haben nur das eigene Vorverständnis, haben unterschiedlichen Erfahrungshorizont)

13. übermäßige Redundanz (zu viele Informationen, die das Wichtigste überlagern)

14. mangelnde Redundanz  - z.B. „XY. ist ein Feind der Markwirtschaft“ (zu wenige und zu wenig diffe­renzierende Informationen)

15. zentrale Sprachlenkung - z.B. „die Freiheit des Autofahrers“ (Besetzung von Begriffen durch Interes­sengruppen mit exklusiven Bedeutungen)

16. emotionale Manipulation - z.B. „Bauknecht weiß, was Frauen wünschen“ ( Nutzung vor allem der Konnotationen)

17. Verschleierung - z.B. „aus Bonn wird berichtet“ (Zurückhaltung von Informationen, Quellen etc.)

18. Störung im Kanal - z.B. Zwischenrufe (Störung des Übertragungswegs,  an den verschiedenen Stellen im Kommunikationsmodell)

19. Mangelnde Bereitschaft zur verbalen Kommunikation - z.B. Angst vor dem Partner (psychodynamische Störung; Beziehungsstörung; Verletzlichkeit...)

20. konkrete Handlungen, die verbale Kommunikation verhindern, unterbinden, abbrechen - z.B. aufstehen und weggehen (Gewalttat, Umarmung/Kuss, ...)

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[1] Günther Einecke: Unterrichtsideen Textanalyse und Grammatik. Stuttgart: Klett (2) 1995, S. 157 f.