Thema der Stunde - Thematisierung

 

Die Entwicklung des Themas einer Unterrichtsstunde ist ein zentrales Stück der didaktischen Überlegungen.

Im Thema der Stunde (wie auch einer Reihe) wird zum einen der Sachgegenstand / Inhalt / Stoff - z.B. ein Text, eine Situation, eine Theorie, eine Fachmethode etc. - genannt und zum anderen der Betrachtungsaspekt, unter dem der Gegenstand im Unterricht gesehen und behandelt wird. Das Stundenthema ist zu unterscheiden vom Stundenziel, welches die Ergebnislage nach der „Betrachtung“ / Erarbeitung am Ende der Stunde angibt. Im Thema wird die Unterrichtsmethode für die Erarbeitung des Sachgegenstandes nicht mitgenannt; sie ist Ergebnis der Methodenanalyse und wird dort festgelegt oder/und als Operationalisierung im Stundenziel formuliert. Das Thema selbst erscheint also auch nicht in der operationalisierten Form einer Aufgabenstellung: Aufgaben und Operationen sind ebenso Elemente der methodischen Überlegungen; in sie gehen die Vorstellungen vom methodischen Weg der Betrachtung / Behandlung des Sachgegenstandes ein. In der didaktischen Analyse wird u.a. auch die Wahl des Themas für die aktuelle Stunde begründet. Dabei werden die Intentionen der Lehrperson deutlich.

 

„Planen für Unterricht ist auf die Präsentation und Repräsentation von Gegenständen ausgerichtet. Dazu reicht es nicht aus, Inhalte bloß zu benennen. Es kommt vielmehr darauf an, Fragestellungen oder Hinsichten in bezug auf Gegenstände zu entwickeln, um das Woraufhin der unterrichtlichen Behandlung des Gegenstandes zu durchdenken und zu bestimmen. Diesen Prozess kann man Thematisierung oder Themabildung nennen. Thematisierungen findet man - im Gegensatz zu Inhalten - nicht vor; man muss sie in Planungsvollzügen entwickeln. [ ... ] Thematisierungen implizieren immer schon Vorstellungen über konkret im Unterricht anzustrebende und zu erreichende Ziele und dazu geeignete Handlungen. Sie sind ein erstes wesentliches Bestimmungsstück des Unterrichtsplans. [R. Girmes, R. Steffens: Planen als Praxis. In: K. Gründer (Hrsg.): Unterrichten lernen. Paderborn: F. Schöningh 1980, S.47 f]

 

Negativ-Beispiel:  „Franz Kafka: Die Verwandlung. - Interpretationsansätze der Forschung im Unterricht“

Das Thema ist hier noch

  zu weit für 45 Minuten

  nur der Inhalt (nämlich: verschiedene Forschungstexte)

  ohne Betrachtungsaspekt (Was mit ihnen im Unterricht?).

 

Mögliche Thematisierungen:

  „H. Kaiser und W. Zimmermann über Franz Kafka: Die Verwandlung. - Unterschiede im Er­kenntnisinteresse zweier Interpretationstexte“

  „Max Frisch: Homo Faber. - Fabers Illusion von einer einfach strukturierten Welt am Beispiel seiner klischeehaften Beschreibung Amerikas und Kubas (S. 180-181)“

  Die orientierende Funktion adverbialer Bestimmungen in dem Zeitungsbericht Wir basteln ein Erdbeben“

  „Die Verknüpfung von visuellen und sprachlichen Darstellungsmitteln in der Werbeanzeige Nicht alles so eng sehen (Stern 36/83)“

  „Die Funktion des Lachens in G. Wohmanns Kurzgeschichte Ein netter Kerl“

   „Effi zwischen Affirmation und Negation gesellschaftlicher Leitbilder - Theodor Fontane: Effi Briest. Kapitel 1-3“

  „Die Handlungsmotive des neuen Herrschers Kreon in seiner Antrittsrede - Sophokles: Antigone (Z. ...)“

 

Die didaktische Reduktion das Themas und des Sachgegenstandes auf die konkrete Lerngruppe und die verfügbare Zeit hin ist nun ein folgender wichtiger Planungsschritt.

 

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