Lernpsychologische
Prinzipien des Lernens, Erinnerns und Übens
1. Mehrkanalige Information erhöht die Aufnahme:
▪
Man vermittelt in der
Erstbegegnung möglichst mit Einsatz mehrerer Sinne.
→ Also: „Konjunktiv II“ akustisch und
optisch in die Klasse einbringen - z.B. Vortrag des Songtitels von Nina Hagen
„Wenn ich ein Junge wär...“ in auffälligem
„Rock-Stil“; ein Tafelbild entwickeln. -
▪
Die eidetische Fähigkeit
(optisches Aufnehmen) zeigt Aufgipfelungen um das 10. und 15. Lebensjahr. Die
Mehrheit der Lernenden lernt eidetisch
besser.
→ Also Vermittlungen auf Folie, an der Tafel
etc.
▪
Man behält von dem, was
man liest ca. 10 %, was man hört 20 %, sieht 30 %, sieht und hört 50 %, selbst
vorträgt 70 %, selbst ausführt 90 %.
→ Also die Schüler selber Songtexte mit dem
utopischen Konjunktiv II schreiben lassen etc.
▪
Die „duale Kodierung“
der nonverbal-bildlichen (imaginalen) und zugleich
der abstrakten (verbalen) Vermittlung ist behaltensfördernd.
→
Also: An welches Bild denke ich, wenn es um Konjunktiv II geht? Vielleicht an
die Gedankenblase für die utopischen Wünsche?
2. Bei der Einführung sind
Lerntypen zu beachten:
▪
auditiv - optisch -
haptisch/motorisch - kognitiv/analytisch- imitativ -
erfahrungsbezogen - handlungsorientiert lernende Schüler.
→ also Methoden des Abschreibens,
Malens/Zeichnens, Vortrags, Spielens, Erklärens, Definierens etc. einbeziehen.
3. Produktive Verarbeitung und
handlungsorientierte Identifikation erhöhen das Behalten:
▪
Statt des passiven Rezipierens sind Formen der aktiven Beteiligung zu
ersinnen: entdecken, erfinden , schreiben, sprechen,
gestalten, Erfahrungen machen...
→ Also z.B. selber die Regel zum Konjunktiv II
bilden.
4. Das persönliche
Angesprochensein und die affektive Wertigkeit verstärken das Behalten:
▪
Es ist also besser, ein
grammatisches Phänomen mit einem Sachthema einzuführen, das die Schüler
betrifft, als an einem beliebigen Sachverhalt und Text.
→
Also z.B. besser den Konjunktiv II im utopischen Kontext zur Rollenidentität
und -beschränkung der Geschlechter vermitteln als an irgendwelchen Sätzen.
5. Bekannte
Begleitinformationen und Assoziationen erhöhen des
Erinnern:
▪
Die bekannte Situation
fördert:
→
z.B. sind den Schülern schon utopische Ideen aus Texten bekannt, ehe ihnen
Konjunktiv II im „Kerntext“ von Nina Hagen begegnet.
▪
Der Zusammenhang mit
Vorwissen fördert.
→ Das Präteritum „war“ ist bekannt und dienlich
für den Konjunktiv II „wäre“.
▪
Die Form des gezielten
Anbindens von Grammatik sorgt auf Dauer für eine „konzeptuell-relationale
Enkodierung“, sorgt dafür, dass z.B. ein grammatisches Phänomen mit einem lebensweltlichen Kontext
und /oder einer typischen Textsorte als Anwendungsfeld
verknüpft gespeichert wird.
→
Pronomen mit „Rätsel“, Passiv mit „Gebrauchsanweisung“, Modalverben mit
„Büchereiordnung“, Konjunktiv irrealis mit „Utopien“
etc. assoziieren, so dass die grammatischen Phänomene schneller in anderen
Kontexten wieder aufgerufen und erweiternd behandelt werden können.
6. Strukturierte Information
erhöht die Aufnahmefähigkeit und das Behalten:
▪
gegliederte Darbietung
uns strukturierte Vermittlung
→ z.B. klare Phasen der induktiven oder
deduktiven Einführung eines neuen Lernstoffs;
▪
grafisch angelegtes
Tafelbild
▪
Später dient auch die
Orientierung über ein Teilsystem der
Strukturierung durch Orientierungswissen.
→
Die verschiedenen Modi oder die verschiedenen Funktionen des Konjunktivs II
werden am Ende der Vermittlung im Überblick zusammengestellt;
▪
Immer gleich
strukturierte Merktexte werden geschrieben
→
z.B. grammatischer Merkkasten: eine Regel aus den Teilen a) neuer Begriff - b)
Definition zur Form - c) Definition zur Funktion - d) konkretes Beispiel.
7. Störungen der Aufnahme sind
zu vermeiden:
▪
Pro- und reaktive
Hemmungen in der Sache ausschließen.
→ bei der Einführung von Konjunktiv II nicht
zuerst den Konjunktiv I wiederholen.
▪
Interferenzen
vermeiden.
→ „Nomen“ besser als „Substantiv“ wegen
„Subjekt“; Konjugation von Konjunktiv trennen; ...
8. Wiederholungsanlässe sind
zu schaffen:
▪
Wiederholung ist bereits
im Rahmen der Sequenz durch Wiederaufnahme des Phänomens, der Begriffe und
Funktionen an anderen Texten möglich.
▪
Formelhaftes Wiederholen
sitzt besser.
→
z.B. rhythmisiertes Nachsprechen: „wenn ich ein Junge wär...,
Konjunktiv II nicht schwer!“ - Weitere Wiederholung dann im Rahmen des
Spiralcurriculums; unmittelbar - periodisch / planmäßig - gelegentlich -
immanent.
9. Die Erinnerung ist abhängig
von Zeitgesetzen des Wiederholens:
▪
Die Speicherung erfolgt ...
-
ins Ultrakurzzeitgedächtnis:
für einige Sekunden, also Wiederholung sofort,
-
ins Kurzzeitgedächtnis:
bei Wiederholung nach 10 - 20 Minuten,
-
ins Langzeitgedächtnis:
bei Wiederholung nach 24 Stunden,
-
ins Dauerhafte: bei
Wiederholung in größeren Abständen (Tagen/Wochen). Ohne entsprechende
Wiederholung wird die Information gelöscht. Die erste und zweite Wiederholung
nach dem Input sind entscheidend!
→
Dies betrifft vor allem die Einführung der neuen Begriffe, der Form- und
Funktionsmerkmale der grammatischen Phänomene.
10. Wiederholungsgesetz
beachten:
▪
verteilte Wiederholung
ist besser als gehäufte.
→
Also nicht alle Gliedsatzarten auf einmal, sondern in sinnvollen Komplexen
(z.B. Subjekt-/Objektsatz für sich, Adverbialsätze für sich etc.).
11. Lernen aus Einsicht gelingt
besser:
▪
Wenn die Arbeit an der
Sprache dazu beiträgt, einen Text oder einen kommunikativen Zusammenhang oder
ein Thema besser oder überhaupt erst zu verstehen, dann ist die Beschäftigung
nicht nur funktional, sondern auch für die Schüler besser nachvollziehbar. Die Warum-Frage zur Verwendung eines sprachlichen Mittels
bewirkt eine größere Verarbeitungstiefe und damit ein besseres Behalten.
→ Warum also steht in utopischen Texten der
Konjunktiv II ?
12. Entspanntes Lernen fördert
das Behalten:
▪
Stress ist zu vermeiden.
Keine Prüfungsangst durch Abfragen schon in den ersten Phasen der Vermittlung
erzeugen, denn durch Angstblockade ist die Aufnahmefähigkeit behindert.
→
Also nicht ankündigen: „Jetzt aber zur Grammatik!“ - oft vom Lehrer gemeint
als: Wir müssen 'mal wieder in den sauren Apfel beißen!
▪
Entspannung ist
herzustellen.
→ z.B. Situationen des Erzählens, Vorspielen,
Bilder, Musik etc. bei der Präsentation.
13. Orientierung und
Übersicht verbessern die Arbeit und das
Behalten:
▪
vor der Erarbeitung
evtl. mit advance organizer
arbeiten, d.h. Ankündigung der folgenden Aktivität (aber ohne Abschreckung, s.
12); advance organizer haben verschiedene
Funktionen: Ausrichtung der Schülerinnen und Schüler auf die anstehenden
Themen, Textsorten und Methoden - Anstoß zur Reaktivierung schon vorhandenen
Vorwissens und Anbindung an das Neue - Überblick über die Struktur des
Unterkapitels und das Arbeitsvolumen. Diese Vorausschau zählt zu den kognitiven
Strategien (vgl. dazu http://web.syr. edu/~maeltigi/Cognitive/useadv.htm)
→ wir werden zu unseren Eskimo-Geschichten für eine
Leseempfehlung kurze Inhaltsangaben schreiben, dabei müssen wir untersuchen,
wie man mit den wörtlichen Reden umgehen kann
▪
nach der Er- und
Verarbeitung rückblickend das Geschaffte im Überblick fixieren, z.B.
Lernplakate entwickeln
→
also z.B. nach den für die Versuchsbeschreibungen typischen Gliedsatzarten eine
Zusammenstellung im Heft und auf der Tapetenrolle an der Klassenwand:
Kausalsatz, Konditionalsatz, Finalsatz, Konsekutivsatz mit Beispielen
(möglichst mit Bildelementen, s. 1)
14. affektive Übungsimpulse
können für das Lernen genutzt werden:
▪
affektiver Kontakt zur
Sache und zum Lehrer
▪
Erfolgserlebnis und
Verstärkung des Verhaltens
▪
Übungsvariation.
(nach: Paradies, Liane/ Linser, Hans Jürgen: Üben, Wiederholen, Festigen. Berlin: Cornelsen 2003 - Kostrzewa, Frank: Sprache und Gedächtnis. In: Neusprachl. Mitteilgg. 4/1994, 221 ff. - Holtwisch, Herbert: Behalten suggestopädisch-unterrichtete Schulkinder ihren Lernstoff besser? In: ebd., 228 ff. - Hermes, Eberhard: Basiswissen Schulpädagogik. Stuttgart: Klett 1980 - Vester, Frederic: Denken, Lernen, Vergessen. München: dtv 1978 - Ders.: Unsere Welt - ein vernetztes System. ebd. - Bönsch, Manfred: Die Sicherung des Lernerfolgs. In: nds 1975/76 - Odenbach, Karl: Die Übung im Unterricht. Braunschweig: westermann 1967 - Friedrich Jahresheft IV. 1986: Lernen. - Aebli - Thorndike - Hellmut u. Ursula Geißner: Mündliche Kommunikation. In: Projektgruppe Deutsch (Hrsg.): Mündliche Kommunikation. Schulversuch GS NW 1975,S.6)
© G.
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