Günther Einecke (1994/2002)
Planung und Methodisierung
einer Grammatiksequenz
nach dem Prinzip der
Integration
1. Sequenzplanung zum
Konjunktiv II: Die Sequenz soll
heißen:
Ausgangspunkt einer
Unterrichtssequenz im 8. Jahrgang soll die Zielvorgabe der Richtlinien sein: Konjunktiv
II. Dieses grammatische Phänomen ist in seinen Formen und Funktionen
einzuführen. Die Unterscheidung von Indikativ und Konjunktiv I wird als bekannt
vorausgesetzt: Sie ist in der Regel in vorhergehenden Jahrgangsstufen im
Rahmen der Redewiedergabe zur Kennzeichnung der indirekten Rede eingeführt
worden.
- Als Funktion des Konjunktivs II soll
im Mittelpunkt stehen: „Hinweis auf
Nicht-Faktisches“ nach nicht-faktitiven Verben (s.u.
Lottmann 48/Ludwig: „’Denken’ gehört – wie glauben,
hoffen, meinen und auch sagen – zu den nicht-faktitiven Verben. Diese Verben
setzen nicht unbedingt die Wirklichkeit des Ausgesagten voraus. Durch die
Verwendung der Konjunktivmorpheme im Komplementsatz wird auf diesen Umstand
noch einmal aufmerksam gemacht, eine implizite Voraussetzung wird expliziert.
Der Hörer oder Leser wird aufgefordert, den Inhalt der Komplementsätze nicht
schon für die Wirklichkeit zu nehmen. Dazu wird in Komplementsätzen außerhalb
der indirekten Rede überwiegend der Konjunktiv II verwendet, jedoch ist auch
der Konjunktiv I anzutreffen.“).
- Andere Funktionen des Konjunktivs
wären durch andere Unterrichtssequenzen der Sekundarstufe I in einem Spiralcurriculum
zu erarbeiten: z.B. Konjunktiv I (mit Ersatzform II) und Indikativ bei der indirekten
Rede, in: „Wettangeln - Indirekte Rede“/Jg.7 ▪ Konjunktiv II zur
Markierung der Distanzierung bei der Redewiedergabe (indirekte Rede), in: „Ex
und hopp: Einwegflasche - Die Wiedergabe fremder Standpunkte.“/Jg.9 ▪
Konjunktiv II in der Verwendung bei Gedankenexperimenten (konditionale Gefüge),
in: „Wenn ich ein Junge wär...“/Jg.8/9 ▪
Konjunktiv II bei der Erstellung von Träumen, Wünschen, Utopien, in: „So könnte
es sein.“/Jg.10.
Kerntext der
geplanten Sequenz soll Eugen Roths Text „Der eingebildete Kranke“ sein, da er
die Funktion des Konjunktivs II explizit verdeutlicht.
Der
eingebildete Kranke
1 Ein Griesgram denkt mit trüber List,
2 Er wäre krank. (was er nicht ist!)
3 Er müsste nun, mit viel Verdruss,
4 Ins Bett hinein. (was er nicht muss!)
5 Er hätte, spräch
der Doktor glatt,
6 Ein Darmgeschwür. (was er nicht hat!)
7 Er soll verzichten, jammervoll,
8 Aufs Rauchen ganz. (was er nicht soll!)
9 Und werde, heißt es unbeirrt,
10 Doch sterben dran. (was er nicht wird!)
11 Der Mensch könnt, als gesunder Mann,
12 Recht glücklich sein. (was er nicht kann!)
13 Möcht glauben er nur einen Tag,
14 Dass ihm nichts fehlt. (was er nicht mag!)
Eugen Roth
Als Kerntext soll der
Text bezeichnet sein, an dem das angezielte
grammatische Phänomen im Unterricht eingeführt werden soll. Für diesen Text ist
somit die Feinplanung nach der Methode „induktiv einführen“ vorzunehmen. In dem
Text werden also entsprechende Sätze mit dem grammatischen Phänomen beobachtet.
Um diesen Text herum ist eine sinnvolle thematische Sequenz aufzubauen, die
sowohl dem inhaltlichen Interesse der Schüler an der „eingebildeten Krankheit“
Raum gibt als auch das grammatische Thema mit weiterem Übungs- und Anwendungsmaterial stützt; darüber hinaus müssen
Möglichkeiten zur Verknüpfung der Teilbereiche Umgang mit Texten,
Reflexion über Sprache und Textproduktion entwickelt werden.
Für die Kontextuierung
kann von einer aktuellen Berichterstattung über das „Versagen“ von Sportlern
(z.B. bei der Olympiade , bei Weltmeisterschaften ...)
ausgegangen werden. Simulation von Unpässlichkeit ist nicht nur bei
schlechtgelaunten, griesgrämigen Menschen erfahrbar. Sie dient gerade bei
Sportlern dazu, sich dann und wann von dem ungeheueren Leistungs- und
Erwartungsdruck zu entlasten. Andererseits fallen in den Medien auch
ungerechtfertigte Vorwürfe gegen Sportler wegen angeblicher Simulation auf , - gegen Sportler, die versagen oder an einem
Wettbewerb aus tatsächlichen Krankheitsgründen nicht teilnehmen können. Hier
schlägt die Enttäuschung des Publikums, der Sportfunktionäre etc. in Angriff
um.
Materialangebot - Texte
vor und nach dem Kerntext:
1. Gabriele Wohmann: Der Knurrhahn-Stil (Erzählung)
2. „Arzt
glaubt Blöcher nicht“ (Zeitungstext/Ausschnitt)
3. Eugen
Roth: Der eingebildete Kranke (Gedicht)
4. „Unternehmen
Gold gescheitert“ (Zeitungstext/didaktisiert)
5. „Verletzt
- Auch Wentz droht Aus“ (Zeitungstext)
6. „Zu
wenige wollen sich quälen“ (Kommentar einer Zeitschrift)
7. evtl.
„Olympiasieger Michael Groß“ (autobiographischer Hintergrundtext)
Sequenzbeginn: Kontextuierung
Mit Text 1 wird das Problem der Simulation von Krankheit zunächst aus der Schülerperspektive inhaltlich angegangen. Das Vorgehen des
Jungen, der Eltern, des Arztes, Lehrers etc.; der Zweck der Simulation, die
Motive, die Umstände etc. wären aufzuarbeiten. Je nach Gesprächsklima in der
Klasse kann als Erlebniserzählung (Ich-Erzählung oder Er/Sie-Erzählung
in fingierter Rolle) eine Textproduktion angeschlossen werden mit der Auswahl
aus folgenden Themen: „Mir tat wirklich alles weh“ oder: „Ich fühlte mich so
schlecht, und keiner reagierte“ oder „Nun stell dich nicht so an!“ oder: „Ich
hab nur so getan“. - Die Sequenz beginnt also problemorientiert.-
Text 2 ist ein
Ausschnitt aus einem längeren Text. Er endet da, wo die skeptische Perspektive
des Bundestrainers ins Spiel kommt. Aus dieser Perspektive soll nun ein
Rollentext erstellt werden (mündlich als Rollenspiel oder als Fortsetzungstext
schriftlich): Der Trainer kommentiert Verhalten und Krankheitssymptome des
Hockeyspielers. Dabei muss nach der Rollenvorgabe im Zeitungsausschnitt das Misstrauen
des Trainers sprachlich deutlich werden. Dies ist bei der Besprechung der
Rollenspiele oder -texte zu beachten. Stellen mit Konjunktiv oder kritischen
Partikeln in den Schülertexten werden hervorgehoben. - Text 2 bereitet also
Text 3 vor: Ein Beobachter stellt die Faktizität eines Vorgangs oder Verhaltens
infrage.
2. Feinplanung zum Kerntext 3: Induktion und Fokussierung
Eugen Roth: Der eingebildete Kranke (Gedicht)
Die
zentrale Stunde zur Reflexion über Sprache folgt hier dem Modell des
„erarbeitenden Unterrichts“.
Text 3 macht
explizit auf die Verwendung des Konjunktivs II aufmerksam. Die Schüler
beobachten im Unterrichtsgespräch die zwei Figuren:
Griesgram und kritischer Kommentator. Sie stellen fest, dass das Faktische und
das Nicht-Faktische konfrontiert werden. Dabei ist die gesamte Entwicklung
aller Einbildungen von dem
übergeordneten Verb „denkt“ abhängig. Sie gehen auf die Art und die Motive eines
Griesgrams ein und konfrontieren diese Figur mit Sportlern, die sich ihre
Wehwehchen aus ganz anderen Gründen einbilden.
Zur Erarbeitung des
grammatischen Phänomens wird auf Vers 2 gezielt. Es wird erschlossen, dass mit
dem Verb „denken“ etwas eingeleitet ist, das nicht unbedingt der Fall sein
muss, und dass dies in den abhängigen Sätzen mit dem Konjunktiv II verdeutlicht
wird. Die Schüler können zur ersten Übung selbst weitere Sätze bilden: Was der
Griesgram noch so denkt...
Die Ableitung des Konj. II („wäre“) aus dem Präteritum („war“) wird
ermittelt; dies wird mit anderen Verbstellen des
Gedichts verglichen. Mit Ersatzproben
werden die Konjunktiv II - Stellen durch Indikativ- oder Konjunktiv I- Formen
verändert: Es steht fest,...er ist krank; Sie sagen,...er sei krank etc. Über
den Vergleich mit den vorliegenden Formen wird die Funktion des
Konjunktivs II erkannt und formuliert: Er macht deutlich, dass ein Sachverhalt
nicht unbedingt tatsächlich sein muss.
Es kann die „aber-Probe“
eingeführt werden: Jemand denkt, er wäre..., aber er ist nicht... Mit
der Probe lässt sich überprüfen, ob der Gegensatz zwischen dem Faktischen und
dem Nicht-Faktischen stimmig ist. Schließlich schreiben die Schüler einen Text
nicht über einen eingebildeten kranken Griesgram, sondern über einen „eingebildeten kranken Sportler“:
Sie nehmen die Perspektive des Beobachters ein, der die Einbildung (in den
Klammerteilen) aufdeckt.
Zum Beispiel: Ein Sportler denkt nach schwerem Schlaf,
Er
könnt' einfach liegen bleiben. (Was er nicht darf.) etc.
- Es muss sich nicht reimen,
kann auch Prosa sein.
1. Präsentation des Textes als Vortrag durch den/die Lehrer/in - Der Titel des
Gedichts wird zunächst weggelassen. - Text liegt auf OHP-Folie
vor, so dass die Schülerinnen und Schüler mitlesen können.
2. Behandlung des Textes als Kontext
des grammatischen Phänomens im freien Unterrichtsgespräch: Zunächst wird
die inhaltliche Seite thematisiert.
Die Schüler geben Eindrücke wieder, gehen
auf die Rollen (Griesgram -
Beobachter) ein, stellen sich einen Griesgram vor, beobachten ggf. eine
Verallgemeinerung ab Z. 11, erkennen evtl. die Rolle des Rauchverbots mit Todesdrohung
Z.8-10 als mögliche Ursache für
besonders griesgrämiges Verhalten (s. Abweichung vom Konjunktiv II!). Sie kommen
auf die (auch grafische) Zweiteilung durch die Klammern zu sprechen. Hieraus
kann ein Hinweis für veränderte Stimmlage
beim Gedichtvortrag abgeleitet werden. - Es folgt ein zweiter Textvortrag durch
einen Schüler. - Zur Kontrolle des inhaltlichen Verständnisses sollen die
Schüler nun einen Titel für das
Gedicht formulieren. Er müsste in der Nähe des Originals liegen. - Der Originaltitel
wird preisgegeben.
3. Fokussierung: Mit der Frage „Wie wird im Text sprachlich deutlich
gemacht, dass der Griesgram sich alles nur einbildet?“ werden die sprachlichen
Mittel thematisiert. - Die Schüler verweisen auf den Kontrast der klammerfreien
Teile und der eingeklammerten Teile; auf die Einleitung, dass er sich alles nur
„denkt“; auf die Verbformen „wäre“, „müsste“...
4. Beispiel: Z.2 wird als
repräsentative Textstelle herausgegriffen und an die Tafel geschrieben.
5. Beobachtung der sprachlichen,
grammatischen Darstellungsmittel = Wechsel auf die formale Ebene: Die Schüler
erschließen, dass der Eindruck des Unglaubhaften durch die Form „wäre“ hervorgerufen
wird. - Auftrag: „Formuliert den Anfang des Gedichts so um, dass man nicht mehr
von „Einbildung, sondern von „Tatsache“ sprechen kann.“: „Er stellt fest, er
ist krank...“ oder „Er bemerkt, dass er krank ist.“ o.ä. Durch die Ersatzprobe
wird die Funktion von „wäre“ deutlich.
6. Isolierung: Die Schüler
klären, dass „wäre“ unter Umlautung vom Präteritum des Verbs „sein“ abgeleitet ist.
Durch Vergleich und Ersatzprobe mit „ist“ oder „sei“ wird die Form von „wäre“
gesichert.
7. Systematisierung: Die
Schüler erweitern das Beispiel „wäre“ an der Tafel um die analogen Stellen im
Text. Tafel:
|
wäre |
abgeleitet
aus dem Präteritum |
war |
|
müsste
hätte spräch könnt möcht
|
|
... ... ... ... ... |
8. Benennung (mit dem lat.
Fachbegriff): links unter den Tafeltext wird „Konjunktiv II“ geschrieben.
9. Definition (3 Teile: a-c!) - Übernahme ins Heft.
a) zur Form: „Konjunktiv II ist
eine Verbform, die vom Präteritum eines Verbs
abgeleitet ist; z.B. ‚wäre’ von ‚war’ (Prät. von
‚sein’).“
b) zur Funktion: „Der Konjunktiv
II zeigt an, dass das Ausgesagte nicht unbedingt tatsächlich sein muss.“
c)
Beispiel: Der Schwimmer klagt, ihm
wäre schlecht.
10. Anwendung: Die Schüler
schreiben nun einen Paralleltext, in dem ein Sportler der eingebildete Kranke
ist. Vorgabe an der Tafel: Ein Sportler denkt , ...
und Ersatzproben zu „denkt“ an der Tafel: Er meint, vermutet, befürchtet ....
Statt „Sportler“ kann auch „Turner, Schwimmerin...“ eingesetzt werden.
11. Kontrolle: Durch
Überprüfung der Texte, die als Hausaufgabe durchgeführt werden können. Die
Mitschüler identifizieren nach dem Zuhören jeweils die Konjunktiv II - Formen.
→ Diese Schritte
bedeuten keine Zerlegung des Unterrichts in 11 Phasen - vielmehr erfolgen sie
in Beobachtungs-, Nachdenk- und Gesprächsphasen im Verbund: 1.-3.,
4.-8., 9 und 10 oder 11!
Alternativen/Verzweigungen
- Die Stunde kann auch
eröffnet werden mit einer Folie, die die Situation des Textes visualisiert: Ein
griesgrämiger älterer Mann sitzt im Sessel und wirkt krank; Denkblase mit
Thermometer und Medizin o.ä. Daneben steht ein Arzt mit Stethoskop. - Die Schüler beschreiben die Figuren, die
Denkblasenebene und den kommentierenden Arzt. Sie erfassen vorprägend die
Atmosphäre um einen „Griesgram“; ggf. Klärung des Begriffs. Sie unterscheiden
schon Gedachtes und Tatsächliches.
- Bei Schritt 7 fällt den
Schülern evtl. auf, dass nicht alle analog stehenden Verben die Form Konjunktiv
II haben: s. Z.7-10. Die für das Verständnis von Lyrik bedeutsame Rolle der
Abweichungen vom formalen Schema eines Gedichts kann dann als Aspekt des
Teilbereichs „Umgang mit Texten“ thematisiert werden: Warum wird im Zentrum des
Gedichts vom Konjunktiv-Muster abgewichen? In welchem Aussagezusammenhang
geschieht das? Welche Bedeutung mag das Rauchverbot haben? etc. - Formal ist zu
sehen, dass das Modalverb „soll“ und die auch modal zu verstehende Futurform
„werde“ die Funktion des Konjunktiv II übernehmen
können.
- Bei Schritt 10 kann die
Ersatzprobe dazu dienen, die den Komplementsätzen übergeordneten Verben genauer
zu betrachten: nicht-faktitive Verben erzeugen Aussagen, die wahr oder falsch
sein können.
- Weitere Anwendungen des
eingeführten Konjunktivs erfolgen dann in der Fortführung der Sequenz.
3. Fortsetzung der
Sequenz: weitere Nutzung des
Kontextes
Text 4 dient
dazu, dass die Schüler Konjunktiv II-Stellen identifizieren. Neu zu
thematisieren ist das Problem, dass oftmals die Pluralform des Konjunktivs II
nicht vom Präteritum Plural zu unterscheiden ist und dass in diesem Fall die „würde-Ersatzform“ angewandt wird. Dies geschieht oft auch
zur Umgehung ungebräuchlicher Umlautformen. Entsprechende Stellen werden
beobachtet, an die Tafel gebracht, umgeformt etc.: Noch glaubt alle Welt, Trainer und Schützling pokerten...
........ , ...... würden ......... pokern.
Der Trainer meinte, sie benützten...
........ , sie würden ....... benutzen.
Dieser Text bietet inhaltlich
die Möglichkeit, auf das Problem einzugehen, dass die Öffentlichkeit einem
tatsächlich erkrankten Sportler nicht glaubt. Die Skepsis ist hier durch die
enttäuschte Medaillenerwartung bedingt. Andererseits kann ein Sportler unter
dem Stress, eine Goldmedaille tatsächlich holen zu müssen, psychosomatisch
erkranken und somit seine tatsächliche Erkältung bekommen.
Text 5 soll
eine Gestaltungsmöglichkeit zur Anwendung des grammatischen Phänomens bieten:
Die Schüler schreiben auf der Grundlage der Textvorlage ein Interview, in dem
ein Sportreporter den Sportdirektor, den Bundestrainer, den persönlichen
Trainer und den Physiotherapeuten misstrauisch zur Form der Leichtathleten
befragt. Reporter: „Herr Blattgerste, in Reporterkreisen heißt es, Harald
Schmidt wäre nicht in Form.“ etc. Die Schüler wenden bei der Umformung des
Zeitungstextes den Konjunktiv II an geeigneter Stelle an.
Mit Text 6 werden nun Hintergründe für Simulation oder Flucht in
Krankheit oder tatsächliche Erkrankung inhaltlich erarbeitet. Konjunktiv-Stellen
können ermittelt werden. Die „aber-Probe“ wird im
Text explizit vorgeführt. Das Thema Einbildung wird erweitert um die „vorab
bereitgelegte Ausrede“. Zur Reflexion
über Sprache gehört hier das Gespräch über den Wahrheitsgehalt von Aussagen und die Einschätzung, was als
„Einbildung“, als „Simulation“ oder gar als „Lüge“ zu bezeichnen wäre. Der Standpunkt
des zahlenden Publikums lässt sich bei letzterer Einschätzung einbeziehen. - In
einem Rollenspiel könnte der Reporter ein Gespräch mit dem Sportler führen und
nachfragen, warum er bei dem Zehnkampf nicht weiter antreten mag/kann. Der
Rollenspieler des Sportlers kann einmal eher glaubwürdig antworten, einmal eher
nach Ausreden suchend. - Der letzte Satz des Textes kann eine mündliche
und/oder schriftliche Erörterung der Frage eröffnen: „Angesichts des Versagens
der Sportler muss man sich fragen, ob denn allein sie dafür verantwortlich
sind.“
Text 7 dient
dazu, aus der Perspektive des Siegers die Sicht des Sportlers einzubringen, andererseits
aber auch die Abhängigkeit dieser Sportler von Sponsoren, Fernsehanstalten zu
verdeutlichen. Konsequenzen des Versagens beim Sport können gefolgert werden:
der Geldhahn wird zugedreht. Die allgemeine Fragestellung zur olympischen Idee
kann mit dem Impuls eröffnet werden: „Groß glaubt, Olympia stünde allen offen,
- alle Sportler hätten gleiche Chancen.“ Aktuelle Fälle aus dem Sport ließen
sich in die Erörterung des Problems einbeziehen.
Didaktischer Zugriff:
Integration der Teilbereiche
In der Sequenz kommt es zur
Textrezeption von literarischen Texten (1, 3) und Sachtexten (2, 4, 5, 6, 7);
d.h. zur Problem- und Textanalyse.
Bei der Textproduktion
geht es um problemverarbeitende Erlebniserzählungen
oder Rollentexte (1), um perspektivische Fortsetzungstexte (2), um einen
Paralleltext zu einem vorgegebenen Text unter Veränderung der Textfigur (3), um
ein Interview (5) und um Erörterungen (6, 7).
Reflexion über Sprache erfolgt zum Wortfeld Tatsache-Einbildung-Simulation-Täuschung-Lüge
(1-6); zu Form und Funktion des Konjunktivs II nach nicht-faktitiven Verben
(3-6); dabei wird mit der Ersatzprobe und der „aber-Probe“
gearbeitet (3, 6).
Mündliche Kommunikation entwickelt sich bei der Erörterung von Handlungen und
Reaktionen (1), im Anschluss an die Rollentexte (1), in Rollenspielen (2, evtl.
5, 6), bei der Beschreibung der Situation (Folie: 3), bei den Problemerörterungen
zum Sport (1,6,7) und bei dem Gedichtvortrag (3).
Varianten zum
Sequenzverlauf:
- Varianten des Einstiegs:
sofort mit Eugen Roths Gedicht beginnen und dann erst auf den Sportbereich
wechseln; oder mit Material 8 und mit den Ursachen für die Probleme von
Sportlern beginnen, mit 7 ergänzen und die Perspektive der Sportler als Sieger,
Versager und Medienhelden einnehmen;
- aktuelle Veränderungen der
Sequenz durchführen; die Schüler selbst entsprechendes Material einbringen
lassen;
- sich mit den eigenen
Erfahrungen und Einstellungen zum Sportunterricht konfrontieren;
- Zusammenhang zwischen den verba dicendi (sagen, erklären
sprechen etc.) und den Verben des „Denkens“ (denken, meinen, glauben,
vermuten...) herstellen: Gesamtbereich der nichtfaktitiven Verben, die „nicht
unbedingt die Wirklichkeit des Ausgesagten“ voraussetzen (K. Lottmann, S.48). In der indirekten Rede wie bei der
Wiedergabe von nur Gedachtem ist Konjunktiv I oder II möglich; die Verwendung
von Konj. II erfolgt in der Regel mit Bedacht
(Funktionen kontrastieren); s. Text 3, Z.9;
- Anschluss zu Sequenzen Konjunktiv II
(irreal./potent.); Ausgangspunkt evtl. bei Text 4: „Wenn Henkel noch einmal 10
Jahre alt wäre, würde er wohl nicht mehr Leistungsschwimmer werden.“ - „Wenn er
keine Medaille bekäme, würde er viel Geld verlieren.“
- Einschub von
Übungs-/Arbeitsblättern zu den Formen bei Text 3 oder 4: Identifizieren,
Selektieren, Sortieren der Formen aus gegebenen Sätzen; Umformungen von
Konjunktiv II - Stellen in Indikativ und umgekehrt; Sätze aus dem Themenbereich
Sport!
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Quellenangabe zum Material
1) aus: G.Wohmann, Ländliches Fest. Darmstadt: Luchterhand 1968, (SL 204/1975), S.106-111
2) aus: Kölner Stadtanzeiger, 21.9.1988
3) aus: E.Roth, Der Wunderdoktor. München: Hanser 1950, S.72
4) nach: Kölner Stadtanzeiger, 24.9.1988
5) aus: Kölner Stadtanzeiger, 21.9.1988
6) aus: Vorwärts Nr.37, 12.9.1987, S.40
7) aus: Stern 34/1984
Literatur zum Thema
Ludwig, Otto: Könnten wir uns abfinden mit einer Sprache ohne Flügel? Zum Konjunktiv. In: PD 71/1985, S.16-24
Lottmann, Klaus: Der eingebildete Kranke und der Konjunktiv. In: PD 71/1985, S.48-50
Becker, Peter (Hg.): Sport und Höchstleistung. Reinbek: rowohlt
Blödorn, Manfred (Hg.): Sport und Olympische Spiele. ebd.
Franke, Elk
(Hg.): Sport und Gesundheit. ebd.
Molière, Jean-Baptiste: Der eingebildete Kranke. Stgt.: Reclam
Neuere Fassung einer
Sequenzplanung, s.:
Einecke, Günther: Fokussieren - auf die sprachliche Ebene lenken. In: DU 6/1996, 10 ff. -
und in: Ders.: Auf die
sprachliche Ebene lenken. Gesprächssteuerung, Erkenntniswege und Übungen im
integrierten Grammatikunterricht. In: Albert Bremerich-Vos
(Hrsg.): Zur Praxis des Grammatikunterrichts. Freiburg: Fillibach
1999, 125-191
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Eigene Planung einer Kurzsequenz
Thema/Material/Texte
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Ziele/Lernstoff
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Material: verschiedene Medien, offene Folge / Pool |
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zentrales grammatisches
Phänomen in den Texten: natürlich, stark repräsentiert,
funktional |
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zentrale Textsorte, Kontext, Kerntext |
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Formen: Abklärung des gram.
Sachverhalts |
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Inhaltsebene / Sachthema |
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Funktionen: semantische,
syntaktische, pragmatische / kommunikative, stilistische |
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Schülerbezug zum Thema |
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Lernbereich der |
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Lernstoff zur Textsorte |
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Anbindung |
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ggf. didakt.
Reduktion |
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Weg/Methode
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Unterrichtsschritte für
einige Stunden |
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Phasen der Sequenz -
Materialfolge - Teilziele |
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Arbeit in der Inhaltsebene
und an der Textsorte |
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Festlegung der Stunde für
die Induktion |
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Art der Fokussierung |
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induktive Erarbeitung des grammat. Phänomens und Reflexion |
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Merksatz zur Form und
Funktion |
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Arten der Übung und
Kontrolle |
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Zurückführung zur Arbeit an
der Textsorte |
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Methodisierung im
einzelnen: Arbeits- und Sozialformen |
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© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de