Günther Einecke
Deutsch Sekundarstufe II: Sprachbewusstheit
Aufbau prozeduralen sprachlichen Wissens
Unsere Grammatik funktioniert im „prozeduralen
Gedächtnis“; Grammatikunterricht baut daneben im „deklarativen
Gedächtnis“ eine metareflexive Beschreibungssprache
auf. Diese bezieht sich nicht automatisch auf unsere Sprache. Unsere
sprachlichen Operationen brauchen keine Beschreibungen, das „Monitoring“ wird von praktischen Gesichtspunkten geleitet.
Sprachbeschreibung hingegen ist an ihrem Gebrauch für sprachliches Handeln
nicht interessiert. ... reflexive Tätigkeiten [können] die Entfaltung der
kommunikativen Kompetenzen ermöglichen, steuern, kontrollieren und auswerten. (Ingendahl 1999, 11, 15)
Prozeduren sprachbewussten
Lernens und Verhaltens
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Prozedur |
Beschreibung / Beispiel |
► Sprachgebrauch
optimieren, korrigieren, variieren:
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sprachliche Varianten
bilden und prüfen,
um Verständigungsprobleme zu lösen |
Sprachbewusst agiert eine
schreibende Person, wenn sie bei der Konzeption von Äußerungen explizit - wenn auch „in Gedanken“ - aus einem
Bestand an sprachlichen Varianten wählt und die geeigneten
im Kontext erprobt, bis die der Intention entsprechende gefunden ist. (Bei
sprechenden Personen geschieht dieser Akt blitzschnell im Kopf und wird nicht
immer explizit vorgenommen.) - Zentral ist das Lernprinzip: →
Eine sprachliche Aufgabe lässt mehrere Lösungen zu! → neues Lernen nach
der TIMSS-Studie Zum Beispiel der Einsatz
von Passivvarianten: „Dein Beitrag wird von keinem verstanden.“ a) man-Form: Man versteht deinen Beitrag nicht. b) lassen- + sich - +
Infinitiv-Form: Dein Beitrag lässt sich nicht verstehen. c) Verbform von
"sein" + Adjektiv: Dein Beitrag ist für alle unverständlich. d) Verbform
von "sein" + Infinitiv: Dein Beitrag ist nicht zu verstehen. e) Adverbial: Beim
Verstehen deines Beitrags hat man Schwierigkeiten. g) Infinitiv-Form: Kaum
zu verstehen, dein Beitrag. i) Imperativ-Form:
Versteh einer deinen Beitrag! Ähnlich z.B. „Varianten der genauen Kennzeichnung“ von Personen und Sachverhalten: Adjektive, Attribute, Relativsätze, Appositionen, Urteilssätze... - „Varianten der Orts-/Zeitangaben“ - „modale Varianten“ - Satzbauvarianten etc. |
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Selbstkorrektur betreiben |
Als
normales Verhalten unterstützen - Toleranz üben: Beiläufig und wie
selbstverständlich korrigiert sich ein Sprecher selbst im Verlauf des
Sprechens: Als ich alles weggeräumt hab
... hatte, ging ich zum Kursraum
zurück. |
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Fremdkorrektur geben und annehmen |
Man
kann sich im mündlichen Sprachgebrauch
gegenseitig korrigieren, z.B. in Form der eingerichteten Tandem-Arbeit : Je
zwei Schülerinnen und Schüler führen im Unterricht, in Partner- oder
Gruppenarbeit wie beiläufig gegenseitig Korrekturen aktiv durch und nehmen
passiv entgegen. - Dann und wann wird die Praxis explizit durch die
Lehrperson im Unterricht thematisiert. |
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Formulierungshilfe
beim Schreiben geben oder nutzen |
Korrektur lesen, gegenlesen - Formen der Schreibkonferenz
(s.u.) - beim Schreiben am Computer den Thesaurus
nutzen ... |
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Dialekteinflüsse
beachten |
z.B.
als Fehlerursache: sie schlübfd
(schwäbische Konsonantenerweichung), scheibschenweise (rheinische ch/sch-Verwechslung),
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Code switching beachten |
Sprachebenen und Sprachvarietäten explizit
thematisieren, gezielt trainieren: z.B. umgangssprachliche Wendungen - hochsprachliche Formulierungen unterscheiden, Ton z.B. in
einem Bewerbungsgespräch - bei einer Beschwerde; Fachsprache in
verschiedenen Fächern; adressatenbezogen gewählte Sprache: Dialekt im
Freundeskreis, in der Pause - Standardsprache als Unterrichtssprache; etc. |
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Wortschatz
erweitern |
Eine Wortschatzliste zu einem wichtigen
Thema, z.B. „Öko-Lyrik“, aus einem Zeitschriftenartikel exzerpieren und der Klasse
vorstellen (z.B. als Wandzeitung). Leseumfeld anlegen: Beim Lesen
Wörterbuch und Lexikon benutzen. Bereichsspezifisches
Vokabular aufbauen: z.B. textsortenspezifisches: Wendepunkt, Perspektive, lyr. Ich etc.; z.B.
medienspezifisches: Aufmacher, Layout, Adressaten, etc. Erstellung
eines Wortfelds, einer mind map oder
eines Clusters zu einem komplexen
Begriff: z.B. Cluster:
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Regelverstöße
erkennen |
Bezugsfehler,
idiomatische Verstöße: z.B. Kontamination (= falsche Wortkombination, Phrasenmischung):
* "Sie bekamen Panik."
Korrekt: "Sie gerieten in Panik." Oder "Sie bekamen
Angst." -
beim Schreiben am Computer das Grammatik-Korrekturprogramm einsetzen, aber kritisch,
da auch Fehllösungen vorgeschlagen werden! |
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Texte überarbeiten |
„writing“
und „rewriting“ als Grundhaltung: Texte sind
Manuskripte, für die explizit Überarbeitungsverfahren auf verschiedenen
Ebenen eingesetzt werden: die inhaltliche Prüfung, die Antizipation,
wie ein Text beim Adressaten ankommt, die Fehlerkorrektur,
die Stilprüfung
(s.u.), die Kontrolle in der Ebene der Textstruktur und in der Formulierungsebene: ESAU-Regel (Einecke 1999, 167): ERGÄNZEN - wo eine Lücke auffällt STREICHEN - wo etwas überflüssig erscheint AUSTAUSCHEN - wo ein Wort, Satz, Textteil nicht
passt UMSTELLEN - wo die Reihenfolge der
Satzglieder, Gedanken oder Abschnitte unstimmig ist. Einsatz
weiterer „Proben“ (ebd., 184 ff.): - Paraphrase, Aber-Probe, Passivprobe,
Klangprobe... V i e r Verständlichmacher (Bayer/Seidel 1979): 1.
EINFACHHEIT - Gegensatz:
Kompliziertheit 2.
GLIEDERUNG - Gegensatz: Unordnung 3.
PRÄGNANZ - Gegensatz:
Weitschweifigkeit 4. STIMULANZ - Gegensatz: Reizlosigkeit |
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Schreibwerkstatt
etablieren |
Schreibkonferenz oder Tandem
(Textentwürfe individuell - Textkritik
und Textbewertung kollektiv):
Schülerinnen und Schüler schreiben und besprechen ihre Texte untereinander: u.a. Stilprüfung: Modewörter (echt), Flickwörter (irgendwie, nun, auch),
Sprachbildfehler (falsche Bereiche verknüpft: Heute werden Bücher vom Fernsehen vertrieben. Durch mangelndes
Interesse gerät das Zusammenleben ins Wanken.), Bürokratendeutsch (Durch Unterlassen der ...), Satzkomplexität: Zumeist werden zu viele
Informationen in einen Satz gepackt - Regel: Neue Informationen in neue
Sätze! - Stopfsätze
(zu viele Attribute und Adverbiale in einem Satz), Kettensätze (zu lange Reihung
von Haupt- oder Gliedsätzen), Schachtelsätze (zu starke Verschachtelung von
Gliedsätzen), Krüppelsätze (fragmentarische Sätze, ohne Subjekt, Gliedsätze
für sich gestellt ohne Hauptsatz etc.) - Beispiele finden und variieren. |
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in Gesprächen Redesignale und Metakommunikation
einsetzen |
-
advance organizer als Mittel der
Hörerführung bei mündlichen Darbietungen einsetzen: Ich beginne mit ... als nächstes werde ich... -
explizite Redesignale nutzen lernen: Ich
beziehe mich auf Inga ... du hast
soeben gesagt ... ich möchte das Gegenteil behaupten ... meine Rückfrage an
XY... -
in einer metakommunikativen Vorausschau
den Ablauf eines Gesprächs antizipieren, damit Gesprächsrollen, Gesprächsziel,
Initiativen und Mittel vorbedacht sind: Wir
werden zu einer Entscheidung kommen müssen
... unsere Argumente können wir mit ... stützen... - in einer metakommunikativen Rückblende die erfahrene Kommunikation reflektieren: Die eine Gruppe hat sich mit ihrer Lautstärke durchgesetzt ... XY haben sich nicht ans Thema gehalten ... PS sind auf Fragen ausgewichen... |
► Sprache bewusst
wahrnehmen - über Sprache sprechen:
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Sprache
thematisieren |
explizit
die Grundeinstellung aufbauen: „Es
kann jederzeit über Sprache gesprochen werden.“ - über sprachliche
Unklarheiten, Fremdes, Unbekanntes, Komisches, Überraschendes - über
Schülersprache, Lehrersprache, Fachsprache, schriftliche und mündliche
Sprache - über Durchsagen, Aushänge und Rundschreiben - über Sprache in
Lehrwerken und Fächern - über Gesprächsformen, Anreden, ... |
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sprachliche
Auffälligkeiten registrieren |
auffällige
Sprachverwendung in der „sprachlichen Umwelt“:
-
Mehrdeutigkeiten an der Autobahn: „Sie fahren mit Abstand am besten.“ -
Missverständliches: „kurabgabepflichtiger Strand“ -
Worte der Woche (Rubrik in: DIE ZEIT): „Das Auto ist völlig problemlos
beherrschbar.“ (1997 Nr. 48 ) |
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Aktualitäten-Wand einrichten |
Augen
und Ohren offen halten und auf der Pinwand aktuelle sprachliche Beobachtungen
festhalten: eine Anzeige: „Jeder, der
in nächster Zeit schwanger wird, sollte...“ - ein Plakat unterwegs: „bärenstarke gebrauchtwagen“ - TV-Nachrichten: Kollateral-Schäden (im
Kosovo-Krieg 1999 für u.a. Bombentote!) |
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öffentliche
Sprachaktionen aufgreifen |
Selbst
Beiträge erörtern und Begründungen ausgestalten für: Wort des Jahres - „Sprachhunzer des Monats“ (s.u. Verein z. Wahrg.
d. dt. Sprache) - „Sprachpanscher des Jahres“ (ebd.) - Unwort des Jahres (s.u. Schlosser/ Inst. f. dt. Spr.): z.B. 1996 Rentnerschwemme (falsches, angstauslösendes
Naturbild für einen sozialpolitischen Sachverhalt) - Gesundheitsreform (missbräuchl.
Verwendung des positiv besetzten Begriffs „Reform“) - ... - Wort des Jahres (dt. Sprachrat): z.B. 2004 → „Habseligkeiten“ (wegen der besten Begründung: Das Wort verbinde lexikalisch den irdischen Besitz und die im irdischen Leben unerreichbare Seligkeit; es beschreibe mit einem freundlich-milden Unterton kein Vermögen, sondern die bescheidenen Besitztümer von Kindern oder Obdachlosen und erzeuge so positive Gefühle. – Dagegen politisch: Verharmlosung in wirtschaftliche engen Zeiten; dagegen linguistisch: Habseligkeiten < Habsel-igkeiten, Habsel bezeichnet die „Gesamtheit“ dessen, was jemand hat, und das z.T. noch pejorativ vgl. Füllsel, Geschreibsel) |
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an einer
Medien-Debatte teilnehmen |
z.B.
Deutsch als Europa-Sprache, s. EU-Konferenz 1999 in Finnland; die Debatte um
die lingua franca Englisch; das Aussterben von Sprachen;
die Entstehung der Sprache; die Rolle der Sprache beim Lernen; das Sprachbewusstsein
der Franzosen; die Reaktionen auf eine Formulierung in einer Politikerrede;
Wahlkampfslogans etc. |
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auf Werbung reagieren |
mit
Denkblasen, Sprechblase auf Werbung reagieren: Steak's
vom Grill - Conny's Stricklädchen - Das Ende des Chaos
- Menü’s heute; „Der
Abend war ein einziger Genuss“, sagte er. „Nur ein einziger?“, fragte sie. -
„Sie haben ein Recht auf den günstigsten Strom in Deutschland.“ RWE 7/8 1999
- ... |
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Leserbriefe
schreiben |
auf
einen auffälligen Sprachgebrauch in einem Zeitungsartikel oder im TV mit
einem Leser-/Zuschauerbrief reagieren: z.B. Was soll das mit der Schreibform
„MontagsMovie“? → Montagsmovie“
oder „Montags-Movie“ und „Spielfilm am Montag“?
- sich an einer Medien-Debatte zur
Sprache beteiligen... |
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Kommunikation
reflektieren |
in
Texten, Gesprächen und in eigenen Beiträgen beobachten z.B.: - Sachbezug und
Adressatenbezug - Inhalts- und
Beziehungsaspekt - Nutzung von Rederecht
und Redeinitiativen - Grad an Sachlichkeit
oder Emotionalisierung - Gerüchtebildung und
Wahrheitsgehalt - Selbstdarstellung und
Achtung des Partners |
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Fallstudien
betreiben |
Texte
am schwarzen Brett; Sprache in Erlassen; „Rede“ auf einer Schülerversammlung;
Formularsprache... |
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Sprachprojekt
durchführen |
Beobachtungsgang:
die sprachliche Umwelt in Werbung, Geschäftsbezeichnungen, Schaufensterauslagen
etc.; Beobachtung
der Sprache bei einem Straßenfest, in einer Popshow, einer Talkshow, in Videoclips
etc. |
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Sprache facherübergreifend reflektieren |
Sprache
in einem anderen Schulfach, z.B. schwierige Texte im Chemiebuch -
sprachliche Anforderungen an eigene Texte in anderen Fächern -
Fachsprachlichkeit - divergierende Definitionen ... |
►Sprachkritik üben:
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sprachlichen
Missbrauch registrieren |
Vorurteile,
Euphemismen, Diskriminierungen, Verschleierungen, Lügen, Verleumdungen, falsche
Verdächtigungen, etc.: „ethnische Säuberungen“, Anwendung von
Hygienevorstellungen auf soziale Sachverhalte als schlimmster Euphemismus
für Völkermord (s. Krieg in Bosnien, im Kosovo; vgl. „Rassenhygiene“ unter
den Nazis) kritisch: „Asylant“: Asylant -
Asylbewerber - Asylberechtigte - Flüchtling - Ausländer - Fremde - Migranten
- Einwanderer... |
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phraseologischen
Sprachgebrauch untersuchen |
Erwartet
wird von Sprechern das authentische Sprechen, ihre individuelle und
unverwechselbare Redeweise; dahinter steht das Bild vom einmaligen Subjekt.
Tatsächlich benutzen wir in der Sprachgemeinschaft vorgefertigte Redeformen
und Sprachmuster; dahinter steht die Teilhaberschaft jedes Einzelnen an der
Sprachgemeinschaft und Sprachkonvention. Neben Redensarten, Sprichwörtern,
Slogans, Parolen und Klischees gibt es weitere Versatzstücke der Phraseologie: idiomatische Wendungen,
in denen vorgestanzte sprachliche Formeln die
Wirklichkeitsausschnitte, Denkbilder und ideologischen Verarbeitungsmuster
einholen: „der kleine Mann“, „der Mann
auf der Straße“, „wir sitzen alle in einem Boot“, „das liegt nur an der
Frauenquote“, „wir Unternehmer“, etc. |
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Sprachmoden
registrieren |
Wenn
man darauf achtet, merkt man, dass eine Zeit lang bestimmte Formulierungen
verstärkt auftreten, u.a. durch TV-Jugendkanäle verstärkt: „Hast du das verstanden? - Nicht
wirklich.“ - „Die Autos stießen im Kreuzungsbereich zusammen.“ - Alles klar?
- Kein Thema! - Viel Spaß! - Schönes Wochenende! ... |
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Fremdwortgebrauch
prüfen |
z.B.
Anglizismen - Notwendigkeit oder Selbstdarstellung? - „Eine wichtige Voraussetzung für Credibility ist Awareness – im Bewusstsein der Menschen präsent sein. Etwa: ‘Wir müssen für die duale Abfallbeseitigung und das Kreislaufwirtschaftsgesetz mehr Awareness in der Bevölkerung schaffen.’ Das beste Tool (Instrument), um ins Bewusstsein seiner Target group (Zielgruppe) zu gelangen: Emotions (Emotionen) auslösen und die Message (Botschaft) so oft wie möglich penetrieren (wiederholen). Die Strategie der Kreativen lautet: Wer häufig penetriert, bei dem erhöht sich der ‘Gesamtwerbedruck’....“ (http://www.elle.de/PED/PEDC/pedc09.htm) |
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Sprache dialektisch
sehen |
Formeln
der politischen Sprache von zwei Seiten sehen, aus den
Perspektiven der Reichen und Armen, der Gewinner und Verlierer, der
Mächtigen und Ohnmächtigen - „von oben und von unten“, nach Vorteil und
Nachteil, nach Schein und Wirklichkeit: z.B.
Deutschland als „kollektiver
Freizeitpark“ (1993 ein Kampfbegriff in der Diskussion um den „wirtschaftlichen
Standort“ Deutschland)
„Freizeitpark“
→
Anwenden auf: „Innovation“, „Leistung“, „Fortschritt“, „Freizeit“, ... |
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Sprache
ideologiekritisch sehen |
Den
parteilichen Sprachgebrauch in
Wirtschaft, Politik, Gesellschaft daran messen, wem die Art der Formulierung
nützen soll: -
Um welches
Problem geht es im Text, im Satz, im Begriff? -
Welche Intention
verfolgt der Text: Wogegen wendet er sich? - Wofür plädiert er offen oder verdeckt? -
Wer oder was
soll diffamiert werden? -
Zu wessen
Vorteil oder Nachteil gerät die Äußerung oder Forderung? -
Wessen
Interessen sollen gerechtfertigt werden? -
Welches (einseitige)
Lösungsmodell liefert der Text? -
An welche
Gruppe, Schicht, Kreise oder Klasse appelliert die Ideologie? z.B.
Friedenstruppen, Steuerreform, Freisetzung, Wohnpark, Seniorenresidenz,
Sonderdeponie, Grüner Punkt ... |
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mit Sprache sich
wehren |
Sprechpläne entwickeln (Wagner 1978): Ein
Sprechplan ist ein Reaktions- und Verhaltensmuster, mit dem man sprachliche
Konfliktsituationen zu beherrschen versucht; mit Sprechplänen kann man schon
das erwartete sprachliche Verhalten seines Gegenübers antizipieren und die
eigenen Initiativen und Reaktionen vorbedenken oder gar spielerisch erproben,
z.B. in antizipierten Dialogen oder durch Denkblasen zu Fremdäußerungen: z.B.
Jemand wird beschuldigt. ► Reaktionen: Er/Sie verlangt eine
Begründung, weist den Vorwurf zurück, weist die Art der Formulierung zurück,
weist den Vorwurf der Sache nach zurück, erhebt einen Gegenvorwurf, gibt
teilweise zu, bittet um Entschuldigung, verweist auf eine andere Person etc. |
► Sprachwissen anwenden,
aktualisieren, erweitern:
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lexikalische
Strategien einsetzen |
Nachschlagen - für das Textverstehen wichtige Begriffe aus
einem Wörterbuch suchen und die neuen Wörter der Lerngruppe erklären; schwierige Wörter
herleiten:
aus der Wortfamilie wie Fuhre von fahren - aus der Fremdsprache über
verwandte Begriffe wie fungieren
vgl. Funktion - aus
Internationalismen wie „Server“, „action“, „feeling“,
„Globalisierung“ (Volmert, 1999) schwierige Wortkomplexe
auflösen:
Nominalisierungen, Komposita ... Fremdwörter in Zeitungsartikeln / im
Straßenbild sammeln: Fitness Center, outfit, know-how, dress for success etc. ein
individuelles Fremdwörterheft
anlegen |
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semantische
Strategien einsetzen |
- Wortbedeutung
erschließen:
- Definition: Ober- und
Unterbegriff, Merkmale der Unterscheidung - lexikalische Bedeutung: in
Lexika nachschlagen, konventionelle B. - Kontextbedeutung - „Fenster“ in Texten zu Architektur,
Computergebrauch, Astronomie... - semantische Felder in einem Text auffinden,
d.h. Wörter, die der Bedeutung nach zu einem Schlüsselwort gehören: zu Armut
z.B. frieren, hungern, Arbeitslosigkeit, Penner, herumstreunen, betteln,
Almosen... - Begriffe präzisieren: Das ist ein Text, ein
Aufsatz, ein Bericht, ein Unfallbericht ... - Struktogramme erstellen: sinnfällige
Strukturierung eigenen Lernstoffs in Tabellen, Diagrammen, Grafiken,
Bildern, Mindmaps, „Spickzetteln“ - zur Reduktion von Informationen und
Konzentration auf Zentren (Klippert 1995) - Konspekt zu den zentralen Begriffen
eines Textes und zu ihrer gedanklichen Verknüpfung anlegen: als Struktur-
oder als Flussdiagramm - thematischen Wortschatz
erstellen:
Umweltschutz, Schadstoffe, Abwässer, verklappen, ... - selektives Lesen: Themenstichwörter in einem Zeitschriftenartikel / Sachtext
unterstreichen - Vorwissen aktualisieren:
Texte vorentlasten, Begriffe notieren - Assoziationen /
Konnotationen zu einem Begriff einbringen |
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grammatische Fachbegriffe
wiederverwenden |
einmal
eingeführte Fachbegriffe immer wieder nutzen, als Lehrer wie als Schüler: statt „Der Nebensatz zeigt doch...“
besser: „Der Konditionalsatz zeigt
doch...“ |
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grammatische Fachbegriffe
im Exkurs wiederholen |
Wiederholungsschleife z.B. zu einem
syntaktisches Teilsystem: Bei der Untersuchung spezifischer Gliedsätze im
Rahmen von Argumentationsanalysen steht z.B. die Unterscheidung von Kausal-,
Final-, Konsekutiv- und Konditionalsatz an; hier ist es zumeist nötig, die
Gliedsatzform überhaupt zu sichern; dazu erfolgt der Rückgriff auf:
Endstellung des finiten Verbs/Personalform des Verbs - Konjunktion am Anfang
des Satzes - Adverbialsatz etc. - und der Rückgriff auf die Sprecherintention:
Zweckangabe, Begründung, Bedingung... |
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grammatische Fachbegriffe
im Exkurs ausbauen |
z.B.
ein semantisches Teilsystem:
Begründungssätze leisten - z.B. im Verwendungskontext des Forderns, der
Verteidigung, des naturwissenschaftlichen Experiments - Varianten des
Begründens: Rechtfertigung, Ursachenbegründung, Zweckbehauptung, Beweis,
Beleg, Zitat, Bezeugung, statistisches Ergebnis, Erklärung etc. z.B.
ein systematisches Teilsystem:
Modalsystem - Varianten der Modalität wie Konjunktiv, Modalverben, Modalsätze,
Modaladverbiale, Interjektionen (ach, oh ), modale Konjunktionen (indem...),
modales Futur (Sie werden das schon wissen.) etc. |
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Begriffe erörtern |
Verwendungsweisen
von Wörtern; Abgrenzung zwischen Wörtern; historische Bedeutungsverschiebungen;
fachspezifischer Gebrauch von Wörtern; epochenspezifische Wortwahl; Polysemie;
konventionelle Bedeutung und individueller Gebrauch; Definition... -
„Wort gesucht: Das Gegenteil von 'durstig'“ - Was bedeutet „Rücksicht“?
- Was ist noch „Satire“? - Was ist „Europa“? |
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sprachanalytische
Methoden einsetzen |
grammatische
Analyse:
Wortwahl, Syntax, Modal- und Tempussystem, textgrammatische Formen (Erzähl-,
Argumentationsverfahren ...), und ihre Funktionen für die Textaussage, die
Leserlenkung, die Wirkung; stilistisch-rhetorische
Analyse:
Adressatenbezug, Textwirkung, Stilebenen, rhetorische Figuren,
Formulierungsaufwand; Glaubwürdigkeit, Angemessenheit, Richtigkeit, Wirksamkeit;
semantische
Analyse:
Schlüsselbegriffe und zentrale Bedeutungseinheiten, semantische Felder,
Konnotationen, Phraseologie, sprachliche Register, Formen der Verständnissicherung,
sprachliche Varietäten; Argumentationsanalyse: Textintention und
Redestrategien, Behauptungs-, Begründungs- und Beweisverfahren, Argumentationsarten,
appellative Formen, ... Kommunikationsanalyse: Situationsanalyse -
Handlungsanalyse - Rede-/Gesprächsanalyse und die Verflechtung dieser drei
Ebenen; Handlungssteuerung durch Sprache; Mittel der Verständnissicherung;
sprachliche Formen der Kooperation und der Konfliktgestaltung etc. |
|
Texte verfremden,
um Intentionen und Wirkungen zu erproben |
-
Einen Text mit vielen Satzgefügen in reine Parataxen verändern. - In einem Text alle Nomen durch Pronomen ersetzen oder umgekehrt. -
Einen Text aus der Vergangenheit in die Zukunft verlegen. -
In einem Text alle Attribute oder Adverbiale weglassen. -
Einen Dialog in Prosa verwandeln. -
Aus einem Text zentrale Abschnitte weglassen. -
Abschnitte eines Textes umstellen. -
Teile eines Textes in einem anderen Stil verfassen. etc. |
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Sprachen kontrastiv
sichten, interkultureller
Vergleich |
Wahrnehmung
von Mehrsprachigkeit;
Begegnungssprachen, Zielsprachen und Unterrichtssprache; Sprache
kontrastiv betrachten, dabei Unterschiede sehen: -
im Inhalt z.B. gram. Begriffe wie future tense, Futur, Zukunft; -
in der Bedeutung von Begriffen wie Freund
- friend - ami; - „falsche Freunde“, d.h. ähnliche Wörter in Deutsch und Fremdsprache, die Bedeutungsgleichheit suggerieren, aber doch Verschiedenes bedeuten: z.B. span. éxito = Erfolg, nicht wie dt. Exitus = Tod; span. feria = Messe (Handels~), nicht wie dt. Ferien = Urlaub; span. artístico = künstlerisch, nicht wie dt. artistisch; ... -
unterschiedliches Sprach- und Gesprächsverhalten bei Mitschülern
ausländischer Herkunft im „multikulturellen Klassenzimmer“ -
bei Internetpartnerschaften und e-mail-Austausch
sprachliche Vermittlungsprobleme, Kommunikationsbarrieren und
Übersetzungsphänomene erörtern |
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Grammatik-Telefon
und Internet nutzen |
sprachliche Zweifelsfälle klären durch Anfragen an Sprachberatungsdienste
(s.u.) - Internetangebote, Chats, Datenbanken zum Thema Sprache erforschen |
Literatur:
Antos, Gerd (Hrsg.): Fremdheit in der Muttersprache. DU 6/1997
Augst, Gerhard: Schreiben als Überarbeiten. In: DU 40/1988, 51-63
Baurmann,
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Einecke,
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Klippert, Heinz: Methoden-Training. Weinheim: Beltz
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Liedtke,
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Linke, Angelika/ Voigt, Gerhard: „Sprache
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Luchtenberg, Sigrid: Language Awareness-Konzeptionen.
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Rüschoff, Bernd / Wolff, Dieter:
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Schiewe, Jürgen: Die Macht der Sprache. Eine
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Siehr, Karlheinz: „Sprachkritik“,
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und die Begegnung mit Sprachen. In: DNS 6/1993, 510-531
Wolff, Dieter: „Lernen Lernen“.
In: Lernmethoden Lehrmethoden. Friedrich Jahresheft 1997
Grammatisches Telefon - Sprachberatung
Bibliographisches
Institut Mannheim Sprachberatung: Tel.: 0190 / 87 00 98 (Mo. - Fr. 9 - 17 Uhr)
E-Mail: duden@bifab.de
Grammatisches
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E-Mail: gt@germanistik.rwth-aachen.de
Gesellschaft
für deutsche Sprache,
Sprachberatung:
Tel.: 0611/9 99 55 55 (Mo. - Fr. 9 - 12.30 Uhr, Mo. -
Do. 14 - 16 Uhr)
Das
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Unwort
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