Drei fachdidaktische Zugriffe auf Texte - Phasen im
Arbeitsweg - Unterrichtsphasen (G. Einecke)
1. Der kognitiv-analytische Literaturunterricht
Textanalyse und
argumentierende Interpretation - hermeneutisches Verfahren
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1. Textrezeption - subjektiv Leseeindrücke - Leseschwierigkeiten - Wirkung; Wiedergabe der
inhaltlichen Schwerpunkte des Textes ▪ möglichst spontane Reaktion nach dem Lesen/Hören |
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► Ich-Aussagen, Assoziationen, darstellende Sätze |
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2. Hypothese zur Textaussage - subjektiv vorläufiger Verstehensansatz in 1-2 Sätzen ▪ i.d.R. Ausgangspunkt bei einer Schlüsselstelle, zentralen
Handlungen, Motiven, Themen, Aussagen, beim Titel, einer besonderen
Auffälligkeit - mit Blick auf den ganzen Text; oftmals lässt sich daraus die
Aufgabenstellung ableiten, was nun genauer am Text zu untersuchen ist; in
höheren Klassen lässt sich das mit der Methodenreflexion verbinden, wie man
dabei vorgehen kann |
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► behauptende Formulierungen, Vorschläge |
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3. Textanalyse - objektiv - Beobachtung und Beschreibung der auffälligen Textmerkmale und
Darstellungsmittel: Wortwahl, semantische Felder, Satzbau, Textgliederung,
stilistische und rhetorische Mittel, Verschlüsselungen, Bildsprache,
Sprechakte, Kommunikationsverhalten, Funktionen der grammatischen Mittel, Perspektive,
Metrum, Reim, Strophe, ... - Feststellung der vom erwarteten, normalen Sprachgebrauch deutlich
abweichenden sprachlichen Mittel sowie der von einer Regelhaftigkeit
abweichenden Stellen - Beobachtung und Erklärung der Struktur des Textes, der Beziehungen
zwischen einzelnen Textelementen: Kontrast, Analogie, Spiegelung; Opposition
und Äquivalenz, Steigerung; logische, temporale, pronominale Verknüpfung
etc. ▪ Die Beobachtungen müssen für alle anderen Leser/Hörer
nachvollziehbar und am Text überprüfbar sein. |
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►beschreibende und erklärende Formulierungen |
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4. Interpretation - subjektivà intersubjektiv - Zusammenschau der Motive, Intentionen etc. der Textfiguren - Übersetzung der Bild- und Symbolebene - Aussagen über die Bedeutung des Textes im ganzen und in seinen Teilen - Deutung des Sinnes - Entschlüsselung des verborgenen Sinnes - Verständnis vom eigenen Leseinteresse her - Erschließen der Textintention (ggf. der Autorabsicht) ▪ Die Aussage über die Bedeutung wird durch wichtige Textstellen und die Ergebnisse aus Schritt 3 gestützt:
Man argumentiert „mit dem Text“ und macht so sein Verständnis anderen
Lesern/Hörern plausibel. ▪ Evtl. Rückbezug zur Hypothese: Bestätigung, Verwerfung,
Veränderung, Einschränkung, Erweiterung, Konkretisierung, Präzisierung in
einer abschließenden These zur Textaussage |
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►deutende, erklärende, wertende Formulierungen ►Textzitate und Belegstellen zur Beweisführung |
2. Der produktionsorientierte Literaturunterricht
Produktive
Textrezeption - gestaltende Verfahren
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1. Textrezeption - subjektiv Leseeindrücke -
Leseschwierigkeiten - Wirkung; Entdeckungen; Ansatzpunkte für die eigene
Produktion aufgreifen ▪ möglichst spontane Reaktion nach dem Lesen/Hören |
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►Ich-Aussagen, Assoziationen, Ideensammlung |
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2. Produktion - individuell oder kooperativ - Planung der eigenen Produktion, Sichtung der möglichen
Produktionsformen, Auswahl, Entwürfe - z.B.: Textfortsetzung zu einem Textausschnitt; Paralleltext;
Gegengeschichte; Textpuzzle; Reihenfolge von Textabschnitten rekonstruieren; Zeilenmix entwirren; Ausgestaltung eines Textkerns, einer
„Leerstelle“; Umschreiben von Texten aus anderen Perspektiven, in andere
Gattungen/Textsorten; szenisches Interpretieren; Standbilder zu Szenen;
literarische Rollenspiele: aus der Rolle anderer Textfiguren z.B. Briefe,
Dialoge schreiben, Textfiguren hinzuerfinden und agieren lassen;
Entscheidungsstellen alternativ fortführen; bildlich gestalten: zu einer
Textstelle ein Comic-Bild, ein Storyboard-Bild,
Farbcollagen, ...; multimedial umsetzen; Rezension, Textkritik; etc. - Ausführung der Ideen und Entwürfe ▪ i.d.R. in einer Form, die allen zugänglich gemacht werden
kann, damit darüber gesprochen werden kann, Bereitschaft zur Veröffentlichung
vorausgesetzt; |
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►textsortenspezifische Produktion, Darstellung |
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3. Darbietung der Produkte - inszeniert - Vorstellung, Vortrag, Spiel, mediale Vermittlung etc. - Rezeption der Produkte der Mitschüler ▪ Die Darstellungen müssen so ausgearbeitet sein, dass die
Rezeption durch die Klasse (mit Genuss) möglich ist. Es bietet sich an, eine
Reihe von Produkten geschlossen vorzustellen, damit aus der Präsentation ein
Ereignis wird. |
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►Formen der schriftl., mündl., medialen
Präsentation |
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4. Auswertung der Aktion - intersubjektiv - Gespräch über den Reiz der verschiedenen Produkte - Herstellen von Bezügen zum Originaltext - Nutzung der Erfahrung für eine neue Sicht des Textes - Phase der Kognitivierung - Bewusstmachen: Was, wie und warum wurde so
produziert? - Vergleich zwischen Schülerprodukt und Originaltext: Ansatz für die
eigene Produktion; - Beobachtung der „Steuerung“ durch das Original (steuernde
Textkonstituenten); - Unterschiede in der Gestaltung und Wirkung; Festmachen der
Unterschiede am Einsatz unterschiedlicher Mittel der Textsorte,
Schreibweisen, sprachlichen oder medialen Mittel - ggf. Neuinterpretation des Ausgangstextes nach der Vermittlung der
Schülerbeiträge ▪ es wird zu wertenden und erklärenden Beiträgen den
Produkten gegenüber kommen; der Reiz der eigenen Produkte ist in ein
Verhältnis zur Wirkung des Originaltextes zu bringen |
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►Gesprächsbeiträge; neues Lesen des Textes; Textbezüge |
3. Der rezeptionsorientierte Literaturunterricht
Leserorientierte Textrezeption -
selbstreflexive Verfahren
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1. Textrezeption - subjektiv Leseeindrücke - Leseschwierigkeiten -
Wirkung; Entdeckungen; ggf. Einsatz der Formen des „verzögerten Lesens“ (pre-reading activities:
Vorgespräch, Cluster, Mind Map
zum Thema, Brainstorming zum Titel, Collage zu den Texterwartungen, Eingabe
des Textes als Lückentext zur individuellen Füllung, in Abschnitten, ohne
Schluss etc.) ▪ möglichst spontane Reaktion nach dem Lesen/Hören; es ist
zu entscheiden, ob dieser Schritt öffentlich geschehen soll, denn dabei käme
es zu gegenseitiger Beeinflussung |
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►Ich-Aussagen, Assoziationen, darstellende Sätze |
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2. Konkretisation
- subjektiv Festhalten der eigenen Vorstellungen, Ausarbeitung bestimmter
Erlebniskerne oder Textstellen, Kommentierung, Meinungsäußerungen von
unverbindlichem Charakter; etc. ▪ z.B. in schriftlicher Form, damit darüber gesprochen
werden kann, Bereitschaft zur Veröffentlichung vorausgesetzt ▪ z.B. in fiktiven Formen (Tagebucheintrag, Interview, ...) ▪ z.B. in kommentierenden Formen (Glosse, Textmarginalien/Randkommentare,
...) |
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► darstellende, kommentierende Formulierungen |
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3. Veröffentlichung der Konkretisation
- subjektiv - Darstellung der verschiedenen Lesarten - Zurückhaltung der Zuhörer und gegenseitige Akzeptanz - Toleranz verschiedener, auch widersprüchlicher Beiträge ▪ Die Darstellungen müssen schon so ausgearbeitet sein, dass
ihre subjektive Sicht für andere nachvollziehbar ist. |
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►darstellende Formulierungen, Schülervortrag |
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4. Austausch über die Schülerbeiträge - intersubjektiv - Beobachtung und Erklärung der unterschiedlichen Leserrollen, der
verschiedenen Leseweisen, der Zuordnung zu Lesertypen, des „Gebrauchswertes“
der Ausgangstexte - Beobachtung: Wie wurden die „schematisierten Ansichten“ (s. Iser)
individuell durchbrochen? - Beobachtung der Ausweitung durch verschiedene Leser, der Anregung
durch die Entdeckungen und Beiträge der anderen - Beobachtung der Kristallisationspunkte für Konkretisationen
im vorliegenden Text; Austausch über die Gründe für die Wahl dieser Punkte: a) aufgrund der Darstellungsform des Textes, b) aufgrund der Leserbiographie - ggf. Feststellung der Deckungsbereiche im Textverständnis und in den
Schülerbeiträgen - ggf. Vergleich mit einer
Textinterpretation ▪ nicht zu ausgiebige diskursive Behandlung, da sonst der
Reiz der eigenen Entdeckungen untergeht |
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►Gesprächsbeiträge; Gesprächsbilanz; ggf. Textbezüge |
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