Lernbereich Sprechen
Gestaltendes Sprechen - Vorlesen - Vortragen - Rezitieren
Leseinszenierung - szenisches Lesen
Aktuell im Blick:
09.09.2002
- Gedichte beruhigen
Herz und Gemüt
NEW YORK, 06. September (Reuters Health) - Der rhythmische Klang der Poesie, der so manche Liebenden betört, kann auch dem Rezitierenden gesundheitlich gut tun. Einer neuen Studie der Universitäten Bern und Witten/Herdecke zufolge wirken Gedichte beruhigend auf Herz und Nerven des Vortragenden.
http://www.svakt.ch/therapeutische-sprachgestaltung/file/html/Boehringer%20Ingelheim%20-%20medw.pdf
Didaktik:
Es gibt eine lange Tradition im Deutschunterricht, besonders unter dem fachdidaktischen Ansatz des "musischen Deutschunterrichts": das gestaltende Sprechen. Es ist verbunden mit mindestens zwei Intentionen: Sprechen...
als ästhetische Erfahrung, als die aisthesis (Wahrnehmung) selbst, d.h. als Klangerfahrung im Zusammenspiel von Stimme und Körperlichkeit mit dem gesprochenen oder gehörten Text
als methodischer Weg, einen Text zum Klingen zu bringen und ihn so besser zu verstehen
,aisthesis‘ - Dieser Begriff umfasst nach einer Definition von Hentigs sowohl die „Fähigkeit, die Wahrnehmung und Gestaltung der eigenen Umwelt zu genießen, zu kritisieren, zu verändern, als auch das Verständnis der gesellschaftlichen Bedingungen und Wirkungen ästhetischer Phänomene und die Ich-Stärkung durch Sensibilisierung der Perzeption“ (von Hentig: Allgemeine Lernziele der Gesamtschule. 1975 - hier nach: Ingrid Paus-Haase: Ein Kompass durch den Mediendschungel. http://www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/paus_kompass/paus_kompass.html)
Gestaltendes Sprechen als Element der musischen Erziehung hat seit der Antike einen ganzheitlichen Ansatz:
Gymnastische und musische Erziehung bilden gemeinsam die Seele (Platon: Politeia
410a, 412a). Die musische beginnt vor der gymnastischen Erziehung und umfasst
auch die Dichtung (Politeia 376e). Nur Gutes darf nachahmend dargestellt werden
(Politeia 394c/d).
"-
Die erzieherische Beschäftigung mit der Rezeptivität und Produktivität der
Sinne steht bei der ästhetischen
Akzentsetzung nicht primär unter irgendeinem fachlichen oder vorberuflichen
Verwertungsinteresse; es geht da nicht gleich um Dienlichkeit und funktionellen
Gebrauchswert, sondern es geht um das Empfinden, Hervorbringen und Beurteilen ästhetischer
Bedeutsamkeit. Letztlich schult die ästhetische Erziehung auch nicht nur
bestimmte Vermögen (wie etwa die Phantasie) oder Organe, sondern stellt den
ganzen Menschen in einen anderen, von der alltäglichen Zweckorientierung
abgehobenen, eigenen Sinnhorizont. Mit dem ästhetischen Verhalten
korrespondiert vielerlei, auch manches Problematische, aber es verbinden sich
mit ihm auch spezifische Steigerungsmöglichkeiten des Lebens, die mit der
Kommerzialisierung ihre Unschuld verlieren.
-
Man könnte auch sagen: Ästhetische Erziehung hat »Entrohung« im Auge.
Eruditio (Entrohung) ist der im Mittelalter noch gebräuchliche Begriff für die
(gelehrte) Bildung. ... Differenzierung und Sensibilisierung der Sinne und des
Urteilsvermögens sowie Abstimmung und wechselseitige Förderung aller Kräfte
im Menschen sind seit der Aufklärung und dem Neuhumanismus Aufgaben der ästhetischen
Erziehung im Kontext einer umfassenden Menschenbildung. Das steht hinter W. v.
Humboldts Formulierung, wenn er 1809 schreibt: Es gehe nicht nur darum, Kinder
lesen, schreiben und rechnen lernen zu lassen, »sondern daß alle Hauptfähigkeiten
seines Körpers und
seiner Seele in möglichster Zusammenstimmung entwickelt und geübt werden ...
« ...
-
In der Schulwirklichkeit sehen die Verhältnisse freilich oft ganz anders aus.
Ästhetische Erziehung bleibt da, man braucht sich nur die
Besitzstandbehauptungen von Haupt- und Nebenfächern, die Ansiedlung in
besonders geeigneten und ungünstigen Stundenplanzeiten oder die Praktiken bei
der Vertretung erkrankter Kollegen ansehen, in der Marginalität. Musische
Aktivitäten steigen vorübergehend im Kurs, wenn in der Schule eine Feier
ansteht oder die Repräsentation in der Öffentlichkeit eine
gewisse Originalität verlangt." (Gottfried Bräuer: Zugänge zur ästhetischen
Elementarerziehung. 1989 - http://www.uni-tuebingen.de/uni/sea/ap-SS2003/Br%E4uerAeErz.pdf
Seit
dem "Pisa-Schock" wird das Lernen an der Schule zunehmend auf
Kosten der musischen Fächern rationalisiert. Dabei liefert die musische
Erziehung erst die Voraussetzungen für konzentriertes Lernen und für die Persönlichkeitsentwicklung
der Kinder. Wolf Singer, Direktor der neurophysischen Abteilung des Max-Plank-Institutes für Hirnforschung in Frankfurt, stellt fest: beim Tanzen,
Musizieren, Theaterspielen, Zeichnen werden vor allem die kommunikativen
Fertigkeiten der Kinder und Jugendlichen geschult und Kommunikation ist die
Basis aller Entwicklung. "Der Weg zum Kopf muss durch das Herz geöffnet
werden."(Friedrich Schiller) h.maubach
(in: http://www.fvs-roesrath.de/sophiechen2/Idee.htm
- Freiherr-vom-Stein-Schule
Rösrath)
Kernlehrplan Deutsch Sek. I Gymnasium. NRW 2004
Anforderungen S I: Sprechen und Zuhören
Die Schülerinnen und Schüler verfügen über kommunikative Handlungsfähigkeit:
• Sie halten einen kürzeren freien Vortrag.
• Sie nehmen sachbezogen an Diskussionen teil.
• Sie halten ein thesen- oder notizgestütztes Referat.
• Sie haben Formen gestaltenden Sprechens und Darstellens auch im freien Vortrag und im szenischen Spiel kennen gelernt und setzen diese als ein Mittel der Interaktion, aber auch der Textinterpretation ein.
Aufgabenschwerpunkt: gestaltend sprechen / szenisch spielen |
| 5/6 | 7/8 | 9/10 |
|
11. Sie sprechen
gestaltend (Artikulation, Modulation, Tempo und Intonation, Mimik und
Gestik).
12. Sie tragen kürzere Texte auswendig vor. (als
Möglichkeit der Texterschließung erproben)
13. Sie setzen beim szenischen Spiel verbale und nonverbale Mittel bewusst ein und erproben deren Wirkung. (in der Darstellung eigener Erlebnisse, Haltungen, Situationen)
Schwerpunkt der unterrichtlichen Arbeit |
11. Sie setzen sprechgestaltende Mittel bewusst ein. (z.B. bei Nachfragen, Beschwerden, Entschuldigungen)
12. Sie tragen Texte sinngebend, gestaltend (auswendig) vor. (z. B. Balladen)
13. Sie erschließen sich literarische Texte in szenischem Spiel (Inszenierung einfacher dramatischer Texte) und setzen dabei verbale und nonverbale Ausdruckformen ein. (z.B. Standbilder, Improvisationen, Pantomimen, Dialogisierungen; evtl. Video-Feedback nutzen)
Schwerpunkt der unterrichtlichen Arbeit |
11. Sie verfügen über sprechgestaltende Strategien.
12. Sie vertreten in Rollenspielen ihre eigene Position (insbesondere Bewerbungsgespräch); sie gestalten Rollen im szenischen Spiel; sie verknüpfen in freier Rede Argumentation und Appell.
13. Sie erarbeiten mithilfe gestaltenden Sprechens literarischer Texte und szenischer Verfahren Ansätze für eigene Textinterpretationen; sie gestalten Rollen im szenischen Spiel. (z.B. Empfindungen und Gefühle von Personen in Konfliktsituationen im szenischen Sprechen darstellen; durch unterschiedliche sprecherische Gestaltung von Textstellen kontroverse Deutungen realisieen) |
7/8: Typ 2. vortragend gestalten (nonverbale und verbale Ausdrucksformen einsetzen), z. B. a) dialogische Texte b) Gedichte
9/10:
Typ 2.
vortragend gestalten, z. B. a) dialogische Texte b) Gedichte
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Lehrplan Deutsch Sekundarstufe II Gymnasium/Gesamtschule. NRW 1999
Bereich Sprechen - Aufgabenschwerpunkt: Formen des gestaltenden Sprechens weiterentwickeln und üben
Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Fähigkeiten zu gestaltendem Sprechen weiterentwickeln u.a. durch:
klare Artikulation
Zuwendung an die Zuhörenden
angemessene Körpersprache
Beachtung elementarer rhetorischer Grundsätze
wirkungsvolles Sprechen literarischer Texte. (S. 11)
Der Deutschunterricht stellt zunächst solche produktionsorientierten Verfahren zur Verfügung, die auch beim freien Sprechen und Schreiben angewandt werden, z.B. Methoden
...
der Umsetzung von Texten in Bilder, Musik oder Bewegung
des Rollenspiels, der Simulation
der szenischen Interpretation eines Textes bis hin zur Inszenierung oder Verfilmung (S. 29)
Methodik
Günther Einecke: Gestaltendes Lesen als interpretierendes Lesen
- Sprechvarianten als Basis der argumentierenden Interpretation -
Schülerinnen und Schüler üben – quasi in einem Sprechlabor – den klanglich gestaltenden Vortrag von literarischen Texten, sowohl lyrischen als auch szenischen Texten. Sie erarbeiten dabei die Texte: Das lesende Erarbeiten kombiniert im Wechselspiel die wiederholten variierenden Versuche zum gestaltenden Sprechen eines Textes oder Textteils mit einer intersubjektiven Verständigung der an den Sprechversuchen beteiligten Sprecher und Hörer über den Sinn einer Textstelle, die im Sprechen erprobt wird. Die Schüler überprüfen dazu ihre Vortragsform am Text; sie untersuchen den Text darauf, ob die Sprechweise mit der Textintention zusammenpasst; sie argumentieren also mit dem Text für oder gegen eine Sprechweise: s. argumentierendes Interpretieren, s. szenisches Interpretieren.
Vorarbeit - Aufwärmen: Die Schüler müssen erst einmal ihre Stimme kennen lernen und erproben! In der Regel sprechen sie beim Vortragen viel zu leise und ängstlich. Also zunächst wie beim Stimmtraining von Sängern üben: an kurzen Sätzen, auch Nonsenssätzen richtig laut brüllen, kreischen, rufen, befehlen etc. (Varianten der lauten Stimme) - ebenso flüstern, tuscheln, zischeln, vertraulich sprechen (Varianten der leisen Stimme) - so auch Varianten des schnellen/langsamen/lustigen/traurigen Sprechens, des rhythmischen/metrischen Sprechens, des Dialogs, des Monologs etc. Pausen, Pausen, Atmen, Atmen: Stimme als Organ erleben und zur Wirkung bringen. Echtes Training, richtig action! -
Dann vom Einfachen zum Schwierigen, je nach Altersstufe; von kurzen einfachen Texten, dann (interpretierend) zu schwierigeren, bis z.B. zu Goethes "Prometheus" oder einer Szene aus dem "Faust" oder einem Monolog-Teil von Th. Bernhard.
Wenn es um Gedichte geht, nicht beliebige Texte heranziehen, sondern sinnvolle Textgruppen zusammenstellen: z.B.
- thematisch "Entfremdung" - "Die erste Berührung" - "Alt und Jung" - "Hier oder in der Ferne" ;
- motivvergleichend "Vom Fliegen" - "Wald und Bäume" - "Am Fenster";
- epochenbezogen: synchronistisch "Politische Lyrik des Vormärz" - "Romantische Lyrik" - "Liebesgedichte der Neuen Sachlichkeit", diachronistisch "Europäische Liebesszenen von der Antike bis zur Moderne" (s. FACETTEN) - "Revolutionstexte 1848- 1989";
- gattungsbezogen: Balladen - Sonette - Parodien - Gebrauchslyrik - ...;
- stimmungsbezogen: ernst und heiter - nachdenklich und provokativ ...
(s. Anthologien z.B. Karlheinz Fingerhut u.a.: Politische Lyrik / Liebeslyrik / Naturlyrik. Frankfurt: Diesterweg 1981-1985)
Bei offener Textwahl: Einerseits von den Interessen der Schülerinnen und Schüler ausgehen und sie Texte vorschlagen lassen, andererseits - ggf. kontrastiv - Text-Klassiker vorgeben.
Wenn es um szenische Texte geht, sind vor allem die Rollenvorgaben für das Sprechen zu klären und für die argumentierende Interpretation zu nutzen; hierzu bietet sich das Erstellen einer Personenkonstellation und einer Rollenbiographie sowie einer Rollenkarte im Vorfeld an. Und es sind die situativen Bedingungen in einer Szene zu klären, sowohl aus der Rekonstruktion des Konfliktverlaufs heraus als auch aus den Regieanweisungen. Wie beim szenischen Interpretieren kann die Sprechsituation durch ein Standbild vorgestaltet werden, so dass die Sprecher in die innere Situation der Figuren einsteigen können. Dabei müssen die Schülerinnen und Schüler den Subtext einer Szene erfassen: Entspricht das, was gesprochen wird, auch dem Gemeinten oder gibt es einen Unterschied zwischen Oberflächenstruktur und Tiefenstruktur? - Im Unterschied zum szenischen Interpretieren bleibt es dann allerdings, unter Verzicht auf die körperliche und räumliche Bewegung, beim gestaltenden Sprechen. Zur Erleichterung erfolgt das gestaltende Sprechen mit Unterstützung des Textblatts in der Hand. Das Sich-Lösen vom Blatt und die Aufnahme des Blickkontakts zum Dialogpartner beim Sprechen ist dann eine Steigerung.
Progression: zunächst einfache Dialoge erproben, z.B. selbst verfasste Dialoge zu einem Alltagproblem, Streit- und Versöhnungsdialoge - dann von Loriot-Dialogen - zu Gesprächsszenen aus Gegenwartstexten (bes. Jugendtheater-Beispiele etwa in: "Theater heute") - zu komplexeren Gesprächsszenen in dramatischen Texten des literarischen Kanons, für die als Schwierigkeitsgrad, auch beim Sprechen, vor allem die historische Differenz zu beachten ist.
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Möglicher Ablauf eines Unterrichtsvorhabens: Vorphase: Ausprobieren von Stimme und Klängen, von monologischem, dialogischem, chorischem Sprechen etc. - Einhören in den Typus von öffentlichen, professionellen Gedichtvorträgen: Lutz Görner, Rilke-Projekt, Hörbücher etc. - Aufbau des Beschreibungsvokabulars für die Kennzeichnung von Sprechweisen, wie es später bei der Arbeit an Texten Anwendung findet: a) beschreibend: laut, leise, hell, dunkel, schnell, langsam, stark, schwach, betont, unbetont. abgehackt, flüssig etc. b) charakterisierend/wertend: aufgeblasen, ängstlich, euphorisch, zurückhaltend, fröhlich, schwärmend, traurig, müde, unterwürfig etc. Rezeptionsphase: an Lesestationen Texte auswählen (zu Textgruppen s.o.) Produktionsphase: die gewählten Texte in Formen der Lese-Erarbeitung für den Textvortrag aufarbeiten: a) exemplarische Erarbeitung im Plenum zu ein, zwei Texten gemeinsam: die Optimierungskette von Vortragsversuch > Textlupe zu einzelnen Stellen > Textargumente für eine Vortragsvariante > erneuter Vortragsversuch... Dabei Kriterien des „gestaltenden Sprechens“ vereinbaren, z.B.: Textgestalt, Metrum, Rhythmus, Pausen, Sinnbögen und Stimmführung / Textakzente und Betonung / Textinhalt und Sprechinszenierung, Einsatz der Stimme / ggf. Rolle und Stimm-Casting / Kontakt der Dialogpartner durch gelungene Anschlüsse; Beschreibungsvokabular nutzen b) selbständige Erarbeitung- und Übung: Einüben von Textvorträgen in sich selbst kontrollierenden kleinen Teams nach Erstellung von Anregungen, Zielen und Kriterien; dabei argumentierendes Interpretieren bis zum optimalen Vortrag; Selbstkontrolle der Optimierungskette: an einem großzügig geschriebenen Text auf breitem Rand die Stimmführung notieren und Textargumente für die Sprechweise zuordnen evtl. Zwischenphasen: Hintergrundinformationen über Epoche, Autor, zeitgenössisches Publikum, Gattung, Motivtraditionen etc. Recherche und Informationen, die die Textkenntnis anreichern Präsentationsphase: zum Genuss, zur Unterhaltung, zur kritischen Wahrnehmung aller inszeniert Evaluationsphase: zu einzelnen Textvorträgen - nach Kriterien, zum Vorhaben nach gesamtem Lernfortschritt und zum Nutzen der Methode des gestaltenden Sprechens |
Unterrichtsideen:
Oft genutzte Zielsetzung eines Unterrichtsvorhabens, vor allem als Abschlussveranstaltung, wenn das UV projektartig angelegt wird:
Das literarische Café
Dies
ist eine Verbindung von Textvortrag und „Bühnen-/Kaffehaus“-Inszenierung im
Raum, mit karger Kulisse, mit Musik, mit Beleuchtung, mit
Power-Point-Projektionen, ggf. mit Mikrofon, ggf. mit pantomimische
Begleitformen etc. – Festlegung der Auftrittsfolge – die Anzahl der
Texte müsste von der geplanten Dauer der Veranstaltung sowie der Länge der
Vorträge, Musikeinblendungen und Extras (Kaffee-/ Tee- /Saft-Ausschank etc.)
abhängig gemacht werden. Generalprobe für das „Literarische Café“ mit
Ton-/Videomitschnitt über Kassettenrekorder Camcorder o.ä. - danach der Abend
selbst.
Das Hör-Feature
Gestaltendes Sprechen als Teilaufgabe für die Produktion eines Hör-Features: s. Feature und Hör-Feature
Hörtexte ins Netz
Gestaltendes Sprechen als Unterrichtsvorhaben zur Veröffentlichung des mitgeschnittenen Hörprodukts - dann Upload in Podcasts oder Open-Source-Audio-Homepage, z.B. bei: http://librivox.org/list-translated-pages-german/
Gestaltendes Sprechen und Reflexion über Sprache:
Wolfgang
Menzel: Wortstellung
nach
Äsop Die Mäuse und die Katzen
Die
Mäuse führten wieder einmal Krieg gegen die Katzen.
Dabei
erlitten sie wie gewöhnlich eine Niederlage.
Also
versammelten sie sich zu einer Beratung.
Hier
kamen sie zu der Auffassung, dass sie die Niederlagen wegen ihrer ständigen
Uneinigkeit einstecken mussten.
Darum
erwählten sie einige aus ihrer Mitte zu Feldherren.
Diese
sollten sich von den übrigen Mäusen dadurch unterscheiden, dass sie auf ihren
Köpfen große Hörner trugen.
Dadurch
sollten sie den Katzen Furcht einflößen.
Wenig
später führten die Mäuse eine weitere Schlacht.
Verloren
haben sie diese aber auch.
Die
Mäusesoldaten schlüpften noch in ihre Löcher,
ihre
Feldherren jedoch passten wegen der Hörner nicht hinein.
So
wurden sie von den Katzen gefangen und verspeist.
Zur
Sache:
Die
Übertragung dieser Fabel ins Deutsche ist ein sehr schön aufgebauter Text.
Jeder Satz schließt an den vorhergehenden durch ein Beziehungswort an, das mit
einem Wort oder mit einem Sachverhalt des vorausgehenden Satzes korrespondiert:
Die
Mäuse führten wieder einmal Krieg gegen die Katzen.
←
Dabei erlitten sie
wie gewöhnlich eine Niederlage.
←
Also versammelten sie sich zu einer Beratung.
←
Hier kamen sie zu der Auffassung ... usw.
Am
Anfang eines Satzes steht das „Thema“, diejenige Größe also, welche für
die Information des Lesers als bereits bekannt anzusehen ist. Am Ende eines
Satzes steht dann jeweils das für die Kommunikation Neue; man nennt es das
„Rhema“ einer Aussage. Der Aufbau der Sätze verläuft also vom Thema zum
Rhema: erst niedriger Informationswert, dann höherer, das Bekannte vor dem
Neuen oder das Bekanntere vor dem weniger Bekannten. Man hat so etwas den
„zunehmenden Informationswert“ von Sätzen in einem Text genannt. Man könnte
das etwa so sichtbar machen:
←Dárum
/ wählten ←sie / einige aus ←ihrer Mitte / zu Feldherren.
Liest
man einen solchen Text vor, dann wird diese Struktur melodisch hörbar: Das
erste Wort erhält einen melodischen Hochton (Tonhöhe), danach sinkt die
Melodie kontinuierlich bis auf den Tiefton ab. Doch auf dem letzten Wort liegt
ein Akzent (Tonschwere). Vom Flötenton zum Paukenschlag. Das hat auch etwas zu
tun mit emotionaler und informativer Wichtigkeit. Mit der Tonhöhe signalisieren
wir emotional die Beziehung, mit der Tonschwere kognitiv die Information. So
musikalisch geht es in deutschen Sätzen fast immerzu, wenn man nur hinzuhören
gelernt hat.
Aufmerksam
hinhörend haben Sie gewiss vernommen, dass ein Satz
der Fabel aus der Reihe tanzt: Verloren
haben sie diese aber auch. Hier
steht am Satzanfang das Rhema, das Wichtigste. Das ist eine ganz besondere
Instrumentation: Flöte mit Paukenschlag! Welche Emotion und welche Spannung
zwischen verloren
... und
... auch!
Die
Musik eines Textes muss natürlich gut komponiert sein. Sie gelangt weder zu Schönheit
noch zu Überzeugungskraft, wenn man die Sätze anders baut, etwa so:
Die
Mäuse führten wieder einmal Krieg gegen die Katzen.
Sie
erlitten wie gewöhnlich Niederlagen dabei.
Sie
versammelten sich also zu einer Beratung.
Sie
kamen hierzu der Auffassung,
dass
sie wegen ihrer ständigen Uneinigkeit die Niederlagen einstecken mussten.
Sie
wählten darum einige zu Feldherren aus ihrer Mitte ...
Das
sind Sätze in der unmarkierten Folge vom Subjekt über das Prädikat zu den
anderen Satzgliedern. Richtig, - aber nicht eben schön.
s. auch G. Einecke: "Autorenmanuskripte"
Materialien
Stimmtraining - Sprechtechniken:
http://www.movie-college.de/filmschule/schauspiel/stimmbildung.htm
http://www.movie-college.de/filmschule/schauspiel/stimme2.htm
http://www.movie-college.de/filmschule/schauspiel/stimme-vokale.htm
Sprechen und Textarbeit:
http://www.movie-college.de/filmschule/schauspiel/textarbeit.htm
Übungen mit der Stimme:
http://www.blueprints.de/content/view/17/28/
Rezitier-Training:
Frühlingsgedichte vortragen:
Szenisches Interpretieren:
http://www.impuls-ifs.de/downloads/sint.pdf
http://www.teachsam.de/deutsch/d_schreibf/schr_schule/protex/protex10.htm
http://www.teachsam.de/deutsch/d_schreibf/schr_schule/protex/protex10.htm
http://www.lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/gym/texte/materialien/szene/
http://www.bbst-clp.de/index.php?id=33,148,0,0,1,0
Wirkungen der Stimme:
http://www.erste-eindruck.de/stimmtonlagenundihrewirkungMT.htm
Bedeutung der Stimme:
Funktionales Stimmtraining:
http://www.stimmbildung.com/funktionale-stimmpaedagogik2.html
Erotik der Stimme:
Stimme – Das Instrument in Sprechberufen:
www.uni-koeln.de/hp-fak/sp/sempro/stimmhaus/stimmh3.doc
Erfolgreiche Stimme:
http://www.birgitabrameit.de/Stimmtraining/Seite/seite.htm
weitere Links:
http://www.leitz.com/deDE/KnowHow/Stimmtraining.html#
http://www.luft-zum-leben.de/lzl/e132/e139/e1711/content_ger.jsp
http://www.methode.de/am/rd/amrd003.htm
http://www.jobnet.at/services/career_infos.php?page_id=365&listing_partition=1
http://www.magazintraining.at/Stimme0704.pdf
http://www.cantus.org/theorie/gesang/stimme.htm
Literatur
http://www.lohengrin-verlag.de/Artikel/Sprachgestaltung.htm
(J. W. Ernst: Was heißt “Sprachgestaltung”?
http://admin.learnline.de/angebote/deutschesprachefoerdern/medio/sprachlich/szen7.html
(Markus Schrader: Anregungen für die Integration szenischer Anteile in den Fachunterricht. Bremen 2002 - mit Beispiel: Rilke: Der Panther)
http://homepage.rub.de/Annette.Moennich/_pdf/moennich_2005_literatur_du_heute.pdf
(Annette Mönnich: Literatur zum Lernbereich Sprechen im Deutschunterricht.2005)
http://www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/kopfermann_rhetorik/kopfermann_rhetorik.pdf
(Thomas Kopfermann: Rhetorik – ein Spiel? Praktische Rhetorik in der Lehrerausbildung und -fortbildung. 1998. – mit Übunsbeispielen)
http://www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/wermke_plae/wermke_plae.pdf
(Jutta Wermke:
„Der
verborgene Sinn“. Plädoyer für eine Grundschule des Hörens. 1995)
http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/nullpunkt/rtf/heissenbuettel_kalkulation.rtf
(Hermann
Korte: Helmut Heißenbüttel: Kalkulation über was alle gewußt haben. Essen
2000 – Unterrichtsskizze zu gestaltendem Lesen)
http://www.gesprochenes-wort.de/sprecherensemble.htm
(Vortragsprogramm-Beispiel: Akademie für gesprochenes Wort. Stuttgart 2005)
http://www.uni-tuebingen.de/uni/sea/ap-SS2003/Br%E4uerAeErz.pdf
(Gottfried Bräuer: Zugänge zur ästhetischen Elementarerziehung)
deutsch. betrifft uns. 4/91: Zugänge zur Lyrik; deutsch. betrifft uns. 5/92: Freies lyrisches Gestalten
Förster, J. (Hrsg.): Schulklassiker lesen in der Medienkultur, Stuttgart 2000 (poststrukturalistische Literaturtheorien)
Kopfermann, Thomas : LesenSprechenLesen. Deutschunterricht (Westermann) 2/2004 (Basisartikel)
Pabst-Weinschenk,
Marita (Hrsg.): Grundlagen der Sprechwissenschaft und Sprecherziehung. München:
Reinhardt 2004 [UTB 8294] - Darin: Grundlagen
des interpretierenden Textsprechens (Ortwin Lämke) 3.1.4 Textsprechen als
"Interpretation" 3.1.5 Hellmut Geißner: "Theorie des
interpretierenden Textsprechens" 3.1.6 Eva-Maria Krech:
"Vortragskunst" 3.1.7 Norbert Gutenberg: Textsprechen als Form ästhetischer
Kommunikation
Payrhuber, F.-J.: Gedichte im Unterricht einmal anders, 3. A. München 1996
Spinner, Kaspar H.: Szenisches Vortragen von Gedichten. In: Ensberg, Diegritz, Hübner, Schuster (Hrsg.): Deutschunterricht. Zugang zu den Lernenden finden. Braunschweig: Westermann 2000, 101 ff.
Stocker, K.: Wege zum kreativen Interpretieren: Lyrik, Hohengehren 1993
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Aus der Schulpraxis
http://www.jugendclub-schloss19.de/angebote/singundstimm.htm
Projektwoche - Gestaltendes Sprechen
Gestaltendes Sprechen - Was soll man sich darunter vorstellen? Eine kleine Gruppe von 9 Schülern hatte sich unter Führung Frau Heylands zusammengefunden um Gedichte und Texte aus der Zeit der Jahrhundertwende zu rezitieren und etwas Rhetoriktraining zu betreiben. Wir begannen mit Sprachübungen und einem kleinen Gedicht namens "Ode an die Buchstaben", um unsere Aussprache und vor allem das deutliche Sprechen von bestimmten Lauten zu trainieren. Nachdem das einigermaßen geglückt war, waren nun selbst ausgesuchte Texte an der Reihe. Es folgte eine Zeit des Für-Sich-Rezitierens und viele Vortragsrunden. Auch wurde in kleinen Gruppen versucht, Inhalte durch verschiedene Betonungen und Sprechtechniken besser zum Ausdruck zu bringen. Da wir das Ganze wahrscheinlich nur laienhaft betrieben, bekamen wir am zweiten und dritten Tag professionelle Hilfe vom Anhaltischen Theater Dessau. Herr Zöllner und vor allem Herr Preuß lehrten uns, wie man sich in geschilderte Situationen hineinversetzen und wie man dadurch die Gedanken eines Textes am besten zum Ausdruck bringen kann. Am Ende dieser Woche werden wir hoffentlich alle in der Lage sein, Situationen allein durch die eigene Stimme zu schildern und bewusster mit der Sprache umzugehen. http://www.liboriusdessau.de/index.php?article_id=77
Literarisches
Europa-Café 2005
Am Nachmittag des 9. Mai ( IV. Block
) werden SchülerInnen ( Jgst. 12 ) einiger sprachlicher Fächer die
kulturelle Internationalität dieser Schule durch literarische Beiträge
demonstrieren. Einzelheiten werden noch nicht verraten. Nur so viel: Es wird ein
bunter Mix aus Bekanntem und Unbekanntem präsentiert. Der Unterricht für die
aktiven Kurse fällt an diesem Nachmittag aus.
Gäste sollen die SchülerInnen der Jahrgangsstufe 11 sein, die an diesem
Nachmittag von den FachlehrerInnen, die in diesem Block Unterricht hätten,
begleitet werden. Selbstverständlich sind auch alle interessierten LehrerInnen
eingeladen. -
Ort der Veranstaltung ist die Mensa. Beginn ist um 14.30 Uhr.
Annette Wilbers-Drerup
http://www.literarisches-cafe.de/impressum.php / http://www.gymnasium-kerpen.de/europatag05.htm
©
G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de