Beispielaufgaben aus der PISA-Erhebung 2000 für 15-Jährige (i.d.R. 9. Klasse)

Aufgaben zur Lesekompetenz:
(1)

BIENEN
Die Informationen auf dieser und der folgenden Seite stammen aus einer Broschüre über Bienen. Beziehe dich zur Beantwortung der anschließenden Fragen auf diese Informationen.
DAS SAMMELN VON NEKTAR
Bienen stellen Honig her, um zu überleben. Er ist ihr einziges Grundnahrungsmittel. Wenn in einem Bienenstock 60 000 Bienen leben, ist etwa ein Drittel davon mit dem Sammeln von Nektar beschäftigt, der dann von den Stockbienen zu Honig verarbeitet wird. Eine kleine Anzahl von Bienen arbeitet als Futtersucher. Sie suchen eine Nektarquelle und kehren dann zum Bienenstock zurück, um den anderen Bienen mitzuteilen, wo sie ist.
Die Futtersucher geben den anderen Bienen zu verstehen, wo die Nektarquelle ist, indem sie einen Tanz aufführen, der Informationen darüber gibt, in welche Richtung und wie weit die Bienen fliegen müssen. Während dieses Tanzes läuft die Biene in Kreisen, die die Form einer 8 bilden, und schwänzelt dabei mit ihrem Hinterleib hin und her. Der Tanz entspricht dem Muster in der folgenden Abbildung.

Die Abbildung zeigt eine Biene, die im Inneren des Bienenstocks auf der senkrechten Fläche einer Honigwabe tanzt. Wenn der Mittelteil der 8 direkt nach oben zeigt, bedeutet dies, dass die Bienen die Nahrung finden, wenn sie direkt in Richtung Sonne fliegen. Wenn der Mittelteil der 8 nach rechts zeigt, befindet sich die Nahrung rechts von der Sonne.
Die Entfernung zwischen der Nahrung und dem Bienenstock wird dadurch angezeigt, wie lange die Biene mit ihrem Hinterleib schwänzelt. Wenn die Nahrung in der Nähe ist, schwänzelt die Biene nur kurz ihren Hinterleib. Wenn sie weit weg ist, schwänzelt sie lange ihren Hinterleib.

DAS HERSTELLEN VON HONIG
Wenn die Bienen mit Nektar beladen am Stock ankommen, geben sie diesen an die Stockbienen weiter. Die Stockbienen bewegen den Nektar mit ihren Mandibeln hin und her und setzen ihn so der warmen, trockenen Luft im Stock aus. Wenn der Nektar gerade frisch gesammelt wurde, enthält er Zucker und Mineralien vermischt mit etwa 80 % Wasser. Nach zehn bis zwanzig Minuten, wenn ein Großteil des überschüssigen Was-sers verdunstet ist, legen die Stockbienen den Nektar in eine Zelle einer Wabe, wo die Verdunstung sich fortsetzt. Nach drei Tagen enthält der Honig in den Zellen etwa 20 % Wasser. In diesem Stadium verschließen die Bienen die Zellen mit Deckeln, den sie aus Bienenwachs herstellen.
Zu einem gegebenen Zeitpunkt sammeln die Bienen eines Bienenstockes im Allgemeinen den Nektar aus derselben Blütenart und aus demselben Gebiet. Einige der wichtigsten Nektarquellen sind Obstbäume, Klee und blühende Bäume.
GLOSSAR
Stockbiene eine Arbeiterin, die im Inneren des Bienenstockes arbeitet
Mandibeln Teil des Mundes

Beispielaufgabe 1: Leseverständnis
Welchem Zweck dient der Bienentanz?
A Zur Feier der erfolgreichen Honigproduktion.
B Zur Angabe der Pflanzenart, die die Futtersucher gefunden haben.
C Zur Feier der Geburt einer neuen Bienenkönigin.
D Zur Angabe der Stelle, an der die Futtersucher Nahrung gefunden haben.

Beispielaufgabe 2: Leseverständnis
Was ist der Hauptunterschied zwischen Nektar und Honig?
A Der Anteil von Wasser in der Substanz.
B Das Verhältnis von Zucker zu Mineralien in der Substanz.
C Die Pflanzenart, von der die Substanz gesammelt wird.
D Die Bienenart, die die Substanz verarbeitet.

Beispielaufgabe 3: Leseverständnis
Was tut die Biene beim Bienentanz, um zu zeigen, wie weit die Nahrung vom Stock entfernt ist?
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Beispielaufgabe 4: Leseverständnis
Nenne drei der wichtigsten Nektarquellen.
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2. ..............................................................................................................................
3. ..............................................................................................................................

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Aufgaben zur Lesekompetenz:
(2)
 
SCHLECHTER GESCHMACK    von Arnold Jago
Wussten Sie, dass 1996 die australische Bevölkerung fast genauso viel Geld für Schokolade ausgegeben hat wie die australische Regierung für internationale Hilfsmaßnahmen?
Könnte es sein, dass etwas mit unseren Prioritäten nicht stimmt?
Was gedenken Sie dagegen zu tun?
Ja, Sie.
Arnold Jago,   Mildura

Der oben stehende Brief erschien 1997 in einer australischen Zeitung. Beziehe dich auf den Brief, um die folgenden stehenden Fragen zu beantworten.

Beispielaufgabe 5: Leseverständnis
Was möchte Arnold Jago mit seinem Brief beim Leser auslösen?
A Schuldgefühle
B Belustigung
C Angst
D Zufriedenheit

Beispielaufgabe 6: Leseverständnis
Zu welcher Art von Reaktion oder Handeln möchte deiner Meinung nach Arnold Jago
mit seinem Brief anregen?
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Aufgaben zur Lesekompetenz:
(3)

SCHIKANEN
ELTERN SIND SICH DER SCHIKANEN OFT NICHT BEWUSST, DIE AN SCHULEN HERRSCHEN
Nur einem Drittel der befragten Eltern ist bewusst, dass ihre Kinder in der Schule mit Schikanen zu tun haben, so eine am Mittwoch veröffentlichte Untersuchung des Bildungsministeriums.
In der zwischen Dezember 1994 und Januar 1995 durchgeführten Untersuchung waren etwa 19 000 Eltern, Lehrer und Schüler/Schülerinnen von betroffenen Grund-, Mittel- und Oberschulen einbezogen. In die Untersuchung, die als erste ihrer Art vom Ministerium durchgeführt wurde, wurden Schüler ab der vierten Klasse einbezogen. Der Untersuchung zufolge sagten 22 Prozent der befragten Grundschüler, sie hätten unter Schikanen in der Schule zu leiden, während es bei den Mittelschülern 13 Prozent und bei den Oberschülern 4 Prozent waren. Auf der anderen Seite sagten etwa 26 Prozent der Grundschüler, sie wären selber an Schikanen an der Schule beteiligt gewesen, während dieser Prozentsatz bei den Mittelschülern auf 20 Prozent und bei den Oberschülern auf 6 Prozent sinkt.
Von denen, die angaben, an Schikanen an der Schule beteiligt gewesen zu sein, sagten zwischen 39 und 65 Prozent, sie seien selber Opfer von Schikanen in der Schule gewesen.
Die Untersuchung ergab, dass 37 Prozent der Eltern von Grundschülern, die unter Schikanen an der Schule zu leiden hatten, nicht wussten, dass ihre Kinder schikaniert wurden. Bei den Eltern der Mittelschüler waren es 34 Prozent und bei denen der Oberschüler 18 Prozent. Von den Eltern, denen die Schikanen an der Schule bewusst waren, sagten 14 bis 18 Prozent, sie hätten durch Lehrer von den Schikanen erfahren. Nur 3 bis 4 Prozent der Eltern erfuhren der Untersuchung zufolge durch ihre Kinder von den Schikanen.
Die Untersuchung fand auch heraus, dass 42 Prozent der Grundschullehrer nichts davon wussten, dass ihre Schüler Opfer von Schikanen an der Schule sind. Bei den Lehrern der Mittelschulen betrug der entsprechende Anteil 29 Prozent und bei den Lehrern der Oberschulen 69 Prozent.
Nach den Gründen befragt, die hinter den Schika-nen an der Schule stecken, gaben etwa 85 Prozent der Lehrer mangelnde Erziehung im Elternhaus an.
Viele Eltern nannten als Hauptgrund fehlendes Gerechtigkeitsempfinden und Mitgefühl bei den Kindern.
Ein Sprecher des Bildungsministeriums sagte, die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Eltern und Lehrer engeren Kontakt zu den Kindern halten sollten, um Schikanen an der Schule vorzubeugen.
Schikanen an der Schule war in Japan zu einem viel diskutierten Problem geworden, nachdem sich der 13-jährige Kiyoteru Okouchi im Herbst 1994 in Nishio, Präfektur Aichi, erhängt und einen Brief hinterlassen hatte, in dem er schrieb, seine Klassenkameraden hätten ihn wiederholt in einen nahen Fluss gestoßen und Geld von ihm erpresst.
Dieser Selbstmord auf Grund von Schikanen an der Schule veranlasste das Bildungsministerium im März 1995 zur Veröffentlichung eines Berichts über Schikanen an der Schule, in dem die Lehrer aufgefordert wurden, Schikanierer anzuweisen, nicht zur Schule zu kommen.
Quelle: The Japan Times Ltd., Tokio, 23. Mai 1996.

Der Artikel erschien 1996 in einer japanischen Zeitung. Bezieh dich auf ihn, um die folgenden Fragen zu beantworten.

Beispielaufgabe 7: Leseverständnis
Welchem Prozentsatz von Lehrern der jeweiligen Schultypen war nicht bewusst, dass ihre Schüler Opfer von Schikanen waren?
Kreise die Alternative (A, B, C oder D) ein, die das am besten wiedergibt.

BEISPIELAUFGABE 8: Leseverständnis
Warum erwähnt der Artikel den Tod von Kiyoteru Okouchi?
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