Produktionsorientierte
Verfahren
Gerhard
Haas, Wolfgang Menzel, Kaspar H. Spinner: Handlungs- und
produktionsorientierter Literaturunterricht. In: PD H.123/1994, S. 24:
„Auswahlverzeichnis der wichtigsten
Verfahrensweisen des handlungs- und produktionsorientierten
Literaturunterrichts“
l. Textproduktive Verfahren
1.1
Restaurieren und Antizipieren
1.1.1
Einen Text aus seinen Teilen selber zusammensetzen (z. B. ein in seine einzelnen
Verse auseinandergeschnittenes Gedicht - oder aus den
alphabetisch aufgelisteten Wörtern ein eigenes Gedicht verfassen)
1.1.2
Texte entflechten (z. B. ein Gedicht, das von der Lehrkraft aus zwei Gedichten
zusammengefügt worden ist)
1.1.3
Versgliederung herstellen (wenn ein Gedicht wie Prosa geschrieben vorgelegt
wird)
1.1.4
Die syntaktische Struktur herstellen (bei einem Text, der mit veränderter
Satzstellung vorgelegt wird - z. B. eine Gedichtstrophe von Hölderlin)
1.1.5
Ausgelassene Wörter/Sätze einfügen
1.1.6
Mit vorgegebenen Reimwörtern eines Gedichtes ein eigenes Gedicht machen
1.1.7
Ein reimloses Akrostichon schreiben, z. B. zu
FRIEDE, KRIEG, LIEBE, FREUDE usw.
1.1.8
Zu einem Titel oder zu Schlüsselwörtern einen eigenen Text verfassen
1.1.9
Montage-Gedichte gestalten: aus vorliegenden Texten (z. B. Schlagzeilen,
Kurzmeldungen, Anzeigen/Werbetexten usw.) ein Gedicht aufbauen
1.1.10
Den Schluß eines Textes selber verfassen
1.1.11
Während der Lektüre eines Textes an einer Stelle einhalten und eine Fortsetzung
entwerfen
1.1.12
Sich durch eine Phantasiereise („Stell dir vor, du...“) in eine Textsituation
hineinführen lassen und dazu einen Text verfassen
1.2
Transformieren
1.2.1
Eine mögliche Fortsetzung zu einem Text schreiben
1.2.2
Eine mögliche Vorgeschichte zu einem Text (bzw. zu einer einzelnen Figur)
schreiben
1.2.3
Eine im Text nur angedeutete Handlung ausfabulieren
1.2.4
Paralleltexte verfassen. Z. B. schreiben die Schüler zu einem Gedicht mit dem
Thema ‚Sommer’ oder ‚Krieg’ oder ‚Haß’ usw. thematische
Varianten in analoger Form
1.2.5
Einen inneren Monolog, eine erlebte Rede, einen Brief oder eine Tagebuchnotiz
einer Figur verfassen
1.2.6
In Ich-Form Figuren des Textes vorstellen („Ich heiße Pippi...“)
1.2.7
Sich selber in einen Text hineindichten und eine Szene gestalten
1.2.8
Eine Figur aus einer Geschichte herauslösen und in einer anderen Welt auftreten
lassen (z. B. Eulenspiegel sitzt eines Morgens in unserer Klasse)
1.2.9
Einen Text verkürzen (z. B. ein langes Gedicht verknappen) oder einen Text
ausbauen (z. B. eine Kürzestgeschichte zu einer kleinen Erzählung ausbauen)
1.2.10
Einen Text für andere Adressaten bzw. in einem anderen Stil nacherzählen
1.2.11
Einen Text in eine andere Sprachvarietät umschreiben (z.B. eine Dramenszene in
Dialekt setzen)
1.2.12
Einen Text aus veränderter Perspektive umschreiben
1.2.13
Dem Text eine andere Aufbaustruktur geben (z. B. vom Schluß
der Geschichte her erzählen)
1.2.14
Einen Text in eine andere Textsorte umschreiben (z. B. aus einem Kurzprosatext
ein Gedicht machen)
1.2.15
Interpretierendes Schreiben von Gedichten: Zwischen die originalen Zeilen
werden Kommentare, Bemerkungen, Zwischenrufe, Gegenaussagen, Beschwichtigungen
usw. eingefügt
1.2.16
Einen Gegentext schreiben, z. B. zu einem idyllisierenden
Naturgedicht einen Text über Umweltzerstörung
1.2.17
Textcollagen herstellen
1.2.18
Nach dem Muster eines Textes selbst einen Text schreiben
1.2.19
Eine Hörszene zu einem Text erarbeiten
1.2.20
Ein Karten-/Würfel-/Quizspiel zu einem Text herstellen und durchführen (z. B.
ein Würfelspiel zu einem Abenteuerbuch oder ein Quartett zu bekannten
Kinderbüchern).
2. Szenische Gestaltungen
2.1
Eine Textsituation als lebendes Bild darstellen (als wenn ein Fotograf ein Foto
einer Spielszene gemacht hätte)
2.2
Pantomimisch eine stillgestellte Ausdrucksfigur
(Statue) gestalten, die die Botschaft eines Textes (im genauesten Sinn des
Wortes) zur Anschauung bringt (zwei bis sechs Personen)
2.3
Eine Textstelle pantomimisch darstellen
2.4
Innere Dialoge unter Anleitung eines Spielleiters führen (Leiter fragt z.B.
eine Figur, was sie über eine andere denkt, fragt dann die andere, was sie zu
diesen Gedanken sagt usf.)
2.5
Abstrakte Begriffe auftreten und sprechen lassen (z.B. zu Aschenbachs Versuch,
Venedig zu verlassen: Der Tod, das Meer, die Liebe, die Kunst treten auf und
reden zu Aschenbach, raten ihm zur Abfahrt oder zum Hierbleiben)
2.6
Einen Text oder Textteil aufspielerische Weise darstellen, auch als Puppen-,
Marionetten-, Schattenspiel oder als Videoszene
3. Visuelle Gestaltungen
3.1.
Einen Text in eine seine Aussage bezeichnende Schreib- oder Druckform
übersetzen (Größe, Volumen, Farbe, Form der Buchstaben, Wörter, Sätze): sog.
Schreibgestaltung
3.
l Bilder zu einem Text zeichnen/malen
3.2
Bildcollagen zu einem Text erstellen
3.3
Für eine Erzählung die graphische Verlaufskurve mit eingefügten Schlüsselsätzen
oder -wörtern gestalten
3.4
Eine Literaturzeitung herstellen. Der mögliche Inhalt am Beispiel von Wedekinds
Frühlings Erwachen: eine Inhaltsangabe - ein fiktives Gespräch mit einem
Regisseur - die Charakterisierung der Figuren des Dramas anhand von fiktiven
Tagebucheinträgen, Briefen, Dialogen, Verhören, Nachrufen u. a. - fiktive Szenenfotos
- die Personenkonstellation in Form einer Collage - ausgewählte Gedichte mit
thematischen Anklängen - Dialog eines damaligen mit einem heutigen Lehrer -
Äußerungen fiktiver Leser/Zuschauer - die Biographie Wedekinds u. a.
4. Akustische Gestaltungen
4.1.
Mit verschiedenen Vortragsweisen experimentieren (einen Text z. B. ärgerlich,
pathetisch, befehlend vorlesen)
4.2
Einen Text vertonen (z. B. mit Orff-Instrumenten)
4.3
Zum Vorlesen/Lesen eines Textes die passende Hintergrundmusik suchen, in der
sich der Inhalt in gewisser Weise spiegelt oder in der sich die Gefühle der
Hörer ausdrücken bzw. mit deren Hilfe Hörer den Text ‚interpretieren’