Produktionsorientierung - Vorsicht vor den leichten Lösungen!
Es häufen sich die Unterrichtsproben zum
» produktionsorientierten Literaturunterricht
» mit produktionsorientiertem Textzugriff
» mit produktiver Textrezeption o.ä.
Da sollten Gefahrenmomente bedacht
werden, insbesondere für die späte Mittelstufe und die Oberstufe:
- ganzheitlich? -
1. Das produktionsorientierte Verfahren wird oft ausdrücklich dem kognitiv-analytischen Textzugriff, dem hermeneutischen Literaturunterricht und dem erarbeitenden Unterrichtsmodell entgegengestellt - mit der Behauptung, der produktionsorientierte Textzugriff wäre "ganzheitlich", berücksichtige den Lernzusammenhang von "Kopf, Herz und Hand".
Hier
liegt ein erstes Missverständnis vor: Der produktionsorientierte Textzugriff kann ohne
Einsatz von "Kopf" nicht per se als "ganzheitlich" deklariert werden.
Das bedeutet für die Planung des Unterrichts: Neben den produktiven Tätigkeiten
sind ebenso die kognitiv-analytischen Tätigkeiten für den Rückbezug auf den
Originaltext
und die Verbalisierungsakte der Erklärungsvorgänge und Ergebnisfixierungen konkret zu
methodisieren. Und dazu muss die
Lehrperson sich den literarischen Originaltext in einer sorgfältigen
Sachanalyse zunächst einmal selbst so aufbereitet haben, als wäre eine
kognitiv-analytische Stunde zu planen. Und dann erst kann man die für den Text
geeignete Produktionsform finden, mit der man methodisch eine Annäherung an den
Text erreicht. - s. auch "Lernstoff
Deutsch - Das Neue", "erarbeitender
Unterricht", "die
drei Textzugriffe", "hermeneutisches
Verfahren" und "Sachanalyse"
- Produktion und "Identifikation" -
2. Zumeist aber entstehen Stunden und Sequenzen, in denen die Schülerinnen und Schüler aus Anlass eines vorgelegten literarischen Textes einfach etwas produzieren. Über die Produkte freuen sich alle. Man kommentiert sie noch ein wenig. Und dann ist Schluss: keine Zeit mehr, nichts weiter geplant, Analytisches in die nächste Stunde oder die Hausaufgabe verschoben ... ... ... - Dem Originaltext ist man auf diesem Wege im Unterricht nicht weiter auf die Spur gekommen. Man hat ihn weder genau gelesen, weil man schnell in die produktive Tätigkeit einsteigen wollte. Noch hat man ihn in seiner Eigenart und Besonderheit verstanden.
Lehrer argumentieren auch, dass die Schüler sich durch die Produktionsorientierung viel leichter mit einem literarischen Text identifizieren können und leichter zu motivieren sind, sich überhaupt mit Literatur zu befassen.
Hier liegt ein zweites Missverständnis vor: Literarische Texte
sind doch gerade Angebote für Fremderfahrung, für das Andersartige, für
Lebensmodelle und ästhetische Erfahrungen, über die man nicht verfügt und mit
denen man sich auseinandersetzen muss (s. dazu Themenheft "Fremdes
verstehen". DU 4/1989). Im Gegensatz zur Freizeitlektüre geht es im
schulischen Literaturunterricht nicht um einfache Identifikation, sondern um
einen Prozess, über die Imagination zu einer Auseinandersetzung mit dem
problemorientierten, dem ästhetisch vermittelten oder gar verschlüsselten, dem gattungsbestimmten und
dem epochenbedingten Angebot in einem literarischen Text zu gelangen. Es kann im
anspruchsvollen Oberstufenunterricht nicht einfach darum gehen, die eigenen
"schematisierten Ansichten" (Ingarden/Iser) an einem Text loszuwerden,
wie es häufig bei der Produktion der Fall ist, bei der die Schüler mehr oder
weniger ohne Blick auf das Original "aus dem eigenen Bauch" schaffen.
-
In Stunden, die der Entwicklung von "Kreativität" gewidmet sind, sollen die Schüler dies auch ruhig dürfen; nur ist der "produktionsorientierte Textzugriff" in dem Sinne keine Kreativitätsübung. Zwischen "kreativ" und "produktionsorientiert" wird fachdidaktisch zu unterscheiden sein! - Zu "Kreatives Schreiben" - hier!
Ebenso wenig darf der Unterschied zwischen "Produktionsorientierung" und "Handlungsorientierung" verwischt werden: Richtlinien Deutsch Sekundarstufe I Gesamtschule NW (1998): "Handlungsorientierung bedeutet das Ausrichten des Unterrichtsgeschehens auf die Herstellung eines Arbeitsergebnisses bzw. eines Produktes, wie z.B. das Schreiben von Geschichten, die Erstellung eines Sachtextes, die Veranstaltung einer Podiumsdiskussion, die Inszenierung eines Theaterstückes oder eines Rollenspiels, eines Videofilms, einer Mappe u.a." (31) - s. dazu: Kaspar H. Spinner: Wider den produktionsorientierten Literaturunterricht - für produktive Verfahren. In: DD 98/1987, 601 ff.
- Produktion in Funktion! -
3. Mit den produktiven Aktivitäten der Schüler, mit dem Entstehen und Betrachten oder Genießen der eigenen Produkte meint man schon den produktionsorientierten Literaturunterricht bewältigt zu haben.
Hier liegt ein drittes Missverständnis vor: Für den "produktionsorientierten
Literaturunterricht" beruft
man sich gerne auf die folgenden Protagonisten: Günter
Waldmann (Überlegungen zu einer kommunikations- und produktionsorientierten Didaktik
literarischer Texte. In: Mainusch, Herbert [Hrsg.] Literatur im Unterricht.
München 1979, 328 ff. - Ders.:
Produktiver Umgang mit Literatur im Unterricht. Baltmannsweiler 1998), Gerhard Haas, Wolfgang Menzel, Kaspar H.
Spinner (Dies.: Handlungs- und produktionsorientierter
Literaturunterricht. In: PD H.123/1994, 17-25) und Werner Ingendahl
(Ders.: Umgangsformen -
Produktive Methoden zum Erschließen poetischer Literatur. Frankfurt 1991).
- Wenn heute aber dieser Unterricht mit der eigenen Produktion durch die
Schüler sowie der Rezeption und Kommentierung der Schülerprodukte endet,
widerspricht dies deutlich den Ausführungen zu diesem fachdidaktischen Modell:
Die produktionsorientierte Methode wird über all ihre Motivationskraft hinaus schon in dem immer wieder zitierten Basisartikel von Haas/Menzel/Spinner in Funktion für ein besseres Verständnis des literarischen Originaltextes gesehen! - Haas/Menzel/Spinner: "Die Methode darf sich nur nicht verselbständigen, das Experiment mit dem Text darf sich nicht mit sich selbst begnügen. Was den handlungsorientierten Literaturunterricht in Misskredit bringen kann - und auch zum Teil hat -, ist der Verzicht auf die Begründung der durchgeführten Operationen, der Verzicht auf den Vergleich mit dem authentischen Text, auf das Gespräch über ihn." (ebd. S. 23)
Wenn Waldmann von
"Differenzerfahrungen" (3-26) spricht, die Leser erst in einem
produktiven Akt vollziehen, so nützt diesen Lesern nicht, dass sie ihn
vollziehen, wenn sie nicht auch zugleich die Fremderfahrungen mit den
Fremdtexten (literarischen Originaltexten) haben, und zwar Erfahrungen, die in
ihr Bewusstsein gestiegen sind, also kognitiver Art sind, um mit ihnen quasi
über ein "System von Binnendifferenzen" wissend zu verfügen. Als
Differenzen zwischen literarischen Erfahrungen und alltagssprachlichen
Erfahrungen sind z.B. die literarischen Gestaltungsmittel sowie ihre Funktionen
(wie Überstrukturiertheit, Verfremdung, Perspektivität, sprachliche
Originalität etc.) und die Gestaltungsabsichten zu verstehen. Erst mit solchem
Wissen können Leser dann ihre eigenen Produkte und produktiven Reaktionen auf
literarische Texte verstehen. Schule hat also die Aufgabe, den Schülern
auch Wissen von literarischer Gestaltung zu verschaffen, damit sie im
Blick auf das Original wie auf ihre eigenen Produkte die Differenz fundieren
können. Waldmann sieht in seinem Vier-Phasen-Modell
dafür eigens eine Phase vor: "3. Phase: Textuelles Erarbeiten
literarischer Texte" und sogar eine weitere: "4. Phase: Textüberschreitende
Auseinandersetzung mit literarischen Texten".
Das heißt: Die produktive Textrezeption kommt nicht ohne Kognitivierungsphasen aus, in
denen eine Verbalisierung der Ergebnisse aus dem
Produktionsschritt und ein analytisch-vergleichender Rückbezug auf den
Originaltext sowie eine Sicherung der Erkenntnisse zum literarischen
Original erfolgen müssen.
Und nach den
PISA-Diskussionen kann der produktionsorientierte Textzugriff auch nicht mehr als die generell zu bevorzugende Methode
angesehen werden: Unsere Schüler versagen geradezu in der Fähigkeit, einen
Text genau zu lesen! Vor allen anderen Aktivitäten, auch den
produktionsorientierten, wäre zumindest zunächst das einfache Textverständnis
zu sichern. Denn ansonsten wäre die Produktion zu fern vom literarischen
Ausgangstext, die Schüler würden nur sich re-produzieren und könnten Anstöße
aus dem literarischen Originaltext für die Produktion nicht ernsthaft nutzen. -
Wie sollen z.B. Schüler mit einem Gedicht angemessen produktionsorientiert
umgehen, wenn sie schon einen einfachen Begriff im Text: "Strom" nicht
anders als "elektrisch" füllen können, so geschehen in Jg. 10 (GS
DN-H.-B., Mai 03 - zu Gryphius: Tränen des Vaterlandes)?! Die Beispiele dazu sind Legion.
- schülerzentriert - lehrerzentriert -
4. Manche meinen, der kognitiv-analytische Literaturunterricht sei ein lehrerzentrierter, der produktionsorientierte ein aus sich heraus schülerzentrierter, im erarbeitenden Unterricht kämen die Schüler zu kurz.
Hier liegt ein viertes Missverständnis vor: Auch im
kognitiv-analytischen Literaturunterricht lassen sich Schülerzentrierung und
Eigenaktivitäten der Schüler mit vielen Methodenvarianten bewusst planen. Und
dies hat eine lange Tradition. Der kognitiv-analytische Literaturunterricht muss
kein fragend-entwickelnder oder gar im Ping-Pong-Verfahren erfragender
Unterricht sein: Schülerorientierung gelingt...
a) durch Einsatz verschiedener Sozialformen im Erarbeitungsvorgang: Gruppenarbeit, Partnerarbeit, Mediennutzung in Präsentationsphasen, Schülervortrag etc.
b) durch verschiedene analytisch-aufschließende Aktivitäten am Text und mit ihm, s. dazu: "Operationen am Text"
c) durch selbständiges Arbeiten der Schüler mit eingeführten konkreten Methoden, s. dazu: "Analyseverfahren"
d) durch Spielraum für die Leser bei der Auswahl von Aspekten bei aspektorientierter Textanalyse (s. z.B. SelGo-Modul "Klausuraufgaben trainieren" > Textanalyse; http://www.selgo.de)
e) durch den Ausgangspunkt bei den Verstehenshypothesen der Schüler im hermeneutischen Ablauf sowie durch den subjektiven Spielraum beim Interpretieren nach der objektivierenden Analyse. s. dazu: "kognitiv-analytischer Textzugriff"
f) durch explizites Einführen und Üben der produktiven Verfahren, die sich bei einer Textanalyse und Interpretation abspielen; s. Formulierungsverhalten und Schreibstrategien sowie Prozesscharakter
Andererseits stimmt es: Wir haben
unterschiedliche Lernertypen, also auch solche, die sich eher durch produktive
Verfahren einem Text annähern können. Deshalb soll der
produktionsorientierte Literaturunterricht ja auch seine Position im Methodenmix
des Deutschunterrichts besitzen, aber eben nicht so im Vordergrund stehen wie
zur Zeit, schon gar nicht in der Schulform und Schulstufe gymnasialer
Anforderungen. - s. dazu die differenzierten Anforderungen zum Umgang mit
Texten und Medien in den gymnasialen Richtlinien (s.u.): MSWWF NRW (Hrsg.):
Richtlinien und Lehrpläne Deutsch Sek. II Gymnasium/Gesamtschule. Frechen:
Ritterbach 1999, 16-21 - s. auch: "Lernen
im Fach Deutsch" und "Lernen
im Fach"
- fördern durch Fordern -
5. Zur Rechtfertigung der Bevorzugung produktionsorientierter Literaturstunden wird oft aus der Lernsituation eines Kurses, zumal eines schwachen, argumentiert: : „Ich habe festgestellt, dass die analytische Texterarbeitung den Schülern dieses Kurses schwer fällt.“ Oder: "Es fällt den Schülerinnen und Schülern schwer, eine Beobachtung auf den Punkt zu bringen und die Textinformationen zu erklären." etc. Deshalb wählt man also als Ausweg den Weg der "Produktionsorientierung".
Hier liegt ein fünftes Missverständnis vor: Der
produktionsorientierte Zugriff ist nur scheinbar leichter; er ist viel komplexer
und von höherer Anforderung, wenn er richtig angesetzt wird: Die Schüler
müssen nämlich den Text in einer vorläufigen Rezeption angemessen verstanden
haben, damit sie so produzieren können, dass die Produkte etwas hergeben für
den Blick zurück in den Text. Und sie müssen in der Lage sein, im Kontrast, im
Vergleich und im Rückbezug die Steuerungsvorgänge durch das Original zu
erklären und die eigenen Produkte für die Interpretation des Originals zu
nutzen. Und dies muss verbalisiert und am Original belegt werden. -
Erst recht bleibt die Entscheidung zu diskutieren, ob man bei analytisch und in der „Kopfarbeit“ schwachen Schülerinnen und Schülern nicht gerade an ihrer Schwäche zu arbeiten und sie dort zu fördern hätte. Man müsste sie also stark machen, einen Text genau zu lesen, methodische Hilfen zur Erschließung eines Textes zu nutzen, sich das Erkannte bewusst zu machen und die Ergebnisse angemessen zu verbalisieren. Denn nur in der verbalen Kommunikation als der zentralen Form des Bewusstmachens können Leseergebnisse als Lernergebnisse verankert werden.
Schließlich ist noch zu bedenken, dass im Deutschunterricht der Sekundarstufe II (d.h. gymnasiale Oberstufe und Oberstufe der Gesamtschule) Anforderungen einzurichten sind, die stufenadäquat sein müssen, die wissenschaftspropädeutisch sein sollen etc. - So muss in der Oberstufe sogar die Produktionsorientierung anders und auch bewusster gestaltet werden als in der Sekundarstufe I: Die produktiven Aktivitäten können sich nicht einfach und naiv entwickeln. Auf einer Metaebene müsste die Leistung auch eines produktiven Zugriffs selbst reflektiert werden können: die Leistung für das Verständnis des Originals. - s. dazu: "Kommunikatives Lernen" und "Didaktisches Sprechen" -
Doch schon in der Sekundarstufe I mit den Richtlinien Deutsch Gymnasium (NW 1993, 50 f.) werden die Produzenten- sowie die Rezipientenrolle der Schüler und damit "analytisch-hermeneutische Methoden" sowie "produktionsorientierte Arbeitsweisen" beim Umgang mit literarischen Texten verknüpft und der "Wechsel der Arbeitsformen" als motivierend eingestuft.. Und es wird der Anspruch erhoben: Wenn Schüler in Texte eingreifen und sie verändern, dass sie "bei der Begründung dieser Veränderungen [...] zugleich Einsichten in Struktur und Wirkungsweise des Textes" gewinnen und "so ihr Verständnis" erweitern. - Daneben stehen spielerische und experimentelle Arbeitsformen, die dem weiteren Begriff von Produktionsorientierung zuzuordnen sind.
Auch
die Richtlinien Deutsch Gesamtschule (NW 1998) benutzen einen weiten
Begriff der Produktionsorientierung, wonach den Schülern durch handlungs-
und produktionsorientiertes Lernen eine "literarische
Eigentätigkeit" und eine eigene kulturelle Praxis eröffnet wird (25),
wobei allerdings auch ihre "reflexiven Fähigkeiten" zu entwickeln
sind (29). Zum "produktiven Umgang mit Literatur" erklären sie:
"Ein Deutschunterricht, der die Schülerinnen und Schüler
produktiv in die Texte einbezieht durch Eingreifen, Weiterschreiben,
Reagieren, Umgestalten, eröffnet ihnen besonders intensive Verstehenswege.
Er gibt ihnen die Möglichkeit wechselnde Perspektiven einzunehmen,
Vorstellungen auszubilden und das gegenübertretende Andere und Fremde
besser zu verstehen. Produktive Verfahren und Gestaltungen bilden oft den
Kern der Lernprozesse und der Entwicklung von Selbstbewusstsein. Die
individuellen Weisen des Verstehens sind oft die Voraussetzungen für
intersubjektives Verstehen, für aneignendes Lernen und reflexiv-analytisches
Arbeiten." (42) - Also entfällt auch hier nicht der Vorgang
"reflexiv-analytischen" Arbeitens.
Tatsächlich kann dabei die Situation entstehen, dass trotz aller Förderung einzelne schwächere Schüler die Vorgänge des Analysierens, des Bewusstmachens, des Abstrahierens und des Verbalisierens dann nicht mehr angemessen erbringen können. Aber hier wird eben auch Leistungsdifferenzierung deutlich, auch im Deutschunterricht. Und es hat keinen Sinn und ist auch nicht richtlinienkonform, vor diesen Anforderungen auszuweichen und die Schüler vorrangig mit Produktionen zu befassen.
- Gerüchteküche und Empfehlung -
6. Viele Referendare meinen, die Ausbilder in der Lehrerausbildung Deutsch wollten nur produktionsorientierte Stunden sehen, weil diese den neuesten Stand fachdidaktischer Entwicklung spiegeln würden.
Hier liegt ein sechstes
Missverständnis vor: Es gibt zwar einzelne, die den Vereinseitigungen
didaktischer Trends erliegen. - Aber aus langjähriger Erfahrung - mit einer
ganzen Reihe von fachdidaktischen Wellenschlägen - und aus der Beobachtung
vieler wegen mangelnder Substanz, zu dürftiger Ergebnislage, unfunktionaler
Produktionsformen oder übertriebenem Aktionismus gescheiterter produktionsorientierter Unterrichtsstunden und
Examensstunden (Probleme s.o.) kann ich nur empfehlen: einen Methodenmix,
den häufigen Wechsel von Methoden, den funktionalen Einsatz verschiedener Methoden.
Streben Sie zunächst einmal Sicherheit im erarbeitenden, analytischen und hermeneutischen Literaturunterricht an, und seien Sie so vorbereitet für einen Unterricht, in dem über den hypothesenbildenden Einstieg, dann eine nachvollziehbare Analyse und schließlich eine vertiefende Interpretation konkrete kognitive Ergebnisse im Umgang mit einem Text angezielt werden können. Dafür müssen Sie sich sachanalytisch so intensiv vorbereiten (!!!), dass Sie - sicher in der Sicht auf den Originaltext - den Schülern zuhören können, ihre Beobachtungen richtig aufgreifen und einordnen können, Teilergebnisse bündeln, weitere Aspekte ableiten und an Gelenkstellen umschalten können und so die Schüler zu ihrem textfundierten Verständnis eines Textes begleiten können; und dies ohne "Ihre richtige Interpretation" durchsetzen zu wollen. Entscheidend dafür ist Ihre Fähigkeit, selbst und mit den Schülern das "argumentative Interpretieren" zu üben. - s. dazu "Argumentierendes Interpretieren"
Erst dann ist es ratsam, sich an die komplexere Form der produktionsorientierten Literaturstunden zu wagen. Sie sind nämlich viel komplexer, weil sie sowohl den kognitiven Bezug brauchen als auch eine angemessen und gezielt gewählte Produktionsform, für die sicher gestellt sein muss, dass sie aufschließende Funktion für den Originaltext besitzt.
Andererseits ist der funktionale
Wechsel der drei verschiedenen Textzugriffe
eine entscheidende Motivationsquelle, die Schüler in Auseinandersetzung mit
Texten zu bringen, den Literaturunterricht zu beleben, unterschiedlichen
Lernertypen gerecht zu werden und die Schüler mit verschiedenartigen
Anforderungen zu konfrontieren. Nur Vereinseitigung ist nicht akzeptabel.
Zu diesen Problemen s. auch: "Vorsicht, Falle! - Problemzonen in Deutschstunden": Die Produktivitätsfalle
Weiter zur Produktionsorientierung: s. Hauptseite Literaturdidaktik
Zur "Bewertung produktiver Leistungen"
Zu einem ausgewogenen, reflektierten und kritischen Unterrichtsmodell "Lyrik in Jg. 10", das handlungsorientierte und produktionsorientierte Zugriffe mit kreativem Schreiben verbindet und zugleich diese Verfahren voneinander abgrenzt: s. Matthias Berghoff (1994): Möglichkeiten und Probleme eines handlungs-, produktions- und identitätsorientierten Deutschunterrichts. Gezeigt an einem praktischen Beispiel in der Jahrgangsstufe 10 (Laborschule Bielefeld)
Zu bedenken ist noch, dass die produktionsorientierte Arbeit an literarischen Texten nicht vorrangig mit schreibenden Verfahren erfolgen sollte, wie zumeist zu beobachten: vielfältig sind die Möglichkeiten des Körpereinsatzes, s. szenisches Interpretieren und Standbild, und die Möglichkeiten des Stimmeinsatzes, s. gestaltendes Sprechen.
Konsequenzen für die planende Lehrkraft:
Für die eigene Textanalyse als Teil der Sachanalyse muss die planende Lehrkraft selbst diverse Methoden beherrschen. - Diese Methoden müssten schon aus dem Lehramtsstudium der Germanistik verfügbar sein!
Zunächst geht es um Lesemethoden, Verarbeitungsmethoden und Analysemethoden;
s. Richtlinien und Lehrplan Deutsch Sek. II - NW. 1999, S. 27:
"Methoden
das Textverstehens bilden einen Kernbereich des Deutschunterrichts
Gefordert sind
die Beschaffung und Verarbeitung von Informationen
die Entwicklung von Lesestrategien und von elementaren
Ordnungsoperationen
die Nutzung von Hilfsmitteln, auch in elektronischen Netzen
Erweitertes Textverstehen ergibt sich, wenn Leserinnen und
Leser, Hörerinnen und
Hörer, Zuschauerinnen und Zuschauer
Textstrukturen ermitteln
den Primärtext mit Kontexten verknüpfen
sich an texterschließenden Gesprächen beteiligen
Texte in ihrem medialen Zusammenhang untersuchen
mit Texten oder Medien produktiv umgehen.
Für Textanalyse und Interpretation lassen sich u a folgende
Verfahren nutzen
Inhalts-, Problem-, Themen-, Konfliktanalyse
Struktur-, Kompositionsanalyse
Argumentationsanalyse
Stilanalyse
semantische Analyse
Analyse der rhetorischen, bildlichen u. a. Mittel
Analyse der Produktions-, Rezeptions- und
Wirkungsbedingungen."
s. auch: "Analyseverfahren"
Dann geht es um produktionsorientierte Methoden;
s. Richtlinien und Lehrplan Deutsch Sek. II - NW. 1999, S. 29 f.:
"Methoden
produktionsorientierter Arbeit im Umgang mit Sprache und Texten
müssen
die analytischen Verfahren ergänzen.
Der
Deutschunterricht stellt zunächst solche produktionsorientierten Verfahren zur
Verfügung,
die auch beim freien Sprechen und Schreiben angewandt werden, z. B.
Methoden
der
Assoziation, des Brainstormings, des Mindmappings u. a. Strukturierungsmöglichkeiten
der
Nutzung von optischen, akustischen
o. A. Impulsen
des
Eingreifens in Texte
der
Umsetzung von Texten in Bilder, Musik oder Bewegungen
des
Rollenspiels, der Simulation
der
szenischen Interpretation eines Textes bis hin zur Inszenierung oder Verfilmung.
Die
Ergebnisse produktionsorientierter Textrezeption können wieder auf den
Originaltext zurückbezogen werden. So lassen sich u.a.
Bezüge
herstellen, vergleichen, kontrastieren
Steuerungsvorgänge untersuchen
die genutzten Verstehens- und Deutungsspielräume des Originals erläutern."
s. auch: "Produktionsorientierte Verfahren"
Diese Methoden aus beiden Bereichen müssen im Deutschunterricht über die
Halbjahre der Oberstufe hinweg explizit aufgebaut und eingeübt werden, so dass
die Schüler im Abitur über ein entsprechendes Repertoire verfügen.
Auch für den Bereich "Umgang mit Sachtexten" existieren produktionsorientierte Verfahren:
Beispiel: Konspekt zu Sachtexten
Beispiel: Modularisieren von Sachtexten
Beachten Sie für Ihre Unterrichtsproben
hinsichtlich des Wechsels von Textzugriffen, Gegenständen und Methoden die Bedingungen
für Unterrichtsbesuche.
© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de
http://www.fachdidaktik-einecke.de/4_Literaturdidaktik/produktionsorientierung_vorsicht.htm