Textmodule
erkennen - Fließtexte modularisieren
Die
Zeitung vermittelt einen komplexen Sachverhalt, z.B.: „Lärmprobleme bei
einem Stadtteilfest“.
Dazu
löst sie den Komplex auf einer Seite in Informationsmodule auf:
¨
Bericht im Hauptteil mit
▪
einer Darstellung des Problems,
▪
Informationen über die Lärmschutzverordnung durch den Amtsleiter (Bild)
▪
Aussagen des TÜV über Grenzwerte
▪
Erfahrungen mit Großveranstaltungen
¨
Tabelle und grafische Darstellung zu Lärmarten und Volumen
¨
Kommentar des Festveranstalters
¨
Leserreaktionen - Aufruf zu Leserbriefen
¨ Kommentare von Anliegern
Beispiel Sek. I - s. Deutschbuch 9. Berlin: Cornelsen 1999, 149:

Beispiel Sek. II:

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------
► Die Schülerinnen und Schüler können Textmodule an Zeitungs- und Zeitschriftenseiten erkennen und zueinander in Beziehung setzen.
Dazu müssen sie allmählich einen Fundus an Textsorten unterscheiden
können.
► Sie können einen längeren Fließtext in Textmodule umgestalten:
Sie untersuchen: Welche verschiedenen Textsorten (Schilderung, Bericht, Informationen in Form von Zahlen / Daten, Interview, Definition, Grafik, Schemata, Bilder...) sind in ihm verborgen? - Sie schreiben die einzelnen Module (z.T. ab, z.T. neu), sie formen Zahlen in Tabellen oder Diagramme um ...; sie entwickeln ein Layout für eine modularisierte Form des Fließtextes.
s. auch: Textdesign
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Aufgaben-Beispiel:
FREITAG
21 16.05.2003
Still,
heimlich und ohne langwierige Debatten in den nationalen Parlamenten wollte die
EU-Kommission ihre Position absegnen lassen - wohl in der Hoffnung, dass sich
niemand ernsthaft für das »General Agreement on Trade in Services«
interessieren würde. Dieses Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen, das
gegenwärtig im Rahmen der WTO verhandelt wird, wurde dennoch zu einem Politikum
im Deutschen Bundestag. Fraktionsübergreifend ignorierten die Abgeordneten den
Zeitplan Brüssels, der bis Ende März Stellungnahmen aus allen Mitgliedsstaaten
vorsah und führten im April Anhörungen durch, deren Ergebnisse nun im
Ausschuss für Wirtschaft und Arbeit diskutiert werden.
Sabine
Tenta
GATS AUS FRAUENSICHT - Der
Proletarier ist tot, es lebe die Hausfrau
Unfassbar, bezeichnend für eine
kommerzialisierte Welt und doch zugleich ein Hoffnungsschimmer war das, was
Vandana Shiva aus Indien berichtete. Ein ganzer Fluss, der Sheonath im
Bundesstaat Chhatisgarh, war privatisiert worden. »Der Investor ließ Polizeikräfte
mit Motorrädern auf der ganzen Länge des Flusses patrouillieren. Sie hinderten
sogar die Frauen daran, Wasser aus ihren eigenen Brunnen zu entnehmen, da diese
vom Fluss gespeist werden, und bezichtigten sie des Wasser-Diebstahls.« Und
das, obwohl in Indien die Flüsse und nicht die Gemeinden das Wasser für die
Bevölkerung liefern. »Die Menschen waschen dort ihre Wäsche, tränken ihr
Vieh und baden ihre Kinder darin«, so die Trägerin des Alternativen
Nobelpreises. Eine landesweite Aufklärungskampagne zeigte jedoch Wirkung: »Vor
zwei Wochen wurde die Privatisierung rückgängig gemacht«, berichtete Shiva.
Dieser Erfolg war nur möglich, weil das seit 1995 bestehende Allgemeine
Handels-Abkommen über Dienstleistungen (GATS - General Agreement on Trade in
Services) in einer neuen, verschärften Version noch nicht in Kraft ist. Dann nämlich,
so sehen es die Entwürfe vor, die bis 2004 in einen veränderten Vertragstext münden
sollen, wären einmal eingegangene Privatisierungen nicht mehr rückgängig zu
machen - auch nicht in einer Notstandssituation oder bei einem
Regierungswechsel. Weltweit sind 80 Prozent der Beschäftigten des
Dienstleistungssektors weiblich, und die Privatisierung wird deshalb nicht
allein, aber doch primär Frauen betreffen. Auf Einladung des Attac-Frauennetzes
trafen sich deshalb am vergangenen Wochenende in Köln 500 Referentinnen und
Teilnehmerinnen zum internationalen Kongress »Dienste ohne Grenzen? GATS -
Privatisierung und die Folgen für Frauen«.
Der wichtigste Arbeitgeber von Frauen ist die öffentliche Hand, die in vielen Ländern
zu Gleichstellungsmaßnahmen verpflichtet ist. Gibt sie ihre Verantwortung an
private Investoren ab, werden Schutzrechte und Stellen abgebaut. Leidtragende
sind in erster Linie Frauen. Als Folge von Privatisierungen sind sie in der
Regel auch gezwungen, mehr unbezahlte Arbeit zu leisten, wenn zum Beispiel
kranke Familienmitglieder gepflegt werden müssen, die zu früh aus dem
Krankenhaus entlassen oder aus Kostengründen gleich ambulant operiert werden.
»Die billigsten der billigen Arbeitskräfte sind die Hausfrauen. Das ist das künftige
Modell von Arbeit«, meinte die Kölner Soziologie-Professorin Maria Mies,
Hauptinitiatorin des Kongresses, und fügte ein Zitat der
Politikwissenschaftlerin Claudia von Werlhof hinzu: »Der Proletarier ist tot,
es lebe die Hausfrau!»
Die bisherigen Erfahrungen mit der Privatisierung öffentlicher Daseinsfürsorge
zeigen, dass sie meist mit einer Verteuerung einhergehen, nicht selten gepaart
mit einem Verlust an Qualität. Seit der Privatisierung des Wassers in Großbritannien
sind die Preise um 50 Prozent gestiegen, Fälle von Hepatitis A um 200 Prozent
und die Ruhr-Erkrankungen sogar um 600 Prozent. Gesundheit und Bildung werden
zum Luxusgut. Soziale Standards, Umweltschutzbestimmungen und Frauenfördergesetze
könnten als »Handelshemmnisse« dem GATS zum Opfer fallen.
Wie wird das GATS verhandelt? Die Bremer Wirtschaftsprofessorin Susanne
Schunter-Kleemann berichtete in einem Workshop über die Entscheidungswege auf
europäischer Ebene. Für die EU-Staaten verhandelt die Kommission, und da
machen die Lobbyisten der Konzerne Druck. Sie können, da sie den Status »anerkannter
Gesprächspartner« haben, jederzeit bei der Kommission vorsprechen. Dieses
Recht haben noch nicht einmal Abgeordnete des Europäischen Parlaments. Für das
GATS engagieren sich der europäische Dachverband der Arbeitgeberverbände UNICE
und der Beraterkreis European Round Table of Industrialists (ERT). Im
ERT »ist alles vertreten, was in Europa unter den Multis Rang und Namen hat«,
so Schunter-Kleemann, zum Beispiel die Vorstandsvorsitzenden von Bayer,
DaimlerChrysler, Siemens, Vivendi und BP. Bei einem geplanten Gesetz oder
Abkommen kontaktieren die Lobbyisten zunächst den Beamten, der innerhalb der
Kommission zuständig ist. Nicht selten werden dem Beamten sogar ausformulierte
Vertragstexte oder Gesetzentwürfe vorgelegt. Dass sie in der Vergangenheit zum
Teil wortwörtlich von der Kommission übernommen wurden, haben Forscher aus den
Niederlanden mittlerweile bewiesen.
»Widerstand ist die Quelle des Wissens.« Diese Parole gab Maria Mies aus, denn
die GATS-Verhandlungen, die bisher hinter verschlossenen Türen stattfinden, können
nur durch massiven Protest zu einer öffentlichen Angelegenheit werden. »Es ist
oft ein Fehler, wenn man denkt, wir müssen gleich zur Regierung oder zu den
Multis und die überzeugen«, sagte die Schwedin Helena Norberg-Hodge,
gleichfalls Trägerin des Alternativen Nobelpreises, und schlug statt dessen
vor, dass jede Kongress-Teilnehmerin zehn Menschen über GATS aufklärt, die
wiederum je zehn Menschen informieren. Und Vandana Shiva mahnte, den Begriff der
»Dienstleistung« nicht kritiklos zu übernehmen: »Zu dienen heißt, mit Liebe
einem anderen etwas zu geben. Privatisierung meint das Gegenteil: etwas mit
Gewalt von anderen zu nehmen.«
Weitere
Informationen unter: www.attac.de/frauennetz
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Aufgabe:
Modularisieren Sie diesen Text:
-
überlegen Sie, welche verschiedenen Textsorten in dem Text verborgen liegen
-
teilen Sie den Text in entsprechende Textportionen, mögliche Bilder, Tabellen,
Grafiken auf
- entwickeln Sie eine Skizze, die die Verteilung der Module auf einer Layout-Seite zeigt
- holen Sie ggf. Zusatzelemente (wie Fotos) aus dem Internet.
© G.
Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de