Themengeleitetes Lesen
von Texten
¨
in Funktion eines Suchschemas
¨
Struktur
und Funktion der Frage
¨
Informationsverarbeitung konzentriert auf den durch
das Thema bezeichneten Bereich
¨
Selektion der
Informationen festgelegt - offen, welche Informationen
Form
des tagtäglichen Lernens aus Texten: Studium, Ausbildung...
Form des alltäglichen Lesens, z.B. der
Zeitungslektüre:
●
aufgrund des Interesses am Thema eine Information
herausfinden
●
als Ergänzung ins Wissensnetz integrieren und
dauerhaft behalten
●
unter Einsatz von Sachbereichswissen und Verfahrenswissen
für die Selektion von Textinformation
Thematische
Verarbeitung von Textinformation
= Hauptprozeß konstruktive
Auswertung von Texten
systematischen Ausbau
unseres Wissens
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Grzesik:
Das Kriterium für den Zugriff ist ein Thema, z. B. "Gründe für Arbeitslosigkeit" bei der Lektüre der Tageszeitung...
Sobald der Leser einen Text unter einem Thema betrachtet,
hat dies für seine Arbeit mit dem Text die
folgenden Konsequenzen: Die
Informationsverarbeitung beschränkt und konzentriert sich zugleich auf den
durch das Thema bezeichneten Bereich, weshalb das Thema die Funktion eines Suchschemas bekommt. Es entscheidet
darüber, was in den VerarbeitungsprozessVerarbeitungsprozeß
einbezogen werden soll und was aus ihm ausgeschlossen bleibt. Was gesucht
werden soll, ist genau in dem Maße schon entschieden, in dem das Thema darüber
informiert. Es ist aber offen, welche Information in diesem Bereich gefunden
wird. Das Interesse an einem oder mehreren Texten beschränkt sich auf diese
Information. Aufgrund dieser Offenheit hat das Thema prinzipiell die Struktur und Funktion der Frage ...
Deshalb ist der thematische
Zugriff keineswegs nur eine Kunstform des Unterrichts, die außerhalb des Unterrichts
nicht vorkommt, sondern nichts geringeres
als die intensive Form des tagtäglichen Lernens aus Texten. Es findet in
jedem Studium, in jeder Ausbildung und auch im alltäglichen Lesen, z.B. der
Zeitungslektüre, statt. Kennt der Zeitungsleser z. B. die mittlere Dauer der
Arbeitslosigkeit von wenigen Monaten und eine größere Zahl von Gründen für
Arbeitslosigkeit, z. B. Vermeidung eines Wohnungswechsels, Übergangsfrist beim
Antritt einer neuen Stelle, bewusstebewußte Pause
für eine längere Reise, Schattenwirtschaft etc., dann kann er aufgrund seines
Interesses an diesem Thema aus der Vielfalt der Informationen in einer Ausgabe
der Tageszeitung eine Information über die erstaunlich hohe Ausstattung von
Arbeitslosenhaushaltungen mit Immobilien und langlebigen Gebrauchsgütern
herausfinden, als eine Ergänzung in sein Wissensnetz integrieren und dauerhaft
behalten. Er kann darüber hinaus noch eine bewusstebewußte
Strategie für die Ausarbeitung [...] des derzeitigen Arbeitslosenproblems in
der Bundesrepublik einsetzen, z.B. die Strategie, zunächst die Kenntnisse über
Art, Einkünfte und Umfang unterschiedlicher Gruppen von Arbeitslosen zu
verbessern (z. B. Teilzeitarbeit ungelernter Frauen, Arbeitslosengeld, Anteil
an der Gesamtzahl der Arbeitslosen), dann diese Kenntnisse in möglichst viele
Beziehungen zu anderen Wissensbeständen zu setzen, z. B. zur Zahl der ausländischen
Arbeitnehmer insgesamt und der arbeitslosen Ausländer im besonderen, dann sein
bisheriges Urteil über "Massenarbeitslosigkeit" zu überprüfen, dann
über Möglichkeiten der Verringerung der Arbeitslosigkeit nachzudenken, dann
Lösungsvorschläge verschiedener politischer Gruppierungen zu recherchieren und
zu überdenken. Dieses einfache Beispiel eines Themas der alltäglichen
Kommunikation zeigt nicht nur den Einsatz von Sachbereichswissen und
Verfahrenswissen für die Selektion von Textinformation, sondern auch, dassdaß die thematische Verarbeitung von Textinformation
ein HauptprozessHauptprozeß
der aktiven konstruktiven Auswertung von Texten ist. Es geht hier um nichts
geringeres als um den systematischen
Ausbau unseres Wissens nicht aufgrund unmittelbarer Erfahrung, sondern durch die Verarbeitung von Textinformation.
J. Grzesik: Textverstehen lernen und lehren.
Stuttgart 21996,
253 ff.
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FACETTEN. Arbeitsbuch Deutsch für die Oberstufe.
Erarbeitet von Brigitte Bialkowski, Günther Einecke, Jörg
Ulrich Meyer-Bothling,
Doris Post, Eike Thürmann, Christoph Walter. Leipzig: Klett
2002
