Allgemeine
Ziele kreativen Schreibens und kreativer Übungen sind:
Sensitivität
für Personen, Umwelt und Probleme (Anschaulichkeit, Vorstellungskraft...)
Variabilität
(Erhöhung der Aufnahmebereitschaft, Absehen vom Gewohnten...)
Flexibilität
(Einfallsreichtum, Wendigkeit...)
Originalität
(divergierendes, nonkonformistisches, erfinderisches Denken...)
Fähigkeit
zur Umstrukturierung, also:
durch Ergänzung, Zentrierung, Anpassung, Gruppierung, Neudefinieren
„eine strukturell unbefriedigende Situation in eine befriedigendere“
(Wertheimer) zu überführen
Übungen:
Geläufigkeit:
alle Gegenstände aufzählen, die z.B. hart sind; oder: weich; hart und kantig; weich und rund...
Synonyme
finden: z.B. schwarz - dunkel
Schlangenwörter:
Türschloss, Schlossberg, Bergwerk, ...
Clustertexte: engl. Traube, Schwarm
-
die zentrale Idee, ein Thema, ein Bild etc. als Zentrum
-
ein Netz von Einfällen darum herum, auch mit neuen Kernen
- spontan, assoziativ
- gruppiert, verbunden
- als Basis für einen Text: Erzählung, Beschreibung, Bericht,
Problemdarstellung...
z.B. zu einem Stichwort: „Hochhäuser“ ...

Flexibilität:
mehrere
Verwendungszwecke für einen alltäglichen Gegenstand: Ziegelstein -
zum Bauen, werfen, malen...
zu
vorgegebenen Bildszenen: alle Einfälle, eine Geschichte, eine Veränderung
der Situation schreiben
Reißverschlusslyrik:
1. Zeile schreiben, 2. nur denken, , 3. wieder schreiben; der nächste
schreibt die 2., denkt sich die 4. und schreibt wieder die 5., u.s.w.
Reihumgeschichten:
Ort, Zeit und Personen werden vereinbart - jeder schreibt dann drei, vier Sätze
als Anfang einer Geschichte, faltet das Blatt bis auf den letzten Satz nach
hinten, so dass der nächste nur diesen liest und weiterschreibt...
Texte
aus einer anderen Perspektive neu schreiben
Texte
in eine andere Textsorte umschreiben
Originalität
/ Phantasie:
Konsequenzen
einer hypothetischen Neuerung darstellen: eine Erfindung, die das Essen überflüssig
macht...
neue
Verwendungszwecke für alltägliche Gegenstände - für bestimmte
menschliche Bedürfnisse neue Erfindungen
„Was
würde geschehen, wenn..?“-Geschichten schreiben: Wenn das Fernsehen 1
Monat lang ausfiele...
Prognosen
entwerfen: mein Berufsleben in 40 Jahren
einen
Romananfang erfinden - aus Satzanfängen eine kurze Geschichte
entwickeln - Texte ohne Schluss fortsetzen
Geräuschkulissen
herstellen (z.B. mit einem szenischen Ablauf; mit Hilfe von Geräusche-CDs;
auf Audiokassette) - dann
andere zur Geräuschkulisse eine Geschichte schreiben lassen
Reportage
zu einer imaginären Veranstaltung: Mozart und Elton John treffen
sich
Texte nach Reizwörtern: Zeitung - Messer - Korken / Schuh - Schlüssel - Stuhl
ein fiktiver Briefwechsel: zu fünft; jeder erhält eine Rollenspielkarte (Name, Alter, Geschlecht, Beruf, Familie, Freizeitvorlieben etc.); man schreibt sich gegenseitig, auch überkreuz und parallel
Haiku:
japan. Kurzgedicht über ein Bild, einen konkreten Gegenstand oder eine
konkrete Situation in der Natur -
1. Zeile = 5 Silben, 2. Zeile = sieben Silben, 3. Zeile = fünf
Silben!
Elfchen:
11 Wörter in folgender Verteilung : 1. Zeile 1 Wort, 2. Zeile 2 Wörter, 3.
Zeile 3 Wörter, 4. Zeile 4 Wörter, 5. Zeile 1 Wort; dazu die Tendenz,
metaphorisch zu sprechen und auf eine Pointe hinzuarbeiten, z.B.:
Hoch
über
Wolken
segeln
wir beide
mit
leichtem, beschwingtem Herzflügelschlag.
Absturz!
Klopfwörtertexte:
8 - 10 Klopfzeichen werden gegeben, bei jedem Zeichen schreibt man das Wort
hin, das einem gerade im Kopf ist; aus diesen Wörtern erstellt man in 10 -
15 Minuten einen Text
Kurzkrimis:
zu verrückten Code-Sätzen eine Krimihandlung erfinden; z.B. „ 'Aber ich
musste doch wirklich hinein', schluchzte der Mann mit dem blauen Auge“
- oder: „Sie packte den Wagenheber wieder ein und ging ans
Wasser.“
eine
Alltagssituation skizzieren und darin einen Monolog schreiben über
ein besonderes Ereignis - zufällige Begegnung
zu
einem Bildimpuls einen Text schreiben: z.B. Zeitungsfoto
Beziehungsspiel:
Fotos von Personen aus Zeitschriften; jeder verfasst eine Selbstbeschreibung
in Ich-Form; einen Ort auslosen, an dem sich alle Personen Treffen; jeder
schreibt eine Einladung an einen anderen; anschließend wird erzählt, was
X. mit Y. an jenem Ort gemacht hat; etc.
Schreiben
nach Musik
konkrete
Poesie - Text-Bilder
Blicke
aus dem Fenster
Spiegelgeschichten:
einen Ablauf entwickeln und an einer Umschlagstelle wieder rückwärts
weiterschreiben
Streit-
und Versöhnungsgeschichten
Falttexte:
Auf einem Blatt Papier. Einer beginnt einen Satz in einer Zeile. Der nächste
liest den letzten Satz, schreibt einen Satz hinzu, faltet bis auf seine
eigene Zeile alles Vorige nach hinten, so dass man es nicht sieht, und
reicht das Blatt weiter. Jeder sieht also immer nur den letzten Satz und
schreibt einen neuen hinzu.
(in: Einecke, Günther: Kompensatorisches Denktraining im kompensatorischen Sprachunterricht
des
Faches Deutsch. In: DU 3 / 1972, 36 f.
und:
Ders. In: Thema: Sprache Bd. 10. Bielefeld: Cornelsen/Hirschgraben 1992, 64 ff.)
Böttcher,
Ingrid (Hrsg.): Kreatives Schreiben. Grundlagen und Methoden, Beispiele für
Fächer und Projekte, Schreibecke und Dokumentation. Berlin 1999
Darin:
Assoziative
Verfahren:
Spielerisch-experimentelle Assoziationsverfahren:
Cluster und Gegensatzcluster - automatisches Schreiben - Schreiben zu Reizwörtern
- Wörterbörse - Akrostichon - Abecedarium - Wörter finden - bildliche
Assoziationen (z.B. Weg) - sternförmiges Denken
Meditative Assoziationsverfahren: Fantasiereise - Metaphern-Meditation - Wahrnehmungsübungen/Fokussieren
Schreibspiele:
Schreibspiele:
Geschichten reihum - Geschichten erwürfeln - Gedichte reihum - Wörter finden:
Klopfwörter, Wörtersack/Wörterkoffer - Schatz-Regal - Landschaftsmalerei
Schreiben
nach Vorgaben, Regeln, Mustern:
inhaltliche
Vorgaben: z.B. Thema,
Satzanfang
formale
Kriterien: z.B. des
Sprachgebrauches, aber auch visueller Aspekte wie beim Akrostichon: die
Buchstaben eines Wortes untereinander geschrieben bilden den Anfang einer
Textzeile
strukturelle
Regeln: z.B. Elfchen,
Schneeballgedicht
literarische
und textorientierte Muster:
z.B. Rondell, Kurzroman
Gedicht
mit allen Sinnen - Zeilen umbrechen - Geschichten zu Wörtern - Schreiben zu
mathematischen Vorgaben - serielles Schreiben - metaphorisches Schreiben -
Textreduktion
Schreiben
zu und nach (literarischen) Texten:
Methoden des Schreibens zu Gedichten: Zeilen füllen/Löchertexte - Textreduktion
Methoden des Schreibens zu Geschichten: zu Ende schreiben - zusammensetzen/erweitern - Löchertexte - über den
Rand hinaus schreiben - sukzessives Ergänzen von Satzanfängen -
perspektivisches Schreiben: Ich-/Du-/Er-, Sie-Form - Werbetexte -
Rechengeschichten - Rezepte - Bilderbücher
Schreiben
zu Stimuli:
Musik
- Bild - Musik und Bild - Tanz/Bewegen - Tanz/Bewegen und Musik - Gegenstände -
selbst gemachtes Bild - vier Elemente, z.B. Wasser - Landschaft, z.B. Insel -
Orte, z.B. Museum - Fantasiereise - mathematische Begriffe/Zahlen/Größen -
Textzeilen - Wörter
Weiterschreiben
an kreativen Texten:
sukzessives
Ergänzen von Textanfängen - Textreduktion - Zeilen umbrechen - Rondell - über
den Rand hinaus schreiben - Textlupe - Spezialisten - Weiterarbeit an Stationen
- Operieren mit Textteilen
Beispiele:
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ5/seminare/1999ws/lit-schreiben/index.html
Literarisches Schreiben
http://www.polycollege.ac.at/sw/
Virtuelle Schreibwerkstatt
http://www.learn-line.nrw.de/angebote/maerchen/foyer/basar/widiges.htm
Schreibwerkstatt Märchen
http://www.deutsch-netz.de/kreativesschreiben.html
zu W. Leimeier: Ein herrenloses Damenfahrrad
demgegenüber:
Produktive Textrezeption
Die Produktion setzt die sinnliche Erfahrung eines Originaltextes voraus
und ergänzt diese durch eigene sinnlich-subjektive Handlungen, die aber
letztlich dem besseren Textverständnis dienen sollen:
an
Texten streichen, Texte umschreiben, umbauen, umerzählen, umgestalten;
auf
Figurenreden erwidern, in die Rolle von Mitspielern schlüpfen und aus ihrer
Sicht Textteile neu schreiben, im „literarischen Rollenspiel“ (Eggert/Rutschky)
Texte an Textfiguren verfassen oder als Textfigur agieren und sprechen;
Texte
persiflieren, kürzen, verfremden, in andere Textsorten übersetzen,
grafisch aufbereiten;
Texte
erspielen, vertonen, zerschneiden, zum Puzzle machen;
Texte
mit Marginalien, Fußnoten oder Denk- und Sprechblasen versehen;
Textfiguren
einen anderen Charakter geben, sie austauschen, Situationen im Text verändern,
Tagebuchnotizen dazuerfinden;
Zwischentexte,
Textfortsetzungen, Paralleltexte und Gegentexte schreiben;
Stil
und Sprachform ändern;
Texte
trivialisieren, kritisieren, rezensieren, illustrieren etc. (vgl. Ingendahl,
Haas, Spinner [1986]);
an „Leerstellen“ (Iser) eingreifen: Ausgespartes mitteilen, offene Bezüge zwischen Textsegmenten kombinieren und explizieren, Brüche zwischen Textteilen und Reibungen zwischen Textaussagen überwinden, offene Stellen fortführen, Angedeutetes konkretisieren, Perspektiven übernehmen oder abwandeln etc.
dazu s.:
http://www.fachdidaktik-einecke.de/4_Literaturdidaktik/produktionsorientierte_verfahren.htm
http://www.fachdidaktik-einecke.de/4_Literaturdidaktik/produktverfahren_szen_texte.htm
http://www.fachdidaktik-einecke.de/4_Literaturdidaktik/produktionsorientierung_vorsicht.htm
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