Schreibstrategien für die literarische Textanalyse (G.
Einecke)
kognitiv-analytisch und
hermeneutisch
Grundoperationen: beobachten → beschreiben → erklären → deuten → werten
Grundhaltung: aus dem archimedischen Punkt = aus der Distanz den Text von außen sehen - mit Blick auf das Ganze und den Zusammenhang zwischen den Teilen
Dreischritt der argumentativen Interpretation: These zur Bedeutung eines Textteils → Beweis mit einer Textstelle [Stellenparaphrase (vgl.) / Zitat (S. ..., Z. ...)] → Erläuterung der Textstelle und ihrer Funktion
|
hermeneutischer
Aufbau im
Aufsatz ► |
Zugriff im
Analyse- und Interpretationsvorgang
► |
Einsatz
fachspezifischer Analyseverfahren |
|
Kurzinformation zum Text, knapper Inhaltsüberblick (keine Inhaltsangabe!) ▼ Auffälliges und Wirkung auf mich ▼ Verstehenshypothese: mein vorläufiges Verständnis
von der Textaussage ▼
Textanalyse: - Auffälliges und Bedeutsames
an Inhalt, Form und Sprache -
im Detail -
in den Beziehungen der Einzelheiten untereinander -
Funktion der Elemente für die Textaussage ↓ Interpretation: mein entwickeltes Verständnis
von der Textaussage: präzisiert, differenziert, korrigiert, erweitert... - mein Interpretationsansatz (biographisch, soziologisch, philosophisch, historisch...) - die Deutung des Gemeinten - der Sinn des Textes - die Textintention ▼
ggf. Einbau in größere Zusammenhänge: - Werkzusammenhang - Epochenzusammenhang - Ideenzusammenhang - Vergleich mit anderem Text ▼ ggf. Auseinandersetzung: - Beurteilung - literarische Wertung |
aspektorientiert einen
wichtigen thematischen Aspekt finden, weitere Textstellen zuordnen, mit
weiteren Aspekten verbinden; aber auch die Analyseverfahren und Gestaltungsmitteln
einbeziehen und so die Textaussage erarbeiten Risiko: Zusammenhänge werden nicht genug erklärt; zu wenige oder zu viele
Aspekte; im Inhaltlichen verharrend oder / und systematisch fachlich nach Analyseverfahren vorgehen, dabei verschiedene Schichten eines Textes untersuchen, Querbezüge herstellen, analoge Phänomene aus verstreuten Textstellen zusammenführen; die Funktion der Mittel für den Inhalt erarbeiten; die Gestaltung des Textes mit den Aussagen / Themen verbinden Risiko: zu wenig erklärend und deutend; nur in der Beschreibung verharrend oder / und von Schlüsselstellen her von
einer oder mehreren Schlüsselstellen ausgehen, sie gedanklich aufeinander
beziehen; aber auch die Analyseverfahren
und Gestaltungsmitteln einbeziehen und so die Textaussage erarbeiten Risiko: prüfen, ob man wirklich die Schlüsselstellen hat; sich nicht in
eine Stelle verbeißen; nicht im Inhalt bleiben oder textchronologisch / linear den
Text entlang nach den Textabschnitten,
Handlungsschritten, Strophen etc.; dadurch oft wechselnd in den
Aspekten; eigene Gliederungsidee mit Textgliederung abgleichen Risiko: Gefahr der reinen Textwiedergabe, Paraphrase; zu distanzlos an den
einzelnen Sätzen und Zeilen klebend |
allgemeine Methoden: ▪ Inhaltsanalyse
- Strukturanalyse - Kommunikationsanalyse - rhetorische Analyse - Sprachanalyse
- Argumentationsanalyse - Konfliktanalyse - ... ▪ in
verschiedene Ebenen schauen: Situation - Figuren - Handlung - Bauform, Konstruktion
- Sprache - Bilder - Motive - formale Mittel - Text-Leserbezug -... ▪ Beziehungen
zwischen den verschiedenen Ebenen zeigen: Kontrast - Analogie - Hervorhebung
- Ironie - Groteskes ... gattungstypische Methoden: ●
Erzähltextanalyse: Raum, Zeit, Personen, Handlung, Problemkreise; Erzählverhalten,
Redeformen, Bauform, Höhe-, Wendepunkte;
Leitmotive; parabolische Darstellung (Sach- und Bildebene); novellistische
Darstellung (finale Gestaltung: Vorausdeutungen) ●
Szenenanalyse: Dialogformen, Personenauftritte, Konflikte, Handlungsalternativen,
Handlungsziele, -motive, Sprachhandlungen u. konkrete Handlungen, Bedingungen
der Sprechsituation, Inhalts- und Beziehungsebene, Funktion der Szene in der
Szenenfolge ●
Gedichtanalyse: lyrische Formen (traditionelle Strophik,
Metrum, Reim, Kadenzen - moderne Formen wie Reihungen, assoziative Ketten,
freie Rhythmen, ...), Wirklichkeitsausschnitt und seine lyrische Gestaltung
durch: lyrische Situation (lyrisches Ich als authentisches Ich, Rollen-Ich...),
Stimmungen, Blickführung, semantische Felder, Metaphern, Motive, rhetorische
Mittel, stilistische Mittel (Wortwahl, Satzbau...), Verfremdungen, Topoi, Appelle
etc. |
© G. Einecke -
www.fachdidaktik-einecke.de