Beispiel für  Varianten der Filmkritik

-------------------------------------------------------------------------------------------------

►►► Die Filmvorlage: Infos und szenische Eindrücke:

Der Schakal

Szenenfoto

Titel Deutschland: Der Schakal
Titel USA: The Jackal
Genre: Thriller
Farbe, USA, 1998, FSK 16

Kino Deutschland: 1998-03-12
Kino USA: 1997-11-14
Laufzeit Kino: 124 Minuten
Kinoverleih D: Concorde Filmverleih

Video Deutschland: ja
Laufzeit Video: 120 Minuten
Anbieter:

DVD Deutschland: 2001-02-01
Laufzeit DVD: 137 Minuten
Anbieter: Columbia Tristar

Niemand kennt seine Identität, sein Ziel oder gar seinen Zeitplan. Doch als der Schakal für ein Kopfgeld von 70 Millionen Dollar angeheuert wird, um öffentlich eine der prominentesten Polit-Persönlichkeiten der Welt zu töten, setzen die Geheimdienste zweier Regierungen alles daran, das Attentat zu verhindern.

Ihre Chancen: dürftig. Der Killer ist zu schnell, zu wandlungsfähig, zu kaltblütig. Wo immer der FBI-Mann Preston und seine russische Kollegin Valentina bei der globalen Hatz hinkommen, finden sie nur blutige Spuren.

Ihre einzige Hoffnung: Jemand, der politisch motivierte Gewalt aus erster Hand kennt und den Schakal womöglich identifizieren kann. Ein Mann wie der zu lebenslanger Haft verurteilte Ex-Terrorist Declan Mulqueen. Er gibt sein Wort, das FBI zu unterstützen, anstatt bei erstbester Gelegenheit zu flüchten. Mehr nicht.

Doch schon bald gerät Mulqueens große Liebe, die Baskin Isabella, zwischen die Fronten. Jetzt wird die Jagd persönlich. Der Schakal ist amüsiert. Die Uhr tickt unerbittlich. Und dann blitzt in Washington plötzlich Mündungsfeuer auf ...

 

Darsteller: Bruce Willis (Schakal), Richard Gere (Declan Mulqueen), Sidney Poitier (Carter Preston), Diane Venora (Valentina Koslova), Mathilda May (Isabella), J. K. Simmons (Witherspoon), Stephen Spinella (Douglas), Richard Lineback (McMurphy), Jack Black (Lamont), John Cunningham (Donald Brown), Michael Caton-Jones (Mann auf Video)

Regie: Michael Caton-Jones

Stab: • Produzenten: James Jacks, Sean Daniel, Kevin Jarre • Drehbuch: Chuck Pfarrer • Vorlage: Roman "Der Schakal" von Frederick Forsythe • Musik: Carter Burwell • Kamera: Karl Walter Lindenlaub • Spezialeffekte: - • Ausstattung: Michael White • Schnitt: Jim Clark • Kostüme: Albert WolskyMake Up: - • Ton: - • Toneffektschnitt: - • Stunts: Joe Dunne (Koordination) •


 

►►► Die Filmkritiken

 

 

film-dienst 05/1998: Die ambitionslose Neuverfilmung eines bereits 1972 von Fred Zinnemann adaptierten Romans von Frederick Forsyth wartet zwar mit zwei Superstars und vielen modischen Effekten auf, vermag aber seiner Vorlage keinerlei neue Facetten abzugewinnen. Im Gegenteil: Die Neuinszenierung fällt in jeder Hinsicht ab.

TV Movie 06/1998: Bruce-Willis-Fans dürfte das Herz höher schlagen: Selten hat sich der Hollywood-Held so wandlungsfähig präsentiert. Mit seinen rollenbedingten Tarnungs-Intermezzi (u. a. als Pauschaltourist, tumber Redneck und schwuler Softi) spielt er die graue Maus Richard Gere glatt an die Wand. Das auf die 90er Jahre zurechtgetrimmte Drehbuch hat solche Überraschungen leider nicht zu bieten. Einmal mehr ist die Russen-Mafia der urheber alles Bösen. Immerhin - die junge Kinogeneration, die das Zinnemann-Original nicht mehr kennt, wird hier ganz annehmbar unterhalten.

TV Today 06/1998: Die paar guten Radauszenen wirken inmitten des dramaturgischen Wirrwarrs wie unerwünschte Zwischenfälle.

TV Spielfilm 06/1998: Streckenweise spannendes Remake, das aber an keinem Klischee vorbeikommt.

Cinema 03/1998: Mittelprächtiges Remake eines großartigen Thrillers.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ernst Corinth über Der Schakal

Der Schakal ist ein ganz gerissener Hund. Sogar die russische Mafia legt er rein und verlangt von ihr für die Ermordung des FBI-Chefs sage und schreibe 70 Millionen Dollar: ,,Die Hälfte im voraus, der Rest nach Lieferung.'' Und was macht die Mafia? Nun, sie denkt nicht lange nach und zahlt das Geld. Dabei hätte sie in jeder x-beliebigen Großstadt nicht nur der USA einen Profikiller für einen Bruchteil der Summe dingen können. Doch so ist die Russen-Mafia im Kino eben: großspurig, stinkereich und brutal-dämlich.

Aber der Schakal ist nicht nur gerissen, sondern auch ziemlich umständlich. Da bereitet er sich in Kanada äußerst penibel auf seinen Killer-Job vor, bringt so ganz nebenbei noch ein paar ihn nervende Zeitgenossen um, und dann will er die Grenze zu den USA überschreiten, was eigentlich kein Problem sein sollte, doch unser Schakal wählt den verzwicktesten aller Wege: Er kauft ein Segelboot und nimmt ausgerechnet an einer Regatta (Ziel: Chicago) teil.

Und der Schakal ist trotz seiner neckischen Mann-zu-Mann-Kußszene keineswegs schwul. Nein, auch wenn den Zuschauern der Schreck dabei so in die Glieder fährt, daß sie im Kino von Herzen aufstöhnen oder verlegen kichern. Denn nach gut einer Stunde löst sich der ,,schreckliche'' Verdacht in Wohlgefallen auf, und der schwule vermeintliche Sex-Partner des Schakals darf seine irdischen Sünden von nun an im Jenseits abbüßen.

Daß das Publikum so spürbar mit dem bösen Helden mitfiebert, hat einen simplen Grund: Bruce Willis. Der bewährte Action-Darsteller ist als Titelheld in Michael Caton-Jones' Remake von Fred Zinnemanns Kinoklassiker ,,Der Schakal'' der einzige Lichtblick, und seine Verkleidungskünste sind eine wahre Augenfreude. Mal gibt er sich als Hippie mit falschem blonden Langhaar, danach schaut er aus wie eine männliche Landpomeranze, um sich kurz darauf mit strohblonder Kurzhaarfrisur in einen eiskalten Engel aus der Business Class zu verwandeln.

Und natürlich ist Willis wieder so cool, cooler geht's nicht. Ohne einen Hauch von Emotion oder Abscheu und ohne Sadismus macht er seinen mörderischen Job und tötet. daß sich die Balken im Kino fast vor Angst verbiegen. Doch genau diese absolute Coolness, die er wie kaum ein anderer verkörpert, schätzen seine vorwiegend männlichen Fans, denen es dann auch konsequent egal ist, ob ihr Star den Bösen oder wie in der populären ,,Stirb langsam''-Reihe den Guten gibt.

Seine Gegenspieler in dieser zum Haareraufen konstruierten Geschichte machen es ihm zudem äußerst einfach: Sidney Poitier ist ein netter polternder FBI-Agent. Richard Gere, der als ehemaliger IRA-Terrorist aus persönliche Gründen die Polizei unterstützt, sucht zwar, aber findet in dem Spektakel nicht sein Profil. Und Diane Venora als russische Spezialagentin begnügt sich damit entweder zu rauchen oder sich just eine neue Zigarette anzustecken.

Daß der Film dann nach gut zwei Stunden westernreif endet, versteht sich von selbst. Obwohl ausnahmsweise eine Frau ihre Hände mit ihm Spiel hat und der strahlende Sieger sich als eifriger Kinogänger entpuppt, der sich endlich mal nicht vom nur scheintot hingestreckten Gegner überrumpeln läßt.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Gerhard Heeke über Der Schakal

"Der Schakal" ist ein skrupelloser Killer. Ähnlich skrupellos gingen die Drehbuchautoren mit der Vorlage um. Wer hofft, Fred Zinnemanns "The day of the jackal" in einer modernisierten Fassung zu sehen zu bekommen, dürfte heftig enttäuscht werden. Frederick Forsyths Romanvorlage diente allenfalls als Inspiration. Geblieben ist nur die Idee von einem skrupellosen Profikiller, der eine bekannte Persönlichkeit umbringen soll. Die Polizei ist ihm natürlich auf den Fersen.

Wie es z. Z. modern ist, wurde der Start der Geschichte nach Rußland verlegt. Das FBI und die russischen Sicherheitsbehörden arbeiten gemeinsam gegen die Mafia. Bei einer Razzia in einem Nachtclub kommt es zu einer Schießerei. Einer der Ganoven wird erschossen.

Dies ist der Anlaß für den russischen Paten, einen Killer mit der Exekution einer bekannten US-Persönlichkeit zu beauftragen. Er beauftragt den Top Hitman "Schakal" (Bruce Willis). Für 70 Mio US Dollar nimmt dieser den Auftrag an.

Aber die Pläne sickern zur amerikanischen Bundespolizei durch. Der FBI Mann Carter Preston (Sidney Poitier) und seine russische Kollegin Valentina Koslova (Diane Venora) nehmen die Jagd auf. Sie haben das Problem, daß nur wenige, die den Schakal gesehen haben noch leben. Es existieren keinerlei Fotos von dem Mann. Aber in der Gestalt des Ex-Terroristen Declan Mulqueen (Richard Gere) finden sie schließlich doch einen Helfer in ihrem Kampf. Dieser ziert sich zunächst, aber als seine große Liebe, die Ex-Freiheitskämpferin Isabella in die Schußlinie zu geraten droht macht er mit. Derweil rüstet der Terrorist hoch. Eine schnelle Maschinenkanone auf einem computergesteuerten Spezialunterbau ist schon sein. Nun muß er nur noch in die USA kommen ...

Die Story wurde der Zeit angepaßt. Der Killer arbeitet mit computergestützten Waffen und kommuniziert über Internet. Dagegen muten die Methoden der Sicherheitsbehörden schon recht altertümlich an. Dafür arbeiten die Russen und die Amerikaner - politisch korrekt - brav zusammen. Allerdings sind die Bösen dann doch eher bei den Russen zu suchen.

Es gibt einige Technikspielereien für Waffenfreunde, aber das High-Tech Spektakel kann den Zuschauer insgesamt nicht blenden. Dafür ist der Film einfach zu konventionell geraten. Die Geschichte ist vorhersehbar, die Charaktere eher flach geraten. Mit den kettenrauchenden, brutalen Russen und den heldenhaften, kooperierenden Freiheitskämpfern wird kein Klischee ausgelassen. Die Story mehr Löcher als ein namhafter Schweizer Käse. Die Personen verhalten sich teilweise so dumm, daß man sich fragt, wie sie es im Leben so weit gebracht haben. Um mal nur ein Beispiel zu nennen: Der Spezialist, der den Unterbau für die Maschinenkanone gebaut hat, quetscht den Schakal so aus, daß sein Ende kein Wunder ist. Eher schon die Art seines Endes. Auffälliger dürfte es wohl kaum zu machen sein. Sieht man mal von dem Toten ab, den der Schakal in einem Parkhaus hinterläßt. Ich hoffe, ich habe nun nicht zuviel verraten.

Bruce Willis legt den eiskalten Profikiller recht unpassend mit einem leichten Dauerlächeln im Gesicht an. Er kultiviert - diesmal auf der Seite der Bösen - seine Charaktere aus "Stirb langsam" oder "Last Boy Scout". Nach eigenen Aussagen soll ihm der Wechsel von Gut nach Böse gut gefallen haben. Aber er hätte den Schakal vielleicht doch etwas cooler, ruhiger und profihafter anlegen sollen. Na ja, vielleicht sehen wir ja in seinen nächsten Projekten einen besseren Bruce Willis. Voraussichtlich noch in 1998 wird er in "Mercury Rising" (auf der Seite der Guten), "Armageddon" und "Breakfast for Champions" zu sehen sein.

Richard Gere scheint die Rolle des irischen Freiheitskämpfers Declan Mulqueen wohl mit einer Rolle als Weiberheld verwechselt zu haben. Jedenfalls versucht er die ganze Zeit über mit diesem schmachtenden Blick rum, auf den seiner Meinung nach die Frauen wohl stehen und läßt keine Anmache aus.

Sidney Poitier ist nach "Sneakers" (1992) erstmals wieder in einer neuen Produktion auf der Leinwand zu sehen. Die Rolle des stellvertretenden FBI Direktors könnte man ihm glatt noch abnehmen. Aber auch diese leidet unter dem Drehbuch. Ich finde es faszinierend wie sich *leitende* Beamte des FBI mit untergeordneten Ermittlungsarbeiten abgeben und immer an der vordersten Front stehen. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Die schauspielerischen Leistungen von Mr. Poitier sind in Ordnung, wenn nun auch nicht gerade herausragend.

Diane Venora (einigen vielleicht noch aus "Heat" oder "Bird" in Erinnerung) als Major Koslova, bemüht sich redlich die russische Powerfrau rüberzubringen. Das dies nicht immer gelingt, liegt auch hier mal wieder an der bescheidenen Story.

Aber auch dem Regisseur Michael Caton-Jones ("Rob Roy", "Doc Hollywood") vermag die Geschichte nur so gerade eben zusammenzuhalten. Seine Erzählweise ist sehr konventionell und bringt auch keine neuen Ideen oder Sichtweisen. So sieht jeder beliebige runtergedrehte Thriller der 90er Jahre aus. Von Fesselung der Zuschauer oder imposanten Bildern keine Spur.

Wenn man in der Lage ist, zumindest zeitweise die unlogische Story zu verzeihen, bekommt man einen netten Spannungsfilm für einen verregneten Sonntagnachmittag. Es gibt schlimmeres, aber auch wesentlich besseres im Kino.

Fazit: Ein Spannungsfilm (nein kein Thriller) wie viele andere.

5 von 10 Aasfressern

http://www.dem.de/entertainment/kino/110/110048.html

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Filmkritik: Der Schakal
  Regie: Michael Caton-Jones / Darsteller: Bruce Willis, Richard Gere, Sidney Poitier, Mathilda May


Blutige Rache schwört ein russischer Mafia-Boß den USA, als sein Bruder bei einem Attentat durch das FBI ums Leben kommt. Deshalb heuert er den berüchtigten Profi-Killer Schakal (Bruce Willis) an, der für 70 Millionen Dollar vor aller Augen eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens ermorden soll. Als FBI-Mann Preston (Sidney Poitier) von dem geplanten Attentat erfährt, macht er sich mit seiner russischen Kollegin auf den Weg ins Gefängnis. Denn hier sitzt der vermutlich einzige Mann ein, der den mysteriösen Schakal je persönlich kennenlernen durfte und dieses Ereignis überlebt hat: der irische Terrorist Declan Mulqueen (Richard Gere). Der hat zunächst zwar nichts als Zynismus für die Regierungsbeamten übrig, läßt sich jedoch einspannen, als er erfährt, daß seine ehemalige große Liebe Isabella (Mathilda May) zwischen die Fronten geraten könnte. Nun beginnt ein großangelegtes Katz-und-Maus-Spiel, denn obwohl Mulqueen die Schritte seines Widersachers gut deuten kann, ist dieser ihm mit einer Reihe von Verkleidungen und modernster Tötungstechnologie immer ein kleines Stück voraus. Und der Schakal spielt mit seinen Häschern, denn die Jagd ist längst auch zu einer persönlichen Geschichte zwischen Mulqueen und ihm geworden - immer mehr blutige Spuren hinterläßt er auf dem Weg zum großen Showdown.

So unterschiedliche Werke wie "Doc Hollywood" oder "Rob Roy" gehen auf das Konto von Regisseur Michael Caton-Jones, der sich nun an ein Remake des 70er Jahre-Thrillers "Tag des Schakals" mit Edward Fox in der Hauptrolle wagte. Vielleicht wäre ein besserer Streifen gelungen, hätte sich ein John Woo in den Regie-Stuhl gesetzt. So lebt der Film hauptsächlich von Action-Profi Bruce Willis in seinen zahlreichen Verkleidungen. Komplett daneben ist hingegen Richard Gere, dem man den irischen Freischärler kaum abnehmen mag. Kann es wirklich sein, daß dieser charmante Kerl vor seiner Gefangenschaft blutige Gemetzel initiiert hat? Leicht unlogisch mutet auch die Gegebenheit an, daß man ausgerechnet einem Knacki, der zudem noch allein durch sein Versprechen an die Aktion und damit die amerikanische Regierung gebunden ist, die Leitung über das Unternehmen übertragen und mit Waffen ausgestattet hat. Und dann zum Schluß: Warum zündet der Schakal sein Todesfeuerwerk ausgerechnet im Getümmel der anwesenden FBI-Agenten, wo das Teil ohnehin per Handy ausgelöst wird und somit bequem aus einem Hotel drei Blocks weiter hätte erledigt werden können? Das hätte man nun wirklich besser machen können. (sm)                                           http://www.hinternet.de/film/schakal.htm

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

s. auch:

Martin Zinsser - Matthias Dube - Christian Habersetzer: Filmanalyse der Schakal