Didaktisierung für ein Jugendtheaterstück zum Thema „Medien“
Beispiel "Creeps"
1. Sachanalyse und Ideenfindung für eine Bearbeitung in Jg. 9 - 11
Creeps-Textbuch direkt bei: Hartmann und Stauffacher Theaterverlag, Bismarckstr. 36, 50672 Köln, Tel. 0221 - 51 30 79;
zum Inhalt:
|
|
CREEPS
von Lutz Hübner - Stück in 2 Akten -
UA: 1.4.2000, Deutsches Schauspielhaus, Hamburg
INHALT
Ein Musiksender hat ein Casting für einen Moderatoren-Job in der Sendung "Creeps" ausgeschrieben. Diese soll, wie könnte es anders sein, das neue Lifestylemagazin für junge, hippe Menschen werden, was die Aussicht, dort vielleicht moderieren zu dürfen, umso attraktiver macht. Die Schülerinnen Lilly, Maren und Petra sind bis in die Endrunde gekommen und müssen nun voreinander und vor der Testkamera ihr Können in den verschiedensten "Disziplinen" unter Beweis stellen. Die Konkurrenzsituation zehrt an ihren Nerven, denn alle drei haben ihr kleines Geheimnis, das einen möglichen Misserfolg bei diesem Casting zur Horrorvision werden lässt. Und während sie versuchen, sich gegenseitig zu übertrumpfen, auszutricksen und manchmal richtig fertig zu machen, merken sie nicht, dass sich hinter den Kulissen etwas zusammenbraut, das sie nur gemeinsam bewältigen können.
www.hsverlag.com
Bild: M. Doering, B. Ratschew (Foto: David Baltzer/ZENIT) in: http://www.grips-theater.de/repertoire/creeps_01.php
zum Autor: http://www.goethe.de/kug/pro/stuecke/huebner.htm
2. didaktische Schwerpunktsetzung, Ziele und Methodisierung:
thematische Aspekte: Jugend als Zielgruppe in Medien; Jugendliche als Mitwirkende in Mediensendungen (s. Vorabendserien, Casting etc.); medial vermittelte Lebensstile; Jugendliche als Konsumenten der Medienkultur; Jugendliche als Theaterbesucher etc.
dramaturgische Aspekte vom Text her: das Stück; seine Gestaltung (s. Umgang mit einer Ganzschrift; szenisches Interpretieren etc.)
Sprache: Jugendsprache in Medien - szenische Gestaltungsmittel (zwei Codes)
die Aufführungspraxis (s. u.)
die Rezeption des Stücks (s. u. Presse)
Aufführungspraxis und Presse:
1. Grips-Theater Berlin 2002
Creeps
- wie
man ein Fernsehstar wird
Regie:
Jürgen Zielinski
Spielort: GRIPS Theater 2002
Dauer: 1 Stunde 20 Minuten (keine Pause)
http://www.grips-theater.de/repertoire/creeps_01.php
Presse: http://www.grips-theater.de/repertoire/creeps_21.php
----------------------------------------------------------------
2. Comedia-Theater (Ömmes & Oimel) in Köln 2001
|
|
Inszenierung:
Andrea Gronemeyer
Bühnenbild & Kostüme: Petra Buchholz
Videoproduktion: Winfried Kaute
Darsteller: Beatrice Jean-Philipp Helga Reichert Tina Seydel Klaus Schweizer
2001
"Creeps"
wurde mit dem Preis des Festivals THEATERZWANG für Freie Theater NRW
ausgezeichnet.
(Foto in: http://www.petra-buchholz.de/bio.htm > Creeps)
Presse-Stimmen:
„Andrea Gronemeyer führt die Fäden der Regie so souverän, dass sie nie zu
sehen sind. Und die höchst aufwendige Produktion, mit echten Glanzleistungen in
den Sparten Bühne (Petra Buchholz), Video (Wilfried Kaute) und Musik (Patrick
Ehinger), gibt „Creeps" jene optische Brillanz, die das Thema
fordert." (Kölner Stadt-Anzeiger)
Hinweis: 'Creeps' ist eingeladen zum 18. Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW und dem Oberösterreichischen Kinder- und Jugendtheaterfestival "Schaexpir"
Presse (Kölner Stadtanzeiger und FAZ): http://www.petra-buchholz.de/presse/presse-5.htm
--------------------------------------------------------
3. BlueBox - Theaterjugendclub des Staatstheaters Nürnberg 2002
|
|
http://www.generation-dolly.de/creeps.htm
(Bild:
http://www.generation-dolly.de/creeps-fotos.htm)
------------------------------------------------------------------------
4. Schauspielhaus Chemnitz 2001
|
|
Lutz Hübner hat den Nagel der VIVA-Generation auf den Kopf getroffen, deren überspitzte Hochkultur täglich im Fernsehen zu bestaunen ist. Doch er ist weit davon entfernt, sie zu denunzieren. Mit viel Sympathie und warmherzig-bissigem Humor setzt er seine Protagonistinnen dieser ebenso faszinierenden wie abstoßenden Welt aus. ...
Premiere: 28.09.2001
Petra
Ich bin Petra aus Chemnitz oder, wie die richtigen Insider sagen aus KMStadt,
kultig und modern. Die heißeste Stadt im wilden Osten. Hier ist die Miss Big
Appel, jetzt für ganz Deutschland, ich und die Jungs hier präsentieren euch
die neuesten Megatrends, alles was läuft, hier ist immer was los bei Creeps,
und ich sage euch, bleibt dran ...
Maren
Je, Hallo Leute, hier ist wieder eure Maren, der megageile Kotzbrocken. Kleiner
Scherz. Okay, ich hab hier eigentlich einen Studiogast, eine Hamburger Deern,
die euch mal erklären wollte, wie man einen Batzen Geld für zwei T-Shirts
anlegt, ohne dafür in ein Irrenhaus eingeliefert zu werden. Aber gerade
klingelte ihr Handy, Mami fragt, welche Farbe das Taxi haben soll, das sie
gleich zur Kosmetikberatung bringen soll.
Lilly
He, du, ja du, ich rede mit dir. Leg die Fernbedienung weg. Du bist genau da, wo
du hinwolltest. Du bist bei CREEPS! Du wolltest doch in die high energy zone, wo
du dir die Charts und die wirklichen News runterladen kannst. Hör genau zu, wir
sagen dir, wo es langgeht. Ich bin Lilly, merk dir mein Gesicht, und wenn du
morgen in einen Club gehst, und ich bin nicht da, dann weißt du, daß der Laden
out ist.
Presse:
'Creeps'
oder was junge Mädchen nicht alles für den Ruhm opfern
"Zur Premiere des Stückes 'Creeps' von Lutz Hübner wurde gezeigt, wie
leicht sich junge Menschen durch Glanz und Ruhm verführen lassen. [...] Die
Charaktere, die dabei aufeinander aufeinander prallen, könnten
unterschiedlicher nicht sein. [...] Es beginnt ein Existenzkampf, der den drei
Schauspielerinnen die gesamte Gefühlspalette abverlangt. [...] Begeisterter
Applaus vom Publikum."
Nadin Schreiber, Chemnitzer Morgenpost, 1.10.2001
Geplatzte Träume von der Gllitzerwelt. Jugendstück "Creeps" auf der
Hinterbühne des Chemnitzer Schauspielhauses
"Eine wirkliche Chance hatten sie nicht. Maren, Petra und Lilly, die in ein
Studio kommen und glauben, den heißbegehrten Moderatorenjob für eine
Lifestyle-Musik-Show anzutreten. Lutz Hübners Jugend-Stück hatte am
Freitagabend im Chemnitzer Schauspielhaus Premiere. [...] Glücklicherweise
stellt Regisseurin Katka Schroth die Moral nicht allzu bedeutungsschwer aus,
sondern vertraut dem Spiel der drei Darstellerinnen, die es [...] schaffen, die
freilich ziemlich typisierten Lebenslinien der Teenager mehr als nur anzureißen
und die zwangsläufig entbrennende Konkurrenzsituation in dem Trio glaubhaft zu
machen."
Uta Trinks, Freie Presse, 1.10. 2001
http://www.theater-chemnitz.de/php/spielplan/details.php3?id=205&ort=2&seite=schau&monindex=2
----------------------------------------------------------------
creeps
Autor: Lutz Hübner
Übernahme
vom Deutschen Schauspielhaus in Hamburg
Regie:
Sabine Boss
Darsteller:
Franziska Henschel, Joanna Kitzl, Juliane Niemann und Oliver Masucci
Bühne:
Dorothee Curio
Kostüme:
Dorothee Curio
Dramaturgie:
Robert Koall / Barbara Kantel
Video:
Vera Berg, Stefan Corinth, Alexander Grasseck, Torge Möller, Frank Papenbroock
Musik:
William Minke
Sprache:
deutsch
ab
12 Jahre
Dauer:
75 Minuten
Rechte:
Hartmann & Stauffacher GmbH, Köln
Votum
für den Jugenttheater-Preis:
"Du bist zwischen 16 und 19 und immer noch kein Star im Fernsehen?
Bewirb Dich!" - Drei Mädchen sind zum Casting um die Moderatorinnenstelle
des trendigen Lifestyle-Magazins "creeps" in das Fernsehstudio eines
TV-Musikmagazins eingeladen. Da ist Maren, das verkrampfte, naturtrübe
Kelly-Kind, eine Ökotussi mit selbstgehäkeltem Schal, verkorkstem Elternhaus
und Dauerabonnement auf der Psychologencouch, da ist Petra, das authentische,
ehrliche Ossi-Mädel mit einem Herz aus Gold, das auf Freunde in
"KM-Stadt", also Chemnitz, setzt und das sexy Karriere-Girl Lilly, die
zu wissen meint, wie der Hase läuft und doch ein dickes Problem hat mit ihrem
im Hintergrund agierenden Medien-Papi. Aus dem Off heizt die unsichtbare Stimme
des Aufnahmeleiters Arno in denglischem Pseudo-Jugendslang die Akteurinnen an:
Ansagen, Interviews, Selbstdarstellungen sollen improvisiert werden. Jede der
drei versucht die anderen beiden zu übertrumpfen, es entbrennt ein gnadenloser
Konkurrenzkampf - bis Tränen fließen, Studiomöbel durch die Luft fliegen, Hände
und Nägel in Haut und Haar der Konkurrentinnen fahren. Zu spät erkennen die
Kandidatinnen, daß ihr Zwist von den Produzenten geschickt kalkuliert und
initiiert wurde: Er dient nur als Material für einen Trailer der Show, die
schon längst eine Moderatorin hat. Da gelingt es den dreien sogar, eine Allianz
zu schmieden und den Aufstand gegen den TV-Gott hinter den Kulissen zu proben.
Das klingt klischeehaft, und das ist es auch, aber die Regisseurin Sabine Boss
und ihre drei Darstellerinnen gehen mit den Vorgaben äußerst souverän um.
Wenn nötig, werden die Klischees bis zum äußersten ausgereizt und dann
gekonnt ins Ironische gewendet, was angesichts des pointenreichen Textes von
Lutz Hübner leicht und gut gelingt.
Bemerkenswert die Präsenz, Glaubwürdigkeit und Präzision, mit der die drei
blutjungen Schauspielerinnen Franziska Henschel, Joanna Kitzl und Juliane
Niemann ihre Rollen gestalten und sich mutig exponieren, wie die ebenfalls junge
Regisseurin Sabine Boss temporeich und ohne Schnick-Schnack das Medium Video
bedeutend, aber keineswegs aufdringlich in die Inszenierung einarbeitet.
Entstanden war "creeps" vor etwas mehr als einem Jahr als
Auftragsarbeit des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, wo man anläßlich des
100-jährigen Bestehens des "schönsten und größten Schauspielhauses
Deutschlands" (Frank Baumbauer) 100 Tage Theater für Kinder und
Jugendliche präsentierte. Lutz Hübner, Träger des Deutschen
Jugendtheaterpreises 1998 für "Das Herz eines Boxers", hat als rare
Ausnahme im deutschen Jugendtheater einen gegenwarts- und realitätsnahen Stoff
pfiffig und kritisch und doch ohne vordergründige Medienschelte zu Papier
gebracht. Mit "creeps" ist Lutz Hübner und dem Ensemble eine
energiegeladene, künstlerisch niveauvolle Weiterentwicklung dessen gelungen,
was man schwammig mit "Grips-und-Grütze"-Stil umschreiben könnte:
polarisierendes, parteiisches Jugendtheater, das es schafft, die (zeitlosen) Träume
und Sehnsüchte junger Menschen vor deren heutiger Realität mit punktgenauen
inszenatorischen Mitteln auf die Bühne zu bringen: selten zuvor hat man sich so
unterhaltsam moralischen Unterricht erteilen lassen (müssen). Wenn der zynische
Moderator am Ende selbst die Bühne betritt - im grauen Outfit eines uncoolen
Buchhalters übrigens - möchte ich nicht in des Schauspielers Haut stecken: Das
überzeugende Spiel der Darsteller könnte durchaus dazu führen, daß
aufgebrachte Jugendliche die Bühne stürmen, um den "Oberarsch" zu
vermöbeln ...
Tristan Berger (München)
Zum
Stück:
"creeps" soll es heißen, das neue hippe Lifestyle-Magazin eines
TV-Musiksenders, und dafür werden noch junge Moderatorinnen gesucht. Drei haben
es geschafft: Lilly, Maren und Petra sind bis in die Endrunde des Castings
vorgedrungen. Aber am Ende wird nur eine übrigbleiben - die, die sich beim
gemeinsamen Dreh vor der Testkamera am geschicktesten verkauft und die beste
Figur macht. Und jede der drei hat einen verdammt guten Grund, warum
ausgerechnet sie den Job unbedingt bekommen muß.
Angeheizt von der unsichtbaren Stimme des Aufnahmeleiters hinter der
Studioscheibe versuchen die drei jungen Frauen sich gegenseitig zu übertrumpfen
und gegeneinander Punkte zu machen. Dabei merken sie in der Hitze des Gefechts
zu spät, daß Big Brother auf der anderen Seite der Kamera längst die
Spielregeln geändert hat.
Offvoice
Wir hauen einen kurzen jingle rein, dann legst du los.
Maren
Hallo Leute, ich bin Maren, hallo und willkommen, ich find's klasse, daß ihr
dabei seid ... willkommen bei Creeps, der neuen Sendung, ich bin aus Hamm, ich
bin siebzehn und Löwe ...
Offvoice
Viel besser Maren, viel besser, wir lassen das mal so stehen, okay, ist ja nur
die Schnupperrunde.
Maren
Okay
Offvoice
Super Bingo und die volle Punktzahl für den Einstieg, relax.
Maren
Ich würde gerne nochmal was probieren.
Offvoice
Wir machen noch eine Menge Sachen, Maren. Power dich nicht aus, geh es locker
an, okay?
"Es
gibt in meinen Stücken keine Figur, die am Reißbrett entsteht. Es gibt immer
mehr oder weniger starke Modelle. Meistens zusammengesetzt aus Geschichten,
kurzen Beobachtungen oder Aktionen,die man selbst nicht durchzieht." Lutz Hübner
http://www.jugendtheater.net/ereignisse/kjtt6/inszenierungen-inhalte.asp?ID=17
6. Landestheater Detmold 2001
Y2K
- Jugendliche in Deutschland am Beginn eines neuen Jahrtausends
Optimistische
Zukunftssicht - aber kein fröhlicher Optimismus
Die
Jugendlichen sind heutzutage besser als ihr Ruf: von "Null Bock", von
Langeweile oder bloßem Abtauchen in die Fernseh- und Multimediawelt kann keine
Rede sein. Nach einer Jugendstudie aus dem Jahre 2000 lässt sich bei den
Jugendlichen - vor allem in den alten Bundesländern - im Vergleich zu den
vorangegangenen Jahren eine deutlich gewachsene Zuversicht auf die persönliche
wie auf die gesellschaftliche Zukunft feststellen, die Mädchen geben sich
hierbei insgesamt noch einmal optimistischer als die Jungen. Das heißt aber
nicht, dass die junge Generation nur aus unbekümmerten Optimisten besteht. Sie
kennen sehr wohl die Herausforderungen der modernen Gesellschaft, in der sie
leben, und sie wissen, dass Anstrengung, Leistungsbereitschaft und Ausdauer zum
Erreichen ihrer Ziele erforderlich sind. Gut vorbereitet auf die Zukunft fühlen
sich dabei diejenigen, die über gute Voraussetzungen wie Bildung, Unterstützung
durch die Eltern, klare Lebensplanung und Selbstvertrauen verfügen.
Trotz andauernder gesellschaftlicher Herausforderungen - hohe Arbeitslosigkeit,
Globalisierung und rascher Wandel in allen Lebensbereichen - sind Jugendliche
nicht mutlos, verängstigt oder leichtsinnig unbekümmert, sondern entschlossen,
Herausforderungen zu meistern. Bisweilen allerdings scheint die Zuversicht
angestrengt beibehalten zu werden, um sich nicht durch Irritationen (politische,
gesellschaftliche oder private Krisen) erschüttern zu lassen.
Im Vergleich Ost-West fällt auf, dass die Unterschiede immer größer als
geringer werden. Jugendliche im Osten erleben ihre Situation noch eher als
belastet und bedrückend. Aber andererseits zeigen gerade in den neuen Bundesländern
die Mädchen und jungen Frauen unter allen deutschen Jugendlichen den größten
Antrieb, ihre Situation selbst in den Griff zu bekommen.
Bei der Berufswahl wünschen sich die Mädchen weit häufiger die Möglichkeit,
interessante, kreative, abwechslungsreiche und nützliche Beschäftigungen zu
finden, sie möchten stolz auf ihre Tätigkeit sein können und sich
weiterentwickeln.
Die Lebensplanung der Jugendlichen schließt politisches Engagement fast vollständig
aus - vor allem in den neuen Bundesländern sinkt das Interesse an der Politik
rapide und richtet sich verstärkt auf Beruf und Familie.
Im Umgang mit den Medien zeigt sich folgendes Bild: Jugendliche verbringen im
Durchschnitt wochentags 2,5 und am Wochenende knapp 4 Stunden vor dem Fernseher.
Und hier, im Fernbereich, suchen und finden sie auch ihre Vorbilder, nicht mehr
im Nahbereich bei Eltern, Lehrern oder Freunden. Die Vorbilder - Schauspieler, Sänger,
Models, Moderatoren - nutzen sie, um sich deren Verhaltensmuster, Sprache oder
Mode abzugucken. Gerade durch schlechte Bildung und fehlende materielle Möglichkeiten
benachteiligte Jugendliche nehmen anstatt aktiv nur virtuell an der
Erfahrenswelt der Privilegierten, der "Schönen und Reichen" teil.
Kein Wunder also, dass durch die Aussicht, als Moderatorin von "Creeps"
ausgewählt zu werden, der Wunsch entsteht, die Seite zu tauschen und nun
anderen Mädchen als Vorbild zu dienen und Selbstbewusstsein, Mode und Glamour
zu transportieren.
Tätigkeit:
Moderatoren arbeiten im Bereich Nachrichten- und Magazinsendungen sowie auf dem
Unter-haltungs- und Showsektor. Sie führen bei TV und Hörfunk durch Sendungen,
präsentieren Unterhaltungsund Gameshows, leiten Talk- und Diskussionsrunden,
sprechen Nachrichten und verlesen Ansagen. Daneben auch Tätigkeit im
Veranstaltungs- und Messewesen sowie in den Bereichen Event, Sport, Touristik,
Animation und Präsentation.
Arbeitgeber /Auftraggeber: Rundfunk- und
Fernsehanstalten, Synchronisationsstudios, Messe-, Kongress-, Sport- und
Eventveranstalter und -agenturen. Moderatoren sind zumeist selbstständig.
Ausbildung: T V-Moderatoren sollen nicht nur - wie
die Rundfunkmoderatoren auch - schlagfertig sein und über eine wohlklingende
Stimme, gute Allgemeinbildung und eine professionelle, klare und flüssige
Sprechtechnik verfügen, sondern auch gut aussehen, telegen sein und
Ausstrahlung besitzen. Im Nachrichten-und Magazinbereich wird zumeist eine
fundierte journalistische Ausbildung (Journalistenschule, Volontariat) verlangt.
Auf dem Showsektor haben daneben auch Models, Reporter und Schauspieler mit
entsprechender Entertainmentbegabung eine Chance.
In der Regel muss ein Casting bestanden werden, das
entweder von Castingredakteuren bei den Sendern selbst oder von Castingagenturen
durchgeführt wird. Der Bewerbung um ein Casting muss ein Demoband beigelegt
werden. Es kann sehr hilfreich sein, im Vorfeld einer Bewerbung privaten
Unterricht bei einem Sprecherzieher bzw. Logopäden zu nehmen.
Im Hörfunk beginnt die Moderatorenkarriere meist über
ein Praktikum, die Sender bilden ihren Nachwuchs in der Regel selbst aus.
Einkommen: Angestellte Nachrichtensprecher bei
TV-Sendern verdienen zwischen 3000 und 6000 Euro monatlich, Ansager ab 2700
Euro, Talkmoderatoren werden pro Sendung bezahlt - ab 5000 Euro pro
Ausstrahlung, bei prominenten Talkern ist auch ein Vielfaches dieser Summe möglich.
Tätigkeit:
Entweder als selbstständige Agenten oder als angestellte Castingredakteure
Suche nach qualifiziertem Künstlernachwuchs und Talenten für das Showbusiness,
für Moderation, Ansage und Darstellung. Daneben auch Kandidatencasting für
Talkshows, Gameshows und Unterhaltungssendungen. Des weiteren Modelauswahl für
die Werbe- und Modebranche.
Arbeitgeber /Auftraggeber: Sendeanstalten, Casting-,
Model- und Werbeagenturen.
Ausbildung: Medienpädagogik, Psychologie,
Schauspiel, Moderator, Regisseur, Dramaturg. Die Sender haben für die Auswahl
jeweils erprobte Aufnahmeverfahren, die jeder Bewerber durchlaufen muss. Bei der
Kandidatenauswahl müssen Caster vor allem fähig sein, die Einsetzbarkeit der
Bewerber mittels Tiefeninterviews, Probeaufnahmen oder Simulationsproduktionen
auszutesten.
Einkommen: Festangestellte Caster verdienen
zwischen 2000 und 4000 Euro monatlich.
Plakate
mit bügelnden, saufenden, dösenden, vor dem TV rumhängenden Jugendlichen.
Pickelig, verschlafen, mit entgleisten Gesichtern.
Kein Glamour, sondern Leben live, authentisch, und zwar so authentisch, dass es
bestimmt eine Menge Arbeit gekostet hat, diese Authentizität herzustellen. Björn
sieht XXX. Wir sind Teil des wirklichen Lebens.
So verlogen hatte ich Realität noch nie gesehen.
Channelhopping, ein VJ bei XXX: er ist von seiner Aufgabe offensichtlich so überfordert,
dass sich massiv die Frage aufdrängt, warum gerade er diesen Job hat. Er
lispelt sich durch ein Interview, vermasselt drittklassige Pointen und hat
Probleme mit der Aussprache.
Wo sind denn die öligen Moderatoren von früher, Barbie und Ken, die
gutaussehenden Entertainment-Roboter, die alles im Griff hatten?
Niemand hat mehr was im Griff. Street credibility ist gefragt, irgendwie muss es
auf einmal echt sein.
Das ist nicht unsympathisch - das Problem ist nur: TV ist doch nie echt, oder?
Was wollen die denn? These: Barbie und Ken waren weit weg, die hat man
bewundert, aber so sah einfach niemand aus. Jetzt sind das Leute wie du und ich,
jeder kann ein Star sein (Andy Warhols fifteen minutes).
Der da mit dem Haltungsschaden auf dem Screen, das könnte ich auch sein. Der
Job beim TV ist nicht weiter weg als der Gig auf der Klassenparty, und plötzlich
ist TV ganz nah. Einfach anrufen, bewerben... und da hat es wieder den alten
Glam, da ist TV wieder die alte Sehnsuchtsverarbeitungsmaschine. Ich sage nicht,
dass das schlecht ist, man muss es nur wissen: es gibt keine Realität im
Fernsehen.
Ein
Casting für eine Moderatorenstelle (irgendein TV-Beitrag / Blick hinter die
Kulissen). Ein Mädchen wird gefragt, warum sie für diesen Job gut ist. Was
wollen die denn wissen? Was wollen die denn hören?
Nach dem Motto: Jetzt sag doch mal, warum du so klasse und unwiderstehlich bist.
Schlimmer kann man jemanden ja nicht fertig machen.
So war es dann auch, sie sagte nichts, löste sich quasi einfach auf, versank im
Erdboden und cut.
Der
Moment der Präsentation. Wann hat man sein Leben, gepackt wie einen Koffer, in
der Hand (Kleist). Wann wird man in Frage gestellt, oder bestätigt, oder in die
Enge getrieben und was bleibt da von einem übrig?
These: Wie weit hat das, was man zu sein glaubt, etwas mit einem selbst zu tun?
Victor Hugo war ein Idiot, der glaubte, Victor Hugo zu sein (Cocteau). X ist ein
Jugendlicher, der glaubt, ein Jugendlicher zu sein. Das ist ein harter Job. Vor
allem mit Arno in der Regie.
"Creeps"
von Radiohead mal ganz laut auf einer Bühne zu hören.
Drei
junge Mädchen treffen zu einem Casting im Studio ein, aus hunderten von
Bewerbungen wurden sie ausgewählt, weil sie Lebensgefühl, Trends, Lifestyle
ihrer Altersgenossen repräsentieren. Doch nur eine wird als Moderatorin gesucht
- so entwickelt sich zwischen den drei Bewerberinnen schnell eine Konkurrenz,
die in Rivalität mündet und zu erbitterter Feindseligkeit führt.
Wird die coole, toughe Lilly, schick und trendy, den Job bekommen, die
erfolgsverwöhnt und siegessicher auftritt. Oder entscheidet man sich für Petra
aus Chemnitz, unkompliziert, ungeschminkt, ehrlich und fast schon aufdringlich
verständnisvoll, die mit ihren 16 Jahren schon einen so genauen, so
durchschnittlich wirkenden Lebensplan entwirft. Vielleicht aber ist es auch
Maren, naturverbunden, umweltbewußt, zurückhaltend, die sich, ihrer Mutter,
der Welt beweisen muß, daß sie erreichen kann, was sie sich vorgenommen hat
und dafür bereit ist, alle Brücken hinter sich abzubrechen....
Als die Entscheidung schon greifbar nah erscheint, nimmt die Geschichte plötzlich
eine unerwartete Wendung, welche die drei Mädchen zu schonungsloser Ehrlichkeit
sich selbst und den "Konkurrentinnen" gegenüber zwingt.
7. Sandkorn-Theater Karlsruhe 2001
Presse:
"Creeps":
- BNN, vom 07.05.01
Und
immer schön trendy bleiben
Erstes
Gebot der Götter der Fernsehwelt: Eine Show ist gut, wenn sie gut verkauft
wird. Mit Kristiane Backer war Bravo TV sehenswert, dann folgte Heike Makatsch,
die den "Girlie"-Kult aus der Taufe hob aber auf dem Gipfel des
Erfolges abdankte. Abgelöst hat sie ein Küken namens Jasmin Gerat, die einen
Schönheitswettbewerb - nebenbei bemerkt: bei Bravo - gewann und sich damit für
die Moderation der Sendung qualifizierte. Wer sich zu verkaufen weiß, hat
Chancen im Showbiz. Harte Bandagen und die Bereitschaft zur Selbstverleugnung
sind der Preis des Erfolges, soweit die kurze Zusammenfassung von "Creeps",
der neuen Produktion des Sandkorn-Theaters am Bluemix. Autor Lutz Hübner
entwirft ein ironisches Porträt der TV-Glitzerwelt, deren Doppelgesicht sich
bereits im Titel des Stückes verbirgt: "Creeps" meint übersetzt
einerseits "Gänsehaut", bezeichnet aber auch einen unangenehmen,
widerwärtigen Zeitgenossen. Frank Landua fertigt daraus eine brillant
zweifarbige, realistische Inszenierung.
"Creeps"
ist quasi das neue Bravo TV, eine Show für Teenager, die Trends nachspürt oder
gar kreiert und die lebensnotwendigen Fakten liefert: Wer steht auf Platz eins
der Charts, welche Disco (neudeutsch: "Location") passt zu welchen
Klamotten und welches Sternbild zum eigenen. Und überhaupt. "Creeps"
sucht eine Moderatorin, Profil: hübsch, selbstbewusst, aufgeschlossen. Drei
Kandidatinnen stehen zur Wahl, Lilly, Petra und Maren. TV-Produzent Arno hat sie
zum Casting eingeladen, stellt sich aber nicht persönlich vor, sondern bleibt
unsichtbar. Seine Kommandos (mit der Stimme von Torsten Eikmann) kommen aus dem
Off. "Creeps", uraufgeführt im April 2000, ist ein höchst
aufmerksames Stück, Trends und gesellschaftliche Werte der jungen Generation
hat Lutz Hübner minutiös eingearbeitet.
Maren,
Lilly und Petra sind Konkurrentinnen im Rennen um den Moderationsjob, das
Casting endet im Streit. Ausgerechnet die naive Petra wächst über sich hinaus
und mahnt die anderen zur Vernunft, "Creeps" nimmt eine überraschende
Wende: Die Mädchen wehren sich, sprechen vor laufender Kamera über
Freundschaft, Familie und Zukunft. Das Showbiz hat verloren, doch Arno ignoriert
den kecken Protest des Trios. Letztendlich triumphiert die inszenierte Welt:
"Das ist die große Verarsche", sagt Lilly, das Individuum wird zum
Objekt.
Kristin
Naefe gibt die verrückt naive Petra mit sprühendem Charme und Natürlichkeit,
die im Nu von der temperamentvollen "Zone" (Zitat Lilly) zur vernünftigen,
bodenständig Zuhörerin wird. Juliane B. Zschau als Lilly trumpft brillant mit
rotzfrecher, kokettiere der Fassade auf, deren weicher Kern sich erst nach und
nach offenbart. Wirklich großartig meistert auch Daniela Rössl die Rolle der
schwierigen Maren, von Ehrgeiz und Eigensinn getrieben, zerbricht sie fast am
Streit der Konkurrentinnen, beherrscht sich jedoch mit eisernem Stolz - und
Dickkopf. Frank Landua beweist ein Händchen für die Bravo-TV-Zielgruppe,
"Creeps" wirkt bei allem Gekünstel echt, verzichtet aber auf den
moralischen Zeigefinger. Eine gut gewählte Besetzung in einem auffallend
kurzweiligen Stück vom Format eines kunterbunten Videoclips. -Tanja Kasischke-
http://www.sandkorn-theater.de/stuecke/creeps.html