Brigitte Bialkowski - Günther Einecke -
Jörg Ulrich Meyer-Bothling - Doris Post - Eike Thürmann - Christoph Walther
Leipzig: Ernst Klett Schulbuchverlag
2001
Text: Umberto Eco:
Der Name der Rose. München: Hanser (17) 1983
Film: Jean-Jacques
Annaud (Prod. Eichinger /Constantin) mit Sean Connery – F.
Murray Abraham u.a. – (VHS-Video)
neu:
DVD-Video
– Warner Bros. – Warner Home
Video Germany. Hamburg Juli 2004 [126 Minuten]
1.) Der Textausschnitt:
Vierter Tag - NONA - Worin der Kardinal del Poggetto, der
Inquisitor Bernard Gui und die übrigen Herren aus Avignon eintreffen ...*
[Adson
erinnert sich: ...] Auch mein Interesse wandte sich freilich gleich einem
anderen zu, von dem ich in jenen Tagen schon viel gehört hatte und dessen Name
stets aufhorchen ließ: Bernard Gui, wie ihn die Franzosen nannten, oder
Bernhardus Guidonis oder Bernardo Guido, wie er von anderen genannt wurde.
Er
war ein ungefähr siebzigjähriger Dominikaner von hagerer, aber straffer und
hoher Gestalt. Am meisten fesselten mich seine grauen und kalten Augen, die ihr
Gegenüber ausdruckslos anstarren konnten, aber auch häufig vielsagend
aufblitzten und seine Gedanken sowohl zu verbergen als auch im rechten Moment
gezielt auszudrücken vermochten.
Im
allgemeinen Begrüßungsaustausch war er als einziger weder huldvoll noch
herzlich, sondern stets - und auch das nur mit größter Zurückhaltung - höflich.
Als er Ubertin erblickte, den er wohl bereits kannte, trat er ihm mit
gemessener Achtung entgegen, fixierte ihn aber auf eine Weise, die mich
beunruhigte. Als er Michael von Cesena begrüßte, spielte ein schwer
definierbares Lächeln um seine Lippen, und ich hörte ihn tonlos murmeln:
„Drüben bei uns erwartet man Euch schon lange.“ Ein Satz, aus dem ich weder
eine Spur von Besorgnis noch einen Schatten von Ironie noch eine Mahnung oder
gar einen Befehl herauszuhören vermochte, auch übrigens keinen Schimmer von
persönlichem Interesse. Dann stand er vor William, und als er erfuhr, wer sein
Gegenüber war, betrachtete er meinen Meister mit erlesener Feindseligkeit; aber
nicht etwa, weil sein Blick unwillkürlich seine geheimen Gefühle verraten hätte,
dessen war ich mir ganz sicher (wenngleich ich mir durchaus nicht ganz sicher
war, ob dieser Mann überhaupt irgendwelche Gefühle hegte), sondern weil er ohne
Zweifel wollte, dass William seine
Feindseligkeit verspürte. Dieser gab sie ihm denn auch prompt zurück, indem er
mit übertrieben herzlichem Lächeln sagte: „Schon lange wollte ich einen Mann
kennen lernen, dessen Ruf mir in zahlreichen wichtigen Lebensentscheidungen
Lehre und Mahnung gewesen ist.“ Eine Begrüßung, die gewiss schmeichlerisch und
fast ehrerbietig klingen mochte, wenn man nicht wusste (und Bernard wusste es
sehr genau), dass eine der wichtigsten Lebensentscheidungen Williams gerade die
Absage an den Beruf des Inquisitors gewesen war. Aus der Art, wie die beiden
Männer einander musterten, schloss ich nichts Gutes: Wenn William sein
Gegenüber am liebsten in einem kaiserlichen Verlies gesehen hätte, so wäre es
Bernard gewiss eine Freude gewesen, sein Gegenüber von einem plötzlichen
Schicksal ereilt auf der Stelle tot umfallen zu sehen Und da Bernard in diesen
Tagen über eine Schar Bewaffneter gebot, begann ich um das Leben meines
verehrten Meisters zu fürchten.
Bernard
musste vom Abt bereits über die Verbrechen in der Abtei informiert worden sein,
denn während er so tat, als hätte er das Gift in Williams Worten nicht
wahrgenommen, sagte er gemessen: „Es scheint, dass ich mich in diesen Tagen,
auf Wunsch des Abtes und um die mir anvertraute Aufgabe im Interesse und zum
Wohl unseres Treffens zu erfüllen, mit überaus traurigen Vorfällen in diesen
Mauern beschäftigen muss, Vorfällen, die den pestilenzialischen Schwefelgeruch
des Satans ausströmen. Ich erwähne das, weil ich weiß, dass Ihr Euch einst, als
Ihr mir näher standet, an meiner und meinesgleichen Seite auf jenem Felde
geschlagen habt, auf welchem die Heerscharen des Guten mit denen des Bösen
ringen.“
„In
der Tat“, versetzte William, „aber dann bin ich zur anderen Seite
übergegangen.“
Bernard
steckte auch diesen Hieb ein, ohne mit der Wimper zu zucken. „Könnt Ihr mir
etwas Nützliches sagen über diese schlimmen Delikte?“
„Leider
nein“, erwiderte William höflich. „Mir fehlt Eure Erfahrung in schlimmen
Delikten.“ [...]
Es folgen die Kapitel Vesper, darin ein Gespräch Williams mit
einem Mönch über das Finden der Wahrheit - Komplet,
in dem Salvatore einen Zauber ankündigt - Nach
Komplet, in dem William und Adson die Bibliothek erkunden - Nacht, in dem William und Adson sehen,
wie Bewaffnete eine Frau gefasst halten, in der Adson seine „Geliebte“
erkennt...:
[...]
Jedenfalls hatten die Bogenschützen bei ihrer Patrouille durch Nacht und Nebel
den unseligen Salvatore mitsamt dem Mädchen erwischt, als er sich gerade an der
Küchentüre zu schaffen machte.
„Ein
Weib an diesem heiligen Ort! Noch dazu mit einem Mönch!“ sagte Bernard tadelnd
zum Abt. „Hochwürdiger Herr, wenn es sich lediglich um eine Verletzung des
Keuschheitsgebotes handeln würde, fiele dieses Sünders Bestrafung gewiss in
Eure Jurisdiktion. Doch da wir nicht wissen, ob die nächtlichen Umtriebe dieser
beiden nicht etwas mit dem Heil der hier weilenden Gäste zu tun haben, müssen
wir diesen dunklen Punkt zuerst klären. Auf, Elender!“ fuhr er den zitternden
Salvatore an und zog ihm mit raschem Griff aus der Brust das Bündel, das dieser
dort zu verbergen suchte. „Was hast du da?“
Ich
wusste es schon: ein Messer, eine schwarze Katze, die unter wildem Miauen
entfloh, als das Bündel geöffnet wurde, und zwei Eier, die nun zerbrochen
waren, so dass es aussah wie Blut oder gelber Schleim oder sonst eine
schmierig-unreine Masse. Salvatore war offensichtlich gerade dabei gewesen, in
die Küche zu schleichen, die Katze zu töten und ihr die Augen auszustechen,
nachdem er das Mädchen mit irgendwelchen Versprechungen dazu gebracht hatte,
ihm zu folgen. Mir wurde gleich klar, mit welchen Versprechungen: Die
Bogenschützen durchsuchten das Mädchen unter allerlei anzüglichem Gelächter und
zotigen Worten und förderten aus ihrem Kleid ein totes, noch ungerupftes
Hähnchen hervor. Und wie es das Unglück wollte, erschien in der Nacht, in der
alle Katzen grau sind, auch das Hähnchen schwarz wie die Katze. Ich aber dachte
nur, dass es mehr nicht bedurft hatte, um die hungrige Schöne herbeizulocken,
hatte sie doch schon vorige Nacht (aus Liebe zu mir!) ihr kostbares Rinderherz
liegengelassen.
„Oh,
oh, aha!“ rief Bernard Gui sehr besorgt. „Schwarzer Kater und schwarzer Hahn!
Ich kenne diese Paraphernalien...“ Er bemerkte William in der Runde. „Ihr kennt
sie doch auch, Bruder William? Wart Ihr nicht Inquisitor in Kilkenny, vor drei
Jahren, wo jenes Weib Verkehr hatte mit einem Dämon, der ihr in Gestalt eines
schwarzen Katers erschienen war?“
Mir
kam es so vor, als ob mein Meister aus Feigheit schwieg. Ich griff ihn am
Ärmel, schüttelte ihn und flüsterte voller Verzweiflung: „Nun sagt ihm doch,
dass es nur aus Hunger war!“
William
befreite sich aus meinem Griff und wandte sich artig an Bernard Gui: „Ich
glaube nicht, dass Ihr meiner vergangenen Erfahrungen bedürft, um Eure
Schlussfolgerungen zu ziehen.“
„Oh
nein, da gibt es viel maßgeblichere Zeugnisse“, sagte der Inquisitor mit feinem
Lächeln. „Stephan von Bourbon berichtet in seinem Traktat über die sieben Gaben
des Heiligen Geistes, wie Sankt Domenikus in Fanjeaux nach einer Predigt wider
die Ketzer gewissen Weibern verkündete, sie würden gleich sehen, wem sie bisher
gedient hätten, woraufhin plötzlich ein furchterregender schwarzer Kater in
ihrer Mitte erschien, groß wie ein Hund, die Augen riesig und glühend, die
Zunge blutig und lang bis zum Nabel, der Schwanz gestutzt und hoch
aufgerichtet, so dass man, wie immer die Bestie sich auch drehte, stets ihr
schamloses Hinterteil sah, das unerhört stank, wie es sich gehört für jenen
Anus, den vielerlei Satansanbeter, nicht zuletzt die Tempelritter, seit jeher
zu küssen pflegten in ihren Versammlungen. Als der Kater fast eine Stunde lang
die Weiber umkreist hatte, sprang er mit einem Satz auf das Glockenseil und
kletterte unter Zurücklassung seiner stinkenden Exkremente hinauf. [...]“
Ein
entsetztes Murmeln ging durch die Gruppe der Mönche, und viele schlugen das
Zeichen des heiligen Kreuzes.
„Herr
Abt, Herr Abt!“ fuhr Bernard Gui in gestrengem Ton fort. „Euer Hochwürden weiß
vielleicht nicht, was die Sünder mit diesen widerwärtigen Dingen zu tun
pflegen. Ich aber weiß es sehr wohl, das walte Gott! Ich habe gesehen, wie ruchlose
Weiber zusammen mit anderen ihrer Zunft in den dunkelsten Stunden der Nacht
schwarze Katzen benutzten, um Hexenwerk zu verrichten, das sie nimmermehr
abstreiten konnten: zum Beispiel rittlings auf dem Rücken gewisser Tiere im
Schutze der Nacht gewaltige Strecken zurückzulegen, gefolgt von der Schar ihrer
Sklaven, die sie in lüsterne Trolle verwandelt hatten... Und der Teufel
persönlich zeigte sich ihnen - oder jedenfalls glaubten sie fest daran - in
Gestalt eines schwarzen Hahns, und sie trieben's mit ihm, fragt mich nicht,
wie! Und ich weiß absolut sicher, dass mit Schwarzer Magie dieser Art erst vor
kurzem in Avignon Zaubersäfte gebraut wurden, um sie unserem Herrn Papst ins
Essen zu tun und ihn so zu vergiften. Er konnte dem Anschlag nur entgehen, weil
er wundertätige Ringe trug in Form einer Schlangenzunge, besetzt mit herrlichen
Edelsteinen, Smaragden und Rubinen, die ihm durch überirdische Kräfte
erlaubten, das Gift in der Speise rechtzeitig zu entdecken! Elf dieser
kostbaren Zungen hatte der König von Frankreich ihm geschenkt, dem Himmel sei
Dank, und nur so entging unser Herr Papst dem Tode! [...] ... Aber was halte
ich mich hier auf mit diesen widerwärtigen Praktiken! Der Papst selber hat sie
erst voriges Jahr genau beschrieben und verurteilt, in seiner Konstitution Super illius specula. Ich hoffe, Ihr
habt davon eine Abschrift in Eurer reichhaltigen Bibliothek, so dass Ihr
gebührend darüber meditieren könnt...“
„Gewiss,
gewiss, wir haben eine“, beeilte der Abt sich entsetzt zu versichern.
„Gut“,
schloss Bernard zufrieden. „Nach alledem scheint mir der Fall hier klar. Ein
verführter Mönch, eine Hexe und ein dämonischer Ritus, der glücklicherweise
nicht zur Ausführung kam. In welcher Absicht? Das werden wir sehr bald wissen,
ich opfere gern ein paar Stunden der Nachtruhe, um es herauszubekommen.
Hochwürden möge mir einen Ort zur Verfügung stellen, wo diese Gefangenen sicher
verwahrt werden können.“
„Wir
haben unterirdische Zellen im Fundament des Werkstattgebäudes“, sagte der Abt.
„Zum Glück werden sie selten benutzt und stehen seit Jahren leer...“
„Zum
Glück oder auch zum Unglück“, ergänzte Bernard und befahl den Bogenschützen,
sich den Weg zeigen zu lassen [...]
[Umberto Eco: Der Name der Rose. München: Hanser (17) 1983, 384-386, 419-422 = dtv 10551]
2. Protokoll der Filmsequenz:
im Film „Der Name der Rose“ (BRD/Italien/Frankreich.
1985/86 Regie: Jean-Jacques Annaud)

Bernardo
Gui,
Dominikanermönch und Inquisitor (F. Murray Abraham) - als Abgesandter des
Papstes zu Besuch im Kloster;
William
von Baskerville, Franziskanermönch und ehemaliger Inquisitor, der sich aber
von diesem Amt zurückgezogen hat (Sean Connery) - zu Besuch im Kloster, um mit
den päpstlichen Vertretern einen Disput über die „Armut“ zu führen;
Adson
von Melk,
Williams junger Novize (Christian Slater)
Salvatore, ein irrer
Mönch im Kloster (Ron Perlman) - Mitglied einer geheimen ketzerischen Bewegung;
Mädchen, aus dem Dorf
unterhalb des Klosters (Valentina Vargas);
Abbo, Abt des
norditalienischen Benediktinerklosters (Michael Lonsdale) - 1327
Vor dieser Szene hatte der junge Adson
eine überraschende Liebesnacht mit dem Mädchen aus dem Dorf. Während dieser
Nacht trifft ein Pferdegespann mit dem Inquisitor Bernardo in Begleitung hoch
gerüsteter Soldaten ein. Während gleichzeitig William und Adson einen Weg zu
dem gesuchten Buch durch das Labyrinth der Klosterbibliothek suchen, vollzieht
Salvatore auf dem Heuboden im Pferdestall ein magisches Ritual mit einem toten
schwarzen Hahn, einer schwarzen Katze, Kerzen etc. in Anwesenheit das Mädchens
aus dem Dorf. Als Salvatore einen Liebeszauber an ihr ausprobiert und sich mit
den Rufen „servicio pour l’amour de la femina“ auf das Mädchen stürzt, das den
Hahn unter seiner Jacke verstecken will, entsteht ein Brand.
(Sequenz: VHS-Video
– Zählwerk auf 00:00:00 ab
Anfang Warner-Sonne: 1:21:48 - bis 1:23:26 = 1’ 38’’;
DVD – Beginn der Filmwiedergabe: 1:21:30 – 1:23:18)
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Einstel-lungen |
Kamera/Ausschnitt/Personen/Handlung |
Text/Ton |
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1 |
Halbtotale/Innenraum des Stalls - aufgeregte Mönche löschen das Feuer, Bernardos
Soldaten packen das kreischende und sich wehrende Mädchen und halten es von
hinten; Bernardo läuft aus dem Off mit einem Begleiter auf die Kampfszene zu
- Kamera folgt ihm von hinten/Nah -
zeigt seinen kahlen Schädel mit der Tonsur - Soldat hält den Käfig mit
der Katze hoch |
Rufe:
Feuer! Da drüben! Bei den Ställen! Geräusch:
Kreischen Soldat:
Herr Bernardo, seht, was wir gefunden haben! Bernardo:
Durchsucht die Kreatur! |
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2 |
Halbtotale/Wischblende - Adson und William kommen durch eine Seitentür in
die Szene |
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3 |
Halbtotale/von vorne - das festgehaltene Mädchen; der Dominikanermönch,
der Bernardo begleitet, geht aus dem Off auf das Mädchen zu |
Mädchen:
Nein! Nein! Geräusche:
Handgemenge Bernardos Begleiter: Abite! Veite! |
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4 |
Nah - Abt
Abbo tritt hinzu, William und Adson im Hintergrund |
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5 |
Nah -
Adsons Gesicht in der Menge, besorgt vorkommend und zurückgehend |
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6 |
Halbnah/Schrägaufsicht - Bernardos Begleiter reißt dem Mädchen die Jacke
auf, sie wehrt sich heftig |
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7 |
Groß -
Adsons Gesicht, erschreckt |
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8 |
Halbnah -
Bernardos Begleiter entblößt im Kampf die Brust des Mädchens |
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9 |
Groß/Zwischenschnitt - ein Mönch verdeckt vor Schreck sein Gesicht mit
der Kutte |
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10 |
Groß -
Abbos Gesicht, ernst; William dahinter, ruhig beobachtend |
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11 |
Groß - 2
Mönchsgesichter, ein Mönch bekreuzigt sich |
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12 |
Halbnah -
Bernardos Begleiter entreißt dem halbnackten Mädchen den Hahn |
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13 |
Groß -
Gesichter zweier Mönche, einer hält ein Auge zu, blinzelt aber mit dem andern
auf das Mädchen |
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14 |
Groß/Bernardos Kopf von hinten - Bernardo wendet sich um und spricht; er erkennt William
und unterbricht sich kurz; |
Bernardo:
Ehrwürdiger Abt! Ihr habt mich gebeten, eine Untersuchung durchzuführen über
das Wirken des Bösen in Eurer Abt[ei]... |
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15 |
Groß -
Williams Gesicht, schaut Bernardo an |
|
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16 |
Groß/Gegenschuss - Bernardos Gesicht, sieht William an, zorniger Blick; er spricht
weiter |
Bernardo:
Und hier ist schon der Beweis! - |
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17 |
Nah/aus Bernardos Perspektive, sein Hinterkopf links
im Bild - auf William und Adson,
der ängstlich blickt |
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18 |
Amerikanisch
- Bernardos Begleiter hebt den Hahn hoch |
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19 |
Halbtotale
- Salvatore, jammernd, Soldat neben ihm |
Bernardo:
Wie oft sind sie mir nun schon |
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20 |
Amerikanisch
- Bernardo, William, Abbo; Bernardo erhält Hahn und wedelt mit ihm vor dem Abt;
er packt mit der anderen Hand die schwarze Katze, hält beides vor Abbo und
spricht weiter |
begegnet, diese grässlichen
Requisiten der schwarzen Magie: der schwarze Hahn, die schwarze Katze... |
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21 |
Nah/Adson von der Seite - Adson betrachtet die Szene; spricht leise zu
William; Schwenk zu William |
Adson (überblendet): Sie tat es nur, weil sie Hunger hatte. Sagt ihm
das, Meister! |
|
22 |
Halbnah/ William in Schrägaufsicht mit im Bild /
Blick aus seiner Perspektive:
Bernardo mit Hahn und Katze in der Hand, spricht vorwurfsvoll zu William |
Bernardo (fade in):...
wird sich sicher noch an den Prozess erinnern, bei dem er (Blick zu
William) den Vorsitz führte. In dem eine Frau
gestand, Verkehr gehabt zu haben mit einem Dämon in Gestalt einer schwarzen
Katze. |
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23 |
Nah/Gegenschuss/Bernardos Perspektive auf William
und Adson - William spricht; Adson
blickt sich nach ihm um |
William:
Ich bin überzeugt, dass Ihr nicht erst auf meine Erfahrungen in der Vergangenheit
zurückgreifen müsst, um Eure Schlussfolgerungen zu ziehen, ehrwürdiger
Bernardo. |
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24 |
Groß -
Bernardos Gesicht, er spricht mit bösem Blick; er schaut erbost in die
Menge; er wendet sich um - Rücken zu
William und der Kamera - blickt zu William zurück und spricht weiter |
Bernardo:
Nein, gewiss nicht. Nicht, wenn derart unwiderlegbare Beweise vorliegen: für
diese Hexe, ein verführter Mönch, satanische Rituale! Geräusch:
Katze schreit |
|
25 |
Nah - Adsons
Gesicht, er starrt Bernardo an, William wendet sich ab |
Bernardo:
Morgen, morgen werden wir versuchen herauszufinden, ob diese Ereignisse in
Zusammenhang stehen mit dem weitaus bedeutenderen Geheimnis, das Euch so
viele Sorgen bereitet. - |
|
26 |
Amerikanisch
- Bernardo, Abt, Adson; William geht aus der Szene, Adson ein Stück
hinterher; Bernardo dreht sich zum Abt und spricht |
Bernardo:
Sperrt die beiden ein, auf dass wir |
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27 |
Groß -
Adsons entgeistertes Gesicht, zurückgewandt |
ruhig schlafen können,
heute Nacht! |
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28 |
Amerikanisch
- vorne Bernardo und der Abt, hinten geht Adson, der noch im Weggehen
zurückschaut |
|
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29 |
Groß - Adsons ängstliches Gesicht - Schwenk, Kamera
folgt ihm - Adsons Abgang; in der
Tür an der Seite wendet sich Adson um und blickt noch einmal Richtung Mädchen |
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30 |
Amerikanisch
- das halb entblößte, von den Soldaten festgehaltene Mädchen, Bernardos
Begleiter vor ihm |
|
|
31 |
Amerikanisch
- Adson blickt auf das Mädchen zurück und geht nach draußen in die Dunkelheit
|
Geräusch:
Gewitter |
[Sequenzprotokoll: Einecke]
zu:
s. Hans D. Baumann/Arman Sahihi: Der Film: Der
Name der Rose. Weinheim: Beltz 1986, 38ff.
3.) Schritte zur vergleichenden Filmanalyse:
4. Vergleich
Buch/ Film - Hervorhebungen, Reduktionen, Akzentverschiebungen - Interpretationen
5. Vertiefung: Lektüre der
theoretischen Texte und Auffinden von Beispielen zu Theorieelementen in der
vorgelegten Sequenz (z.B. Gesichter, vgl. Annaud)
Variante: Erarbeitung der „Filmsprache“: s. Sachtexte
zu Filmsprache
5. Lektüre des Textausschnitts und
Vergleich mit der Filmsequenz
4. Erwartete Ergebnisse zu Text und Film:
zu: Umberto Eco: Der Name der Rose -
Romanausschnitt
· die literarische Gestaltung des inhaltlichen Segments
„Begegnung zwischen den Protagonisten William und Bernardo“:
-
die
rückerinnernde Erzählperspektive des auktorialen Ich-Erzählers (alter
Adson, ehem. Adlatus von William) - die explizit negativ wertende Darstellung des
Inquisitors Bernardo Gui (Dominikaner) und die Sympathieverteilung für William
durch Adson - das Spiel mit Vorausdeutungen und bösen Ahnungen schon bei der
ersten Begegnung - die Interpretation von Blicken und Äußerungen sowie die
Ausführung von Unterstellungen und Schlussfolgerungen durch den Ich-Erzähler
-
die abgestufte,
zweiteilige Begegnung zwischen William und Bernardo im Buch: die erste
Begegnung zur Mittagszeit (Nona) in gespanntem bzw. ironischem Ton (1-61) und
die zweite Begegnung in der Nacht als Konfrontation zwischen ehemaligem und
gegenwärtigem Inquisitor (Z. 65 - 156) mit anschließender Zuspitzung durch
lange, im Abdruck noch gekürzte Zitate aus der Inquisitionsliteratur
-
die Einschaltung
von Dialogpassagen: als kurze Wortgefechte zwischen Bernardo und William
- in Form langer Zitate als Drohgebärde Bernardos und zugleich als verbale
Mystifizierung des Bösen und der Macht der Inquisition - als Mittel der
Handlungsentwicklung (Verhör, Untersuchung, Verhaftung...)
zu: Annaud/Eco: Der Name der Rose -
Filmausschnitt
· die filmische Gestaltung des inhaltlichen Segments
„Begegnung zwischen den Protagonisten William und Bernardo“:
-
Konzentration
im Drehbuch: Zusammenführung der im
Buch aufgeteilten Begegnungsszenen in einer einzigen Filmszene
-
inhaltliche
Dramatisierung: die Begegnung
zwischen beiden erfolgt nur am Rande, im Zentrum steht eine Brand- und
Verhaftungsszene (s. Standbild S. 528), in der Bernardo seine Rolle als
Inquisitor ausspielt und zugleich auf Williams damaligen Prozess anspielt;
-
filmische
„action“: Umsetzung der durch lange
Zitatpassagen im Buch breiten Erzählung der Begegnung in eine rasche Folge von
31 Einstellungen innerhalb von 1’38’’
-
Geräusche und
Dialogführung: Emotionalisierung durch
aufgeregte, laute Aktivitäten - Dialog zwischen Bernardo und Abt Abbo zentral,
Nebengespräch zwischen Adson und William - Reduktion der Beweisführung des
Buches mit langen Zitaten aus Quellen der Inquisition auf drei Sätze
-
Gestik/Mimik: martialischer Eindruck von Bernardos Kopf (von
hinten), sein zorniges Gesicht, die Soldaten im Hintergrund; auffälliges
Verhalten der Mönche, als die Brust des Mädchens entblößt wird, durch
Zwischenschnitt lüsterner Blicke; ängstliche Mimik Adsons
-
Perspektive: „Illusion der Unmittelbarkeit“ (Monaco) durch
„objektive Kamera“ hart am Geschehen, gesteigert durch häufige Groß-, Nah- und
Halbnah-Einstellungen; Einbeziehung einer quasi personalen Perspektive
(allerdings nicht als „subjektive Kamera“) aus Adsons Sicht, indem der
Eindruck, den die Szene auf Adson macht, in mehreren Einstellungen im Spiegel von Adons
Mienenspiel eingefangen und so hervorgehoben wird; dabei Einstellungswechsel
mit Schuss/Gegenschuss; eine Identifikation des Zuschauers mit dem sich ängstigenden
Adson wird nahe gelegt und steht deutlich im Kontrast zu dem abgeklärt
gewichtenden Erzählstil des alten Adson im Roman
-
Licht: Szene spielt im Halbdunkel eines Stalls, anfangs mit
Flammen, so dass Gefahr signalisiert wird (quasi Horrorfilm-Elemente)
© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de