Verfahren der Filmanalyse

Inhaltsanalyse:
Situationen, Probleme, Personen, Handlungen, Konflikte, Emotionen ...
Strukturanalyse: 
Figurenkonstellation, Formen der Typisierung der Figuren; Plot, Szenarien; Erzählperspektive; Raum-/ Zeitstruktur; Spannungsbogen, Wendepunkte, Höhepunkte, ...
semiotische Analyse:
Bedeutung der Bild- und Tongestaltung: Bild-Erzähltechnik, chronologische und kausale Bildsequenzen, assoziative Bildketten der Collage- und Cliptechnik, Bildtopoi und Filmzitate,... - an ausgewählten Sequenzen: Bildkomposition; Einstellungen, Schnitt-Technik, Farben, Tricks, Montage, Blenden, Musik, Beleuchtung,...
Aussagen- und Wirkungsanalyse:
Informations- und Unterhaltungswert; Grade des Realismus, der Stilisierung und Ästhetisierung, der Phantastik und Virtualität; Konfliktlösungsmodelle in der story: ausgeklammerte, verdeckte, bagatellisierte, dramatisierte oder mystifizierte Probleme; nahegelegte Deutungsmuster; gesellschaftliche, historische und ideologische Kontexte des Films; intendierte Reaktionen der Zuschauer, Identifikationsangebote,...

 


Elemente der Filmanalyse

Story - Erzählstruktur:

Plot die Elemente der erzählten Geschichte, wie sie im Film tatsächlich vorkommen
Story die Geschichte des Films, die sich der Zuschauer aus den Informationen der Handlung erschließt, indem er diese vervollständigt
Szene Handlungssegment eines Spielfilms, das durch die Einheit von Zeit und Ort gekennzeichnet ist
Erzählerposition View-point-Techniken: subjektiv-personal, auktorial-allwissend, neutral, Erzähler in Tonmontage (z.B. im Off, in Ich-Form oder Er/Sie-Form), subjektive Kamera (s.u.)
Figurenkonstellation Hauptfiguren (Protagonist und Antagonist) und Nebenfiguren 
Reflektorfigur Figur in der Filmhandlung, mit der die Zuschauer die Ereignisse erleben; beide Seiten sind in gleicher Informationslage
Erzählphasen Handlungsverlauf - Konfliktaufbau; Exposition, Auslöser - Konfliktpunkt (hook), Wendepunkte (plot points), Retardierungen, Scheinlösungen, Schluss, Rückwendungen und Vorausdeutungen
Back Story Vorgeschichte
Bildtopoi und Filmzitate Einbau von Bildmustern und Bildsequenzen, die den Zuschauern von anderen Filmen aus der Filmgeschichte bekannt sind und unmittelbar Assoziationen auf die aktuelle Handlung und ihre Figuren übertragen
Cliff Hanger Erzählmuster einer Filmserie, bei dem die Handlung auf einem dramatischen Höhepunkt abbricht und erst in der nächsten Episode aufgelöst wird
Ellipse Auslassung von Handlungselementen, die für das Verständnis nicht wesentlich sind
Exposé kürzeste erzählerische Fassung der Filmidee
Treatment knapp erzählter Filmablauf
Drehbuch Filmverlauf mit allen Teilen der akustischen und optischen Inszenierung
Storyboard Bildskizzen zu den Einstellungen des Films

Bild-Inszenierung und Bildkomposition (mise-en-scène)

setting
- realer Schauplatz oder Kulissenbau, Drehort
- Requisiten (Ausstattung)
- Kostüme
- Make-up
virtuelle Inszenierung
- computer generated images, Bilder werden am Computer erzeugt und nicht gefilmt, Gesichter z.B. auf der Basis von Bildern mit 3-D-Gitterpunkten und mit morphing
- morphing, Figuren, Sachen und Hintergrund werden durch Computeranimation stufenlos verwandelt; z.B. wird aus einem Mann eine Frau
- einkopieren, in Hintergründe werden Personen oder Gegenstände durch Doppelbelichtung eingebaut
- blue screen-Technik, Figuren agieren vor einer blauen Wand, die durch einen Kamerafilter nicht aufgenommen wird, auf den „leeren Hintergrund“ können beliebige Szenen kopiert werden
Lichtsetzung
- Frontallicht, Gegenlicht, Seitenlicht
- Key light, Haupt-/Führungslicht, bestimmt die Beleuchtung einer Szene
- Dekorationslicht, dämpft Schatten des Führungslichts
- Spotlight, einzelne räumliche Hervorhebung durch Licht
Einstellung (Take), kleinste filmische Einheit, ein kontinuierlich belichtetes Stück Film, begrenzt durch einen Schnitt und bestimmt durch:
Einstellungsgrößen der Kamera
- Weit: Panorama, weite Landschaft, winzige Menschen
- Totale: Übersicht über den gesamten Ort des Geschehens, Zuschauer könne sich orientieren
- Halbtotale: Szenerie mit ganz erfasster Figur, Figurengruppen füllen Bild aus, näher am Geschehen, mit Umraum
- Amerikanische: eine Person bis unterhalb der Hüfte (Westernheld mit Colt im Gurt), mit einigem Hintergrund
- Halbnah: Menschen etwa vom Knie aufwärts, oft im Gespräch und noch mit unmittelbarer Umgebung
- Nah: Menschen vom Kopf bis zur Mitte des Oberkörpers, normal wie bei Nachrichtensprechern, Zuschauer dicht am Geschehen, Mimik und Körperreaktionen deutlicher
- Groß: Blick auf das Hauptmotiv, Kopf des Menschen bildfüllend, mit Mimik, emotionale Aussage
- Detail: engstes Herangehen, menschliches Gesicht in sehr kleinem Ausschnitt, hohe Emotion

Kameraperspektive
- Normalsicht, Kameraperspektive in der Augenhöhe des Protagonisten
- Ober-/Aufsicht, Kameraperspektive aus einer höheren Position als der Normalsicht
- Untersicht, Kameraperspektive aus einer niedrigeren Position als der Normalsicht
- Vogelperspektive, extreme Ober-/Aufsicht
- Froschperspektive, extreme Untersicht
- Schuss-Gegenschuss, konventionelle Form der filmischen Auflösung z.B. eines Gesprächs zweier Personen: die Beteiligten werden abwechselnd im Bild gezeigt
Kamerabewegungen
- Schwenk, horizontale oder vertikale Winkelbewegung, vergleichbar dem Drehen oder Neigen des Kopfes; heftig: Riss, sanft: Neigung
- Kameraachse, Blickrichtung, Blickachse der Kamera
- Handlungsachse, Richtung, in der sich die Handlung bewegt (z.B. Sprecherwechsel im Gespräch)
- Fahrt, echte Fahrbewegung der Kamera; mit Dolly, mit Kamerawagen; mit Steadicam, gefedertes Kameragerüst, das verwacklungsfreie Bewegungen durch den Raum ermöglicht
- subjektive Kamera, frei von Hand, ohne Stativ geführt Handkamera, in verschiedene Richtungen auf dem Set, wie aus der Perspektive einer beteiligten Figur
- Zoom, Veränderung der Brennweite am Kameraobjektiv, imitiert eine Hin- oder Rückfahrt; dabei werden die tatsächlichen Größenverhältnisse verzeichnet
- Tiefenschärfe, flaches oder räumliches Bild
- Objektbewegung, Lauf der Figuren in die Kamera, in die Tiefe, aus dem Bild - mit begleitender oder statischer Kamera
- Zeitlupe, lähmt, dramatisiert
- Zeitraffer, beschleunigt
- Einstellungslänge wirkt beruhigend oder hektisch

Filmakustik

Filmton
- Bildton, stimmt mit bildl. Darstellung überein
- Fremdton, nachträglich unterlegt
- Toneffekte, original bzw. durch Geräuschmacher
- Voice Over, Erzählstimme, die den Bildern des Films unterlegt ist
- On-Ton, Tonquelle im Bild (z.B. sprechende Person)
- Off-Ton, Tonquelle ist nicht im Bild zu sehen (z.B. Autohupen draußen)
Filmmusik
- illustrativ zu Ort und Zeit der Handlung
- intensiviert die Bildwahrnehmung, erzeugt Emotionen
- kommentiert den Film: Hervorhebungen, Kontraste, Parallele zur Handlung, etc.
- gibt Film Kontinuität, verbindet Szenen oder Themen miteinander

Bildmontage, Bildschnitt und Sequenz

Schnitt, übergangsloses Aneinanderfügen zweier Einstellungen
- harter Schnitt, mit krassem Bildwechsel
- weicher Schnitt, kaum wahrnehmbar
Blende weicher Übergang zwischen zwei Einstellungen, symbolisiert Zeitvergehen
- Abblenden - Aufblenden, allmähliches Auftauchen oder Verschwinden einer Szene
- Überblendung, verbindet zwei Einstellungen durch Doppelbelichtung von Bildern mit zwei verschiedenen Einstellungen
- Trickblende, Verlaufen des Bildes u.ä.
Sequenzen größere Einheiten an Einstellungen, die zusammengeschnitten und verknüpft sind
- chronologischen Verknüpfung, das zeitliche Nacheinander der Handlungsabfolge wird eingehalten
- achronologische Verknüpfung, Verwendung von Rückblenden, assoziative Montagen von Einstellungen, die verschiedene Zeitebenen im Film darstellen, etc.
Montage Verbindungen zwischen Einstellungen, Szenen und Sequenzen zu einem geschlossenen Film, schafft die inhaltliche und/oder zeitliche Kontinuität des Films
- Parallelmontage, zwei oder mehrere Handlungen werden so aneinandergeschnitten, das sie Gleichzeitigkeit suggerieren.
- Assoziationsmontage, Bezeichnung für einen dialektischen Schnitt: zwei disparate Bilder erzeugen eine bestimmte Aussage
- Cliptechnik, schneller, krasser Zusammenschnitt von Bildsequenzen und Einzelbildern, z.T. willkürlich, z.T. rhythmisiert zu Musik, zum Bewusstseinsstrom o.ä.
- Split screen, geteilte Leinwand, zwei oder mehrere Handlungen werden gleichzeitig auf der Leinwand gezeigt (im Unterschied zur Parallelmontage)
- Continuity System, auch: Hollywood-Stil, unsichtbare Schnitte und konventionalisierte Einstellungsfolge, die dem Zuschauer ein ungestörtes kontinuierliches Filmerlebnis verschaffen sollen
- Jump cut, sprunghafter Schnitteffekt, der entsteht, wenn aus einer kontinuierlich aufgenommenen Einstellung Teile herausgeschnitten werden
- Match cut, Einstellungsfolge, die zwei Bilder miteinander verbindet, in denen gleiche oder ähnliche Elemente vorhanden sind (Bewegungen, Formen)
- Mindscreen, durch die Kombination von Bildaufbau und Erzählinhalt wird deutlich, dass die Bilder auf der Leinwand die Visualisierung des Bewusstseins einer Figur wiedergeben.

z.T. nach: http://www.horn-netz.de/seminare/filmanalyse/filmanalyse-glossar.pdf

© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de