Thesen von Jutta Wermke:
Deutschunterricht in einer Medienkultur
1. Medienintegration im Deutschunterricht kann auf zweifache Weise
'nah am Buch' bleiben:
Sie kann
sich entweder am Buch als Leitmedium orientieren und andere Medien nach den
normativen Vorgaben einer Buchkultur auswählen. Oder aber sie konzentriert sich
auf das Buch als Folgemedium in anderen
medienästhetischen Kontexten.
2. Integration schließt die Generalisierung von Wertungen
aus:
Das
bedeutet, dass die Wertung differenzierter werden muss, indem sie Buchtexte,
die einer anderen Medienästhetik verbunden sind, auch an anderen Kriterien
misst und indem sie vergleichend das Spezifische
genuiner Buchtexte genauer bezeichnet.
3.
Ein integrativer Deutschunterricht kann dazu führen, dass sich Spracherziehung
und Medienerziehung (im engeren Sinne) gegenseitig stärken:
Wenn AV‑ und andere
Medien in den Dienst eines buchorientierten Sprach- und Literaturunterrichts
gestellt werden und wenn umgekehrt das Buch als Exponent und Ausgangspunkt für
eine AV-orientierte Medienästhetik dient, dann ist eine mehrperspektivische Erschließung des Gegenstandsbereichs einer
Medienkultur (im weiten Sinne), sofern sie im Deutschunterricht geleistet
werden kann, möglich.
4.
Im Optimalfall kommen so auch Schüler und Schule zusammen:
Die Schüler werden zwar
weiterhin mit der Definition von 'Meisterwerken' ihrer Altvorderen konfrontiert, aber zugleich innerhalb ihrer Ästhetik
gefördert. Die Schule dagegen kann sich mehr Motivation erhoffen für die
Beschäftigung mit einer Buchkultur, die nicht mehr als die einzig akzeptierte
Kultur vermittelt wird.
(In: Dies.,. In: Mittl.d
Dt.Germ.Verb. März 1997)
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