Thesen von Jutta
Wermke: Deutschunterricht
in einer Medienkultur
Änderung der Blickrichtung: Ausgangspunkt muss
„die andere“ ‑ audiovisuelle oder interaktive ‑ Medienästhetik
sein.
Zu achten ist auf
didaktisch angestrebte
Verhaltensweisen der Schüler „in unerwarteter medialer Anwendung.
Was Kinder und Jugendliche an Kompetenz bereits an
anderen Medien erworben haben, sollte für den Deutschunterricht insofern
maßgeblich sein, als das erreichte Komplexitätsniveau
in Lernprozessen am Medium Buch nicht unterschritten wird.
die stoffliche Präsenz von
„Schullektüre“ im Medienrepertoire der Kinder und Jugendlichen.
Da gerade Kanonliteratur auch von Massenmedien tradiert
wird, sind die Inhalte häufig bekannt, so dass ein Neuheitswert besser über die
Mediendifferenz zu vermitteln ist.
überraschende
Wertungsprioritäten.
Während nach einer verbreiteten Überzeugung von Pädagogen
die Inhalte der Massenmedien ihre Attraktion ausmachen, scheint es doch eher
die Form audiovisueller Medien und ihr künstlicher
Status zu sein, was viele Kinder und Jugendliche affiziert und von ihnen
reflektiert wird, so dass die „Gemachtheit“ von
Medien verstärkt am Buch zu thematisieren wäre.
eine gegenläufige
kategoriale Ausrichtung.
Abgrenzung und Vergleich von einfachen zu komplizierteren
Bauformen sind übliche Ansatzpunkte schulischer Rhetorik und Poetik. Da aber Entgrenzungen und Vernetzungen
Standard einer audiovisuellen Medienästhetik sind und auch populäre Produkte
durch komplexe Strukturierungen auffallen, die offenbar gefallen, sind gängige
Regeln curricularer Reihenfolgen neu zu überdenken. Zum Beispiel im Hinblick
darauf, ob einfache, klare, ruhige Texte unter
den gegebenen Bedingungen nicht die größere Anforderung darstellen.
(In: Dies. In: Mittl.d Dt.Germ.Verb. März 1997)
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