Prof.
Dr. Jean-Pol Martin Universität Eichstätt
► Die Schüler übernehmen Schritt für Schritt Funktionen
des Lehrers
► Die Methode lässt sich innerhalb des bestehenden
Schulsystems sofort anwenden
► Sie ist nichts völlig Neues
WIE FUNKTIONIERT DIE METHODE „LERNEN DURCH
LEHREN“?
DER
LEHRER:
●
Er
verteilt die Arbeitsaufträge mit guter zeitlicher Vorgabe (eine oder mehrere
Wochen).
●
Er
unterstützt die Schüler bei ihrer Vorbereitung und korrigiert ihre
schriftlichen Vorlagen.
DER
SCHÜLER:
●
Ein
Schüler übernimmt zu Beginn jeder Stunde den vom Lehrer auf einer Karteikarte
schriftlich erstellten (Teil-)Stundenablauf.
●
Ein
Schüler leitet die Wiederholung der Inhalte der vorangehenden Stunde, ruft
Arbeitsgruppen zur Darbietung des neuen Stoffes auf und lenkt die Übungsphase.
●
Der
Schüler stellt die mit dem Lehrer abgesprochene Hausaufgabe für die
Folgestunde.
WAS KOMMT DABEI HERAUS?
●
Der
Lehrer redet weniger, z.B. kommen im Fremdsprachenunterricht mit dieser Methode
bis zu 80% der Äußerungen von Schülern.
●
Schwierige
Stoffsequenzen werden aus Schülerperspektive beleuchtet; dadurch gewinnt der
Schüler einen seiner Art zu lernen entsprechenden Zugang.
●
Da
verschiedene Gruppen den Stoff vermitteln, setzen sich die Schüler intensiver
und vielseitiger mit ihm auseinander.
●
Die
Hemmschwelle von Schüler zu Schüler ist geringer. Es fällt den Schülern
leichter, ihrem Unverständnis Ausdruck zu verleihen und um Erklärung zu bitten.
●
Der
Lehrer erkennt Verständnislücken der Klasse oder einzelner Schüler schneller
und hat Zeit und Gelegenheit, gezielt und individuell darauf zu reagieren.
●
Das
soziale Lernen wird gefördert, da die Schüler neue Rollen einüben und sich
häufiger einander zuwenden.
Sie
erscheint notwendig in einer Gesellschaft, deren Komplexität und
Unüberschaubarkeit zunehmen und die deshalb vielfältigere Kompetenzen erfordert
als bloßes Wissen. Die Schüler müssen mehr denn je zur Bewältigung und aktiven
Gestaltung dieser komplexen Umwelt befähigt werden.
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Klaus Zirkelbach -
Kepler-Gymnasium Weiden
Im Verlauf des zweiten Schulhalbjahres 1997/98 habe ich in drei
Klassen (7,9,11) die Behandlung der Lektüre im Unterricht im Großen und Ganzen
den Schülern übertragen. Die Ergebnisse sind in diesem kurzen Erfahrungsbericht
zusammengefasst.
Behandelt wurden:
·
Js.7: Chamissos „Peter Schlemihl“
·
Js.9: Zuckmayers „Des Teufels General“
·
Js.11: Süskinds „Das Parfum“
In der Vorbereitung habe ich die Texte noch einmal überflogen, mir
Notizen gemacht und Materialien aus der Sekundärliteratur und auch aus
Nachschlagewerken gesammelt, ggf. aufbereitet und kopiert. Dann habe ich Fragen
zur jeweiligen Lektüre erstellt und auf Karteikarten gedruckt. Diese gab ich
mit den entsprechenden Materialien in eine Prospekthülle, welche dann später
der jeweiligen Arbeitsgruppe überreicht wurde. Als Beispiel möchte ich zunächst
die Themengliederung für „Das Parfum“ vorstellen:
1. Die sprachliche
Gestaltung
2. Die literarische
Form
3. Die literarischen
Anspielungen
4. Grenouilles
Aufenthalt in der Höhle
5. Die „Hinrichtungsszene“
(Kapitel 49)
6. Das Zeitalter der
Aufklärung
7. Der „Zeck“
8. Grenouille - Genie
oder Wahnsinniger?
9. Sonderthemen
Nach Ausgabe der Lektüre hatten die Schüler 14 Tage Zeit, um den
Roman vollständig zu lesen. In der ersten Lektürestunde besprach ich mit den
Schülern vorwiegend das erste Kapitel, aber ich holte auch Informationen zu
anderen Textstellen ein, damit ich sicher sein konnte, dass alle die Lektüre
gelesen hatten. Dann besprach ich mit den Schülern das Vorhaben, die weiteren
Lektürestunden in Gruppenarbeit vorbereiten zu lassen. Ich trug die zur
Verfügung gestellten Materialien und die Themengliederung vor. Daraufhin teilte
ich die Gruppen ein, da ich aus pädagogischen Gründen eine bestimmte
Zusammensetzung haben wollte, und diese konnten sich ihre Wunschthemen
aussuchen. Für die Beantwortung der Fragen auf der Karte stellte ich eine
Unterrichtsstunde zur Verfügung und für die Vorbereitung der eigentlichen
Unterrichtseinheit räumte ich den Schülern weitere zwei Stunden ein. In dieser
Zeit wanderte ich ständig von Tisch zu Tisch, stand für Fragen zur Verfügung,
gab Anregungen und Hilfestellungen, beobachtete das Sozialverhalten in den
Gruppen, ermunterte die Frustrierten, lobte die Eifrigen und Kreativen,
ermahnte die Faulen und bezog die Zurückhaltenden stärker in das Gruppengeschehen
ein. Als Beispiel möchte ich die Karteikarte zu Thema 8 vorstellen, neben der
sich in der Prospekthülle Kopien diverser Lexikonartikel befanden:
SÜSKIND: „DAS PARFUM“
Thema 8: Grenouille - Genie oder Wahnsinniger?
1. Definieren Sie die
Begriffe „Genie“ und „Wahnsinn“. Bedienen Sie sich hierzu auch beiliegender
Lexikonartikel.
2. Welcher Kategorie
würden Sie Grenouille zuordnen und warum?
3. Was will
Grenouille eigentlich?
4. Warum hasst er die
Menschen?
5. Wieso scheitert
Grenouille?
6. Weshalb sucht er
zum Schluss den Tod? Berücksichtigen Sie dabei auch die Bedeutung des Ortes.
7. Ist er eine
bemitleidenswerte Kreatur oder ein verachtenswertes Monster?
Ergänzende Hinweise:
·
Klären Sie diese Fragen in der Gruppe.
·
Notieren Sie sich dabei Hinweise auf wichtige Textstellen.
·
Bereiten Sie eine Diskussion mit der Klasse vor und überlegen Sie
sich, in welcher Form die Ergebnissicherung stattfinden soll.
Die Voraussetzung hierfür ist, dass die Schüler Erfahrungen im
Leiten von Diskussionen haben. Die Gruppe meiner 11. Klasse hatte sich ein
grobes Konzept für ein Tafelbild zurechtgelegt, wobei die Aufgaben 3-7 der
Karte zunächst mündlich behandelt und dann die Ergebnisse in kurzen Sätzen an
die Tafel geschrieben wurden. In gleicher Weise erstellte man im Verlauf des
Unterrichtsgesprächs eine Liste mit Merkmalen für die Begriffe „Genie“ und „Wahnsinn“,
die als Grundlage für die folgende Diskussion diente. Die einzelnen Thesen
wurden von einem Schüler während des Gesprächs in zwei Spalten („Pro und Contra“)
eingetragen und im Anschluss an die Diskussion übernahm die Klasse die
Ergebnisse von der Tafel in ihre Unterlagen. Der Ablauf der Diskussion war -
nicht zuletzt wegen der intensiven Vorbereitung der Durchführenden - gelungen
und auch die Ergebnissammlung an der Tafel bzw. in den Heften der Schüler
überzeugte durch die differenzierte Darstellung der wesentlichen Fakten.
Das Thema 9 (Sonderthemen) beinhaltete verschiedene
Aufgabenstellungen, die meist auch fächerübergreifend (Ek, F, Ch, WR, Psy) in
folgende Kategorien unterteilt waren:
1. Zum Thema „Parfum“
2. Zu Grenouille
3. Zu den
beschriebenen Örtlichkeiten
4. Bildliche oder
filmische Veranschaulichung
Aus der Kategorie 1 möchte ich das Thema 9.1.4. vorstellen, das
die Schüler in Zusammenarbeit mit ihrer Chemielehrerin vorbereitet hatten:
SÜSKIND: „DAS PARFUM“
Thema 9: Sonderaufgaben zum Roman:
1. Zum Thema „Parfum“
1.4. Duftprobe
Finden Sie eine Textstelle in dem Roman, wo Ihrer Meinung nach
Düfte eine besondere Rolle spielen. Tragen Sie diese Textstelle (höchstens eine
Seite!) im Unterricht vor und lassen Sie gleichzeitig Düfte auf die Klasse
wirken.
Bereiten Sie eine nicht alltägliche Duftprobe vor.
(Seien Sie kreativ und lassen Sie sich inspirieren!)
Gerade die Sonderaufgaben, die über die bloße Textarbeit hinausgehen,
wurden von den Schülern mit größtem Engagement vorbereitet und durchgeführt.
Die Duftprobe, die ich hier leider nicht vermitteln kann, war tatsächlich ein
Erlebnis, das gerade für die Anwärter auf den LK Chemie ein willkommenes „Heimspiel“
war, die ansonsten im Deutschunterricht weniger glänzen konnten. Jedenfalls
hatte das Klassenzimmer für Tage eine „Duftmarkierung“ erhalten.
Auch in den anderen Klassen waren die Lektürestunden der Schüler
oft ein Erlebnis, auch wenn ich aus Platz- und Zeitgründen nicht auf alle Dinge
eingehen kann. Die Organisation lief in allen Klassen ähnlich ab, so dass die
zuvor gemachten Schilderungen übertragbar sind. Im Anhang habe ich noch Folien,
die Schüler aus der 7. Jahrgangsstufe erstellt haben, als Kopien beigefügt.
Diese zeigen zwar, dass die Schüler keineswegs perfekt sind, aber auch, dass
durchaus sinnvolle Ergebnisse erzielt werden können, zumal viele Schüler mit
einem großen Engagement und einem entsprechenden zeitlichen Aufwand, auch
Zuhause, „ihren Unterricht“ vorbereiten.
Ich möchte an dieser Stelle zur Veranschaulichung auf eine
Unterrichtsstunde zu Chamissos „Peter Schlemihl“ kurz eingehen, da die Folien
freilich nur Eindrücke von Teilabschnitten der Unterrichtsstunden vermitteln
können. Die Schüler hatten zu untersuchen, auf welch unterschiedliche Weise
sich die Menschen gegenüber Peter Schlemihl verhalten. Dazu entwickelten sie
eine Folie mit kreisförmig angeordneten Pfeilen, die alle auf eine Figur in der
Mitte (Peter Schlemihl) zeigen. Außerdem hatten sie kleinere Textstellen zum
Lesen vorbereitet, aus denen die verschiedenen Verhaltensweisen deutlich
wurden. Aus einer Mischung von Lesen, Diskussion und Bewertung wurden die
Einträge auf der Folie ergänzt (vgl. Anlage). Dies beanspruchte etwa 30 Minuten
der Unterrichtszeit. Danach gingen die Schüler über die Ebene des Textes hinaus
und behandelten die Symbolik der „Schattenlosigkeit“ in einer offenen
Gesprächsrunde. Das Ergebnis wurde in einem Tafelanschrieb festgehalten:
Die „Schattenlosigkeit“ Peters ist ein Symbol für die
Andersartigkeit von Menschen.
Diese Menschen werden von ihren Mitmenschen oft ausgegrenzt, verfolgt oder gar
getötet. Das Motiv hierfür ist meist die Angst oder das Unwissen dem
Unbekannten gegenüber.
Die „Schattenlosen“ in unserem Jahrhundert:
● Juden (Judenstern)
● Aidskranke
● Behinderte
● Menschen mit einer
anderen Hautfarbe
Auch Chamisso musste als Ausländer (Franzose) in Berlin erfahren,
dass Menschen die „anders“ sind, ausgegrenzt werden.
Abschließend möchte ich natürlich nicht verschweigen, dass es in
manchen Klassen auch Schüler gibt, die solche Stunden ausnutzen, um sich „auszuruhen“
und die Arbeit den engagierteren Mitschülern zu überlassen. Diese Schüler kennt
der Lehrer in der Regel jedoch, so dass er entsprechend auf sie einwirken kann.
Außerdem vermag eine pädagogisch durchdachte Gruppeneinteilung solche Probleme
gar nicht erst entstehen lassen. Eine weitere Möglichkeit wäre noch, solche
Schüler als Gruppensprecher bzw. Gruppenleiter einzuteilen.
Folie (Js. 7): Beurteilung
von Schlemihls Verhalten
Peter Schlemihls
Verhalten
Wann verhält sich Peter Schlemihl richtig oder falsch?
1.
Warum denkt ihr das? Nennt Gründe!
|
Richtiges Verhalten S. 65-66
verkauft seine Seele nicht gegen den Schatten S. 18 er
verhält sich nicht aufdringlich S. 66 er
wirft den Geldsack weg. Es war richtig, keinen Handel mehr zu machen. S. 71 Er
sieht sich die Welt an und er sammelt Pflanzen, die für die Medizin genutzt
werden. Er errichtet ein Krankenhaus |
Falsches Verhalten S. 23
verkauft Schatten S. 44-45
Rascal ist hinterlistig. Peter sollte zu seiner Schattenlosigkeit stehen S. 46 Er
lügt, wie er den Schatten verloren hat. |
Folie 3 (Js. 7):
Wiederholung der Merkmale eines Märchens
·
Phantasiegeschichte
·
frei erfundene Geschichten
·
Höhepunkt
·
episch
·
ohne zeitliche Bindung
·
glückliche Lösung von Konflikten
·
ohne Mimik und Gestik
·
beginnen mit „Es war einmal ...“
·
enden mit „ ... und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie
noch heute“
·
Anfänglich überwiegt das Böse das Gute siegt = Happy End
·
Helden
·
Fabelwesen
·
Gegensätze: gut - böse; schön - hässlich; tapfer - feige; schlau -
dumm
·
zwischen Wirklichkeit und Zauberwelt
·
Zaubergegenstände
·
Moral
http://www.ldl.de/material/berichte/deutsch/zirkelba.htm
http://www.ldl.de/material/berichte/deutsch/deutsch.htm
http://www.ku-eichstaett.de/Fakultaeten/SLF/romanistik/didaktik/Forschung/ldl/