Rollenspiel
Methode: schülerorientiertes Verfahren - Lernen
durch kommunikative Fallbearbeitung
Ziel: zu einem Problem aus unterschiedlicher
Perspektive Verhaltensmöglichkeiten erproben, verbalisieren und diskutieren -
dabei rollengerecht, realitätsnah und lösungsorientiert spielen –
Rollenambiguität und Rollenwechsel beachten und lernen - entscheidend ist die
Auswertung der Rollenspiele unter verabredeten Aspekten
Effekt: divergentes Denken fördern - Positionen
differenzieren
Beispiel: Problemlösung
im Konfliktfall: „Ausgerissene Bäume“ - ein Fall vor der Konferenz
Auf
dem Schulhof des BG-Gymnasiums in E. hatte die Bio-AG
längs der Wege und um eine Sitzfläche herum mit viel Einsatz und einer
Finanzspritze der Kommune 22 junge Bäumchen gepflanzt. - Es war gerade zwei
Monate her, da zogen nach einem durchzechten Abend vier Schüler aus dem 12.
Jahrgang bei Dunkelheit über den Schulhof. Einer kam auf die Idee, noch etwas
„action“ zu machen: Man trat gegen die Stützpfosten der Bäumchen, dass sie
brachen oder umgestürzt wurden, man riss einzelne Bäumchen aus und man brach
die Mehrzahl einfach in der Mitte ab. Nur sechs Pflanzen überlebten die Tat. -
Nach Recherchen wurden die vier Schüler ermittelt und verhört. Ein Schüler gab
den Vorgang komplett zu; ein weiterer gab an, nur mitgemacht zu haben; zwei
weitere leugneten die Tat. - Der Vorfall wird vor die Konferenz gebracht - die
vier Schüler warten vor dem Konferenzraum, falls sie benötigt werden....
● Inszenieren Sie eine Situation:
hier eine Konferenz zur
Behandlung des Vorfalls.
● Besetzen Sie die Rollen:
AG-Sprecherin, 4 beschuldigte Schüler, Schulleiterin, Klassenlehrer,
Vertrauenslehrerin, 2 Schülerinnen und Schüler, die den Vorfall beobachtet
haben.
● Legen Sie eine Beobachtergruppe
fest, die die Verhandlungen und die Lösung auf der Konferenz kommentiert.
● Vereinbaren Sie Kriterien
für die Besprechung von Rollenspielen:
-
Rollenbezug
-
Problemorientierung
-
Zielorientierung
-
angemessene Sprachform
-
Realitätsnähe
● Entwickeln Sie Rollenkarten:
Steckbriefe und Verhaltensanleitung für die Situation: z.B.
|
Klaus: 17 J.
- gibt sich offen - leugnet nicht die Tat - will aber nur mitgemacht haben
- habe nur gegen 2 Stützpfosten getreten - sonst kein Bier-Freund - Ausnahmesituation,
weil er erst seit einem halben Jahr auf dieser Schule ist. |
● Führen Sie das Rollenspiel durch. - Wiederholen Sie
nach der ersten Besprechung: mit Neubesetzung der Rollen oder unter Rollenwechsel.
● Wechseln Sie gezielt zwischen Kommunikation und Metakommunikation.
B) Literarische Rollenspiele
(als Methode des produktionsorientierten Literaturunterrichts)
Ziel: In dieser Variante werden
a) neue Textteile (auch
Textsorten) für die vorhandenen Figuren in einem Text hinzugefügt, die vor allem
zur Erschließung des Subtextes dienen: geheime Gedanken, Gefühle, Wünsche,
Verarbeitung von Erfahrungen, innere Auseinandersetzungen, mögliche
Kontroversen und Harmonisierungen…
b) neue Rollen zum Personal eines
epischen oder dramatischen Textes hinzugefügt und erfunden, die so im Text
nicht vorkommen, aber in der Personenkonstellation erscheinen könnten. Es können historisch adäquate
Rollen sein, die dann in die Zeit des Textes passen, oder aber auch
gegenwärtige Rollen, die so mit historischen Situationen und Partnern
konfrontiert werden.
● Die Schülerinnen und Schüler entwickeln eine
Rollenbiographie oder/und ein Rollenkonzept. - Sie treten in einer Rolle auf.
● Die Figuren eines Textes werden über die neue Rolle
näher beleuchtet: ihre sozialen Bedingungen, ihr Handeln und Fühlen, ihre
Handlungsalternativen etc. - Das Rollenverhalten der Figuren wird an
entscheidenden Konflikt-, Entscheidungs- und Begegnungsszenen beobachtet, dabei
werden vor allem Handlungsalternativen erprobt, mit entsprechendem Verhalten,
Sprechen, Argumentieren...
● Die Schülerinnen und Schüler entwickeln neue Rollen
von Figuren, die mit den Figuren im Text in Beziehung gebracht werden.
Stets ist die Argumentation mit dem Originaltext im
Vergleich mit den Rollenvorstellungen und dem Alltagswissen der Schülerinnen
und Schüler dafür ausschlaggebend, dass das literarische Rollenspiel dazu
dient, das Original besser zu verstehen.
Beispiel:
● Effi Briest trifft eine Freundin aus früheren Tagen
und...
● Effi schreibt
ihrem Bruder nach der Entdeckung der Briefe ...
Lit.:
H.Eggert/M.Rutschky
(Hg.): Literarisches Rollenspiel in der Schule. Heidelberg: Quelle und Meyer
1978)
Martin Lensch:
Spielen, was (nicht) im Buche steht. Die Bedeutung der Leerstelle für das
literarische Rollenspiel. Waxmann – Verlag 2000
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Beispiele zu: Wolf
Wondratschek: "Mittagspause" Kurzgeschichte von 1969
Produktive
Textarbeit - literarisches Rollenspiel
● Verfassen Sie einen Brief, mit der die Tochter ihren
Eltern mitteilt, dass sie das Elternhaus verlassen und eine eigene Wohnung
beziehen will.
● Monika schreibt ihrem Freund einen Brief, in dem sie
ihm über ihr Verhältnis zu den Eltern und den Ursachen dafür berichtet.
● Setzen Sie die Geschichte aus der Perspektive der
Tochter Monika, in Form einer Ich-Erzählung, fort. Sie können dabei wie folgt beginnen: "Als ich an diesem Abend
nach Hause kam..."
http://teachsam.biz/deutsch/d_ubausteine/aut_ub/bic_ub/bic_toc_ub10.htm
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