Mündliche Mitarbeit - wie soll man sie beurteilen?

 

(1) Manfred Bönsch: Mündliche Leistungsbeurteilung

 

[...] Die Probleme beginnen bei der Leistungsfeststellung: Ist häufiges Melden ein Kriterium, auch wenn die dann tatsächlich abgerufenen Beitrage vielleicht schwach sind? Hat jeder Schüler die gleiche Chance des Drankommens oder verfährt man hier selektiv? Wird beim tatsächlichen Drankommen die Ein-Wort- / Ein-Satz-Antwort genauso bewertet wie ein Beitrag in mehreren Sätzen, die eine selbständige, umfassende und produktive Antwort beinhaltet? Gibt es für jeden Schüler im Halbjahr die Chance zu gezielten Lernkon­trollen? Gibt es evtl. selbständige größere Beiträge etwa in Gestalt eines Referates? Werden die Hausaufga­ben und die Führung einer Mappe/eines Heftes zu den mündlichen Leistungen dazugezählt? [...]

Und wenn man ein Fach unterteilt in verschiedene Leistungsbereiche, wird es noch komplizierter. Im Eng­lischunterricht könnte man zwischen Aussprache, freiem Sprechen, Grammatikwissen, Vokabelwissen, Lese­fähigkeit und vielleicht noch mehr Teilbereichen unterscheiden. Dann ergibt sich so etwas wie eine dreidi­mensionale Erhebungs- und Bewertungsmatrix. [...]

Ein Beispiel, das hinsichtlich der Bereiche, ihrer Anteile, der Notierungen und ihrer Verrechnungen sicher auch ganz anders aussehen könnte:

 

           Der Bereich der mündlichen Leistungen wird folgendermaßen aufgeschlüsselt (das Fach Geographie als Beispielfach):

 

60 %

allgemeine Mitarbeit

mindestens 10 Notierungen im Halbjahr

 

15%

 

25%

20%

20%

20%

 

 

Reproduktion

(auf  Wissensfra­gen antworten usw. )

 

produktive Leis­tungen (Unterricht durch eigene Beiträge voran­treiben)

Transfer / Anwendung des

Gelernten

 

2 gezielte größere Lern­kon­trollen

(Wis­sensab­frage, Zahlenauf­schlüs­selung usw. )

1 Referat oder eine andere größere Leistung

(Teilnahme an Gruppen­arbeit mit Vortrag)

[in: NDS 2/89, 23]

 

(2)     Mündliche Mitarbeit im Deutschunterricht Sek. II - Beurteilungskriterien einer Fachkonferenz:

 

 

 

Rechtliches:

 

Achtung: Die mündliche Mitarbeit ist eine Leistung in einem definitiven Lernbereich des Lehrplans: „Sprechen und Zuhören“ (KLP S I, 23-28) → Aufgabentypen mündlich

bzw. „Sprechen“ (RL S II, 10-12). → Teil der Bewertung „Sonstige Mitarbeit

Anleitung, Aufgaben und Übungen erfolgen im normalen Unterricht und explizit. Fehlende Mitarbeit ist also nicht nur eine Disposition von entspr. Schülerinnen und Schülern, sondern ggf. ein Ausfall in einem ganzen Lernbereich!

 

Rechtlich relevant: Notizen je Schüler für die mündliche Mitarbeit im Rahmen der SoMi-Note sind analog den Quartalsnoten der Oberstufe festzuhalten; Es besteht eine Verpflichtung, „dass Noten jederzeit begründet und belegt werden müssen. Daher ist zu empfehlen, dass die Fachlehrer private Aufzeichnungen (Notenbücher) und Unterlagen eine angemessene Zeit (u. U. bis zu 1 Jahr) aufbewahren“. (Vfg. RP Köln 30.12.88)

 

Zur Belegpraxis: „Während im Bereich der schriftlichen Arbeiten die Leistung des Schülers in eindeutiger Weise dokumentiert ist, bereitet es vielen Lehrern nach wie vor Schwierigkeiten – sei es im Beschwerdeverfahren, sei es im Gespräch mit den Eltern -, ihre Beurteilung der Leistung des Schülers bei der Mitarbeit im Unterricht angemessen darzustellen. Zunächst muss festgehalten werden, dass kein Lehrer verpflichtet ist, allein zu Beweiszwecken Fehlleistungen von Schülern unter genauer Angabe von Tag, Unterrichtsstunde und Aufgabenstellung festzuhalten. Es besteht keine besondere Dokumentationspflicht. Der Lehrer muss aber in der Lage sein, Angaben zu den unterrichtlichen Voraussetzungen (z.B. Unterrichtsgegenstände, geübte Methoden und vorrangig praktizierte Unterrichtsverfahren) zu machen und die Schülerleistung zu charakterisieren. Hierbei werden in der Regel Angaben zur Qualität der Unterrichtsbeiträge und zum Umfang der Schülerleistungen gefordert werden können.“ (In: Winfried Jehkul: Schulrecht in der Praxis. Essen: Wingen 1990, 7.22, S. 15)

 

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Mündliche Mitarbeit – Regelungen in NRW

→ ASchO § 22 (4)

→ APO-GOSt § 15

→ VO-DV I  Nr. 10

 

Allgemeine Schulordnung (ASchO)

Vom 25. Juni 2002 geändert durch Verordnung vom 8. April 2003

 

§ 21 Leistungsbewertung

(1) Die Leistungsbewertung soll über den Stand des Lernprozesses der Schülerin oder des Schülers Aufschluss geben; sie soll auch Grundlage für die weitere Förderung der Schülerin oder des Schülers sein. Bei der Bera­tung über den Bildungsgang durch die Schule soll sie eine wesentliche Hil­fe sein.

(2) Die Leistungsbewertung bezieht sich auf die im Unterricht vermittelten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten.

(3) Bei der Bewertung von Schülerleistungen ist der Eigenart der Schulstu­fe, der Schulform und des Unterrichtsfachs Rechnung zu tragen. Es wer­den der Umfang sowie die selbstständige und richtige Anwendung der Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die Art der Darstellung be­wertet.

(4) Grundlage der Leistungsbewertung sind alle im Beurteilungsbereich „Schriftliche Arbeiten“ und im Beurteilungsbereich „Sonstige Leistungen“ erbrachten Leistungen. Beide Beurteilungsbereiche sind angemessen zu berücksichtigen.

(5) Auf Wunsch ist die Schülerin oder der Schüler jederzeit über ihren oder seinen Leistungsstand zu unterrichten.

(6) Hat die Schülerin oder der Schüler aus von ihr oder ihm nicht zu vertre­tenden Gründen die erforderlichen Leistungsnachweise nicht erbracht, können nach Maßgabe der Ausbildungs- und Prüfungsordnung Leistungs­nachweise nachgeholt und kann der Leistungsstand durch eine Prüfung festgestellt werden.

(7) Verweigert eine Schülerin oder ein Schüler die Leistung, so wird dies wie eine ungenügende Leistung bewertet.

(8) Bedient sich eine Schülerin oder ein Schüler zur Erbringung einer Lei­stung unerlaubter Hilfe, begeht sie oder er eine Täuschungshandlung. Bei geringem Umfang der Täuschungshandlung wird der ohne Täuschung er­brachte Teil bewertet; der übrige Teil wird als nicht erbracht gewertet. Bei umfangreicher Täuschungshandlung wird die gesamte Leistung wie eine ungenügende Leistung bewertet. Bei Unklarheit über den Umfang der Täu­schungshandlung wird die Wiederholung der Arbeit angeordnet. Wird eine Täuschungshandlung erst nach Abschluss der Leistung festgestellt, ist entsprechend zu verfahren.

 

§ 22 Schriftliche Arbeiten und Sonstige Leistungen

(1) Im Beurteilungsbereich „Schriftliche Arbeiten“ sollen die durch die Ausbildungs-

und Prüfungsordnung vorgeschriebenen Arbeiten zur Leistungsfeststellung (Klassenarbeiten, Kursarbeiten, Klausuren) gleichmäßig über das Schuljahr verteilt werden. Die Arbeiten sollen entsprechend dem Alter der Schülerinnen und Schüler in der Regel vorher angekündigt werden. In einer Woche sollen nicht mehr als zwei Arbeiten, an einem Tag darf nur eine Arbeit geschrieben werden, soweit die Ausbildungs- und Prüfungsordnung nichts anderes bestimmt.

(2) Die Anforderungen in den Arbeiten müssen den aufgrund des erteilten Unterrichts zu erwartenden Leistungen und den Anforderungen der Lehrpläne entsprechen. Erreicht bei einer Arbeit ein Drittel der Schülerinnen und Schüler kein ausreichendes Ergebnis, ist zu prüfen, ob die Anforderungen im Sinne des Satzes 1 angemessen sind. Erscheinen die Anforderungen angemessen, ist die Arbeit zu werten. Anderenfalls ist die Arbeit zu wiederholen. Die Entscheidung trifft die Schulleiterin oder der Schulleiter nach Anhörung der Fachlehrerin oder des Fachlehrers. Wird die Arbeit gewertet, sind geeignete Maßnahmen einzuleiten, die die unterrichtlichen Ergebnisse verbessern und die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler fördern.

(3) Die Arbeiten werden nach Benotung und Besprechung mit den Schülerinnen und Schülern diesen mit nach Hause gegeben, damit die Erziehungsberechtigten Kenntnis nehmen können; sie sind auf Verlangen spätestens nach einer Woche an die Schule zurückzugeben.

(4) Zum Beurteilungsbereich „Sonstige Leistungen“ gehören alle im Zusammenhang mit dem Unterricht erbrachten mündlichen und praktischen Leistungen sowie gelegentliche kurze schriftliche Übungen. Schriftliche Übungen sind neben den vorgeschriebenen schriftlichen Arbeiten (Absätze 1 bis 3) in allen Fächern zulässig. Die Leistungen bei der Mitarbeit im Unterricht sind bei der Beurteilung ebenso zu berücksichtigen wie die übrigen Leistungen.

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Verordnung über den Bildungsgang und die Abiturprüfung in der gymnasialen Oberstufe

(Ausbildungs- und Prüfungsordnung gemäß § 26 b SchVG – APO-GOSt)

Vom 5. Oktober 1998 zuletzt geändert durch Verordnung vom 14. Februar 2001

 

§ 13 Grundsätze der Leistungsbewertung

(1) Im Kurssystem der Jahrgangsstufen 11 bis 13 ergibt sich die je­weilige Kursabschlussnote in einem Kurs mit schriftlichen Arbeiten (Klausuren) aus den Leistungen im Beurteilungsbereich „Klausuren“ (§ 14) und den Leistungen im Beurteilungsbereich „Sonstige Mitar­beit“ (§ 15). Die Kursabschlussnote wird gleichwertig aus den Endno­ten beider Beurteilungsbereiche gebildet. Eine rein rechnerische Bil­dung der Kursabschlussnote ist unzulässig. Bei Kursen ohne Klau­suren ist die Endnote im Beurteilungsbereich „Sonstige Mitarbeit“ die Kursabschlussnote.

(2) Die Lehrerin oder der Lehrer ist verpflichtet, die Schülerinnen und Schüler zu Beginn des Kurses über die Zahl und Art der geforderten Klausuren und Leistungsnachweise im Beurteilungsbereich „Sonsti­ge Mitarbeit“ zu informieren. Etwa in der Mitte des Kurshalbjahres un­terrichtet die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler über den bis da­hin erreichten Leistungsstand. Die Kursabschlussnote in Kursen der Jahrgangsstufe 13/II wird vor der ersten Sitzung des Zentralen Ab­iturausschusses bekannt gegeben.

(3) Die Schülerinnen und Schüler sind verpflichtet, die geforderten Leistungsnachweise zu erbringen. Verweigert eine Schülerin oder ein Schüler einzelne Leistungen oder sind Leistungen in einem Fach aus von ihr oder von ihm zu vertretenden Gründen nicht beurteilbar, wird die einzelne Leistung oder die Gesamtleistung wie eine ungenügende Leistung bewertet (§ 21 Abs. 7 ASchO).

(4) Schülerinnen und Schülern, die aus von ihnen nicht zu vertreten­den Gründen die erforderlichen Leistungsnachweise nicht erbracht haben, ist Gelegenheit zu geben, die vorgesehenen Leistungsnach­weise nachträglich zu erbringen. Im Einvernehmen mit der Schullei­terin oder dem Schulleiter kann die Fachlehrkraft den Leistungsstand auch durch eine Prüfung feststellen (§ 21 Abs. 6 ASchO).

(5) Für die Leistungsbewertung gilt im Übrigen § 21 ASchO.

(6) Bei der Bewertung schriftlicher Arbeiten sind Verstöße gegen die sprachliche Richtigkeit in der deutschen Sprache und gegen die äu­ßere Form angemessen zu berücksichtigen. Gehäufte Verstöße füh­ren zur Absenkung der Leistungsbewertung um eine Notenstufe.

 

VV zu § 13  -  13.4 zu Abs. 4 

13.41

Die Entscheidung darüber, ob die Gründe von der Schülerin oder dem Schüler zu vertreten sind, trifft die Schulleiterin oder der Schulleiter. Sind die Gründe von der Schülerin oder dem Schüler zu vertreten, ist kein Nachschreibetermin anzusetzen; eine Prüfung gemäß § 13 Abs. 4 anstelle der versäumten Klau­sur entfällt.

13.42

Ein Kurs kann nur dann bewertet werden, wenn hinreichende Beurteilungsgrundlagen vorliegen. Hinreichende Beurteilungs­grundlagen liegen nicht vor, wenn die Schülerin oder der Schü­ler im Beurteilungsbereich „Klausuren“ beide geforderten Leistungsnachweise verweigert hat oder im Beurteilungsbereich „Klausuren“ oder im Beurteilungsbereich „Sonstige Mitarbeit“ aus Gründen, die von der Schülerin oder dem Schüler zu vertre­ten sind, nicht beurteilbar ist.

 

§ 15 Beurteilungsbereich „Sonstige Mitarbeit“

(1) Zum Beurteilungsbereich „Sonstige Mitarbeit“ gehören alle im Zusammenhang

mit dem Unterricht erbrachten schriftlichen, mündlichen und praktischen Leistungen mit Ausnahme der Klausuren und der Facharbeit gemäß § 14 Abs. 3.

(2) Die Formen der „Sonstigen Mitarbeit“ richten sich nach den Richtlinien und Lehrplänen für den Unterricht in der gymnasialen Oberstufe.

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Verordnung über die zur Verarbeitung zugelassenen Daten von Schülerinnen, Schülern und Erziehungsberechtigten (VO-DV I)

Vom 24. März 1995 zuletzt geändert durch Gesetz vom 8. Juli 2003

 

Datensatz bei Genehmigung der Verarbeitung personenbezogener Schü­lerinnen- und Schülerdaten auf privaten ADV-Anlage der die Schülerinnen und Schüler unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer

 

1. Name einschließlich Geburtsname

2. Vorname

3. Geschlecht

4. Geburtsdatum

5. Konfession, sofern keine Befreiung vom Religionsunterricht vorliegt

6. Klasse/Jahrgangsstufe, Kurs

7. Schülernummer/Nummer des Gesamtschülerverzeichnisses

8. Ausbildungsrichtung bzw. Ausbildungsberuf

9. Fächer, in denen die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler unterrich­tet

10. Ergebnisse und Teilergebnisse schriftlicher und mündlicher Leistungs­überprüfungen, praktischer Leistungen in Sport, Musik, technischen und gestalterischen Übungen in den von der Lehrkraft erteilten Fächern sowie Art und Datum der Leistungserhebung bzw. -bewer­tung

11. Zeiten des Fernbleibens vom Unterricht in den Fächern, in denen die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler unterrichtet

12. Halbjahresnoten in den Fächern, in denen die Lehrkraft die Schülerin­nen und Schüler unterrichtet

13. Vermerk über Benachrichtigungen gemäß § 27 Abs. 8 ASchO in den Fächern, in denen die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler unter­richtet

 

II.

Schulleiterinnen und Schulleiter, deren Stellvertretung und ggf. weitere mit Schulleitungsaufgaben betraute Lehrkäfte sowie Klassenlehrerinnen oder Klassenlehrer und Jahrgangsstufenleiterinnen oder Jahrgangsstufenleiter (Beratungslehrerinnen oder Beratungslehrer in der gymnasialen Oberstufe dürfen darüber hinaus in den folgenden Schülerinnen- und Schülerdaten verarbeiten:

1. Halbjahresnoten in allen Fächern der betreffenden Schülerinnen und Schüler

2. alle zeugnisrelevanten Leistungsangaben

3. zeugnisübliche Bemerkungen; darunter fallen insbesondere Textan­teile im Rahmen der Aussagen zum Sozial- und Arbeitsverhalten bei Grundschulzeugnissen für die Klassen 1 bis 3 der Grundschule und im Rahmen von Gutachten beim Übergang von der Grundschule zu wei­terführenden Schulen

4. Vermerke über Benachrichtigungen gemäß § 27 Abs. 8 ASchO.

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