Abitur-Aufgabenstellungen nach
EPA 2002
„Unbeschadet einer prüfungsdidaktisch erforderlichen Schwerpunktbildung dürfen sich die von der Schülerin bzw. vom Schüler zu bearbeitenden
Aufgaben nicht auf die Sachgebiete eines Kurshalbjahres beschränken.“
(Vereinbarung über die Abiturprüfung in der gymnasialen Oberstufe in der
Sekundarstufe II vom 7.7.1972 i.d.F. vom 16.6.2000, § 5 Abs.4) Unter Einbeziehung von
Grundkenntnissen und –fertigkeiten früherer
Jahrgangsstufen muss die Gesamtheit der in der Oberstufe vermittelten Ziele,
Inhalte und Methoden für die Abiturprüfung zur Verfügung stehen.
3.2 Aufgabenarten
In
unterschiedlicher Gewichtung bieten die Aufgabenarten die Möglichkeit,
Fähigkeiten zur Untersuchung, zur Erörterung und zur Gestaltung zu überprüfen:
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Erschließungsform |
Text |
Aufgabenart (Kap.) |
|
untersuchend |
literarisch |
Textinterpretation (3.2.1) |
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pragmatisch |
Textanalyse (3.2.2) |
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erörternd |
literarisch |
literarische Erörterung (3.2.3) |
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pragmatisch |
Texterörterung (3.2.4) |
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freie Erörterung (3.2.5) |
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gestaltend |
literarisch |
gestaltende
Interpretation (3.2.6) |
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pragmatisch |
adressatenbezogenes
Schreiben (3.2.7) |
Die
hier aufgeführten Aufgabenarten stellen Grundmuster dar, die auch kombinierbar
sind z.B.:
- Textinterpretation
und Erörterung als argumentative Stellungnahme
- Textinterpretation
und gestaltende Interpretation als Teilaufgabe
- Textanalyse
und Texterörterung als argumentative Stellungnahme
- Textanalyse und adressatenbezogenes
Schreiben als gestaltende Teilaufgabe.
Bei
Mischformen ist grundsätzlich darauf zu achten, dass eine der genannten
Erschließungsformen Schwerpunkt der Aufgabe ist und die Teilaufgaben ein
sinnvolles Ganzes ergeben.
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EPA 2002 S. 35 ff.
- 1.2 Aufgabenbeispiele
1.2.1 Beispiel für untersuchendes
Erschließen literarischer Texte: Textinterpretation (vgl. 3.2.1.)
Grundkurs
- Aufgabenstellung
Joseph
von Eichendorff: Der Jäger Abschied (1810)
Erich Fried: Neue
Naturdichtung (1972)
1. Interpretieren Sie das Gedicht von Eichendorff!
2. Wie verwendet Fried – im Unterschied zu Eichendorff –
das Waldmotiv?
3. Erschließen Sie am Beispiel dieses Motivwandels
Charakteristika von Romantik und Moderne!
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1.2.2 Beispiel für untersuchendes Erschließen
pragmatischer Texte: Textanalyse (vgl. 3.2.2)
Grundkurs
- Aufgabenstellung:
Benjamin
Henrichs: Theater in Dresden: Zehn
Stunden Goethe Zwei Fäuste und kein Halleluja (1990)
1. Untersuchen Sie die Position des Autors und
analysieren Sie, wie er diese argumentativ und sprachlich entwickelt. Fassen
Sie Ihre Ergebnisse thesenartig zusammen!
2. Beurteilen Sie die Überzeugungskraft der Theaterkritik
aus der Sicht dessen, der den „Faust“ zwar kennt, die Inszenierung selbst aber
nicht gesehen hat und sich in der Zeitung informiert!
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1.2.3 Beispiel für erörterndes Erschließen
literarischer Texte: Literarische Erörterung (vgl. 3.2.3)
Leistungskurs - Aufgabenstellung
Sten Nadolny (* 1942): Die
Entdeckung der Langsamkeit (1983) 1. Kap.
Ausschn.
1. Untersuchen Sie, wie der Erzähler die Hauptfigur
einführt!
2. Erörtern Sie, von dem vorliegenden Romananfang
ausgehend, inwieweit das Thema „Langsamkeit“ für Sie in der Auseinandersetzung
mit Literatur von Bedeutung sein kann!
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1.2.4 Beispiel für erörterndes Erschließen
pragmatischer Texte: Texterörterung (vgl. 3.2.4)
Grundkurs - Aufgabenstellung
Fritz Reheis: Die
Kreativität der Langsamkeit - Neuer Wohlstand durch Entschleunigung (Auszug) (1996)
1. Erläutern Sie die Position des Autors und untersuchen
Sie, wie er diese argumentativ entwickelt!
2. Erörtern Sie, inwieweit Sie die Auffassungen des
Autors für überzeugend halten!
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1.2.5 Beispiel für eine erörternde Erschließung ohne
Textvorlage: Freie Erörterung (vgl. 3.2.5)
Grundkurs - Aufgabenstellung
„Ich
glaube, wir sind die informierteste und gleichzeitig ahnungsloseste
Gesellschaft, die je existiert hat.“
Setzen
Sie sich mit dieser Einschätzung des Schriftstellers Peter Turrini auseinander!
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1.2.6 Beispiel für gestaltendes Erschließen
literarischer Texte: Gestaltende Interpretation (vgl. 3.2.6)
Grundkurs - Aufgabenstellung
Johann
Wolfgang von Goethe Die Leiden des
jungen Werther (1787) Ausschn.
1. Skizzieren Sie als Grundlage für die Bearbeitung der
zweiten Teilaufgabe die Situation, in der das Gespräch zwischen Werther und
Lotte stattfindet, und beschreiben Sie das Bild, das der Leser von beiden
gewinnt!
2. Schreiben Sie einen Brief! - Gehen Sie dabei von
folgender Annahme aus: In dieser angespannten Situation möchte Lotte jemandem
mitteilen, was in ihr vorgeht.
3. Erläutern Sie Ihre Überlegungen und gestalterischen
Entscheidungen für das Verfassen des Briefes!
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1.2.7 Beispiel für gestaltendes Erschließen
pragmatischer Texte: Adressatenbezogenes Schreiben (vgl. 3.2.7)
Leistungskurs - Aufgabenstellung
Harald Hartung: Der Baum
blüht trotzdem (1999)
Zum 90. Geburtstag von Hilde Domin Text aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom
27.07.1999
Aufgabenstellung:
Das
„Gymnasium am Stadtwald“ soll einen neuen Namen erhalten, der
Identifikationsangebote für die Schülerinnen und Schüler enthält.
Die
Schulsprecherin/der Schulsprecher bezieht im Rahmen ihrer/seiner Abiturrede
Position zu dem an der Schule kontrovers diskutierten Vorschlag, die Schule
nach Hilde Domin zu benennen.
Vor
diesem Hintergrund bearbeiten Sie bitte die folgenden Aufgaben:
1. Arbeiten Sie wesentliche inhaltliche Gesichtspunkte
der Würdigung Hilde Domins in dem Text von Hartung heraus!
2. Verfassen Sie die Abiturrede; beziehen Sie Ihnen
wichtig erscheinende Aspekte des Zeitungsartikels ein!
3. Erläutern Sie wesentliche gestalterische
Entscheidungen Ihrer Textproduktion!
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1.2.7.1 Beispiel für gestaltendes Erschließen
pragmatischer Texte: Variante: Adressatenbezogenes Schreiben auf der Basis
untersuchenden Erschließens pragmatischer Texte (vgl. 3.2.7)
Leistungskurs - Aufgabenstellung
- Konrad
Ehlich: Europäische Sprachen im Zeitalter der Postnationalität (Auszug)
-
Peter Hans Nelde: Deutsch im
Kontext der Europäischen Mehrsprachigkeit (Auszug)
- Gerhard Stickel: Sprachbefindlichkeit. Dolmetschen und
Durchwursteln (Auszug)
- Ulla Hanselmann: Französisch statt Latein (Auszug)
- Statistik-3 Balkendiagramme: Kleine ganz groß. Ein
Schüler lernt durchschnittlich so viele Fremdsprachen …
· Entwerfen Sie auf der Basis des vorgelegten Materials
eine Argumentationsstrategie, mit deren Hilfe Sie Eltern in einer
Elternversammlung davon überzeugen wollen, ihre Kinder eine dritte, moderne
Fremdsprache wählen zu lassen!
· Fassen Sie die für Sie wesentlichen Aussagen auf einem
DIN A 4-Blatt zusammen, das Sie als OH-Folie zur Unterstützung Ihrer
Argumentationsstrategie einsetzen! - Erläutern Sie Ihre Entscheidungen!
(Zusammenstellung: G. Einecke)