Klausuren - Lyrik Sek. II:

(A)

    Josef von Eichendorff:

 

        Lockung

 

   Hörst du nicht die Bäume rauschen

   Draußen durch die stille Rund?

   Lockt's dich nicht, hinabzulauschen

   Von dem Söller in den Grund,

   Wo die vielen Bäche gehen        

   Wunderbar im Mondenschein        

   Und die stillen Schlösser sehen  

   In den Fluss vom hohen Stein?     

                                     

   Kennst du noch die irren Lieder  

   Aus der alten, schönen Zeit?     

   Sie erwachen alle wieder         

   Nachts in Waldeseinsamkeit,      

   Wenn die Bäume träumend lauschen 

   Und der Flieder duftet schwül    

   Und im Fluss die Nixen rauschen - 

   Komm herab, hier ist's so kühl.               (um 1840)

 

---------------------------------------------------------------

             Heinrich Heine:

 

               Wahrhaftig

 

    Wenn der Frühling kommt mit dem Sonnenschein,

    Dann knospen und blühen die Blümlein auf;    

    Wenn der Mond beginnt seinen Strahlenlauf,   

    Dann schwimmen die Sternlein hinterdrein;    

    Wenn der Sänger zwei süße Äuglein sieht,     

    Dann quellen ihm Lieder aus tiefem Gemüt; -   

    Doch Lieder und Sterne und Blümelein         

    Und Äuglein und Mondglanz und Sonnenschein,  

    Wie sehr das Zeug auch gefällt,              

    So macht's doch noch lang keine Welt.                        (1816-21)

---------------------------------------------------------------

Aufgabe:

1.          Vergleiche beide Gedichte nach Form, Sprache und  Aussageabsicht sowie nach der Haltung des lyrischen Ichs zur   

       romantischen Bilderwelt.

2.          Erkläre Heines Kritik an der Romantik.

 

 

(B)

 

 Josef von Eichendorff:

 

           Lockung

 

             Hörst du nicht die Bäume rauschen

             Draußen durch die stille Rund?

             Lockt's dich nicht, hinabzulauschen

             Von dem Söller in den Grund,

5           Wo die vielen Bäche gehen        

             Wunderbar im Mondenschein        

             Und die stillen Schlösser sehen  

             In den Fluss vom hohen Stein?    

 

             Kennst du noch die irren Lieder  

10          Aus der alten, schönen Zeit?     

             Sie erwachen alle wieder         

             Nachts in Waldeseinsamkeit,      

             Wenn die Bäume träumend lauschen 

             Und der Flieder duftet schwül    

15          Und im Fluss die Nixen rauschen - 

             Komm herab, hier ist's so kühl.  

 

(um 1840)

(Söller = hochgelegener offener Saal, Balkon, Vorplatz, z.B. einer Burg)

 

Aufgabe: Analysiere sorgfältig Inhalt und Form, und interpretiere dies Gedicht nach den

eingeführten Verfahren. - Erläutere bei der Interpretation die hier vorliegende Abwandlung

der romantischen Motivik.