Kommunikationsanalyse
- Jg. 9 - 13
Um das sprachliche Verhalten von Dialogpartnern in
Sprechsituationen zu verstehen, muss man beobachten, wie ihre Kommunikation in
größere Handlungszusammenhänge eingebettet ist, wie sprachliche Handlungen zur
Verständigung, zur Kooperation oder zum Konkurrenzkampf eingesetzt werden und
woran es liegt, dass Kommunikation gelingt oder misslingt. Dabei ist zu
untersuchen, wie sich die spezifischen Umstände der Situation, die Handlungen
und die Rede- oder Gesprächsbeiträge gegenseitig beeinflussen. Dies
Analyseverfahren ist anwendbar auf szenische Texte, sowohl auf dialogische
Partien in Erzähltexten als auch auf Szenen in Schauspielen, Hörspielen etc.
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1. Situationsanalyse: ●
Welche
Faktoren der Situation bestimmen vor allem die Art und das Zusammenspiel des
Handelns und des Redens? Äußere Einflüsse: Ort, Raum, Zeit, Gegenstände, Umstände,
Atmosphäre, Personenkonstellation, Rollenverteilung, persönliche Situation,
Gefühle, gesellschaftliche Bedingungen und Normen, wirtschaftliche Lage, etc. 2. Handlungsanalyse: ●
Welche
Handlungen wirken vor allem auf die Situation und das Gespräch ein oder gehen
aus ihnen hervor? Konkrete Handlungen: Art der Handlungen - alltäglich: aufstehen,
Fenster öffnen, Kaffee eingießen - beruflich: Formular reichen...-
symbolisch: Blumen überreichen...; Handlungsträger: Personen, Gruppen;
Handlungsablauf: Handlungsziel, Auslöser, Verlauf, Ergebnis, Folgehandlungen;
Handlungsspielraum, Handlungsalternativen; Handlungsebene: erinnerte,
aktuelle, geplante/erahnte Handlungen; Art der Steuerung: bewusst, unbewusst;
emotional, rational... 3. Rede-/Gesprächsanalyse: ●
Welche
Bedeutung haben Gesprächs- oder Redeteile für die Situation und die konkreten
Handlungen? Sprachliche Handlungen: Verbalsprache, Körpersprache; Intentionen,
Konventionen, Rituale; Themenfolge; Redeorganisation: Initiativen, Sprecherwechsel,
Redeanteile, Dominanz; Inhalts- und Beziehungsaspekt; Rederichtung: dialogisch,
monologisch, innerer Monolog, öffentliche Rede; „Sprachhandlungen“: Ankündigung,
Bitte, Dank, Empfehlung, Forderung, Gruß, Herabsetzung, Information,
Kompliment, Lüge, Mutmaßung, Nötigung, Problematisierung, Ratschlag,
Schmeichelei, Tadel, Unterstellung, Vertröstung, Widerspruch,
Zurückweisung...; Redesequenzen, d.h. typische Abfolge der Beiträge: „Interview“
mit Frage - Antwort - Gegenfrage...,
„Argumentation“ mit These - Zweifel - Argument - Gegenargument - Argumentenwürdigung - Schlussfolgerung, „Streitgespräch“ mit Vorwurf - Rechtfertigung/Gegenvorwurf
- Ausweichen - Verstärken des Vorwurfs - Aggression - Beschwichtigung...;
Redemittel: rhetorische Mittel, bildliche Mittel, Redewendungen... |
In:
Einecke, Günther: Unterrichtsideen Textanalyse und Grammatik.
Vorschläge
für den integrierten Grammatikunterricht. Klett: Stuttgart (1993) 31995, 157 f.
© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de