Literarische
Charakteristik
(Jg. 10-12)
1.
Es geht um die Wesensschilderung einer Textfigur, gestützt auf
Textinformationen zu
Verhalten
und Handeln
Äußerungen
Einstellungen.
2.
Es kommt darauf an, nicht alles Mögliche, sondern nur das Bezeichnende, also
das Individuelle, das diese
Person von anderen unterscheiden lässt, hervorzuheben. Dabei geht es nicht
um vorschnelle Etikettierung von „Charaktermerkmalen“ durch
wertende Adjektive wie „fleißig, feige...“, sondern um die Analyse
der Figur in verschiedenen Hinsichten und Situationen.
3.
Und es geht um das Typische dieser
Person, d.h. um die Darstellung dessen, was man an verschiedenen Stellen und in
verschiedenen Situationen gleichsam als durchgehendes Verhaltensmerkmal, als
sich wiederholende Einstellung im Überblick über einen größeren Zeitraum
(und Text) zusammenfassend sagen und am Text belegen kann.
4.
Über die Beschreibung einer Person hinaus ist ihre Prägung durch Anlage
und Umwelt zu ermitteln, ihre Entwicklung zu
rekonstruieren, ihr Zusammenspiel mit anderen Figuren in der
Personenkonstellation heranzuziehen.
5.
Die Einschätzung der Figur durch
andere Figuren im Text kritisch einarbeiten.
6.
Die Perspektive des Textes (des Erzählers, Lyrischen Ichs/Lyrikers,
Dramatikers) relativierend einbeziehen: die literarische Gestaltung der
Verteilung von Sympathie und Antipathie, von Hervorhebung oder Zurücksetzung,
von Lob und Kritik, von Identifizierung und Distanz etc.
7.
In historisch-kritischer Sicht die Mentalität
und Normen einer Epoche zur Zeit der Entstehung eines Textes von
heutigen und eigenen Wertvorstellungen unterscheiden: Was heißt
„tyrannisch“ bei einem Herrscher im Absolutismus und bei einem 16jährigen
Bruder heute?!
a)
als Ergebnis einer Textanalyse - mit Blick auf die literarische Gestaltung einer
Figur
b)
an einem gewählten Textausschnitt - einer Szene, einer Episode
c)
im Überblick über den ganzen Text - gestützt auf die Textanalyse
d)
vom Eindruck → über die Analyse →
zur Synthese
e)
Deutung und Beurteilung der Figur nur mit Textargumenten
f) bei der Beurteilung Reflexion des eigenen Maßstabs zu Verhaltensnormen, Werten, Konventionen - d.h. der „historischen Differenz“
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