Rezension

 

Rezensionen informieren über Texte und Medienereignisse und bieten dem Leser kritisch wertende Bespre­chungen dichte­rischer oder wissenschaftlicher Werke, von Theater-, Film- und Fernsehaufführun­gen, Kon­zerten usw.

Die Rezension ist eine Textsorte unter der Rubrik „Kritik“. „Die in den öffentli­chen Medien in verschiede­nen Formen geübte Kritik an politischen, wirtschaftli­chen und kulturellen Vorgängen dient der öffentlichen Mei­nungsbildung; die Kritik soll von der Sachinformation deutlich getrennt und unterscheidbar sein.“(dtv-Lexikon)

 

Aufbau einer Rezension:

1.   Datenvorspann: Autor, Titel, Verlag, Erscheinungsjahr, Umfang, Preis; ggf. Zielgruppe

2.   Inhaltswiedergabe: Personenkonstellation, Handlungsübersicht, Problemschwerpunkte - ggf. Einzelkommentare

3.   Darstellungsformen: Erläuterungen zu den benutzten Darstellungsmitteln, Auffälligkeiten der Gestal­tung, medienspezifischen Formen; Leistung der Interpreten - ggf. Einzelkommentare

4.   Einbau in Zusammenhänge: Stellung im Zusammenhang des Gesamtwerks, Hinweise auf den Autor, Zusammenhänge mit der Entstehungsepoche, Stellung im Traditionsstrom der Probleme und Figuren

5.   Kritik: Eindrücke aus der Rezeption, subjektive Wertung, Urteil mit Begründung, Hinweise auf die aktuelle Diskussion des Werks; abschließende Empfehlung

6.   Vorschlag zur Leseprobe: begründete Auswahl und Vortrag einer typischen Stelle des Textes, Hinweise auf zu beobachtende Aspekte, eigene Kommentierung; Provokation von Fragen und Diskussion.

 

(Während 1. - 3. oftmals aus dem Internet oder aus Roman-/Schauspielführern abzuschreiben wären, zeigt sich spätestens bei 4. - 6. die eigene Leistung des Rezensenten. - Im übrigen kann man sich ruhig auch auf andere Rezensenten beziehen, auch aus dem Internet, man muss nur die Übernahmen kennzeichnen, sonst handelt es sich um Täuschung. - s. Zitieren)

 

Rezension                                                               Beispiel

Rezensent/in:          ...............................................                      Datum: ..................

 

Theodor Fontane: Irrungen Wirrungen. Ullstein Tb 44519 - 7,80 DM

Roman. Erschienen 1887 in der Vossischen Zeitung, als Buch 1888

 

Dieser Roman zeigt das Leben der Waschfrau Nimptsch und ihrer Pflegetochter Lene in Berlin-Wilmersdorf. Sie leben in einem Häus­chen in einer Gärtnerei. Der junge Graf Botho von Rienäcker ver­liebt sich in die arme Lene. Es beginnt eine innige Beziehung. Bei einer Bootsfahrt auf der Spree kommen sie sich sehr nahe. Aber Le­ne weiß längst, dass eine feste Verbindung zwischen ihnen beiden unmöglich ist: Die Standesschran­ken stehen dazwischen. Lene und Graf Botho sind bereit, die Ordnung und die Normen der Gesell­schaft anzuerkennen. Das wird ihnen auch als notwendig bewusst, als beide erleben, wie die Kameraden ihre „Damen“ in die ländliche Idylle mitbringen und „vorführen“. Lene wirkt dage­gen wie eine Bedienstete. Lene und Botho wären keine standesgemäße Ver­bindung. Sie trennen sich. So heiratet Botho eine reiche Kusine, die er nicht liebt, mit deren Geld er aber die Familiengüter sanieren kann. Lene hei­ratete viel später einen ehrbaren Prediger.

Wie aus dem Nachwort hervorgeht, hat die „Hurengeschichte“ die Zeitgenossen Fontanes empört. Er wollte eigentlich die Augen öff­nen für den Zwang der gesellschaftlichen Konventionen. Die Leser aber fanden, dass die klaren Gefühle des jungen Mädchens zu heraus­fordernd waren und andererseits die Heuchelei der Bürger entlarvt wurde. Der Text gilt als Beispiel für den „poetischen Realismus“, d.h.: ... ...

Der Roman ist sehr anschaulich geschrieben. Die Idylle ist intim gezeichnet. Bei der Darstellung der Kame­radengruppe werden einem aber die Augen über Vorurteile geöffnet. Insgesamt liest sich der nüchtern ge­schriebene Text sehr leicht. Weniger Lenes stilles Leid als vielmehr die Einblicke in die historischen Nor­men für die pri­vate Liebesbeziehung haben mich gefangen gehalten.

Ich kann den Roman nur empfehlen.

 

Leseprobe: S. 4-6 - Meine Begründung für die Wahl dieses Ausschnitts: ... ...

 

© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de