Zitierform und argumentierendes Interpretieren

Beweisverfahren im Dreischritt 

 

Du beobachtest am Text Auffälligkeiten und willst sie deuten; du musst deine Deutung beweisen:

                                                                      

deutende These zum Text:

Behauptung zum Text insgesamt, zu einer Textstelle oder zu einer Auffälligkeit

 

Textbeweis durch Zitat:

auch durch Kurzbeleg,

Stellenangabe oder

Stellenparaphrase

 

Erklärung des Zitats:

Einsatz der ästhetischen Mittel,

Funktion der Stelle im Text,

Bedeutung für die These

                                                                      

Fortsetzung der Textbeobachtung und Übergang zu anderen Auffälligkeiten

 

vgl.: Beispiel zu „argumentierendes Interpretieren“

 

 

1. Kurzbelege: Der Bote soll uns zwar die Nachricht bringen, wird aber durch die Gier der Menschen nach Luxus („ihre Wohnstätten nehmen kein Ende“, Z.13; „und wieder ein Palast“, Z.19) daran gehindert.

Kurzbelege sind Wörter oder Wortgruppen, die systematisch aus verschiedenen Text­abschnitten gesucht wurden und dasselbe Phänomen belegen.

 

2. Stellenangabe: In Kafkas Text geht es um eine wichtige Botschaft an die Menschen (Z.1, 30).

Mit der Stellenangabe wird der Leser informiert, wo eine Aussage vom Text gestützt wird.

 

Zitieren:

3. Nachgestelltes Zitat: Der erste Teil macht dem Leser klar, dass er der Empfänger der äußerst wichtigen Botschaft sein soll: „gerade Dir hat der Kaiser (...) eine Botschaft gesendet“ (Z.2 f.).

Das Zitat ist eine syntaktisch zusammenhängende, im ganzen unveränderte Über­nahme aus dem Original. - Auslassungen müssen durch (...) gekennzeichnet werden. Beim nachgestellten Zitat wird erst eine Erklärung oder Deutung geliefert; sie wird dann mit dem Zitat nachgewiesen.

 

4. Vorangestelltes Zitat: „Du aber (...) erträumst sie Dir, wenn der Abend kommt.“ (Z. 23) Dies ist ein Bild, mit dem Kafka auf das Lebensende verweist.

Beim vorangestellten Zitat wird zuerst eine Textstelle angeführt und dann erläutert.

 

5. Eingebautes Zitat: Der Bote, der als „ein kräftiger, ein unermüdlicher Mann“ (Z.12 f.) dargestellt wird, kann nichts ausrichten.

Beim eingebauten Zitat wird die Textstelle in einen erklärenden Satz passend einge­fügt.

 

6. Grammatisch angepasstes Zitat: Wir alle können uns zu „de(n) Einzelnen, de(n) jämmerlichen Untertanen“ (Z.1 f.) rechnen.

Wenn ein Zitat grammatisch verändert wird - z.B. andere Flexionsendungen -, müs­sen die Änderungen mit (  ) eingeklammert werden.* - Besser wäre es hier, den eigenen Satz so zu verändern, dass die Form des Originals passt, oder z.B. nur die Einzelwörter zitierend einzubauen: Wir alle können uns zu den „Einzelnen“, den „jämmerlichen Untertanen“ (Z.1 f.) rechnen.

 

7. Längeres Zitat, das Zentrales beweisen soll oder an dem länger gearbeitet wird - mit Ankündigungssatz, Doppelpunkt und dann mit Texteinzug um 1 Tabulator, ggf. in um 1-2 Punkte kleinerer Schrift. - z.B.:

Der Vater in Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ wird in zwei Misshandlungsszenen dargestellt. So verfolgt er einmal seinen Sohn:

„da flog, knapp neben ihn leicht geschleudert, irgend etwas nieder und rollte vor ihm her. Es war ein Apfel. Gleich flog ein zweiter nach. (...) Ein schwach geworfener Apfel streifte Gregors Rücken, glitt aber unschädlich ab. Gregor wollte sich weiterschleppen, als könne der überraschende, unglaubliche Schmerz mit dem Ortswechsel vergehen.“ (S. 15, Z. 4-9)

In dieser Szene kommt es äußerlich nicht zu Verwundungen des Käfers, doch werden innere Verletzungen des Sohnes deutlich, die mit der Gewalt des Vaters zu tun haben.  ...

 

Beachte: Das Zitat ist die wörtliche Übernahme von Formulierungen anderer Autoren und von Erkenntnissen und For­schungsergebnissen aus fremden Quellen. Die Sorgfalt gilt dem Urheberschutz.

      Anführungszeichen für das Zitat „ xxx“  - Wenn das Zitat ein vollständiger Satz ist, kommt das Zitatende-Zeichen hinter den Punkt am Satzschluss; wörtliche Rede im Zitat erhält halbe Anführungszeichen „,xxx’  yyy“.

      Stellenangabe in Klammern, hinter das Zitat (S.16, Z.4)

      keine Fragmente als Zitate in den eigenen Text einstreuen, sondern einbauen!

      keine Doppelungen (in eigenen Worten und zusätzlich  als Zitat) 

 

 

* diese Form ist für den Schulgebrauch vereinfacht und entspricht nicht ganz der korrekten wissenschaftlichen Zitierweise. Zentral ist, dass die Schülerinnen und Schüler ihren anpassenden Eingriff in das Original sehen und dokumentieren.

 

© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de