Günther Einecke 1997/1999
Gesprächssteuerung,
Erkenntniswege und Übungen im integrierten Grammatikunterricht
Nach
Überlegungen zur didaktischen Entscheidung für den integrierten
Grammatikunterricht[1] wird genauer ausgeführt, wie in der Planung
des Deutschunterrichts durch eine Engführung immer weiter auf die sprachliche
Seite von Texten und Situationen hingelenkt wird und wie schließlich im
Unterricht durch entsprechende Gesprächssteuerung der Übergang von der
Arbeit an Texten auf die Ebene der sprachlichen Mittel erfolgen kann. Dazu ist
es nötig, den Phasenschritt „Fokussierung“ bei der induktiven Einführung eines
grammatischen Phänomens durch Feinplanung zu präzisieren. Die Engführung
verläuft so:
Reihenplanung → Stundenplanung → Phasenplanung
[Nachdenken -
s.: 1 - 2 - 3 ]
Die sprachliche Ebene im Deutschunterricht
unterscheidet sich vom Grammatikunterricht in den Fremdsprachen
In
den Fremdsprachen steht die Vermittlung neuer sprachlicher Erscheinungen im
Vordergrund, bis die Lernenden die neue Sprache mit ihren grammatischen Formen
beherrschen und in Kommunikationssituationen funktional einsetzen können.
Dabei ist neben dem imitativen, einschleifenden und
automatisierten Verbalisieren auch das Kennenlernen
des fremden grammatischen Systems - zumindest in größeren Teilsystemen -
wichtig, um die Bildungsweise der neuen Formen zu durchschauen und zu nutzen.
Muttersprachler
des Deutschen benötigen diese Art des Grammatikunterrichts nicht. Die Formen
werden in der Regel beherrscht, auch wenn an einer ständigen Ausweitung der
Sprachkompetenz im Syntaktischen und Semantischen sowie an einer Fehlerkorrektur
zu arbeiten ist. Die Verbesserung der Sprachperformanz geschieht im
muttersprachlichen Deutschunterricht am besten durch verstärkte Textproduktion
und Textrezeption, durch Textoptimierung und Steigerung des Textverstehens!
Die Schüler sollen zum einen möglichst viel schreiben, ihre Texte überarbeiten
und dabei auch an der Sprache arbeiten; sie sollen zum anderen möglichst viel
lesen und dabei die funktionale Verwendung der grammatischen Phänomene kennen
lernen. „Grammatische verfahren und kenntnisse
einzusetzen, um eigene texte zu verbessern, das ist - bezogen auf die grammatik - von lebenspropädeutischem wert.“ [2] - Grammatikunterricht ist
also für die Lernbereiche Textproduktion
und Textrezeption im Deutschunterricht funktional und deshalb zu
integrieren.
Grammatikunterricht
im Deutschen ist vornehmlich Reflexion
über Sprache, und „Metakommunikation ist der Prototyp von 'grammatischer
Reflexion'. [3] Ziel der Reflexion sind weniger, wie bei den
Fremdsprachen, die neuen Formen; angezielt werden vielmehr in der Muttersprache
die Funktionen und das „Funktionieren“
der sprachlichen Mittel.[4] Reflexion über Sprache
findet also statt, indem in den
Lernbereichen Textproduktion und Textrezeption metakommunikativ über die Art
und den Einsatz sprachlicher Mittel in Texten und Verwendungssituationen
gesprochen wird. Dabei „ist die Analyse von Form und Funktion [...] nur
vorstellbar als Hin- und Herwandern des Blickes zwischen Form und Funktion.“
Und man muss die „Funktionalität am Material aufzeigen“.[5]
So wird eine sprachbewusste, zum einen eine produktive und zum andern eine
sprachkritische Haltung eingenommen. - Allerdings müssen diese sprachlichen
Mittel auch benennbar sein, damit die reflektierende Auseinandersetzung über
die Sprache mit dem Instrumentarium der grammatischen Begrifflichkeit
stattfinden kann. Insoweit gelangt auch der „Grammatikunterricht“ in der
Sekundarstufe I in den Bereich Reflexion über Sprache.
Selbst
hinsichtlich der Begrifflichkeit hat der Deutschunterricht keine Zuarbeit für die Fremdsprachen zu leisten; sie müssen ihre
spezifische Grammatik selbst entwickeln. „Das Erlernen einer Fremdsprache
fordert die Ausbildung eines vom System der Muttersprache getrennten Systems
von Sprachspuren.“[6] Dies wird dadurch gestützt, dass die Unterschiede
zwischen den länderspezifischen Grammatiken inzwischen sehr deutlich sind: Die
großen Unterschiede etwa im Stellungssystem (Prä- oder Postdetermination durch
Artikel, Pronomen, Präpositionen),
Modussystem, Tempussystem, Kasussystem, beim Prädikatsbegriff, den
Objekten, Adverbien etc. zwischen der deutschen Sprache und den modernen
Fremdsprachen oder Latein werden durch die Einführung der lateinischen
Terminologie (s. KMK-Liste) nicht geklärt. Als äußerst problematisch kann geradezu
der grenzüberschreitende Mischgebrauch englischer, lateinischer und deutscher
Termini angesehen werden: z.B. future tense, Futur, Zukunft. Man kann oftmals feststellen, „dass
es nicht an Bezeichnungen für die Sprache selbst mangelt, wohl aber an den richtigen
Konzepten für die Termini“[7], so dass ein komparatistischer
Nutzen gar nicht erst entstehen kann. Der Bezug auf die andere Sprache hilft
beim Erlernen der Sprache kaum weiter. Der unterschiedliche Gebrauch
desselben Fachterminus für verschiedene Phänomene, bzw. für verschiedene
Aspekte desselben Phänomens in den verschiedenen Sprachen ist zu beachten.
Eine kontrastive Grammatik wäre aber erst in einem schon weiter ausgebauten
Lernzustand sinnvoll, dann nämlich, wenn die zielsprachenspezifische Grammatik
jeweils schon vermittelt oder zumindest in Teilsystemen gefestigt ist, so dass
über die Unterschiede reflektiert werden kann. Und dann müssten über die
Kontrastierung grammatischer Erscheinungen vor allem die semantischen
Unterschiede zwischen Sprachen wichtiger werden, wenn man sich denn im
zusammenwachsenden Europa besser verstehen will: Der Vergleich z.B. von
„Freund - friend - ami“
vermittelt, dass das Wort im Deutschen eher im engeren Sinn gemeint ist und
einen Menschen kennzeichnet, den man persönlich (gut) kennt; im Englischen
handelt es sich um einen größeren Personenkreis, zu dem alle gehören, mit denen
man (gut) auskommt oder mit denen man öfter zu tun hat, im Sinne von
„Bekannte“; im Französischen geht es eher um den Kreis all derer, die einem
persönlich gut zugetan sind. Kollokationen,
Konnotationen und Funktionen sind die zentralen Momente für eine „andere Art zu
analysieren“ (Hombitzer, 26).[8]
- Allerdings wird in der neueren Language awareness-Konzeption
(s.u.) dem Umgang mit der Muttersprache eine
Brückenfunktion für das Erlernen einer Fremdsprache zugeschrieben. Dies
betrifft jedoch nicht das Verfügen über grammatische Kenntnisse, sondern vor
allem die Sensibilisierung für den Umgang mit Sprache, d.h. insbesondere das prozedurale Wissen: Bedürfnis nach Erklärungen,
Erkennen von Regelverstößen, interkulturelle Wahrnehmung von Mehrsprachigkeit,
Lernstrategien, Kommentieren von Äußerungen, Spielen mit Sprache, Fragen zu
Sprache allgemein sowie zu Formulierungsproblemen, Aussprache und Stil etc.
Reflexion über Sprache - Language
awareness[9] - entdeckendes Lernen
Aus
der muttersprachlichen Sprachdidaktik vor allem in England erhält seit etwa
1992 auch die deutsche Sprachdidaktik neue Impulse. Im Gegensatz zur
„Sprachbetrachtung“, die in der Deutschdidaktik traditionell auf „Sprachwissen“
und „Sprachkönnen“ abhob und ebenso traditionell ihren Schwerpunkt in der
Grammatik und ihrer korrekten Anwendung hatte, hatte sich bei uns bereits seit
Mitte der 70er Jahre der Begriff „Reflexion über Sprache“ verstärkt entwickelt,
der weiter ansetzt und die Ebene der Reflexion anspricht, die generell beim
Umgang mit Sprache, sprachlichen Situationen und Texten zu beachten ist und die
sprachkritische, kommunikationsanalytische, pragmatische und sprachspielerisch-ästhetische
Zugriffe einschließt. Bereits dadurch war der pure Grammatikunterricht
„aufgehoben“.
Nun
erfolgt ein weiterer Schub zu einer neuen „Sprachbewusstheit“, der sich vor
allem aus gegenwärtigen Erfahrungen mit der Mehrsprachigkeit in den
Schulklassen sowie aus dem neuen
Europagedanken speist: zum einen das Konzept der „Begegnungssprachen“, d.h.
Aufmerksamkeit für die vielen Sprachen in einer Klasse, nämlich die der
traditionellen Dialektsprecher, der Migrantenkinder,
Aussiedler, Flüchtlinge, Asylbewerber neben der hochsprachlichen
Ziel- und Unterrichtssprache - zum anderen das Zusammenwachsen durch bewussteren Umgang mit den europäischen Sprachen angesichts
der nun völlig offenen Grenzen und der Mobilität in Europa.[10]
Im
Rahmen der muttersprachlichen Sprachdidaktik lässt sich als language
awareness eine Zielausrichtung erkennen, die als
verstärkte Sprachbewusstheit
anstrebt:
▪
grundlegende
Sensibilisierung für Sprache, d.h. Sprache soll bewusst Objekt der Wahrnehmung
sein
▪
grundlegende
Einstellung, dass über Sprache immer geredet werden kann , d.h. „talking about language“
ist Unterrichtsprinzip im Fach, und es wird immer Raum gegeben für Fragen, die
auf Sprache zielen, für Kommentare zu den Äußerungen anderer, für spontane sprachliche
Korrekturen, für das Experimentieren mit Sprache, für Sprache über Sprache und
dabei auch für das Bescheidwissen über Strukturen, Formen und Funktionen der
Sprache sowie „Sprachrichtigkeit“
▪
Umgang mit
Sprache „across the curriculum“, d.h. fächerübergreifende Aufmerksamkeit für
sprachliche Vorgänge und für mündliche wie schriftliche Sprachproduktionen
▪
Umgang mit
Sprache im multilingualen Klassenzimmer bei entsprechendem Schüleranteil mit
einer fremden Erstsprache, d.h. Wecken des Interesses an der Sprache der
anderen sowie interkulturelle Kommunikation unter Konfrontation mit
Stereotypen, Missverständnissen und sprachlichen Einstellungen (s.o. Beispiel
zu „Freund“) zum Abbau ethnozentrischer Haltungen
▪
Blick auf den
tatsächlichen Sprachgebrauch, d.h. Überschreiten der fachlichen Grenze
▪
Förderung einer
sprachkritischen Einstellung, d.h. Aufmerksamkeit für sprachlichen Missbrauch
und Manipulationen, für die Rolle der Sprache im Augenblick und im weiteren
gesellschaftlichen Kontext.
Die
Förderung der Sprachbewusstheit im Unterricht ist der Erfahrung nach sehr
abhängig von den eigenen Lernerfahrungen der Lehrer
in Schule, Hochschule und Seminar. Festzustellen ist hier, dass Sprache als Gegenstand
der wissenschaftlichen und didaktischen Ausbildung den wenigsten begegnete,
was immer noch u.a. auf die Abkoppelung der Studiengänge von der Berufspraxis
zurückzuführen ist.[11] Das Konzept für einen
sprachbewussten Deutschunterricht, der nicht einfach Grammatikunterricht ist,
muss aufgebaut werden: Es muss vermittelt und erprobt sowie eingeübt werden,
was es heißt, über Sprache nachzudenken; eine entsprechende Haltung muss
vermittelt werden, die neben Literatur auch Sprache als Teil der cultural awareness
und als Form der kommunikativen Selbstverwirklichung
stellt. Boettcher sieht in der fachdidaktischen Lehrerfortbildung dazu eine
Chance erst dann, „wenn sie als 'grammatische Selbsterfahrung' Lehrer
'grammatisch nachsozialisieren' hilft, d.h. sie dafür gewinnt, selber mit
Neugier und Geduld ihnen begegnende sprachliche Phänomene wahrzunehmen und zu
untersuchen.“(1995)
Die
nun folgende Konkretisierung der Reihen-, Stunden- und Phasenplanung soll dazu
Bausteine liefern, denn zur Umsetzung von Sprachbewusstheit im Unterricht
muss zu der eigenen Wahrnehmung von Sprache die bewusste Gestaltung von
entsprechenden Unterrichtsabläufen hinzukommen. - Dabei ist Ausgangspunkt der
Darstellung das in den meisten Richtlinien für die Sekundarstufe I fixierte
Konzept der „Reflexion über Sprache“, das jedoch bereits seit langem dem
Konzept der language awareness
entsprechende Prinzipien einschließt: Vor allem das didaktische Prinzip des entdeckenden Lernens[12] - statt eines normativ vermittelnden oder dozierenden - motiviert
durch die Offenheit der Wahrnehmung und bedeutet ein „Abenteuer des Denkens“.
Sprachangebote dienen als Ausgangspunkte für induktives Lernens. Wenn man zudem die Methode des Fokussierens
auf Sprache hin den Schülern als fachtypisches Verfahren zur Hinwendung auf
eine spezifische Verstehensebene explizit vermittelt, können sie dieses
Vorgehen langfristig als prozedurales Wissen für
eine gezielte Begegnung mit Sprache nutzen.
Der
von keinem fachdidaktischen Vorwissen getrübte Einwand von Konrad Adam[13], der
integrierte Grammatikunterricht nähme den Schülern „das Recht, Literatur als
Literatur kennen zu lernen“, missversteht völlig das Prinzip des entdeckenden
Lernens. Denn ihr Recht wird ja nicht dadurch aufgehoben, dass im
Sprachunterricht auch die Sprache in literarischen Texten ebenso wie in
alltäglichen Verwendungskontexten, z.B. Zeitungstexten, reflektiert wird: Die
Schüler werden eben nicht dazu „gezwungen“, z.B. an Jandls Gedicht ottos mops (s.u.)
neben dem Genuss des Sprachspielerischen auch das Konstruktionsprinzip des
Textes zu durchschauen; sie entdecken
vielmehr im Blick auf das Zusammenspiel von otto
und ottos mops die dahinter stehende Struktur unserer
Syntax als reizvolles Gestaltprinzip, reflektieren z.B. den Wechsel der
„Handlungsträger“ und „Handlungen“ und können so sowohl „Subjekt und Prädikat“
als sprachliche Formen in ihrer Wirkung beobachten als auch nach Jandls
Formgesetz in eigenen kreativen Texten spielerisch anwenden. Die Gestalt von
Texten selbst ist Anlass, sich mit den Funktionen und Wirkungen der sprachlichen
Mittel zu befassen. Und insoweit ist Sprachunterricht von Nutzen z.B. für einen
Literaturunterricht, der auch noch die kognitive Ebene einbezieht. Adam
übergeht zudem, dass Sprachreflexion auch an Sachtexten sowie im Rahmen der
Textproduktion erfolgen soll. - In Verbindung mit dem entdeckenden Lernen sind
alle Möglichkeiten auch des „eigenaktiven Lernens im Deutschunterricht“ [14] zu
nutzen, damit sich die Schüler nicht nur mit den an den Richtlinien
orientierten Sprachphänomenen, ihren Formen und Funktionen befassen, sondern
noch selbständig weitergreifende Beobachtungen an der
Sprache betreiben und erörtern (s. Sprachkritik, Sprache im Alltag, Sprache in
der Stadt, Sprachwandel etc.).
Sprachreflexion
ist im muttersprachlichen Unterricht nach den Richtlinien vieler Länder sowie
dem hier vertretenen Ansatz mit deutschen Texten in den Lernbereichen Textproduktion
und Textrezeption zu verbinden. Man sollte dabei beachten, dass diese
Integration, also die Verknüpfung von Reflexion über Sprache mit dem Schreiben
und Sprechen sowie Lesen, Sehen und Hören, zwar grundsätzlich immer möglich
ist; nur sollte das nicht fortwährend geschehen, da Deutschunterricht auch
noch problemorientiert, musisch, literarisch, medienorientiert etc. angelegt
werden sollte. Das Konzept besagt also:
Deutschunterricht
Sekundarstufe I
Integration
der Lernbereiche: integrierter Grammatikunterricht
|
|
|
Sach- und Problemorientierung ↓ Literaturunterricht |
|
|
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||||||||||||||||||
|
Textrezeption |
|
literarischer musischer kreativer |
|
Textproduktion |
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|
lesen, sehen und hören: verstehen |
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medienorientierter handlungsorientierter projektorientierter Deutschunterricht |
|
schreiben und sprechen: sich mitteilen |
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↑ |
↑ Sprachunterricht |
↑ |
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funktional |
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kommunikative Funktionen kontextuelle Funktionen stilistische Funktionen Sprachfunktionen Zeichenfunktionen der sprachlichen Formen |
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funktionale
Grammatik |
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Reflexion über Sprache |
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in höheren Jahrgangsstufen auch: |
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Kommunikationsanalyse Sprachkritik Sprache und
Gesellschaft Sprache und
Herrschaft Sprachgeschichte Sprachvarietäten interkulturelle
Leistungen der Sprache |
|
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Die Verknüpfung der Lernbereiche des
Deutschunterrichts in der Unterrichtsplanung
Man
wird im wesentlichen mit zwei planerischen Zugriffen festlegen, wie Reflexion
über Sprache und darunter auch der Grammatikunterricht im Deutschunterricht
integriert werden soll[15]:
Grammatik...
A) an andere Stoffe anbinden: Bereits in der Halbjahres- oder Jahresplanung wird
man bei der Planung von Themen der anderen Lernbereiche Sprechen und Schreiben
(einschl. Rechtschreibung) bzw. Umgang mit Texten überlegen, welche Themen
des Sprachunterrichts sich günstig einbeziehen lassen. - Dieser Zugriff
beeinflusst die Reihenplanung.
B) induktiv einführen: In den Verwendungskontexten von Situationen und
Texten wird eine sprachliche Erscheinung, ein grammatisches Phänomen neu
behandelt; Formen und Funktionen werden erarbeitet, und die Verwendung der
sprachlichen Phänomene selbst wird untersucht. Dafür gibt es einen geregelten,
systematisch angelegten Lernweg, der auch lernpsychologisch abzusichern ist. -
Dieser Zugriff beeinflusst die Stundenplanung.
Für
die Verbindung der Lernbereiche muss man sich entsprechend in der Sachanalyse vorbereiten. Man erweitert
dabei die Planung über die für den Lernbereich Textrezeption oder
Textproduktion spezifischen Inhalte und Ziele hinaus jeweils um die Aspekte
der grammatischen Reflexion: In einer grammatischen
Analyse geht es um die Merkmale, Formen und Funktionen des grammatischen
Elements selbst, in einer Analyse des
sprachlichen Verwendungszusammenhangs geht es um das Auffinden des Elements
in realen Kontexten und die Einbettung in entsprechende didaktische Kontexte:
Texte und
sprachlich zu gestaltende Situationen
|
Inhalte |
textsortenspezifische
Gestalt |
sprachliche
Mittel |
|
Sachwissen Alltagswissen Weltwissen |
literarische
/ mediale Formen, Verfahren
und Begriffe der Produktion und Rezeption |
grammatische
Formen und Operationen, Verfahren
und Begriffe der Sprachanalyse und
Reflexion |
|
Beispiel: |
|
|
|
Fahrrad, Naben-
oder Kettenschaltung |
Mittel
der Gegenstands- und Vorgangsbeschreibung; Formen der Reparaturanleitung;
Normen der Schadensmeldung |
deskriptive
Sprachhandlungen; temporale und logische Verknüpfungen; Zeitadverb;
Konsekutivsätze etc. |
Zur
Vorbereitung der Reflexion über Sprache kann man verschiedene Programmgruppen in
den Blick nehmen und entsprechende Zielkomplexe der Analyse und
Metakommunikation aufbauen:
Verständigungsprozesse: Faktoren der Sprachverwendungssituationen in einer
Situations-, Handlungs- und Gesprächsanalyse sowie Faktoren der Texte in einer
Stilanalyse und Textinterpretation;
Sprachgebrauch: Sprachhandlungen, Phraseologie, Textkonventionen,
sprachliche Traditionen, Sprachvarietäten, Sprachwandel;
Grammatik: Formen und Funktionen der Lexik, Semantik und Syntax - Fachbegriffe
Funktionskomplexe: Prädikation (Prädikat,
Prädikativ), Präzisierung (Attribute, Adverbiale), Thematisierung und Themafortsetzung (entspr. Sprachhandlungen),
Gesprächsorganisation, Markierung von Gefühlen, etc.
Methoden: operative, produktive, spielerische und
experimentelle Verfahren.
|
1. Reihenplanung: „Anbinden“ |
Der
Unterricht soll im Rahmen einer Unterrichtssequenz
über eine Reihe von Stunden hinweg den Schülern eine Lernperspektive geben. Die Behandlung einzelner Texte, Themen, Situationen,
grammatischer Phänomene etc. soll in einer Lernprogression zu abschließenden
Ergebnissen der Lernsequenz führen, so dass die Schüler erleben können: Wir
haben auch im Deutschunterricht etwas geschafft! Wir haben die Sequenzziele
erreicht! - Innerhalb der Sequenzen müssten die
verschiedenen Arbeitsbereiche des Faches Deutsch - Sprechen und Schreiben,
Umgang mit Texten und Reflexion über Sprache - auch bei einer Integration der
Lernbereiche wechselnd die Stimmführung
übernehmen; an „Gelenkstellen“ würde den Schülern dieser Wechsel explizit
deutlich gemacht, indem Zwischenergebnisse festgehalten und neue
Zielausrichtungen vorgenommen werden.
Die
Schüler sollen also nicht darüber hinweggetäuscht werden, dass es im
Deutschunterricht neben Lesen und Schreiben auch noch Sprachreflexion gibt und
dass alle drei Vorhaben zusammengehören. Nur dürften sie bei einer anderen
Erfahrung mit dem „Grammatikunterricht“ nicht immer nur müde abwinken.
Andererseits lehrt die Erfahrung, dass „Nachdenken“
von den meisten Schülern als anspruchsvoll und anstrengend empfunden wird und
geradezu bestimmten Lernertypen nur wenig entspricht. Hier wären - besonders in
Jahrgang 5/6 - auch alle Formen des spielerischen Umgangs mit Sprache
einzubeziehen, soweit sie nicht Selbstzweck sind und zu sachgerechten
Einsichten führen. Hier könnte aber auch die Diskussion über den Stellenwert
von Reflexion über Sprache in den verschiedenen Schulformen erfolgen, die die
planenden Lehrerinnen und Lehrer für sich ganz pragmatisch zu entscheiden
haben.
Im Unterschied zur Planung von einzelnen Aufsatz- oder
Literaturstunden und ihren einzelnen Stundenentwürfen ergibt sich für die
Planung von mehrstündigen Sequenzen mit der Integration von Textrezeption,
Textproduktion und Reflexion über Sprache/Grammatik eine komplexere Anlage der
Sequenzplanung. Wesentlich an ihr ist die Kontextuierung des grammatischen Themas und des Kerntextes,
damit Grammatik funktional behandelt werden kann. Unter „Kerntext“ ist dabei jener Text aus einer Reihe von verschiedenen
Texten der Sequenz zu verstehen, mit dem die induktive Erarbeitung des
grammatischen Phänomens vorgenommen wird. An anderen vorher behandelten
Texten haben die Schüler zwar schon Umgang mit dem grammatischen Phänomen, und
an weiteren Texten, die auf den Kerntext folgen, würde das grammatische
Phänomen ebenfalls beobachtet und in der Anwendung geübt, am Kerntext aber wird
es explizit thematisiert. Wichtig ist weiterhin die Planung der anderen Aufgaben
und Aktivitäten für die anderen Lernbereiche im Rahmen der Sequenz, damit die
Integration der Lernbereiche stattfindet und in der Sequenz nicht nur Reflexion
über Sprache, sondern auch Textrezeption, Textproduktion und mündliche
Kommunikation methodisiert werden.
Nach
Möglichkeit erhält in der Sekundarstufe I eine integrierte Sequenz einen alle
Texte und Aktivitäten übergreifenden
Titel: So wird ein bestimmter Sachverhalt oder Wirklichkeitsausschnitt für
einige Zeit in den Mittelpunkt gerückt, und die Texte handeln dasselbe Thema in
Variationen ab, so dass die Schüler inhaltlich nicht ständig springen müssen
und sich sowohl auf die Ziele der Lernbereiche konzentrieren als auch dabei den
Sachverhalt angemessen vertiefen können. - Der Titel beinhaltet in der Regel
ein motivierendes, z.B. problemorientiertes
Thema. - Kontext und Sachthema dürfen nicht als „Verpackung“ des
grammatischen Themas verstanden oder missbraucht werden. Texte und Sachthemen
haben zunächst ihren eigenen Aussagewert; die Inhalte von Texten sind als
Teilaussagen zum Sachthema der gesamten Sequenz von Belang und sollen auch
jeweils für sich thematisiert werden.
Bei
der Kombination von Materialien
werden sowohl Bilder und Grafiken als auch literarische Texte oder Sachtexte
(Zeitung, Lexika, Sachbuchtexte...) einbezogen. Im individuellen Zuschnitt des
Materials für eine Klasse kann es schon einmal zu einer Kürzung oder
überarbeiteten, didaktisierten Fassung speziell des „Kerntextes“ kommen.
Wesentlich dabei ist allerdings, dass Aussage, Gesamtanlage sowie Textsortentypus
des Textes beibehalten werden und die Intention nicht verfälscht wird. Dieser
Zuschnitt - speziell des Kerntextes - kann zur Betonung des grammatischen
Themas erfolgen.
Will
man im Rahmen von Unterrichtssequenzen in den anderen Lernbereichen das
grammatische Phänomen thematisieren, so sind mehrere Texte und speziell ein
„Kerntext“ zu finden, in denen das grammatische Element als typisch erkannt wird, das in ihm also natürlich,
stark repräsentiert und funktional vorkommt. Jeder planende Lehrer
wird aus der Erfahrung unmittelbar sagen können, welche grammatischen Themen
typisch bei bestimmten Texten wären. Und bei der Behandlung solcher Texte ließe
sich die Arbeit an der Grammatik entsprechend einplanen, z.B.:
|
|
Erzählung Rätsel Gebrauchsanweisung Fabel |
→ → → → |
Präteritum / Perfekt Pronomen Imperativvarianten Handlungsverben |
Inhaltsangabe Versuchsbeschreibung Ordnungen (Bücherei-...) Nachrichtentext |
→ → → → |
Inhaltssätze Passivvarianten Modalverben Inversion |
Planungsansätze für das Anbinden
Im
einzelnen lässt sich der Ausgangspunkt
für die Anbindung an die anderen Lernbereiche nun unterschiedlich denken, je
nachdem, was bei der Planung des Halbjahres im Vordergrund steht:
1) Der Planungsansatz: grammatische Phänomene
|
z.B.
Jg. 7 |
|
Sequenztitel:
„Schauerliches um Mitternacht“ |
|
grammatisches
Phänomen |
→ |
typische
Texte / Situationen |
|
wörtliche
Rede; indirekte
Rede, Konjunktiv I (II) |
|
Gespenstergeschichten
- Spukgeschichten / Erzählen; Inhaltsangabe
- Redewiedergabe |
Bei
diesem Ansatz sind bestimmte grammatische Phänomene, die in einem Jahrgang zu
erarbeiten sind, Ausgangspunkt für die Konstruktion integrierter Sequenzen.
Nach der Methode „an andere Stoffe anbinden“ werden nun für die grammatischen
Phänomene inhaltlich relevante Stoffe, d.h. Texte und Verwendungssituationen
ausgewählt, in denen sie möglichst typisch vorkommen sollen. Die grammatische
Reflexion ist dann im Rahmen der integrierten Unterrichtssequenz eine
Thematisierung neben anderen und übernimmt eine Zeitlang die Stimmführung. - Bei diesem Ausgangspunkt
muss beachtet werden, dass die Unterrichtsgegenstände aus den anderen Lernbereichen
keine dienende Funktion für die Erarbeitung der grammatischen Phänomene haben,
sondern dass im Gegenteil die Erarbeitung der grammatischen Phänomene
funktional ist für die Prozeduren der Textrezeption und -produktion.
2)
Der Planungsansatz:
Kommunikationssituationen
|
z.B.
Jg. 6 |
|
Sequenztitel:
„Häuptling Seattle und Karl May“ |
|
Kommunikationssituation |
→ |
typische
Texte / grammatische Phänomene |
|
Stadtbücherei
- Buchhandlung: Lesen /
Videothek: Videos |
|
Indianerbücher,
-filme; Buchempfehlungen, Covertexte
/ beschreibende,
wertende Adjektive, Adverbien |
Mit
dem Blick auf die Lebenspraxis und den Erfahrungshorizont der Schüler kann man relevante Sachthemen und Situationen
finden, die sie jetzt und in Zukunft sprachlich bewältigen müssen: Begegnungen
mit Menschen, Konsum von Medien, Konfrontation mit Werbung, Beratungsaufgaben,
Fragesituationen, Kooperationssituationen etc. in verschiedenen
Lebensbereichen wie Schule, Familie, Beruf, Institutionen, Freizeit,
Öffentlichkeit usw. Unter ihnen kommen sprachliche Verwendungssituationen
zusammen, die im Unterricht mit Problemstellungen sowie durch Texte und Materialien
präsentiert werden. In diesen Situationen sind wiederum bestimmte
grammatische Phänomene von Belang, die typisch für die Situationen sind.
Ausgangspunkt sind also solche Kommunikationsbereiche und -situationen, und
ihnen sind die grammatischen Themen zuzuordnen.
3)
Der Planungsansatz: Textsorten
|
z.B.
Jg. 5/6 |
Sequenztitel: |
„Von großen und |
kleinen
Tieren“ |
|
Textrezeption → |
Grammatik |
Textproduktion |
Mündl.
Kommunikation |
|
z.B. „Fabeln“ Handlung,
Figuren, Erzählerrede,
Figurenrede, Dialog,
Typisierung/Pointe, Bildsprache/Kontrast
|
Hauptsatz,
Gliedsatz, Satzgefüge, wörtl. Rede, Adjektive |
Nacherzählung,
Fortsetzung eines Textanfangs, Umweltgeschichte |
Nacherzählung;
szenisch
darstellen; Übersetzung in alltägl. Konflikte |
Man
ermittelt für eine Jahrgangsstufe aus dem Lehrplan die zu behandelnde Textsorte
im Lernbereich Umgang mit Texten / Textrezeption oder im Bereich Textproduktion
und ordnet die Aufgaben aus den anderen Lernbereichen zu. Dabei lässt man sich
von der zentralen Textsorte leiten und analysiert, welche grammatischen
Phänomene in ihr ganz typisch, d.h. natürlich, stark repräsentiert und
funktional vorkommen. Ferner überlegt man, wie man in einer thematischen bzw.
problemorientierten Unterrichtssequenz die verschiedenen Unterrichtsgegenstände
verknüpfen kann. - Dies Schema (3) ist ein komplexes Beispiel, in dem einmal
alle Lernbereiche verbunden sind
Beispiel zum Planungsansatz „grammatisches Phänomen“:
|
z.B.
Jg. 7/8 |
|
Sequenztitel:
„Wenn ich ein Junge wär...“ - Gedankenspiele |
|
grammatisches Thema: Konjunktiv II (irrealis) |
→ |
Textsorte: Song
und Lied, Pop- und Rockmusik Sachthema: Utopien - Phantasien - Wunschproduktion:
Geschlechtertausch -
Rollentausch |
Nach
dem Lehrplan sind die Modi in Jahrgang 7 / 8 zu behandeln, also auch Konjunktiv
II.
Analyse
des Verwendungszusammenhangs und grammatische Analyse:
Konjunktiv
II könnte z.B. an Songtexte angebunden werden. Denn wie in utopischen
literarischen Texten so ist auch in den Texten der Rock- und Popmusik der
fiktionale Spielraum gegeben, Traumwelten und Phantasien oder Utopien auszuspinnen.
In diesen Textsorten kommt der Konjunktiv II typisch vor. Dabei soll die semantische Funktion des Konjunktivs
II in der Verwendung bei Gedankenexperimenten im Mittelpunkt stehen: „Ich
könnte...“. Außerdem soll die syntaktische Funktion des Konjunktivs II
im konditionalen Satzgefüge erarbeitet werden, damit der Zusammenhang
zwischen (noch) nicht gegebener Bedingung und der (noch) nicht
verwirklichbaren Utopie deutlich wird: „Wenn ich ein Junge wär,
könnte ich...“.
Didaktische Reduktion: Andere Funktionen des Konjunktivs II wären durch
andere Unterrichtssequenzen der Sekundarstufe I in einem Spiralcurriculum zu
erarbeiten: z.B. als Signal für Nicht-Faktisches nach nicht-faktitiven Verben
(Ein Griesgram denkt, er wäre krank.); zur Markierung der Distanzierung von und
der Skepsis gegenüber einer berichteten Aussage bei der Redewiedergabe
(indirekte Rede), Jg.8; als Ersatzform zum Konjunktiv I bei der indirekten
Rede, Jg.7.
Um
verschiedene modale Funktionen des Konjunktivs II geht es zudem in der Sequenz:
Wenn ich ein Junge wär,
dürfte ich auch alleine in die Disko gehen. - Der Konjunktiv II als Irrealis: das Gesagte lässt sich
nicht verwirklichen, wenn man davon ausgeht, dass hier ein Mädchen spricht.
Wenn ich noch etwas Zeit bekäme, hätte
ich bald die Lösung. - Der Konjunktiv
II als Potentialis: das Ausgesagte
könnte Wirklichkeit werden; es ist möglich.
Der
Konjunktiv II vermittelt also einen Einblick in den Wirklichkeitsbezug einer
Aussage: möglich - nicht wirklich. Durch „Proben“ kann er überprüft werden:
Die
aber-Probe kann die Irrealität anzeigen: Wäre ich ein Junge, ... → aber ich bin ein Mädchen.
Die
zwar-aber-Probe kann die Möglichkeit anzeigen: Wenn ich länger nachdächte... → zwar tue ich es nicht, aber ich könnte es.
Mit
ins Spiel könnte noch der Konjunktiv II als Optativ
kommen: Wenn ich (doch nur) ein Junge wär. → Ach,
wär ich doch ein Junge! Hier zeigt die Umformungsprobe
die Intention: ein Wunsch.
Formal sind noch zwei Versionen des Konjunktivs II zu unterscheiden: die
durch Veränderung am Verb selbst bewirkte synthetische Form kam → käme, sang → sänge
und die mit Hilfe von „würde“ gebildete analytische Form : Wenn sie kämen, würden sie mitmachen.
Die
würde-Form ist keineswegs nur „Ersatzform“ für den
Konjunktiv II, etwa bei Formidentität mit dem Präteritum im Plural: Mit der Zustimmung von allen gingen wir los
/ würden wir losgehen. Vielmehr erfolgt die Wahl zwischen der analytischen
und der synthetischen Form auch mit Blick auf die stilistischen Funktionen: die kürzere synthetische Form „wäre ich froh“ statt „würde ich froh sein“ wohl deshalb, weil
sie bei dem Hilfsverb „sein“ vertrauter ist als bei Vollverben wie „flöge“;
die würde-Form zur Betonung des Futurischen „wenn sie kommen würde“. Schließlich
wird eine altertümlich klingende Konjunktivform durch die würde-Form
ersetzt: hülfe → würde helfen.
Sequenzaufbau:
In
der Sequenz wird für den Konjunktiv II eine Kontextuierung
durch eine Reihe literarischer Texte sowie Texte aus der Rock- und Popmusik zum
Thema „Geschlechtertausch“ geleistet, so dass im Rahmen literarischer Utopien
das Andere, das Unmögliche im Kontrast
zu negativen Erfahrungen in der Realität
gedacht wird: Sarah Kirsch: Blitz aus heiterem Himmel / Lara Cardella: Ich
wollte Hosen / Ireen Sheer:
Wenn du eine Frau wärst, und ich wär' ein Mann / Ina Deter: Wenn du so bist wie dein Lachen / Herbert
Grönemeyer: Männer / Dirk Busch: Starke Frauen / Nina Hagen: Wenn ich ein Junge
wär (Text s. S. 10) etc.
Literarische
Utopien und Rocktexte bieten gegenüber den emotional entlastenden Poptexten
weniger die Fluchtmöglichkeit, sie denken vielmehr zumeist das Andere
konsequent, wenn auch hypothetisch zu Ende und zeigen damit entweder deutlich
die Notwendigkeit zu Veränderungen auf oder aber die Unmöglichkeit dazu. In
ihnen wird durch Verwendung des Konjunktivs II das Gedankenspiel
problemorientiert vorwärtsgetrieben.
Produktiv werden kann die Sequenz durch die Möglichkeit, auf
konkrete Änderung der Rollenbedingungen zu sinnen und somit realutopisch zu
werden. So bietet es sich an, in Phasen der Textproduktion Rollentexte zu
schreiben, perspektivische Fortsetzungstexte sowie Paralleltexte zu
vorgegebenen Texten unter Veränderung der Textfigur oder der Perspektive,
Texte zur Beschreibung veränderter Situationen, Änderungsvorschläge etc.
Mit
zwei Texten (aus: Kirsch / Cardella, s.o.) und
Bildern zum Thema (Fotos zu männlicher und weiblicher Sitzhaltung) beginnt die
Sequenz problemorientiert zum Thema „Geschlechtertausch“.
Dann
wird als „Kerntext“ zur Eröffnung der
sprachlichen Ebene Nina Hagens Rockversion von „Wenn ich ein Junge wär“ (s.u.) eingesetzt, da er die
Funktion des Konjunktivs II sogleich
explizit deutlich werden lässt.
Es
folgen zunächst zur weiteren Beobachtung und Analyse, dann zur Anwendung und
Übung Songtexte von Sheer, Deter,
Grönemeyer und Busch.
Um
den Kerntext herum ist also eine thematische Sequenz aufgebaut, die sowohl dem
inhaltlichen Interesse der Schüler an dem Thema „Geschlechtertausch“ Raum gibt
als auch das grammatische Thema „sprachliche Formen und Funktionen in
utopischen Texten“ an einer Reihe von Songtexten entwickelt und sichert.
|
2. Stundenplanung: „induktiv einführen“ |
Für
den Kerntext und damit für das eigentliche sprachliche, grammatische Thema ist nun
die Feinplanung nach der Methode „induktiv einführen“ vorzunehmen. In dem Text
werden also entsprechende Sätze mit dem angezielten
grammatischen Phänomen beobachtet. Dabei ist zu betonen, dass die hier
dargestellten elf Schritte den
Unterricht nicht in isolierte Elemente zerlegen sollen. Vielmehr lassen sie
sich in größeren Gesprächs- und Arbeitsblöcken mit fließenden Übergängen als
ein durchgehender, wenn auch gegliederter Erkenntnisweg gestalten.
Die
Induktion kann nach einem bewährten Phasenverlauf [16] erfolgen:
Grundmodell: Induktiv einführen
|
|
1.
Kontextuierung: Kerntext (Text,
Szene, Situation) als Teil einer kurzen Unterrichtssequenz präsentieren;
zunächst die inhaltliche Seite thematisieren. 2.
Fokussierung: bei genauerer Untersuchung
des Textes, bei Verständigungs- und Verstehensproblemen, an inhaltlich,
stilistisch oder grammatisch auffälligen Stellen auf die sprachlichen Mittel
hinlenken. 3.
Beispiel: eine Textstelle
aufgreifen, die das angezielte grammatische Phänomen
umfasst und mehrere andere Textstellen repräsentiert = Beginn der
Operationen am Text. 4.
Beobachtung / Reflexion: der sprachlichen, grammatischen Darstellungsmittel
und Beschreibung des Beobachteten: zur Form
und Funktion; in der Regel im
Unterrichtsgespräch. 5.
Isolierung: das gram. Phänomen
herausstellen; durch Vergleich, Kontrastierung, Nachschlagen und Verknüpfung
mit Bekanntem, sowie durch Operationen untersuchen: Ergänzungs-, Streich-,
Austausch- und Umstellprobe, Paraphrase, Klangprobe etc. 6.
Systematisierung: Erweiterung des
ersten Beispiels um andere parallele Textstellen, analoge Beispiele;
Ausschluss von Gegenbeispielen etc.; zur Erkenntnis der Regelhaftigkeit;
Bildung weiterer Fälle; Klassifizierung, Generalisierung des Beobachteten. 7.
Benennung: mit dem lat.
Fachbegriff; ggf. Erläuterung des Fremdworts (etymologisch, Rohübersetzung
etc.); in der Regel durch die Lehrerin oder den Lehrer. 8.
Definition / Regel: Fixierung der
Erkenntnisse in einem Merksatz, definitorisch als Regel (Teilregel): a) Begriff b) Regel zur Bildung der Form c) Regel zur Funktion des
grammatischen Phänomens in Äußerungen d) Beispiel (Satz - Grafik -
Schaubild) 9.
Reflexion
/ Rückblick: Analyse und Betrachtung der Funktion / Rolle / Bedeutung
des grammatischen Elements im Satz / Text / Kontext, in der
Verwendungssituation = auf den Kerntext zurückgreifende Synthese des Form-
und Inhaltsaspekts; vertiefendes Unterrichtsgespräch. 10.
Anwendung/Übung: an weiteren
Textabschnitten, Beispielsätzen, Texten der Unterrichtssequenz; untersuchen,
selbst bilden, ermitteln, in Kontexte einbauen, sprachlich im thematischen
Rahmen der Sequenz gestalten...;
vielfältige Übungen. 11.
Kontrolle: Prüfung durch
Anwendung, (s.10); Überprüfung der Regelkenntnis durch Abrufen der Regel (8),
der Benennung durch Zuordnung von Fachbegriffen zu Textstellen (7), der
Beobachtung durch Aufspüren entsprechender Stellen in Texten (4), der
Reflexion durch Erklärungen (9); etc. |
An
der Stunde zu Nina Hagens Song, der zunächst ein leichtes Liedchen von Rita Pavone in den 60er Jahren war, soll hier die induktive
Einführung konkretisiert werden. - Nina Hagen hat das Lied mit aggressivem
Vortrag und rhythmischen sowie inhaltlichen Veränderungen zu einem kritischen
Rocktext gemacht. (Die dritte Strophe, in der sich die Sprecherin als Junge in
die Schwulenszene begeben würde, wurde in didaktischer Reduktion nicht
einbezogen, weil sie die Thematik der Sequenz komplizieren würde: dem Thema
Rollentausch wegen Beschränkung der Selbstverwirklichung würde sonst noch das
Thema Veränderung der konventionellen Sexualbeziehungen hinzugefügt.) - Der
Rocktext macht explizit auf die Verwendung des Konjunktivs II aufmerksam.
Nina Hagen:
Wenn ich ein Junge wär
|
1 wenn ich ein junge wär das wäre wunderschön dann
könnt ich jeden Tag in
langen Hosen gehn 5 und käm ich
abends spät nach haus macht
mir kein schwanz ein drama
daraus das
wäre halb so schwer wenn
ich ein junge wär |
|
wenn
ich ein junge wär 15 mit einem motorrad dann
wäre ich bekannt bald
in der ganzen stadt ich
trau mir zu im fußballverein ein
guter mittelstürmer zu sein 20 so wär es
ungefähr wenn
ich ein junge wär |
|
|
|
|
|
Refrain: |
|
Refrain: |
|
nur
wenn tino, tino, tino mich küsst 10 und wenn tino, tino lieb zu mir ist fällt
bei tino, tino, tino mir ein eine
kleine piccolina, bambina,
si-sina-signorina zu sein ist
wunderbar |
|
~ |
Methodenhinweise zur Stunde:
Präsentation des Textes: als
Medienvortrag (CD: Nina Hagen Band) oder
in einem „rocktypischen“ Textvortrag, d.h. in aggressivem Ton.
Induktion (Feinplanung):
1.
Behandlung des Textes als Kontext des
grammatischen Phänomens im freien Unterrichtsgespräch: Zunächst wird die
inhaltliche Seite thematisiert. Die Schüler geben Eindrücke wieder, gehen auf
die Rollen ein, beobachten ggf. die Typisierung „ein Junge“, unterscheiden den
z.T. erweiterten Verhaltensspielraum für Mädchen heute gegenüber der Entstehungszeit
des Textes, etc. - Sie beobachten im Unterrichtsgespräch die zwei Figurenrollen:
reales Sprecherinnen-/Sängerinnen-Ich und vorgestelltes Jungen-Ich. Sie stellen
fest, dass die gesamte Entwicklung aller Einbildungen von dem schon im Titel
präsentierten Konditionalsatz abhängig ist. - Es wird erschlossen, dass mit dem
Konditionalsatz etwas eingeleitet ist, das nicht unbedingt der Fall sein
muss, und dass unter dieser Voraussetzung weitere Handlungen folgen, die in
Wirklichkeit dem weiblichen Ich nicht zukommen. Sie erörtern Gründe, warum die
Sprecherin gern ein Junge wäre, und sehen die unterschiedlichen Freiheiten als
Ansatz für ihre Phantasien. Sie erkennen die durch das biologische Geschlecht
bedingte Unmöglichkeit, die Geschlechterrolle zu wechseln. Sie erörtern, dass
dennoch die Rolle für Mädchen neu definiert werden könnte und dass ihnen nach
dem Gleichheitsgrundsatz die gleichen Freiheiten zukommen müssten wie den
Jungen. Sie überlegen, ob Rollenbeschränkungen für Mädchen heute noch so existieren.
Sie erkennen, dass eine Rocksängerin (z.B. Nina Hagen) ein Beispiel ist, wie
sich junge Frauen selbst Freiheiten verschaffen.
2.
Fokussierung: Mit der Frage „Wie wird
im Text sprachlich deutlich gemacht, dass das Mädchen sich etwas Unmögliches
denkt?“ werden die sprachlichen Mittel thematisiert. = Wechsel auf die
sprachliche Ebene. - Die Schüler markieren Konjunktiv-Stellen als Signale für
die Irrealität.
3.
Beispiel: Der Satz Z.1-4 wird als
repräsentative Textstelle herausgegriffen und an die Tafel geschrieben. Der
Tafeltext wird im Unterrichtsgespräch fortentwickelt:
|
„Wenn ich ein Junge wär, |
dann könnt ich jeden Tag in langen
Hosen gehn.“ |
|
|
Bedingung |
Handlung |
|
|
unerfüllbar |
deshalb
nicht möglich |
|
|
Konditionalsatz
- Gefüge im Konjunktiv II→ Irrealis |
|
|
„das
wäre wunderschön“ wird als Einschub verstanden, der die Irrealität nur noch
verstärkt, da er Wunsch und Unmöglichkeit zugleich anzeigt.
4.
Beobachtung der sprachlichen,
grammatischen Darstellungsmittel = Wechsel auf die formale Ebene: Die Schüler
erschließen, dass der Eindruck des Unmöglichen durch die Form „wär/wäre“ hervorgerufen wird. Es kann die „aber-Probe“ eingeführt werden: Eine Person denkt, sie wäre...,
aber sie ist nicht... Mit der Probe lässt sich überprüfen, ob der Gegensatz
zwischen dem Faktischen und dem Nicht-Faktischen stimmig ist.
5.
Isolierung: Die Schüler klären, dass
„wäre“ unter Umlautung vom Präteritum des Verbs „sein“ abgeleitet ist. Durch
Vergleich und Ersatzprobe mit „bin“ und „war“ wird die Form von „wäre“
gesichert. (ggf. als Wiederholung aus Jg. 7/8) - Im Text fällt bei „wär“ der e-Ausfall auf. Diese Form schadet der Reflexion
über Sprache nicht, sondern bietet eher den Anlass (s. Entwicklung des
Tafelbildes), auf den Sprachgebrauch und normative sprachliche Formen
einzugehen und zu unterscheiden: hier Ausfall aus rhythmischen Gründen.
Notiz
an der Tafel:
|
wäre (wär) |
abgeleitet
aus dem Präteritum |
war |
6.
Systematisierung: Die Schüler
erweitern das Beispiel „wär/e“ an der Tafel um die
analogen Stellen in der ersten Strophe:
|
wäre (wär) |
abgeleitet
aus dem Präteritum |
war |
|
könnte
(könnt) |
|
... |
|
käme
(käm) |
|
... |
7.
Benennung (mit dem lat. Fachbegriff):
links unter den Tafeltext wird „Konjunktiv II“ geschrieben.
|
Konjunktiv
II |
← (ggf. Umlautung)← |
Präteritum |
8. Definition in einem Merksatz -
Übernahme ins Heft:
a)
Begriff: Konjunktiv II (irrealis)
b) Definition zur Form: Konjunktiv II ist eine Verbform,
die vom Präteritum eines Verbs abgeleitet ist; 'wäre' von 'war'.
c) Definition zur Funktion: Der Konjunktiv II zeigt an, dass das Ausgesagte
nicht wirklich ist oder sogar unmöglich ist.
d)
Beispiel: Wenn ich ein Junge wär, bekäme ich keine Kinder.
9.
Rückwendung zum Text / Reflexion und
Sicherung: Die Schüler erklären an der zweiten Strophe die Funktion des
Konjunktivs II.- Der Refrain Z. 9-13 wurde bisher ausgelassen. Er kann nun im
Kontrast mit seinem Indikativ dem Konjunktiv der Strophen gegenübergestellt
werden, so dass der Formunterschied noch einmal klar wird (Präsens/Indikativ -
Präteritum Konjunktiv II). Und es kann die Funktion noch einmal
im Kontrast gesichert werden: Der Bedingungssatz Z.9 ist erfüllbar, es handelt
sich um reale Bedingungen, somit wird im Indikativ das Verwirklichbare
dargestellt, nicht das Unmögliche. - Allerdings sollte man noch auf die
ironische Wirkung des Refrains in Relation zu den krassen Forderungen der
Strophen eingehen. - Die Arbeit am Refrain kann aber auch zuvor schon im 2.
Schritt erfolgen, so dass man über den Kontrast zwischen Realität (Refrain) und
Irrealität (Strophen) die Fokussierung auf die sprachliche Form durchführt. .
10.
Anwendung: Die Schüler können zur
Übung selbst weitere Sätze bilden: Wenn ich ein Junge wär,
... Oder: Die Schüler schreiben einen Paralleltext „Wenn ich ein Mädchen wär, ...“ aus der männlichen Rollenperspektive.
11.
Kontrolle: Überprüfung der
Textproduktion, die als Hausaufgabe durchgeführt werden kann. Die Schülerinnen
und Schüler besprechen, wie sie mit dem Rollenwechsel umgegangen sind, und
sie identifizieren - am besten in Partnerarbeit - Beispiele für die
Konjunktiv II-Formen.
Bei
Schritt 6 fällt den Schülern evtl. auf, dass nicht alle analog stehenden Verben
die Form Konjunktiv II haben: Z. 6 / 18: Die für das Verständnis bedeutsame
Rolle der Abweichungen vom formalen
Schema eines Textes/Gedichts kann dann als Aspekt des Lernbereichs „Umgang
mit Texten“ thematisiert werden: Warum wird vom Konjunktiv-Muster abgewichen?
In welchem Aussagezusammenhang geschieht das? Z. 6 „macht“: Mit der Ersatzprobe
„macht', machte, würde machen“ wird
eine Erklärung möglich: „macht'„ statt „machte“, der Konjunktiv II ist nicht
von der Präteritumform zu unterscheiden; das ist aber
nicht schlimm, da der Irrealis aus dem
Satzzusammenhang klar ist; „würde machen“ wäre jedoch in einem Rocksong
umständlich, wäre im Stil unökonomisch (s.o.). - Z. 18: „trau“ ebenso oder: Das Ich ist von
sich überzeugt, es traut sich etwas zu, deshalb Indikativ; dies könnte die
Absprungstelle für die gesamte Utopieentwicklung des Songs sein: Mit aller
Ichstärke traut sich das Mädchen Jungenkräfte zu.
Nach
Schritt 11 Fortsetzung der Unterrichtssequenz.
Der
Vorgang der induktiven Einführung zeigt, dass es auch beim integrierten
Grammatikunterricht um systematisches
Lernen geht: systematisch allerdings nicht auf der Gegenstandsebene zur
Vermittlung des Systems der Sprache, sondern systematisch in der Aufgliederung
des Lerngegenstandes sowie der Gestaltung des Lernwegs und der Methodenfolge.
Für diesen Vorgang sind auch im muttersprachlichen Unterricht zu beachten:
Lernpsychologische Prinzipien des
Lernens, Erinnerns und Übens [17]
1. Authentische Materialien schaffen
eine komplexe Lernsituation: Die
„originale Begegnung“ wird heute unter konstruktivistischem Theorieansatz
erneut gefordert. Allerdings müsste man sich je nach Jahrgang auch erlauben, in
einer didaktische Reduktion das aus der Erfahrungswirklichkeit stammende, ggf.
zu komplexe Material zu vereinfachen und gezielt zu überarbeiten. → Also:
authentische Texte, wirkliche Songs z.B., Material aus der sprachlichen
Umgebung (audiovisuelle Medien, Mitschnitte, Plakate, Werbung, Briefe,
wirkliche Reklamationen, Schüler- und Lehrertexte etc.) einsetzen.
2.
Mehrkanalige Information erhöht die Aufnahme: Man vermittelt in der Erstbegegnung möglichst mit
Einsatz mehrerer Sinne. → Also: „Konjunktiv II“ akustisch und
optisch in die Klasse einbringen - z.B. Vortrag des Songtitels von Nina Hagen
„Wenn ich ein Junge wär...“ in auffälligem
„Rockstil“; ein Tafelbild entwickeln.
- Die eidetische Fähigkeit (optisches Aufnehmen)
zeigt Aufgipfelungen um das 10. und 15. Lebensjahr. Die Mehrheit der Lernenden
lernt eidetisch besser. → Also
Vermittlungen auf Folie, an der Tafel etc.
-
Man behält von dem, was man liest ca. 10 %, was man hört 20 %, sieht 30 %,
sieht und hört 50 %, selbst vorträgt 70 %, selbst ausführt 90 %. → Also
die Schüler selber Songtexte mit dem utopischen Konjunktiv II schreiben
lassen etc.
-
Die „duale Kodierung“ der nonverbal-bildlichen (imaginalen)
und zugleich der abstrakten (verbalen) Vermittlung ist behaltensfördernd.
→ Also: An welches Bild denke ich, wenn es um Konjunktiv II geht?
Vielleicht an die Gedankenblase für die utopischen Wünsche?
3. Bei der Einführung sind Lerntypen zu
beachten: auditiv - optisch -
haptisch/motorisch - kognitiv/analytisch- imitativ -
erfahrungsbezogen - interaktiv - handlungsorientiert lernende Schüler. →
also Methoden variieren und differenzieren: Vorgänge des Abschreibens,
Malens/Zeichnens, Vortrags, Spielens, Erklärens, Definierens etc. einbeziehen.
4. Produktive Verarbeitung und
handlungsorientierte Identifikation erhöhen das Behalten: Statt des passiven Rezipierens
sind Formen der aktiven Beteiligung zu wählen: entdecken, erfinden , schreiben,
sprechen, gestalten, Erfahrungen machen... → Also z.B. selber die Regel
zum Konjunktiv II bilden.
5. Das persönliche Angesprochensein und
die affektive Wertigkeit verstärken das Behalten: Es ist also besser, ein grammatisches Phänomen mit
einem Sachthema einzuführen, das die Schüler betrifft, als an einem beliebigen
Sachverhalt und Text. → Also z.B. besser den Konjunktiv II im utopischen
Kontext zur Rollenidentität und -beschränkung der Geschlechter vermitteln als
an irgendwelchen Sätzen.
6. Bekannte Begleitinformationen und
Assoziationen erhöhen des Erinnern:
Die bekannte Situation fördert: → z.B. sind den Schülern schon utopische
Ideen aus Texten bekannt, ehe ihnen Konjunktiv II im „Kerntext“ von Nina Hagen
begegnet. Der Zusammenhang mit Vorwissen fördert. → Das Präteritum „war“
ist bekannt und dienlich für den Konjunktiv II „wäre“. - Die Form des
gezielten Anbindens von Grammatik sorgt auf Dauer für eine
„konzeptuell-relationale Enkodierung“, sorgt nämlich dafür, dass z.B. Pronomen
mit „Rätsel“, Passiv mit „Gebrauchsanweisung“, Modalverben mit
„Büchereiordnung“, Konjunktiv irrealis mit „Utopien“
etc. assoziiert werden, so dass die grammatischen Phänomene schneller in
anderen Kontexten wieder aufgerufen und erweiternd behandelt werden können.
7. Strukturierte Information erhöht die
Aufnahmefähigkeit und das Behalten: gegliederte
Darbietung → s. Phasen der induktiven Einführung eines grammatischen
Phänomens; s. Tafelbild etc. - Später dient auch die Orientierung über ein Teilsystem der Strukturierung durch
Orientierungswissen. → Die verschiedenen Modi oder die verschiedenen Funktionen
des Konjunktivs II werden am Ende der Vermittlung im Überblick zusammengestellt;
→ Immer gleich strukturierte Merktexte werden geschrieben: a) neuer
Begriff - b) Definition zur Form - c) Definition zur Funktion - d) konkretes
Beispiel.
8. Störungen der Aufnahme sind zu
vermeiden: Pro- und reaktive
Hemmungen in der Sache ausschließen. →Nicht erst Konjunktiv I bei der
Einführung von Konjunktiv II wiederholen. - Interferenzen vermeiden. →
„Nomen“ ist besser als „Substantiv“ wegen „Subjekt“, „Flexion“ besser als
„Konjugation“ wegen Konjunktiv..
9. Wiederholungsanlässe sind zu
schaffen: Wiederholung ist bereits im
Rahmen der Sequenz durch Wiederaufnahme des Phänomens, der Begriffe und
Funktionen an anderen Texten möglich. Formelhaftes Wiederholen sitzt besser. →
z.B. rhythmisiertes Nachsprechen: „wenn ich ein Junge wär...,
Konjunktiv II nicht schwer!“ - Weitere Wiederholung dann im Rahmen des
Spiralcurriculums; unmittelbar - periodisch / planmäßig - gelegentlich -
immanent.
10. Die Erinnerung ist abhängig von
Zeitgesetzen des Wiederholens: Die Speicherung erfolgt ...
-
ins Ultrakurzzeitgedächtnis: für einige Sekunden, also Wiederholung sofort,
-
ins Kurzzeitgedächtnis: bei Wiederholung nach 10 - 20 Minuten,
-
ins Langzeitgedächtnis: bei Wiederholung nach 24 Stunden,
-
ins Dauerhafte: bei Wiederholung in größeren Abständen (Tagen/Wochen).
Ohne
entsprechende Wiederholung wird die Information gelöscht. Die erste und zweite
Wiederholung nach dem Input sind entscheidend! → Dies betrifft vor allem
die Einführung der neuen Begriffe, der Form- und Funktionsmerkmale der
grammatischen Phänomene.
11. Wiederholungsgesetz beachten: verteilte Wiederholung ist besser als gehäufte. →
Also nicht alle Gliedsatzarten auf einmal, sondern in sinnvollen Komplexen
(z.B. Subjekt-/Objektsatz für sich, Adverbialsätze für sich etc.).
12. Lernen aus Einsicht gelingt besser: Wenn die Arbeit an der Sprache dazu beiträgt, einen
Text oder einen kommunikativen Zusammenhang oder ein Thema besser oder
überhaupt erst zu verstehen, dann ist die Beschäftigung nicht nur funktional,
sondern auch für die Schüler besser nachvollziehbar. Die Warum-Frage
zur Verwendung eines sprachlichen Mittels bewirkt eine größere
Verarbeitungstiefe und damit ein besseres Behalten. → Warum also steht in
utopischen Texten der Konjunktiv II ?
13. Entspanntes Lernen fördert das
Behalten: Stress ist zu vermeiden.
Keine Prüfungsangst durch Abfragen schon in den ersten Phasen der Vermittlung
erzeugen, denn durch Angstblockade ist die Aufnahmefähigkeit behindert. →
Also nicht ankündigen: „Jetzt aber zur Grammatik!“ - oft vom Lehrer gemeint
als: Wir müssen 'mal wieder in den sauren Apfel beißen! - Entspannung ist
herzustellen. → z.B. Situationen des Erzählens, Vorspielen, Bilder, Musik
etc. bei der Präsentation.
14. Orientierung und Übersicht verbessern die Arbeit und das Behalten: vor der Erarbeitung evtl. mit advance
organizer arbeiten, d.h. Ankündigung der folgenden
Aktivität (aber ohne Abschreckung, s. 12) - nach der Er- und Verarbeitung
rückblickend das Geschaffte im Überblick fixieren. → Also z.B. nach den
für die Versuchsbeschreibungen typischen Gliedsatzarten eine Zusammenstellung
im Heft und auf der Tapetenrolle an der Klassenwand: Kausalsatz, Konditionalsatz,
Finalsatz, Konsekutivsatz mit Beispielen (möglichst mit Bildelementen, s. 1).
15. Übungsimpulse können für das Lernen
genutzt werden: affektiver Kontakt
zur Sache und zum Lehrer - Erfolgserlebnis - Verstärkung des Verhaltens -
Übungsvariation.
|
3. Phasenplanung: „Fokussieren“ |
Genauer
in den Blick genommen wird nun der 2. Schritt im Lernweg „induktiv einführen“
(s.o. S. 9), mit dem von den Textinhalten zur sprachlichen Ebene gewechselt
wird. - Der integrierte Grammatikunterricht erfährt oftmals Ablehnung mit der
Bemerkung: „Ihr macht mit den Texten nur eine schöne Verpackung um das grammatische
Phänomen, wollt aber hinten herum doch knallharte Lerngrammatik. So täuscht
ihr die Schüler, die ja nur schnell die Begriffe lernen sollen.“ - Hier
täuschen sich die Kritiker, denn Schüler behalten ja kaum die „schnell
gelernten Begriffe“. Und sie übersehen den für die Muttersprache entscheidenden
Ansatz der funktionalen Grammatik. Zudem ist „Grammatik pur“, d.h. ohne
Kontext, angstbesetzt und lernhinderlich.[18] Auch der direkte Weg zur Grammatik über den sogenannten „informierenden Unterrichtseinstieg“: „So, wir
machen jetzt Grammatik, heute sind die Adjektive dran!“ erzeugt nur Ablehnung
(s.o.).
Entscheidend
ist, dass die Kontexte und Texte nicht Spielmaterial für Grammatik sind, von
dem ausgehend die sprachliche Ebene angestrebt wird; sie müssen tatsächlich
ernst genommen werden und zunächst selbst im Vordergrund stehen. Und dann muss
ein Weg gefunden werden, wie man funktional von den Inhalten und Problemen der
Texte, von ihrem Kommunikationsangebot und ihrer Gestaltung her zu den
sprachlichen Mitteln gelangen kann.
Der
Wechsel von den Inhalten zu den Formen ist für die Erarbeitung der
literarischen Formen und Fachbegriffe (Handlungsschritte, Spannungsbogen,
Pointe, Perspektive, Rahmen, Motive...) zumeist ganz selbstverständlich; für
die sprachlichen Formen müsste er „normaler“ werden!
Methodisiert
werden muss also die Phase des Fokussierens, die Übergangsphase im induktiven
Lernweg:
|
Arbeit
in der Inhaltsebene des Textes:
Inhalte - Ereignisse - Personen - Gefühle - Handlungen - Aussagen - Bilder -
Probleme - etc.; dabei den Text und seine Aussage ernst nehmen; die
Motivation der Schüler durch den Text ernst nehmen. |
↓
|
Fokussierung: Schwenk von der Inhaltsebene auf die Ebene der Gestaltung,
der sprachlichen Mittel; ein Wechsel nicht als fauler Trick, sondern in
Funktion für das Textverständnis und die Wirkung des Textes |
↓
|
Arbeit
in der Formebene des Textes: neben
den literarischen Mitteln nun auch die sprachlichen Erscheinungen, die
grammatischen Elemente, die stilistischen und rhetorischen Mittel etc. - Mit
der Untersuchung der Formen erfolgt eine fachliche Orientierung der Arbeit am
Text. Dabei ist eine Konzentration auf die verständnissteuernden,
konstitutiven und auffälligen Mittel notwendig. |
Für
das Ansteuern der sprachlichen Ebene
wird hier didaktisch von einem erarbeitenden
Unterricht ausgegangen, in dem entdeckendes Lernen, schülerzentrierte
Aktivitäten sowie er- und verarbeitendes Unterrichtsgespräch wichtig sind.
Neben
die grundlegenden intellektuellen Verfahren des analytischen, induktiven,
heuristischen und hermeneutischen Lernens, die im Unterricht in
Aufgabenstellungen, Fragen und Arbeitsaufträgen umzusetzen sind z.B. mit den
Operationen „beobachten, unterscheiden, vergleichen, verallgemeinern,
einordnen, ableiten, begründen, in Beziehung setzen / vernetzen etc.“, treten
auch die produktiven und handlungsorientierten Methoden mit den Operationen „erspielen,
erkunden, erfinden, verändern, erproben, herstellen, darstellen, erleben
etc.“[19] Für den Lernbereich Reflexion über Sprache
ist neben dem Ausleben von Produktivität allerdings immer noch der Gewinn an
Einsichten, Erkenntnissen und Fähigkeiten entscheidend. Das bedeutet:
Produktions- und handlungsorientierte Verfahren sind funktional für die Reflexionsvorgänge;
sie sind nicht Selbstzweck oder Aktionismus in einer neuen fachdidaktischen
Welle der „Handlungsorientierung“. - Die Reflexionsakte selbst finden zunächst
immer noch im Kopf statt, d.h. in Phasen des Nachdenkens.[20] Im Unterricht muss das Nachdenken aber sozial
und kommunikativ sowie anschaulich und praktisch vermittelt werden: sowohl der
Vorgang selbst - z.B. in Form von „Denkprotokollen“ (self-report
data[21]) - als auch die Ergebnisse
des Nachdenkens - z.B. in diskursiven Formen oder durch Demonstrationen und
Produkte. Dabei sind Lehrer vor allem noch nötig für die Initiierung der
Reflexionsphasen, die Erarbeitung der Phänomene und für die Vermittlung im
Unterrichtsgespräch. Diese Lernvorgänge können in der Regel auch nicht durch
Sprachbücher getragen werden, sondern sie müssen gemeinsam und kommunikativ im
Klassenzimmer erfolgen. Dazu müssen Lehrer die Lernwege planen und speziell
für die Abläufe der reflektierenden Verarbeitung motivieren sowie die
diskursiven Arbeitsformen steuern.
In
der Gesprächsführung kann man zum
einen durch unmittelbare Thematisierung
die sprachlichen Mittel einbeziehen: Damit wird die Gesprächsführung auf der Inhaltsseite gelenkt. Die Lehrerfrage
oder der Lehrerimpuls wären dabei im Vordergrund, auch wenn die Fragestellung
aus Spontanäußerungen der Schüler zum Text und der inhaltlichen Arbeit am Text
abgeleitet werden kann. - Aus der Diskurs- und Gesprächstheorie ist
als umgreifenderes Verfahren zur Festlegung eines
Gesprächsthemas die Fokussierung
bekannt: Hierbei geht es neben der direkten Thematisierung (s.o. Beispiel zu
Konjunktiv II) um weitere, indirekte Formen der Einflussnahme auf der Steuerungsseite von Gesprächen.[22] „Auf der Ebene der Gesprächsorganisation
bezeichnet Fokus eine manifestierte, in einem Prozess des Aushandelns
wechselseitig konstituierte bzw. zur Übernahme vorgeschlagene Orientierung“ (Kallmeyer / Schütze) des Gesprächs, hier des Unterrichtsgesprächs.
Im Gespräch muss man „signalisieren, ob ein etablierter Fokus fortgesetzt wird
oder ob ein Fokuswechsel vollzogen werden soll.“ Dieser Wechsel muss in den Stunden der
induktiven Einführung für den Übergang von der Inhaltsebene der Texte (1.
Fokus) zur Sprachebene (2. Fokus) vollzogen werden. - Dabei sollen durch
Impulse die Schüler mit ihrem Entdecken und ihrer Akzentuierung des
sprachlichen Aspekts in den Vordergrund rücken. Die Methoden des Fokussieren
wollen also zielorientiertes und schülerorientiertes Lernen verbinden. Der Wechsel
selbst sollte auch den Schülern explizit transparent gemacht werden. Sie müssen
wissen, dass sie sich nun auf einer anderen Ebene, eben der der sprachlichen
Beobachtung, des sprachlichen Experiments und der Reflexion befinden. - Der Lehrer kann schon bei der Stundenplanung
durch die Wahl verschiedenster Signalformen die Gesprächssteuerung so
vorbereiten, dass die Schüler initiativ
werden können. Er methodisiert die Fokussierung. –
Beispiele[23] für
das Fokussieren:
Mit
grammatisch auffälligen Texten lässt sich ein Thema unmittelbar angehen. Dazu
kann man entsprechende Textsammlungen nutzen oder die in der Regel nach einem grammatischen
Thema zusammengestellten Texte in entsprechenden Sprachbuchkapiteln.[24]
Unterrichtsbeispiel:
Stundenthema:
Ernst Jandls Lautgedicht „ottos mops“
- Satz, Subjekt und Prädikat (Jg.
5)[25]
ottos mops
|
1 ottos mops trotzt otto: fort mops fort ottos mops hopst
fort otto: soso |
5 otto holt koks otto holt obst otto horcht otto: mops mops otto hofft |
10 ottos mops klopft otto: komm
mops komm ottos mops
kommt ottos mops
kotzt otto: ogottogott |
1. Textvortrag - Spontane Schüleräußerungen - Inhaltsebene (Text mit OHP-Folie
projiziert!)
Schüler
wenden sich zu: dem Mops und seinem Herrchen Otto, den einzelnen Tätigkeiten
und Vorgängen, dem Gesamtablauf der Handlung - Paraphrase
2. Zweites Lesen - Klangeindruck - Gestaltebene
Schüler
erkennen von sich aus: z.B. „o“- Vokal als Grundlage der Wortwahl,
Reimlosigkeit, fehlende Satzzeichen bis auf „:“, Kleinschreibung, Kürze der
Verszeilen, Zeilenstil, Wechsel zwischen Handlungen
und wörtlichen Reden.
3.
Fokussierung auf die Zweiteilung in den einzelnen Zeilen hin:
durch vertikales Abdecken der ersten Zeilen in den einzelnen Strophen auf der
Folie mit Papierstreifen (die vertikale Struktur der Strophen spiegelt die
Zweiteilung von Sätzen besonders gut, wenn man alle drei Strophen wie im
Original untereinander stehen hat und mit einem Papierstreifen über alle drei
Strophen hinweg abdeckt). Folie:
|
ottos
mops |
trotzt |
weitere |
|
Tafel 1: |
|
|
||||||
|
otto |
holt
koks |
Beispiele |
|
|
Otto horcht. |
|
|
|||||
|
ottos
mops |
klopft |
|
|
|
|
|
||||||
|
Tafel
2: |
|
|
|
|
Satz |
|
||||||
|
Wer oder Was? |
Was tut er/sie? |
Erfragen |
|
|
↓ |
|
||||||
|
Subjekt |
Prädikat |
Begriff |
|
Subjekt |
|
Prädikat |
||||||
|
Handlungsträger |
Handlung |
Funktion |
|
|
|
↓ |
||||||
|
otto |
holt
koks |
Beispiel |
|
|
|
Prädikatsgruppe |
||||||
4. Reflexion: Schüler beobachten die zwei Satzgliedgruppen Subjekt
und Prädikat und erkennen, dass zum einen Handlungsträger und zum andern die Handlung
durch die Satzglieder repräsentiert sind (nach didaktischer Reduktion auf
„Handlungssätze“ hin; später zu erweitern um Vorgangs- und Zustandssätze)
5. Stillarbeit zur systematischen Suche: Schüler tragen weitere Beispiele zusammen - sie
stellen diese Satzstruktur als Bauprinzip des Textes fest: Zeile für Zeile eine
solche auch rhythmische Gliederung, die den Lesevortrag beeinflusst -
sie
unterscheiden Ottos und Mops' Tätigkeiten - sie bilden neue Sätze
6. Vorschlag neuer Titel für eigene Texte
und Textproduktion nach Jandls Konstruktionsprinzip:
Peters
Esel segelt; Annas Aal malt; Ruths Uhu ruft; Franks Ara klagt; Inges Iltis
isst...
Bei
der Textverfremdung wird ein Originaltext
didaktisiert, d.h. gezielt aus
didaktischen Gründen verändert, damit die Schüler durch den Eingriff auf das
sprachliche Phänomen gestoßen werden. So
kann
man leicht auf die Funktion einzelner
grammatischer Mittel aufmerksam machen. Dies sollte in geringfügiger Form für
Unterrichtszwecke erlaubt sein, wenn Intention und Struktur des Originals
erhalten bleiben. - Das Fehlen bestimmter Satzteile oder -glieder zeigt etwa, wie wichtig sie für den
Informationsvorgang sind. Beispiele:
■
Einen Text mit
Satzgefügen in reine Parataxen verändern.
■
In einem Text alle Nomen durch Pronomen
ersetzen oder umgekehrt.
■
Einen Text aus
der Vergangenheit in die Zukunft verlegen.
■
In einem Text
alle Attribute weglassen.
■
In einem Text
alle Adverbiale weglassen.
■
In Sätzen Lücken
einrichten und füllen lassen.
■
Einen Dialog in
Prosa verwandeln.
■
Aus einem Text
zentrale Abschnitte weglassen.
■
Abschnitte eines
Textes umstellen.
■
Teile eines
Textes in einem anderen Stil verfassen.
etc.
Unterrichtsbeispiel:
Stundenthema: Krimigeschichten:
Tat und Täterbeschreibung - Attribute (Jg. 6)
1.
Präsentation: Schüler erhalten
zunächst folgenden Text[26] - zugleich auf Folie (mit
Leerzeilen zwischen den Textzeilen)
Diebstahl
Jungen gelang es gestern am Nachmittag, den Jungbären an
sich zu nehmen und zu
entführen. Die Täter entkamen über den Zaun. Nach
Aussagen trugen die Jungen
Hosen und Hemden. Der Verein bittet die Bevölkerung,
bei der Suche behilflich zu
sein und Angaben an ihn direkt oder an das
Polizeirevier zu machen.
2.
Fokussierung: Schüler
erkennen sofort Lücken in der Information und erfragen; sie wenden die Frage-
und die Ergänzungsproben an, auf der Folie ergänzend:
/blaue /grüne
Was für Hosen und Hemden? → / Hosen und
/ Hemden
/? /?
Was für Jungen? -
/ Jungen /
3. Sicherung
und Begriffsbildung: Ergänzungen zum
Nomen zur Präzisierung einer Information
a) die Frageprobe: Was für ....? - b) die Ergänzungsprobe: Beifügung zum Nomen =
Attribut
4. Arbeit am
Originaltext: Übung im Entdecken der
Attribute
Übermütiger Diebstahl im Tiergarten
Drei Jungen im Alter
von 10 bis 12 Jahren gelang es gestern am späten Nachmittag, den im
März zur Welt gekommenen Jungbären Puh
an sich zu nehmen und zu entführen. Die Täter entkamen über den Zaun zur Flussseite. Nach Aussagen des Wärters trugen die Jungen blaue Hosen und gelbe Hemden. Der Verein für
Tierschutz e.V. bittet die Bevölkerung, bei der Suche behilflich zu sein
und zweckdienliche Angaben an ihn
direkt oder an das nächstgelegene
Polizeirevier zu machen.
4. Regelbildung: z.B. Attribute ergänzen ein Nomen um genauere
Merkmale.
Ganze Texte oder verschiedene Abschnitte aus einem
Text werden nebeneinandergestellt. Sie müssen unterschiedliche
sprachliche Struktur zeigen, damit von den Schülern auch etwas entdeckt werden
kann. - Spezifische strukturelle Unterschiede in einer Ebene bei
Gleichartigkeit in einer anderen, wobei die „Unterganzen noch zusammengesehen werden“,
führen nach der Gestaltpsychologie zu besonderer Aufmerksamkeit und
„produktivem Denken“.[27]
Unterrichtsbeispiel:
Stundenthema: Gespenstergeschichten
- Gliedsätze für Zusatzinformationen (Jg. 6)
1. Lesen des
gesamten Textes: Erarbeitung der
Erzählformen
2.
Präsentation des Textanfangs auf Folie:
Mit der Fragestellung „Wie entsteht Spannung?“ wenden sich die Schüler zunächst
der Situation, den Figuren, den Vorgängen und Handlungen zu.
Heinrich Jeanjour: Der Mönch im Schloss
Mitten im Walde steht ein altes Schloss. Es ist Abend.
Ein furchtbares Gewitter rast. Donner, Blitze, strömender Regen. Die großen
Bäume ächzen und schwanken. Der alte Kastellan sitzt in seiner Stube und träumt
vor sich hin. Buchenscheite krachen im Kamin. Plötzlich schreckt er auf.
Klopfte nicht jemand draußen ans Tor? Der Alte horcht. Wieder dröhnt der
schwere, eiserne Türklopfer an die Eichenbohlen des Tores. Stöhnend erhebt
sich der alte Mann und schlurft hinaus, um durch das Guckloch zu schauen. Tropfnass
steht eine Schar Jungen davor, die um Einlass bittet. Sie wollen hier
übernachten, da sie bei solchem Wetter nicht mehr weiter können. Was soll er
tun? Der Alte überlegt, denn er ist allein. Doch sein mitleidiges Herz lässt
ihn die Tür öffnen. „Kommt herein und erwärmt euch“, sagte er zu der Schar. ...
[28]
3. Fokussierung: Der Text wird auf Folie so aufgeteilt präsentiert; die Schüler
beobachten Unterschiede und gelangen auf die Ebene der Syntax.
A) B)
|
Mitten im Walde steht ein altes Schloss. Es ist
Abend. Ein furchtbares Gewitter rast. Donner, Blitze, strömender Regen. Die
großen Bäume ächzen und schwanken. Der alte Kastellan sitzt in seiner Stube und träumt vor sich
hin. Buchenscheite krachen im Kamin. Plötzlich schreckt er auf. Klopfte
nicht jemand draußen ans Tor? Der Alte horcht. Wieder dröhnt der schwere,
eiserne Türklopfer an die Eichenbohlen des Tores. |
|
Stöhnend erhebt sich der alte Mann und schlurft
hinaus, um durch das Guckloch zu schauen. Tropfnass steht eine Schar Jungen
davor, die um Einlass bittet. Sie wollen hier übernachten, da sie bei solchem
Wetter nicht mehr weiter können. Was soll er tun? Der Alte überlegt, denn er
ist allein. Doch sein mitleidiges Herz lässt ihn die Tür öffnen. „Kommt
herein und erwärmt euch“, sagte er zu der Schar. ... |
4. Beobachtungen an Sprache und Inhalt: Schüler nehmen dabei die Rolle des Lesers und die Rolle
des Erzählers ein. Sie erkennen, wie zu Beginn außer durch intensive Verben
durch die kurzen, einfachen Sätze Tempo entsteht und dann durch die
Einbeziehung der Innensicht über die Gliedsätze Spannung erzeugt wird.
|
Leser
erfährt: |
|
|
|
Darstellung der Situation |
|
Darstellung + Zusatzinformationen |
|
Zustände, Vorgänge, Handlungen |
|
Handlungen + Gründe, Ziele, Motive |
|
|
|
|
|
Erzähler
benutzt: einfache Sätze |
|
Satzgefüge |
|
Hauptsätze |
|
Hauptsätze + Gliedsätze |
|
Der Alte horcht. |
|
Sie wollen
hier übernachten, da sie nicht mehr weiter können. |
5. Fortsetzung: Der Text bietet noch zwei Kernstellen, die ähnlich
strukturiert sind. Schüler suchen also andere Stellen im weiteren Text, in denen
nur die Darstellung wichtig ist oder in denen
Zusatzinformationen in den Sätzen erfolgen. - Ggf. Stellung des
Gliedsatzes im Satzgefüge, Konjunktion, Stellung des finiten Verbs. -
Handlungsmotive der Personen, Ursachen und Abfolge der Vorgänge etc.
Bei
der Textproduktion sollten immer auch Verfahren der Textoptimierung genutzt
werden. Dazu dienen die „Proben“, die Ergänzungsprobe, Streichprobe,
Austauschprobe und Umstellprobe, die Klangprobe, die Segmentierung und
die Paraphrase. Diese Proben sind
zugleich Prozeduren, mit denen sprachliche Vorgänge und Erscheinungen
beobachtet werden können. Indem die Schüler selbst erproben, befassen sie sich
mit bestimmten Formen und Funktionen und müssen dabei die grammatische
Metasprache als Instrument verwenden, wenn sie die eine Variante von der
anderen unterscheiden und darüber sprechen wollen.
Unterrichtsbeispiel:
Stundenthema: Indianergeschichten
- Inhaltsangabe - Inhaltssätze (Jg. 7)
Voraussetzung: Die Schüler haben in der Reihe schon an
Inhaltsangaben gearbeitet.
1.
Entwicklung einer Problemstellung für die Produktion: Die Schüler sollen die wörtliche Rede der Originaltexte
in raffender Form wiedergeben.
2. Angehen
eines Textbeispiels und Aufgabe: L:
„Ihr habt gerade eine Indianergeschichte gelesen. Wir verfassen dazu eine
Inhaltsangabe für einen Buchprospekt. Lasst uns einmal ausprobieren, wie man
die langen Dialogteile aus der Erzählung in einer knappen Inhaltsangabe
unterbringen kann! - S: beobachten, schlagen vor, erproben etc.
3. Fokussierung: Die Schüler lesen Text A und schlagen eine Formulierung vor,
z.B. wie in B. Diese Variante aus den Schülerangeboten, „zweiter Hauptsatz“,
wird herausgegriffen (Tafel/Folie) und beobachtet.
|
|
Original |
|
Schülertext |
|
A) |
(Old Shatterhand) Ich fragte den Gefangenen: „Was
denkst du wohl, was ich nun mit dir tue?“ „Ni niskhi tsetsetsokhiskhan shi - töte und
skalpiere mich!“ antwortete er. „Nein, das tue ich nicht“, sagte ich. „Ich bin nicht
dein Feind; ich bin ein Freund aller roten Männer. Ich nahm dich nur
gefangen, um mich vor Schaden zu bewahren. Zu welchem Volk gehörst du?“ |
B) |
Old
Shatterhand nimmt den Sioux nur gefangen und erklärt ihm, er sei ein Freund
der Indianer. |
4. Reflexion der Lösung und ihrer sprachlichen Mittel: Die Schüler vergleichen: inhaltlich - welche Informationen
in der Transformation erhalten sind; formal - durch welche syntaktische Form
die Raffung erfolgt und wie die wörtliche Rede einer Textfigur als
Ausgangspunkt dennoch erkennbar bleibt. - Inhaltssatz.
5. Ausweitung der Varianten von
Inhaltssätzen: Die Schüler machen verschiedene
Umformungsproben: Redewiedergabe als indirekte Rede im angefügten zweiten Hauptsatz (s.o.)oder im Dass-Satz (Er erklärt ihm, dass er ein
Freund der Indianer sei/ist.) oder als Zitat
(Er stellt sich „als Freund aller roten Männer“ dar.) - Die Schüler vergleichen
die Produkte.
Nach
einem Vorgang des Lesens oder Hörens, des Schreibens oder Sprechens kann man
einhalten und auf das, was man sprachlich gemacht hat, zurückblicken. Dieser
Rückblick wird explizit eingeleitet. Für den Rückblick muss man aber die
Möglichkeit geschaffen haben, dass der sprachliche Vorgang oder das sprachliche
Produkt gespeichert ist und wieder zum Gegenstand der Betrachtung gemacht
werden kann. Dies geschieht i.d.R. durch Medien, seltener aus dem Gedächtnis:
Folie, Mitschrift, Hörkassette, Notizen durch mehrere Protokollanten in der
Klasse etc.
Unterrichtsbeispiel:
Stundenthema:
Beschreiben und Erklären von Experimenten
- Gliedsätze: Konditional-, Kausal-, Final- und Konsekutivsatz (Jg. 7/8)
|
1. Experiment: - stumm vorgeführt - |
2. Auswertung: Lehrer führt begleitend Folienprotokoll |
|
|
Schüler
spontan: Beschreiben / Begründen: Wir
knoten die lange Schnur in der Mitte des Bambusstabes fest, damit der Stab
in der Waage schwebt. ... ↓ Erklären / Begründen: Die
Tüte A steigt, wenn man die Kerze darunter hält. Die Luft steigt auf, weil
sie erhitzt ist. Wenn A steigt, sinkt B, da ... |
3.
Fokussierung: Anleitung
zum Rückblick auf die Erklärungen und Blick auf die Mitschrift:
L: Jetzt halten wir einmal ein. Wie sind wir vorgegangen?
a) Wovon haben wir gesprochen? → L/S: Handlungen, Vorgänge, Absichten,
Ursachen, Bedingungen, Folgen...
b) Wie haben wir das ausgedrückt? →
L/S: (am Beispiel)
Die Tüte A steigt, wenn man
die Kerze darunter hält.
4. Reflexion: Schüler beobachten die inhaltliche Seite des
Beispiels und ordnen „Vorgang - Bedingung“ zu. Sie beobachten die entsprechende
syntaktische Gliederung und entwickeln die Begriffsbildung:
|
Die Tüte A
steigt, |
|
wenn man die Kerze darunter hält. |
|
Vorgang |
|
Bedingung |
|
Hauptsatz |
|
Gliedsatz |
|
Aussagesatz |
|
Bedingungssatz |
|
|
|
Konditionalsatz |
5. Festigung und Übung, Fortsetzung der
Reflexion: Schüler untersuchen
weitere Beispiele - Ausweitung auf die anderen Gliedsatzarten, Einführung der
Phänomene und Begriffe
6. Fortsetzung mit weiteren
Experimenten.
Vor
einem Vorgang des Lesens oder Hörens, des Schreibens oder Sprechens kann man
bereits darauf hinweisen, dass man später die Produkte und Vorgänge sprachlich
genauer untersuchen will. Dann zunächst die Rezeption oder Produktion
durchführen. Schließlich nach einer spontanen Reaktion im Rahmen der inhaltlichen
oder interpretatorischen Auseinandersetzung auf die angekündigte Untersuchung
der sprachlichen Phänomene zurückkommen. In der Spontanphase wurde ggf. schon
auf die Ankündigung reagiert, so dass die sprachliche Ebene sofort von
Schüleräußerungen her eröffnet werden kann.
Unterrichtsbeispiel:
Stundenthema:
Gesprächsinitiativen bei der
Berufsberatung - auffordernde
Sprachhandlungen (Jg. 9)
1. Präsentation eines ersten
Dialogtextes: Am Anfang steht ein
Dialog aus der Berufsberatung, an dem die Schüler zunächst die Umstände eines
Beratungsgesprächs beobachten sollen: die Faktoren der Situation, die
Rollenverteilung, das Anliegen, den Dialogablauf, ...
2.
Fokussierung: Wechsel zu
Textausschnitt B (s.u.) und Ankündigung
L: So, lasst uns beim nächsten Gesprächsausschnitt einmal darauf achten,
wie die Beraterin vorgeht, um die Wünsche des Ratsuchenden zu erfahren.
|
Beraterin: |
Was
machen Sie denn so in Ihrer Freizeit? |
1. |
|
Besucher: |
Ach,
nichts Besonderes. |
2. |
|
Beraterin: |
Vielleicht
gibt es doch etwas, das Sie gerne nach Ihrer Arbeit tun. |
3. |
|
Besucher: |
Na
ja, manchmal bastle ich an Vaters Auto herum. |
4. |
|
Beraterin: |
Erzählen
Sie doch 'mal genauer, was Sie da so alles machen! |
5. |
|
Besucher: |
Och,
so verschiedenes. |
6. |
|
Beraterin: |
Vielleicht
erinnern Sie sich, was Sie zuletzt gemacht haben. |
7. |
|
Besucher: |
Da
hab ich den Ölwechsel gemacht und den Vergaser eingestellt. |
8. |
|
Beraterin: |
Haben
Sie auch noch schwierigere Sachen am Auto gemacht? |
9. |
|
Besucher: |
Ja,
das schwierigste war, als ich ein überholtes Getriebe eingebaut habe. |
10. |
|
Beraterin: |
Das
scheint Ihnen ja zu liegen! |
11. |
|
Besucher: |
Na
ja, wenn ich Zeit habe, mich in einem Buch vorher zu informieren, dann klappt
das auch. |
12. |
|
Beraterin: |
Also
haben Sie auch Interesse, sich in die Probleme einzulesen. |
13. |
|
|
...
... |
|
3. Auswertung: Schüler äußern sich zu den Gesprächsbeiträgen
a)
Gesprächsziel der Beraterin: den
Besucher gezielt zum Reden bringen - seine Interessen und Fähigkeiten daraus
entnehmen
b)
sprachliches Vorgehen: Schüler beobachten die Strategien, wie der Besucher zum Reden gebracht wird:
Vorschläge
- auffordernde Kommentierungen - rückkoppelnde Feststellungen als Impulse -
bestätigende Feststellungen als Ermutigung - Nachhaken zur Vertiefung -
Aufnahme eines Stichworts als nächstes Thema
4. Reflexion: Schüler beobachten
die sprachlichen Mittel:
Ergänzungsfrage - Vermutung - Aufforderungssatz - Vergleich - Beurteilung -
Schlussfolgerung; sie erkennen alle Äußerungsformen
als
auffordernde Sprachhandlungen
5. Sicherung: Umformung von Varianten in direkte Aufforderungssätze zur Kontrolle.
Es
gibt inzwischen viele Sammlungen mit Sprachspielen, bei denen die Schüler
unwillkürlich Umgang mit Sprache haben. Sie lassen sich oft nutzen, um gezielt
auf einzelne, das Spiel beherrschende sprachliche und grammatische Phänomene
einzugehen. Die Schüler können auch eigene Spielideen durch Übertragung entwickeln.[29]
|
Computertexte: |
ich
ich ich ich ich ich ich
ich ich ich ich ich ich
ich du ich ich ich ich
ich ich ich ich ich ich
ich ich ich ich ich |
Die
Möglichkeiten der Textbearbeitung nutzen: z.B.
Nomen und Verben ersetzen, den Numerus, die Flexionsendungen, das Tempus etc.
verändern; so entstehen Textbilder, Buchstabenobjekte, konkrete Poesie... |
Folienpuzzle: Wenn mit sprachlichen Elementen umgegangen wird, die
zu größeren Einheiten zusammengefügt werden sollen, können die
Elemente wie ein Puzzle erstellt und zunächst willkürlich aufgelegt und dann
von den Schülern sinnvoll angeordnet
werden: z.B. Kompositapuzzle,
Satzgliedpuzzle...
Wortmaschine: Eine Art Sortiermaschine bietet in verschiedenen Schächten eine Anzahl Wörter
an, die zu neuen Komposita zusammengefügt werden.
Satzbaukasten: Die Schüler füllen frei oder aus
vorgegebenem Wortmaterial vorgegebene Satzmuster, für die sie ggf.
selbst die Art und Reihenfolge der Satzglieder festlegen.
Dabei kommen sie Satzbildungsregeln auf
die Spur (z.B. Satzakzent,
Inversion, Gesetz der wachsenden Glieder, ZAOG-Regel
etc.)
|
Satzglied |
Subjekt
(Plural) |
Prädikat
(Präsens) |
Adverbiale
(temp.) |
Objekt
(Akk.) |
Adverbiale
(lokal) |
|
Beispiel |
Die
Vögel |
finden |
morgens |
ihr
Futter |
im
Wald |
Kofferpacken: Übung zur Verwendung von Nomen, z.B. Schüler A: In meinem
Koffer sind zwei Hemden, Schüler B: In
meinem Koffer sind zwei Hemden
und ein Paar Schuhe... (Schlangenbildung)
Klopfwörter-Texte: Dies kann zur Unterscheidung
von Wortarten eingesetzt werden; dabei sind im Spielauftrag also entsprechende
Vorgaben zu machen: Eine bestimmte Wortart wird angegeben, dann erfolgt ein
Klopfzeichen. Bei jedem Klopfzeichen schreibt man ein Wort aus der vorgegebenen
Wortart hin, das man gerade im Kopf habt. Man überlasst sich dabei dem Zufall. Acht- bis zehnmal erfolgen der
Wechsel in der Wortart und das Klopfzeichen in
einigem Abstand. - Aus den
notierten Wörtern verfasst man dann innerhalb von 10 - 15 Minuten einen Text,
der alle Wörter enthält. Man kombiniert dabei wie in einem Puzzlespiel. -
Willkürliche, phantastische Texte entstehen z.B. nach den Wortarten Nomen /
Adjektiv / Nomen / Verb / Zeitadverb / Präposition / Nomen → die
assoziativ gewonnenen „Klopfwörter“: Hitze / blau / Hemd / laufen / heute / vor / Affe → der Text: Heute
komme ich vor Hitze um. Strahlend blauer Himmel. Ich laufe nur noch im Hemd.
Mich laust der Affe. ...
Falttexte: In Gruppen sollen miteinander, aber verdeckt, neue,
kuriose Sätze gebildet werden: Man besetzt die Gruppen mit so vielen
Mitgliedern, wie Satzglieder in den beabsichtigten Sätzen vorkommen sollen. Ein
Schiedsrichter diktiert für alle Gruppen nacheinander jeweils die grammatische
Bezeichnung der Satzglieder (und Gliedsätze). Bei jedem Kommando schreiben
die ersten Mitglieder einer jeden Gruppe ein Textstück, das die Form des
bezeichneten Satzglieds hat, in der obersten Zeile eines linierten Blattes auf,
sie falten die oberste Zeile nach hinten, so dass die zweiten Gruppenmitglieder
die Zeile nicht sehen, und reichen das Blatt an sie weiter; die schreiben
wieder auf Kommando das nächste Satzglied usw. - Der Schiedsrichter muss
darauf achten, dass seine Satzgliedfolge auch einen vernünftigen Satz ergeben
kann.
Beispiel:
|
Adverbiale Bestimmung des Ortes |
Prädikat/finites Verb (intransitiv/Singular) |
Adverb |
Subjekt |
|
Im
Hinterhof |
hustete
|
soeben |
die Lehrerin. |
|
In
der Dunkelkammer |
kreischt |
hungrig |
eine
Rose. |
|
Im
Leichenwagen |
blüht |
samstags |
der
Minister. |
Teekesselchen: Die Mitschüler müssen Homonyme (gleichlautende,
in der Bedeutung aber verschiedene Wörter) erraten: z.B. Bank, Birne,
Kunde, Gericht, Steuer, Kiefer, Tau etc.
- z.B. Schüler A: Mein Teekesselchen ist
aus Metall. / Schüler B: Mein Teekesselchen ist aus Stein. ...
(also: „Schloss“)
Satzscharade: Einige Schüler tragen auf Plakaten Satzglieder vor
sich her, und die Klasse muss durch Umstellen, d.h. Verschiebeprobe, die
Schüler zu sinnvollen Sätzen nebeneinander stellen. Beim Umstellen ist zu
bemerken, dass der Schüler mit dem
finiten Verb/Prädikat stehen bleibt.
Rätseltexte: Schüler schreiben Texte über bedeutende
Persönlichkeiten oder bekannte
Gegenstände so, dass sie die Namen oder
Bezeichnungen nicht verwenden, statt dessen müssen sie mit Pronomen arbeiten; die Mitschüler erraten die
Person oder Sache.
Schreibspiel ELFCHEN: Die Schüler entwerfen Kurztexte, Gedichte,
Schlagzeilen etc., die aus nur genau elf Wörtern bestehen dürfen, die wiederum
nach folgender Regel auf fünf Zeilen zu verteilen sind. Die Schüler schreiben
alleine oder entwickeln gemeinsam oder reichen beim Schreiben weiter: Der erste
schreibt ein Wort, der nächste zwei, der dritte drei; wenn vier Wörter in der
Reihe stehen, muss der fünfte ein treffendes Abschlusswort finden. -
Syntaktische und semantische Beobachtungen schließen sich an: z.B.
|
wagemutig rannten
sie durch
den Wald um
sich zu retten geschafft! |
Wolken am
Himmel ziehen
in Fetzen weil
Wind sie jagt vorbei |
Unterrichtsbeispiel:
Stundenthema:
Textanalyse: H. Böll, Die verlorene Ehre
der Katharina Blum, Kap. 41 - Komposita: Wortneuschöpfungen als Mittel der
distanzierenden, entlarvenden Darstellung“ (Jg. 9)
1. Das Spiel „Galgenmännchen“ an der Tafel: o
n a n e
e e
(Schüler
erraten ein Wort, von dem sie nur die Platzhalter „_ „ sehen: Sie schlagen
einzelne Buchstaben vor - nach Erfahrungen mit der Häufigkeit -, die die Lehrerin
an der passenden Stelle einträgt; sie erraten so aus der gewohnten Sprache
das Wort. Für falsch Geratenes gibt es Striche, aus denen nach und nach das
„Galgenmännchen“ entsteht, bis das Spiel endet.)
2.
Fokussierung: Den Schülern
gelingt es in diesem Falle nicht, obwohl sie zu Hause Kap. 41 gelesen haben, Tonbandstreitkräfte zu erraten! - Sie
waren beim Spiel nicht darauf gefasst.
3. Reflexion, warum das Raten nicht gelang: „Tonbandstreitkräfte“
ist eine Wortneuschöpfung, eine ungewohnte
Verbindung von zwei Begriffen - Wirkung des Kompositums: befremdlich, da
verfremdet.
4. Bezug zu Kap. 41 des Textes: Schüler erinnern sich an ähnlich überraschende
Komposita, nennen Beispiele.
5. Stillarbeit am Text zur
systematischen Suche: Schüler tragen
zusammen: Broterwerbsnotstand - Zärtlichkeitsanbieter - Tonbandabspieler
- Tonbandstreitkräfte - Telefonsittenstrolche - Nachtischgesellschaft - Umständeverursacherin - Telefonzapfer - Zäpfchenaffäre -
Zäpfchen - Krokantsaucensekretärin - Geschmackskennerin - Eisbömbchen
6. Gemeinsame Analyse eines Beispiels: Wortneuschöpfungen
zu „anzapfen“:
a)
Untersuchung der Form:
|
|
Anzapfer (134,5) |
Zäpfchen (132,18) |
|
|
|
Telefonzapfer (133,11) |
Zäpfchenaffäre (133,3) |
Form: |
|
|
Nominalisierung |
Nomen in der Verkleinerung |
Kompositum |
b)
Untersuchung der Funktion:
|
Personalisierung |
Verniedlichung |
Funktion |
-
durch Verfremdung aufmerksam machen auf Leute, die beruflich Kriminelles tun: Telefonzapfer
-
durch den Kontrast zwischen der
Verniedlichung und der schlimmen Behandlung Katharinas die bösartige Haltung
der Presseleute darstellen: Zäpfchenaffäre
7. Selbständige Analyse eines neuen Beispiels:
„Zärtlichkeitsanbieter“ → a) Form, b) Funktion
8. Verallgemeinerung: neue Komposita zur Aufmerksamkeitslenkung (vgl.
Werbung) und Entlarvung
9. Weitere Untersuchung und Anwendung in der Interpretation zu Kap. 41
Rollenspiele
können vor allem zur Beobachtung von Sprachhandlungen sowie zur Reflexion von Alltagsrede und zur Reflexion
des Zusammenhangs sprachlicher und nichtsprachlicher
Handlungen dienen. Ebenso sind sie geeignet, in der Rolle Texte zu
produzieren, die bestimmten sprachlichen Auflagen unterliegen, die aus der
Rollensituation stammen: besonders verschiedene Aspekte des Adressaten-,
Situations- und Produzentenbezugs. Die situativen und
personellen Rollenbedingungen ebenso der
situative Handlungsrahmen und das Handlungsziel können auf
„Rollenkarten“ festgelegt, d.h. notiert sein: z.B. im Café, im Sekretariat,
beim Arzt, Entscheidung für das Fernsehprogramm, im Streit vermitteln, sich
rechtfertigen - sich wehren - sich
entschuldigen, etwas aushandeln - etwas durchsetzen wollen, um Erlaubnis bitten; sein Eigentumsrecht behaupten; Schaden abwehren -
sich beschweren; Sympathie zeigen - Kontakt aufnehmen; etwas herausbekommen
wollen - erfragen; etc.
Unterrichtsbeispiel:
Stundenthema:
Präzisierung der Informationen in
Zeitungsmeldungen - Adverbiale (Jg. 6)
1. Präsentation: ein Zeitungsfotos wird als Folie gezeigt, ohne
Bildtext; Bildmotiv ist ein aktuelles lokales Ereignis (im Beispiel:
Schaufelradbagger überquert vor vielen Zuschauern eine Straße im rheinischen
Braunkohlenrevier).
L:
Was geschah dort? - Schüler berichten
oder erzählen, was sie wissen; sie halten schließlich die Grundinformation in
der ihnen bekannten Grundform des Satzes „Subjekt - Prädikat - Objekt“ fest.
Tafel:
Was
geschah dort? - Ein
Schaufelradbagger überquerte die Autobahn.
2.
Fokussierung: Rollensimulation
„Zeitungsleser“: Der optische Kontext vermittelt bereits die Grundinformationen
über das Ereignis. Das Foto selbst liefert zumeist aber noch nicht die
genaueren Informationen über Ort, Zeit, Art und Grund. - So werden im Leser,
der bei flüchtiger Erstlektüre auf den Blickfang reagiert, durch das Foto
Fragen nach genaueren Informationen ausgelöst; er wird auf den Text gelenkt
und sucht hier Antworten. Die genaueren Angaben werden grammatisch u.a. durch
Adverbiale geleistet.
L:
Versetzt euch jetzt in die Rolle des
Lesers, dem auf der Lokalseite das Foto auffällt. Auf welche Fragen findet er
im Foto noch keine Antwort? Wonach sucht er im Text? - Einführung oder
Wiederholung der W-Fragen-Probe.
Schülerantworten
kommen in Auswahl an die Tafel:
Wann geschah das? - ?
Wo geschah das? -
Wie geschah das? -
Warum geschah das? -
3. Präsentation der Zeitungsmeldung und
Reflexion:
Giganten auf
der Autobahn
Am frühen Sonntagmorgen überquerte ein
Schaufelradbagger die A 61 bei Bedburg. Der 2530 Tonnen schwere Koloss setzte
sich um 6.30 Uhr in Bewegung. Auf einer
Sand- und Kiesschicht, die man zum Schutz der Fahrbahndecke auf die Autobahn
geschüttet hatte, kroch er mit lautem
Getöse voran. Fotografen, Kameraleute und Hunderte Schaulustiger sahen im
Licht von Scheinwerfern zu. Wegen der Eröffnung eines neuen Arbeitsabschnitts
gingen mit dem Bagger ein Absetzer und ein
Bandschleifenwagen auf die 25 km lange Reise zum Tagebau Inden
nach Weisweiler. Nach zwei Stunden konnte die Autobahn wieder geräumt werden.
16 Stunden lang war die A 61 bei Bedburg gesperrt. Die Ingenieure und Arbeiter
von Rheinbraun leisteten Maßarbeit.
(Kölner Stadtanzeiger, 23.9.91)
L:
Tragt die Antworten auf die W-Fragen
zusammen. - Schüler suchen die erwarteten zusätzlichen Informationen heraus.
- Sie beobachten die sprachliche Form, in der diese genaueren Angaben geleistet
werden: Isolierung eines typischen Beispiels, d.h. einer Umstandsangabe -
Einführung des Fachbegriffs Adverbial und Bestimmung der Bedeutung und
Funktion. Folie / Tafel:
Wann? - am 22. 9. 1991 (oder: am frühen
Sonntagmorgen, um 6.30 Uhr)
Wo? - bei
Bedburg
Wie? - mit lautem Getöse (oder: auf einer Sand-
und Kiesschicht)
Warum? - wegen der Eröffnung eines neuen Arbeitsabschnitts
(oder:
wegen neuer Arbeiten im Tagebau Inden...)
|
Umstandsangaben
/ Adverbiale |
4. Anwendung in einer zweiten
Rollensimulation: Schüler übernehmen
jetzt die Rolle des „Zeitungsreporters“ und schreiben zu dem vorgegebenen Bild
einen kurzen Bildtext mit allen wichtigen Angaben. Sie verfassen also eine
Kurzmeldung mit den Informationen aus der Tafel:
Wegen
neuer Arbeiten im Tagebau Inden überquerte ein Schaufelradbagger
am 22. 9. 1991
bei
Bedburg im Schneckentempo die Autobahn A
61.
5. Reflexion: Mit Blick auf die W-Fragen unterscheiden die Schüler
am Beispielsatz die verschiedenen Funktionen der Adverbiale.
Tafel:
Zeitangaben, Ortsangaben, Artangaben, Grundangaben
Die
neuen Fachbegriffe werden vermittelt. Tafel:
Temporaladverbial, Lokaladverbial, Modaladverbial, Kausaladverbial
6. Definition / Merksatz: Adverbial als Satzglied - die Funktionen bei der
Information (noch nicht die Arten der Adverbiale, also Adverb, adverbiale
Bestimmung, Adverbialsatz)
7. Übung: Schüler ordnen an einer weiteren Meldung die neuen
Fachbegriffe entsprechenden Textstellen zu.
Die
Schüler erhalten fehlerhafte Schülertexte - aus Klassenarbeiten oder
Hausaufgaben anonym exzerpiert , an
denen sie die Korrektur syntaktischer und semantischer Fehler durchführen.
Die Fehler können in der Vorlage bereits unterstrichen sein, sie können
durch einen Randvermerk angezeigt sein,
sie können aber auch gar nicht markiert sein. In den beiden
letzten Fällen müssen die Schüler also den Fehler zusätzlich
herausfinden. Mit Hintergrundwissen um grammatische Regeln oder unter Einsatz
des Stil- und Sprachgefühls erkennen die Schüler auch selbständig
Fehlerstellen und thematisieren ggf. die grammatischen Phänomene.
Die
Schüler sollen also ihre eigenen Texte als Manuskripte, als vorläufige
Fassungen ansehen lernen und das Korrekturlesen und Gegenlesen als normales
Produktionsverhalten kennen lernen.[30]
Sie
sollen Mängel in verschiedenen Ebenen erkennen lernen:
→ Textaufbau - Aussagen - Satzbau - Stil -
Rechtschreib- und Zeichenfehler
|
Zur
Hilfe die ESAU-Regel: ERGÄNZEN
- wo eine Lücke auffällt STREICHEN -
wo etwas überflüssig erscheint AUSTAUSCHEN -
wo ein Wort, Satz, Textteil nicht passt UMSTELLEN
- wo die Reihenfolge der Satzglieder, Gedanken oder Abschnitte
unstimmig ist. |
Sie
erlernen Techniken der Textüberarbeitung: Anmerkungen mit fortlaufender
Nummerierung, streichen und darüber schreiben, geschweifte Klammer über Lücke
zum Einfügen, Umstellung durch Nummerierung oder durch Nummerierung plus
Umstellrahmen.
Fehlerschwerpunkte
lassen sich zusammenstellen; z.B. Kontamination = falsche Wortkombination
*
„Sie bekamen Panik.“ Korrekt könnte es heißen: „Sie gerieten in Panik.“ oder
„Sie bekamen Angst.“ -
*
Es wurde Feueralarm gemeldet. - *Er
hatte eine niedrige Überlebenschance.
Unterrichtsbeispiel:
Stundenthema:
Textüberarbeitung statt einer
„Berichtigung“
Bei
der Rückgabe einer Klassenarbeit wird einiges besprochen: Vertextungsprobleme,
Umgang mit dem Thema, Bezug zu den Vorarbeiten im Unterricht vor der
Klassenarbeit, Beurteilungskriterien etc. - Die Texte liegen den Schülern vor.
Fokussierung: Der Lehrer legt im Rahmen der Besprechung eine
Zusammenstellung von „Fehlertexten“ aus verschiedenen Schülerarbeiten vor, auf
Folie kopiert, als Kopien o.ä. - Erarbeitet werden erkennbare Fehlerschwerpunkte.
Überarbeitet wird zunächst im Unterrichtsgespräch, dann individuell oder in
Partnerarbeit. Die Kontrolle der Überarbeitung erfolgt in Auswahl im
Unterrichtsgespräch oder im Gegenlesen mit Rückfragen an das Plenum.
a) Korrektur nach Modell (zu:
Inhaltsangaben einer Kriminalgeschichte / Zeitliche Ordnung / Jg.7)
1.
* Potter holte das Geld ab, das 12 Jahre auf der Bank lag.
Überlege, was nicht korrekt ist, und
verbessere:
............................................................................
Vorzeitigkeit im Bericht über Vergangenes:
|
noch
weiter zurückliegende Handlung |
◄ |
Berichtete
Handlung |
◄ |
Berichterstatter (Schüler/in XY.) |
|
Vorvergangenheit |
◄ |
Vergangenheit |
◄ |
(Gegenwart) |
|
Plusquamperfekt |
◄ |
Präteritum |
◄ |
(Schreibzeit) |
|
Als Potter das Geld unterschlagen
hatte, |
◄ |
stellte er sich freiwillig der
Polizei. |
◄ |
(Ich berichte:...) |
2.
Forme richtig um:
1) Mr. Potter, der 12 Jahre im Gefängnis
(sitzen), vor drei Monaten (entlassen
werden). →
2) Er - 12 Jahre im Gefängnis sitzen (müssen),
da er Geld (unterschlagen). →
3) Fisher - den Raub sehr komisch (finden), da
Potter mit seinem Lohn nie (unzufrieden sein).
→
4) Als man die Bücher (durchsehen), der Verdacht
- sich (bestätigen). →
3.
Ergänze richtig:
1) Nachdem Potter die Dollars
(stehlen).................................................................,
wurde er zu 15 Jahren Haft verurteilt.
2) Fisher, der zum Captain
befördert (werden).........................................................,
angelte gerade im Urlaub.
3) Mr. Hopkins sah in den Büchern, dass Potter
seine Taten nicht einmal (vertuschen)...........................
b) Korrektur nach Fehlerhinweisen: (Beispiel
aus einer Analyse von Werbetexten Jg.9)
|
Korrigiere
z. T. auf dem Blatt, schreibe z.T. die richtige Fassung ins Hausheft. (mit
Bezugsnummern!) |
|
|
1. Da das Ticket der Benutzung von
öffentlichen Verkehrsmitteln dient
kann der Slogan auch bedeuten dass wenn jeder dieses Ticket besitzt
dass dann jeder auch mit Bus oder Bahn fahren kann. |
Z Z
S |
|
2. In der Mitte des Fließtext ist noch ein
Slogan. |
G |
|
3. Das dient dazu dass wenn in einem das
Interesse schon geweckt ist man sich näher informiert. |
Z S |
|
4. Bei dieser Anzeige handelt es sich um eine
Dienstleistung. |
A |
|
5. Diese Anzeige ist eine dienstleistende
Werbung. |
A |
|
6. Der Slogan ist eine Assoziation. |
A |
|
7. Die Überschrift ist ein Jargon. |
A |
|
8. Der andere eye catcher der Apfel hat mit dem Ticket eigentlich nichts zu
tun. |
Z |
|
9. In der oberen Hälfte steht die
Überschrift, der eye catcher
und der Slogan. |
G |
c) Selbständig oder kooperativ Mängel
entdecken - Korrekturlesen und Berichtigung an eigenen Texten oder Mitschülertexten:
(Aus einer
Arbeit Jg. 9) Tragt in Partnerarbeit die
möglichen Fehlerzeichen ein:
Erarbeitet
gemeinsam Korrekturvorschläge. ↓
|
1. In der Novelle wird die Geschichte eines
Schlosses und dessen Besitzern erzählt. 2. Dieses wird mit sich in der Spannung
steigenden Worten verbunden. 3. Erst schadet er ihr, dass sie stirbt und
im Endeffekt stirbt er durch sie. 4. Dabei werden diese Verben immer mehr von
steigernder Spannung. 5. Der Ritter musste in dem Todes-Zimmer
übernachten. 6. Er hat die Alte ebenso unmenschlich
behandelt auf welch unmenschliche Art er zum Schluss selbst zu Tode gekommen
ist. 7. Vielmehr kommt es darauf an wie es dazu
kam. 8. Auch das schreckliche Ende lässt sich
durch die Wiederholung von „Stroh“ vorausdeuten. 9. So wird durch das immer wiederkehrende
Aufgreifen der beiden Leitmotive des Strohs und des Ofens Aufschluss auf den
Brand am Schluss des Textes gegeben. 10. Die in der Novelle verschlüsselte Lehre
besagt, dass eine besitzlose ungeachtete Frau im Endeffekt eine viel größere
Macht über einen reichen Adeligen besitzt als er über sie. 11. Die alte Frau verschied. Diese Stelle ist
der Auslöser für den Wendepunkt in der Novelle. |
|
d) freies Sammeln: Stilblüten -
Fehlertexte
Es
sind meist falsch eingesetzte Metaphern und Mängel im semantischen Feld sowie
Satzbrüche und falsch verwendete Redensarten.
Beispiel: Er zog den Säbel und schoss ihn nieder. - Mein Nachbar setzte sich mit dem Gartenstuhl so,
dass er umfiel, kaputt ging und
unbrauchbar wurde. - Ich fiel aus dem LKW auf die Straße, und zwar auf
das Gesäß. - Seither habe ich
leichte Kopfschmerzen. - Ich traf das Mädchen ungefähr in der Mitte der
Stoßstange. - Er brachte ihn an den Rand des Bettelstabes. - Ich hätte fast das
Übergewicht verloren. - Ich bedaure den kurzen Besuch. - Darf ich das Kleid im
Fenster anprobieren?
Sammelgelegenheiten
bieten vor allem die Seiten Kurioses
in Zeitschriften und Feuilletons.
In
den Medien findet man häufig Auseinandersetzungen um sprachliche
Auffälligkeiten.[31] Ebenso findet man Meldungen,
die man selbst sprachkritisch betrachten sollte. Dabei handelt es sich
vorrangig um semantische Probleme.[32]
- Der Lehrer bringt zunächst Beispiele ein, setzt dann aber die Klasse auf die
Spur, in Medien Entsprechendes zu finden. Dies kann ein Wochenauftrag sein oder
eine dauerhafte Suchhaltung. Beobachtungsfelder sind:
Aktualitätenbörse: Texte mit Schlagzeilen wie „Wörter des Jahres“,
„Unkraut soll Wildkraut heißen“, „Asylant - Karriere eines Unworts“, „Wort
gesucht: Das Gegenteil von 'durstig'„, „Sie fahren mit Abstand am besten“
Sprachliche Umwelt: Die Schüler sammeln sprachliche Auffälligkeiten in
Werbung, Medien, Geschäftsbezeichnungen, Schaufensterauslagen,
Formularsprache, etc.: neben Steak's vom Grill - Conny's Stricklädchen
sogar Menü's
heute
Sprachprojekte: Formen der Arzt-Patienten-Kommunikation
oder der Lehrer-Schüler-Kommunikation oder der Politiker-Fernsehmoderatoren-Kommunikation;
eine aktuelle Werbekampagne;
öffentlicher Umgang mit einem aktuellen politischen Begriff:
„Asylant-Asylbewerber-Asylberechtigte-Scheinasylant-Wirtschaftsflüchtling-Ausländer“;
eine Sprachmode wie gehäufter Ge-/Missbrauch von „irgendwie“ („Das sehe ich
irgendwie nicht ganz ein.“) oder von „...-mäßig“ („Mentalmäßig war
Boris Becker heute nicht gut eingestellt.“) oder von „Bereich“
(„Die zwei PKW stießen im Kreuzungsbereich zusammen.“); die Litfasssäule etc.
Phraseologischer Sprachgebrauch: Erwartet wird von Sprechern das authentische Sprechen,
ihre individuelle und unverwechselbare Redeweise; dahinter steht das Bild vom
einmaligen Subjekt. Tatsächlich benutzen wir in der Sprachgemeinschaft
vorgefertigte Redeformen und Sprachmuster; dahinter steht die Teilhaberschaft
jedes einzelnen an der Sprachgemeinschaft und Sprachkonvention. Neben
Redensarten, Sprichwörtern, Slogans, Parolen und Klischees gibt es weitere
Versatzstücke der Phraseologie: idiomatische Wendungen, in denen vorgestanzte sprachliche Formeln die Wirklichkeitsausschnitte,
Denkbilder und ideologischen Verarbeitungsmuster einholen: „der kleine Mann“,
„der Mann auf der Straße“, „wir sitzen alle in einem Boot“, „das liegt nur an
der Frauenquote“, „wir Unternehmer“, etc.
Unterrichtsbeispiel:
Stundenthema: Spracherfahrungen
der letzten Zeit (Jg. 9/10)
a) b)
|
Menschen
in Uganda als Hexen
getötet Kampala - Bei der Jagd nach
vermeintlichen Hexen und Zauberern sind in mehreren Dörfern im Osten Ugandas
in einer Woche mehr als 30 Menschen getötet worden. ... |
|
Kritik am Begriff „Dünnsäure“ Die Wörter „Dünnsäure“ und
„Verklappung“ sind nach Ansicht der Gesellschaft für Deutsche Sprache in
Wiesbaden verharmlosende Wortschöpfungen. Sie „kommen auf leisen Sohlen
daher, mit einer Tarnkappe, verstecken die Sache, zu der sie gehören.
„Dünnsäure“ sei kein chemischer Ausdruck. Es handele sich um „verdünnte
Schwefelsäure“, eine der gefährlichsten Säuren. ... |
Fokussierung: Die Schüler und der Lehrer haben nach vorbereitender langfristiger Aufgabenstellung Zeitungsausschnitte
mitgebracht und legen sie der Klasse zum entdeckenden Beobachten vor. Gemeinsam
paraphrasiert man den Text, um die sprachliche Auffälligkeit herauszuarbeiten.
- Man erklärt den Mechanismus des Phänomens und ggf. die Ursachen oder
Intentionen:
a)
Eine Zeitungsmeldung wird sprachkritisch untersucht: Auffällig ist die
ungewöhnliche Verwendung von „Menschen“ nur für weibliche Personen im
Gleichsetzungsnominativ; zumeist ist der
Sprachgebrauch gerade umgekehrt: die Kollektivbezeichnung ist eher maskulin
und meint ein feminines Kollektiv mit: z.B. die Mitarbeiter, jeder... -
Ursache: Verkürzung in der Schlagzeile, Aufschluss gibt der Text der Meldung:
„Hexen und Zauberer“ sind die „Menschen“, die Zauberer sind im Titel also nur
„mitgemeint“.
b)
Eine sprachkritische Meldung wird aufgegriffen: In einer Kampagne gegen die
Einleitung von verdünnter Schwefelsäure in die Nordsee durch deutsche
Chemieunternehmen meldete sich auch eine sprachkritische Stimme in der Presse.
- Häufig greifen Zeitungsleser sprachkritisch in Leserbriefen einen aktuellen
Sprachgebrauch auf oder an. - Die Schüler erkennen den euphemistischen
Sprachgebrauch am Beispiel „Dünnsäure“ über Assoziationen zu „dünn, verdünnt“
(Nicht stark, nicht schlimm...) - Sie erarbeiten ebenso den verharmlosenden
Mechanismus von „Verklappung“.
c)
sprachliche Formeln dialektisch betrachten lernen, von zwei Seiten sehen, aus
den Perspektiven „von oben und von unten“ betrachten; Konnotationen vom Denotat
unterscheiden: z.B. Deutschland, ein
„kollektiver
Freizeitpark“
- 1993 ein Kampfbegriff aus der Diskussion um den „wirtschaftlichen Standort
Deutschland“, die Lohnkosten und die Arbeitslosigkeit - gemeint: Deutschland,
ein „Faulenzerland“!
|
|
Freizeitpark |
|
|
von
oben: |
|
von unten: |
|
den
Arbeitnehmern geht es zu gut: zu
kurze Wochenarbeitszeit zu
kurze Lebensarbeitszeit zu
viele Pausen zuviel
Urlaub zuviel
Krankfeiern zu
früh in die Rente zu
kurze Maschinenlaufzeiten zu
hohe Lohnnebenkosten |
|
das
diffamiert die Leistung der Arbeitnehmer: Arbeitszeiten
sind tariflich geregelt und somit eine Form der Entlohnung Pausenzeiten
und Urlaub sind notwendig, damit die Konzentration, Leistung und Qualität der
Arbeit gesichert sind wer
will schon krank sein wer
will schon in den Vorruhestand und damit in die versteckte Arbeitslosigkeit? |
Man kann nun weiter eine Sammelmappe anlegen zu: Phraseologie - Idiomatische Wendungen
Redensarten
und bildliche Ausdrücke: Ihr habt
mich auf die Palme gebracht. - Er fühlt sich auf den Schlips getreten. - Sie
leben auf zu großem Fuße.
Sprichwörter: Was sich liebt, das neckt sich. - Es ist nicht alles
Gold, was glänzt.
Slogans und
Parolen: Kopf hoch! - Keine
Experimente! - Wir sitzen schließlich alle in einem Boot! - Trau keinem über
Dreißig.
sprachliche
Stereotypen: Die Zeiten sind ernst. -
Geld regiert die Welt. - Sie schneiden mal wieder schlecht ab. - der kleine Mann
- dar Mann auf der Straße - ihr da oben, wir da unten - So ist nun mal das
Leben. - ein schwerer Schlag - Wer A sagt, muss auch B sagen. - Man kann
einfach keinem mehr trauen.
Verschleierungsformeln: Müllentsorgung, Wohnpark
Leerformeln
und Klischees: Freiheit für
Autofahrer - ... mit Liebe gemacht - Das war sehr romantisch, interessant, sonderbar,
... - der Ernst des Lebens - bekanntlich - irgendwie
feste
semantische Wortkombinationen: Partei
und Regierung, Lesen und Schreiben,
Pauschalisierungen: die Polen, die Unternehmer, die Gesellschaft, die
Regierung ...
Indem
der Lehrer den Schülern konkret vormacht, wie man in der sprachlichen Ebene
arbeiten kann, sensibilisiert er sie dafür, dort auch aktiv zu werden, und
vermittelt zugleich Methoden, wie man sprachliche Eigentümlichkeiten von Texten
entdecken und genauer untersuchen kann. - Der Blick auf die sprachliche Ebene,
der Aufwand, auf die Grammatik zu schauen, muss sich lohnen. Er lohnt sich im
Literaturunterricht in der Regel, wenn dadurch ein vertieftes Textverständnis
entsteht. Die analytisch ermittelten sprachlichen Auffälligkeiten werden
interpretierend verarbeitet. - Der Blick lohnt sich für die Textproduktion,
wenn grundlegende Vertextungsstrategien erkannt werden, die man selbst beim
Schreiben zu beachten hat: Zum Beispiel kann man die pronominale Verkettung
eines Textes verdeutlichen, indem man auf dem Textblatt (als Folie) durch
Striche die Nomen und Pronomen verbindet, die zueinander gehören. So kann verfolgt
werden, wie in der Regel am Textanfang für den Leser zunächst die Nomen
(Personen, Dinge etc.) zur Informationssicherung gegeben werden müssen, ehe
sie durch Pronomen ersetzt werden; und wie auch im weiteren Textverlauf, wenn
der Bezug sonst zweifelhaft wird, ebenfalls wieder die Nomen verwendet werden
etc.
Unterrichtsbeispiel:
Stundenthema:
Semantische Analyse eines patriotischen
Gedichts des 19. Jahrhunderts (Jg. 9)
Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1840: Mein Vaterland
|
1 5 |
Treue Liebe
bis zum Grabe schwör ich dir mit Herz und Hand: Was ich bin und was ich habe, dank
ich dir,
mein Vaterland. Nicht in Worten nur und Liedern ist mein Herz zum Dank
bereit: Mit
der Tat will ich's erwidern dir in Not, in Kampf und Streit. |
10 15 |
In
der Freude wie im Leide ruf ich's Freund und Feinden zu: Ewig
sind vereint
wir beide, und mein Trost, mein Glück bist du. Treue Liebe
bis zum Grabe schwör ich dir mit Herz und Hand: Was ich bin und was ich habe, dank ich dir, mein Vaterland. |
Die
Schüler setzen sich zunächst spontan mit dem Text auseinander, der auf dem
Textblatt für die Schüler noch keinerlei heraushebende Formatierung aufweist,
sondern normal geschrieben ist. Sie gehen auf den Inhalt, einzelne Formauffälligkeiten,
die Epoche, die Intention, die Wirkung auf sie als Leser etc. ein.
Fokussierung: Aus dem ersten Umgang mit dem Text lassen sich ganz
sicher Umschaltpunkte finden, an denen die semantische Ebene konzentriert
angesteuert werden kann: in der Regel bei diesem Gedicht die „schwülstigen Gefühlsausdrücke“.
Nun legt der Lehrer den Text vergrößert und ebenfalls in Normalschrift auf
Folie vor. Durch Unterstreichen, Einfärben oder Markierungszeichen werden
systematisch im ganzen Text alle Stellen, die zu demselben „semantischen Feld“
der Gefühlsbezeichnungen gehören (s.u. fett
formatiert), markiert.
Der
Begriff „semantisches Feld“ wird geklärt als: Zusammenstellung der Wörter eines
Textes, die der Bedeutung nach zusammengehören und sich wie ein Netz über den
Text legen.
Die
Schüler suchen nun nach weiteren Feldern des Textes und markieren die
entsprechenden Wörter durch unterschiedliche, im Feld aber einheitliche Zeichengebung. Dies wird auf der Folie zusammengetragen.
So
entstehen nach und nach die semantischen Felder:
1.
fett = positive Gefühlselemente 2. kursiv = eher negative Elemente
3.
gesperrt = Kampfelemente 4. gelb hervorgehoben = Adressat Vaterland
5.
einfach unterstrichen = Ich-Zustand/Aktivität 6. Kapitälchen: Verknüpfung von ich und du
Mehrfachformatierung
= Überlagerung der Felder, d.h. Schwerpunktbildung
Zur
Interpretation wird nun von der systematischen Untersuchung ausgegangen, und die
ersten Beobachtungen zum Sprachgebrauch des Textes werden vertieft: das
Appellative, die Ich-du-Beziehung, die verschiedenen
Kontrastbeziehungen, die verbale Kampfbereitschaft, etc. Der sehr
grundsätzliche Ton des Gedichts, wie er in den generalisierenden und abstrakten
Begriffen erklingt, erscheint heutigen Schülern kaum mehr möglich. Dadurch
entsteht ein Übergang zur historisch-politischen Sicht des „Vaterlandes“ 1840
sowie zur emotionalen Sprache jener Epoche, die sich auch in den damals entstehenden
europäischen Nationalhymnen widerspiegelt. Danach kann man die eigene Sprache
zum Thema „Vaterland“ vergleichen.
Zusammenfassend
lässt sich sagen, dass neben den aufgeführten Beispielen des Fokussierens
vielfältige andere Methoden für den Schwenk von der Inhaltsebene auf die Ebene
der sprachlichen Mittel, ihrer Formen und Funktionen zur Verfügung stehen, mit
denen entdeckendes Lernen initiiert werden kann, so dass die Schüler beginnen,
sich auf der sprachlichen Ebene umzuschauen; so dass sie sprachbewusst Texte rezipieren und produzieren sowie explizit über die Sprache
reflektieren.
Voraussetzung
sind didaktisch ausgesuchte Texte und Sprachverwendungssituationen, in denen
ein grammatisches Phänomen
- authentisch, stark repräsentiert und
funktional vorkommt
- auffällig verwendet wird und somit stark
markiert ist.
Bei
der Erarbeitung eines Einzeltextes (z.B. Gedicht, Kurzgeschichte, Zeitungstext,
Dialog...), eines zentralen längeren Textausschnitts (z.B. aus einer
Ganzschrift, einem Essay, einer Rede) oder einer Reihe von Textstellen im
Überblick sowie bei der Produktion eigener Texte ergeben sich die
verschiedensten Zugriffe auf ein grammatisches Phänomen:
mit
offener Fragehaltung:
▪
Auffälligkeiten
im Text fixieren
▪
eine Kumulation sprachlicher Mittel
beobachten
▪
Wiederholungen
besonderer Formen aufgreifen
▪
Variationen
einer Form verfolgen
▪
Ungewohntes
aufgreifen
▪
„irreguläre“ Sprachverwendung feststellen
mit
gezielten Impulsen:
▪
Fehlermarkierung an Schülertexten, Medientexten und Werbung anbringen („BüroZentrum“)
▪
Bildimpulse:
z.B. Fotos von sprachlichen Auffälligkeiten in unserer Umwelt („Theo's Brotladen“)
▪
Textstellen kontrastieren und die sprachlichen Mittel
vergleichen
▪
durch Textverfremdung lenken: einen Text
entflechten (z.B. ein Gedicht, das vom Lehrer aus zwei Gedichten zusammengesetzt
wurde), einen Text stauchen (z.B. zwischendurch Informationen, Gliedsätze etc.
herausnehmen), im Text das Modus ändern (z.B. Verkehrsgebote als Möglichkeiten;
eine Phantasie als Wirklichkeit, eine Bittschrift als Befehlstext etc.)
mit
gezieltem Auftrag:
▪
die Warum-Frage
einsetzen: Warum werden bestimmte Mittel verwendet? (z.B. Warum erfolgt hier im
Text der Wechsel vom Präteritum ins Präsens?)
▪
die Wie-Frage einsetzen: Wie wird die
Intention sprachlich umgesetzt? (z.B. Wie wird in diesem Text Anschaulichkeit
erzeugt?)
▪
zum Experimentieren mit einer Textstelle
auffordern: Texte umformen, ändern, um über Formulierungsvarianten die
Funktion und Qualität der Originalfassung zu bestimmen
▪
Aufgabenstellung
zur Analyse eines Textes: semantische
Felder, Formen der Verknüpfung von Abschnitten, Technik des Sprecherwechsels
in Gesprächen etc. untersuchen lassen
▪
die Wirkung einer Textstelle auf den Einsatz
bestimmter Mittel zurückführen lassen
▪
die „Proben“ anwenden lassen:
Ergänzungsprobe, Streichprobe, Austauschprobe, Umstellprobe, Klangprobe etc.
Speziell
für die Anwendung und Übung, d.h. für Phase am Schluss des gesamten Lernwegs
(s. Schritt 10) der induktiven Einführung dient der Einsatz von Arbeitsblättern mit verschiedenen
Aufgabentypen, Produktions- und Spielformen.
Sie
können allerdings nicht den erarbeitenden Unterricht ersetzen, vor allem nicht
die induktive Einführung und vor allem nicht die Abläufe des Nachdenkens und kommunikativen Verarbeitens. Hier
liegt auch die Schwäche des sich ausbreitenden grauen Marktes von
Arbeitsblattsammlungen in Kleinverlagen und im Selbstverlag: Unter dem immer
wiederkehrenden Motto „Grammatik mit Spaß“, „Heitere Satzlehre“, „Lustige
Wortkunde“, „Unterrichtshits“, „Grammatik ohne Schrecken“ etc. wird letztlich
eine Arbeitsblattmethodik forciert, in der die Schüler nur noch ausfüllen, auf
Lücken reagieren, etwas sammeln, malen etc. Die Auseinandersetzung mit der
Sprache in Texten, die Reflexion, der Verwendungskontext, kurz: die funktionale
Grammatik kommen entschieden zu kurz oder fehlen völlig. - Die Vorzüge von
Arbeitsblättern liegen andererseits darin, dass die Schüler aktiv werden
können und der Grammatikunterricht nicht nur über die Reflexion erfolgt:
Methodenwechsel ist gefragt; ebenso Raum für Anwendung und Übung.
Arbeitsblätter sollten grundsätzlich
von Texten / Verwendungskontexten ausgehen oder auf sie hinzielen. Willkürlich zusammengewürfelte
Einzelsätze sind nicht im Sinne der funktionalen Grammatik.
Bei
der Anlage der Arbeitsblätter ist vor allem zu achten auf: Lesbarkeit des
Textes; übersichtliches und nicht zu enges Layout; i.d.R. Nummerierung von
Textzeilen, wenn auf sie Bezug genommen werden soll; eindeutige Angabe der von
den Schülern zu leistenden Operation
(mit Kreuzchen markieren - unterstreichen - Lücken ausfüllen etc.); genügend
Platz zum Schreiben und Eintragen von Schülerhand; Verteilung verschiedener
Operationen auf verschiedene Aufgabennummern; motivierende Stimuli (z.B.
optische Effekte, Ansprache der Schüler etc.); Benennung der Sozialform
(alleine, mit dem Partner...); ggf. Lösungshinweise und Hilfen; ggf. Angabe des
Zeitrahmens. Die Anlage der Arbeitsblätter mit dem Computer bietet den Vorteil,
dass man leicht von einem einmal erstellten Muster verschiedene Fassungen
herstellen kann, indem man Textteile umstellt, austauscht etc.
Arbeitstext: Die Schüler erhalten einen Text, an dem sie mit
einem konkreten Auftrag Sprachliches beobachten und weiter untersuchen sollen:
z.B. Sie unterstreichen in einer Fabel alle Adjektive oder schreiben sie
heraus, um die Opposition des starken und des schwachen Protagonisten zu
erkennen.
Lehrtext: In erklärender Form und mit einem Beispiel wird eine
grammatische Erscheinung dargestellt, bei deduktivem Verfahren der Erarbeitung
vorangestellt, bei induktivem Verfahren der Erarbeitung angefügt: z.B. „Die Hilfsverben, die zur Bildung der
zusammengesetzten Zeiten benötigt werden, heißen: haben, sein, werden. Beispiel:
Heute wechselt Conny die Zündkerzen. Letztens hat Timo sie gewechselt.“
Merktext: Ein Arbeitsblatt kann mit einem Ergebnis
abschließen, das die Schüler wie eine Regel zur Wiederverwendung behalten
sollen: z.B.
|
Der
Konjunktiv I kennzeichnet indirekte Rede. Er
ist nötig, wenn ... -
kein redeeinleitendes Verb verwendet wird -
und / oder ein Signalwort (dass, ob...) fehlt -
Sie sagte, sie habe gewonnen. |
Lückentext/Einsetzübung: Der Lehrer fügt Lücken in einen Text. Die Schüler
fügen ein vorgegebenes oder ein selbst gefundenes Element ein und wenden dabei
grammatische Kenntnisse an; sie setzen beispielsweise nach einem vorgegebenen
Infinitiv die flektierte Verbform ein: z.B.
Im
folgenden Text siehst du Lücken. Die Satzklammern fehlen. Wähle aus den
Infinitiven unten
aus
und setze richtig ein: Die Märzsonne ________ den Igel aus seinem
Versteck ______.
Er
_______ sich _____ und ________ aus seinem Nest ______. usw.
→ hervorlocken, aufrollen, herauskrabbeln usw.
Oder:
Verwende eine Modalform: z.B. Gestern ..............
die Kinder ein Lied ....................... . (singen)
Freiantwortaufgabe: Die Schüler erhalten die Möglichkeit, eine
Erkenntnis selbständig zu formulieren, etwas zu erklären etc.: z.B.
Erkläre die Funktion der
Modalverben im Satz (aus der Textvorlage): _____________________
Oder:
Erläutere
die Form und Funktion der unterstrichenen Textstellen:
Rufus, den
Rauhaardackel, hörten wir in der Ferne kläffen. ...
Erklärungsaufgabe: Dieser Aufgabentyp ist zentral für die funktionale
Grammatik. - Beim Erklären sollen die Schüler frei ausformulieren, z.B. was
ihnen an der Wahl sprachlicher Mittel auffällt, was ihnen an den
sprachlichen Formen in einem Text auffällt, nach welcher Regel
ein Satz oder Text gebildet ist, welche Funktion die Formen im Kontext
haben, welche Wirkung sie erzielen, wie man es anders ausdrücken könnte,
welche Varianten zur Verfügung stehen. - So nähert sich dieser Typ auch
dem Interpretieren unter sprachlichem Aspekt. Er schließt sich an andere
Aufgaben an, z.B. an das Sammeln, Sortieren, Umformen, etc.
Interpretationsaufgabe: Die Schüler höherer Jahrgangsstufe beschreiben und
deuten die Wirkung sprachlicher Formen in einem Text und erschließen/deuten
ggf. die Autor-/Textintention:
z.B.
Interpretiere die sprachlichen Mittel in der folgenden Werbung (als Teil einer
ganzen Werbeseite):
|
>
„Der Abend war ein einziger Genuss“, sagte er. „Nur ein einziger?“ fragte
sie. < |
Gestaltungsaufgabe: Die Schüler können nach der Erarbeitung eines grammatischen
Phänomens in einer freien Anwendungsaufgabe beim
eigenen Schreiben ihre Kenntnisse umsetzen: Sie schreiben einen Text, in dem
sie den Konjunktiv II benutzen: Was wäre, wenn einmal für eine Woche das
Fernsehen ausfiele? - Die in der Aufgabenstellung gewählte Textsorte muss den
Gebrauch des gewollten grammatischen Elements nahe legen, es muss in ihr also
natürlich stark repräsentiert und funktional vorkommen (s.o.).
Oder:
Die Schüler gestalten einen Erzähltext, in dem sie an der spannenden Stelle
einen Tempuswechsel durchführen.
Zuordnungsaufgabe: Die Schüler ordnen z.B. grammatische Fachbegriffe
entsprechenden Stellen in einem Text oder Textteilen zu. Sie beweisen damit,
dass sie durch Reflexion und Anwendung ihrer grammatischen Kenntnisse beim Beobachten
an Texten Transfer leisten können:
z.B.
Ordne die richtige Ziffer den entsprechenden Wörtern im Text zu (Schreibe sie
über das Wort.): Bald war es soweit.
Heute sollte es heftig schneien. Ich holte gespannt meinen neuen Schlitten
heraus. Dann schaute ich in den grauen Himmel. ...
Adjektiv = 1 / Adverb = 2 / Pronomen = 3
Ergänzungsaufgabe: Die Ergänzungsübung gibt z.B. sinnvolle Teilsätze
vor sowie logisch zugeordnete Elemente oder Begriffe, und die Schüler sollen
korrekte Texte bilden: z.B.
Heute kann Miriam nicht ins Kino gehen. - Grund!
→ Heute
kann Miriam nicht ins Kino gehen, weil sie noch arbeiten muss. etc.
Oder:
Die Schüler setzen in einen vorgegebenen Regeltext die von der Sache her
notwendigen Begriffe ein; speziell zum Einschleifen von Fachbegriffen:
z.B. Setze die richtigen Fachbegriffe zum SATZBAU
ein:
Nicht
alleine stehen kann der _______________. Er muss mit einem __________________
verbunden sein. Die Verbindung erfolgt zumeist durch eine _____________.
Zusammen bilden beide ein ____________.
Dieses hat die Funktion, mindestens zwei verschiedene ____________ zu
einer Einheit zu verbinden. etc.
Ersetzungsaufgabe: Die Schüler schreiben grammatische Varianten zu
einer Textstelle:
z.B. Ersetze im folgenden Text alle Adverbiale durch
Adverbialsätze.
Beispiel:
Nach dem Essen legten sie sich hin. → Als sie zu Ende gegessen hatten, legten sie
sich hin. ...
Oder:
Sie korrigieren falsch verwendete Formen, z.B. Wechsel Nomen/Pronomen:
Wechsle
im folgenden Text leserfreundlich Nomen und Pronomen: Sie trafen sich vor der Stadt. Die
Schildbürger wollten ihm auf die Schliche kommen. Doch der Bürgermeister war
gewarnt worden. ...
Identifikationsaufgabe: Die Schüler ermitteln aus einem Text bestimmte grammatische
Elemente: z.B. Unterstreiche im Text alle Konjunktionen:
Wenn
du mit dem Spiel beginnst, siehst du zuerst ein Menü. Du wirst gefragt, ob du
ein neues Spiel beginnen oder ein altes fortsetzen willst. Dann musst du
deinen Namen und dein Alter eingeben, damit du im Spiel angesprochen werden
kannst und damit zwei gleichnamige Spieler unterschieden werden. ...
Sortieraufgabe: Zur Übung des Klassifizierens sortieren die Schüler
aus einem Text sprachliche Elemente nach vorgegebenen Merkmalen / Begriffen
/o.ä.: z.B.
Die
Schüler sortieren infinite und finite Verbformen aus
einem Text in entsprechende Spalten.
Oder:
Sie sortieren Nomen, nominalisierte Verben und nominalisierte Adjektive in
entsprechende Spalten.
Oder:
Sie sortieren verschiedene grammatische Varianten der Sprachhandlung
„Auffordern“ in Spalten. ...
Eine
Erklärungsaufgabe (s.o.) für den variierenden Sprachgebrauch oder die Wirkung
der Varianten würde sich dann sinnvoll anschließen
Umformungsaufgabe /Transformationsübung: Die Schüler verändern an einem Text nach einer
grammatischen, stilistischen oder situativen
Vorgabe einzelne Teile. Vor allem bei einer Veränderung der Intention, der
Perspektive, der Textfunktion können die Folgen sprachliche veränderter
Formulierungen erprobt werden: z.B. Verwandle deine Nacherzählung mit
wörtlicher Rede in eine kurze Inhaltsangabe mit geraffter Redewiedergabe. -
Dabei kann die Verwendung der indirekten Rede beobachtet werden.
Oder:
Umformung einer sprachlichen Erscheinung in eine andere: z.B. Setze den
folgenden Text ins Perfekt:
Ich
stehe um 8 Uhr auf. Beim Frühstück lese ich die Zeitung... → Ich bin um 8
Uhr aufgestanden. ... -
Dabei
kann der Übergang vom Beschreiben eines Tagesablaufs zum Erzählen von einem
bestimmten Tag nachvollzogen werden.
Anwendungsübung: Die Situation ist vorgegeben. Das sprachliche
Material ist frei zu benutzen und einzusetzen. Der Lösung ist kein Muster
vorgegeben: z.B.
Vorgabe
der Situation: Schreibe einen „Kaufdialog im Supermarkt“ ←Anwendung von
Imperativvarianten
Vorgabe
einer Bilderserie und Auftrag: Erzähle
die Geschichte ← Anwendung
der Tempora/Tempuswechsel
Transferübung: Anwendung eingeübter Strukturen an neuen Situationen
und Inhalten - z.B.
vom „Kaufdialog im Geschäft“ zum
„Ausleihen eines Buches in der Stadtbücherei“ (Aufforderungen)
Mit
Folien für den Tageslichtprojektor kann man sich eine Sammlung von Texten,
Aufgaben oder Grafiken anlegen, die man immer wieder einsetzen kann.
Arbeitsfolien: z.B. An einem Erzähltext mit zwei
verschiedenfarbigen Folienstiften alle Verbformen im
Präteritum sowie im Präsens unterstreichen lassen und den Tempuswechsel
beobachten und deuten.
Textfolien: z.B. Ein Merktext (s.o.) wird durch Projektion zum Abschreiben
vermittelt; zur Kontrolle kann er am nächsten Tag in Teilen abgedeckt (s.u.) wieder aufgelegt werden.
Folien abdecken: Was die Schüler noch erschließen sollen, auf der
Folie aber schon geschrieben steht, zunächst mit einem entsprechend großen
Papierstück abdecken: z.B. Die Schüler
haben an dem Tempuswechsel beobachtet, dass der Wechsel vom Präteritum ins
Präsens die Funktion hat, den Höhepunkt nahe zurücken; sie ergänzen den Satz
zur Begriffsbildung und Funktionsbestimmung:
„Den Übergang vom Präteritum zum
Präsens nennen wir ____________________________.
In einer Erzählung hebt er den
_____________________________ hervor.“
Oder:
In einem Gedicht werden alle Adjektive abgedeckt, und in einer semantischen
Analyse werden sie aus dem Kontext erschlossen und nach Aufdecken verglichen
oder verifiziert.
Folien überblenden: Was im Unterricht immer wieder benutzt werden soll,
auf einer Grundfolie „permanent“ schreiben, dabei an Stellen, an denen die
Schüler Lösungen finden sollen, Lücken lassen; auf einer darüber gelegten
Überlegfolie von Hand das Gewünschte in die Lücken eintragen (lassen):
z.B.
in einem Gedicht auf der Grundfolie die finiten Verben auslassen, von den
Schülern aus einer Infinitivliste auf einer Überlegfolie einsetzen lassen,
eine zweite Überlegfolie in anderer Farbe mit den Originaleinträgen zur
Kontrolle darüber oder daneben legen.
Folienspiele: Wenn mit sprachlichen Elementen umgegangen wird, die
zu größeren Einheiten zusammengefügt werden sollen, können die Elemente wie
ein Puzzle aus Folienstreifen
hergestellt, zunächst willkürlich aufgelegt
und dann von den Schülern sinnvoll
angeordnet werden: z.B. Satzglieder, aus denen ein Satz zu bilden ist; Sätze
im Text umstellen; aus einer Sammlung Adverbien in Sätze einfügen; aus einer
Sammlung von Konjunktionen wählen und Sätze aneinander koppeln etc.
Mit
Grafiken werden Sprachstrukturen veranschaulicht, Lernergebnisse festgehalten
etc. Dabei sind Grafiken auch aus verschiedenen wissenschaftlichen
Grammatiken einsetzbar, da es in der Schule nicht auf die Konsequenz eines
linguistischen Ansatzes, sondern eher auf die verschiedenen
Darstellungsmöglichkeiten sprachlicher Erscheinungen unter verschiedenen
Aspekten ankommt. - In produktiver Arbeitsform
können die Schüler selbst grafische Vorschläge entwickeln und ein
grammatisches Phänomen grafisch veranschaulichen: z.B. die Satzklammer durch
Klammerbögen herausstellen; die Perspektive bei indirekter Rede durch eine
Zeichnung von Comicfiguren mit Richtungspfeilen und Sprechblasen
veranschaulichen; die Kongruenz zwischen Satzgliedern durch gleichartige
Unterstreichungen nachweisen, die rechts- oder linksorientierte Attribuierung durch eine Einfügungsklammer vor oder hinter
dem Bezugsnomen () anwenden etc.
- Modelle zur Wortbildung, zum Satzbau, zur Attribuierung,
zum Bedingungsfeld von Sprachhandlungen, zu Tempusbezügen, zur Intonation etc.
sind verbreitet:
Satzbaukasten:
|
Satzglied |
Subjekt
|
Prädikat
|
Adverbiale |
Adverbiale |
|
Beispiel |
Der
Hund |
sprang |
mit
einem Satz |
über
den Zaun |
Prädikatsklammer:
|
Der
Hund |
kam |
am
Nachmittag aus dem Dorf |
zurück . |
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Attribuierung im Vorfeld - als Stammbaumanalyse:

oder
als Bezugspfeilmodell:
Satz-Strukturmodelle: Die
Schülerin leiht ihrer Freundin ein spannendes Buch.

Kongruenz: Sie
hatten ihre Bücher weggelegt.
Textuell
wirksame Zuordnung adverbieller Bezüge:
a) Sie fahren ¦ mit Abstand ¦ am besten.
b)
Sie fahren mit Abstand ¦ am besten. c) Sie fahren ¦ mit Abstand am besten.
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Pronominalverknüpfung: Die
Kinder hatten ihre Bücher weggelegt.
Satzfigur im Stufenmodell:
Das
Buch, das alle Schüler sofort gekauft haben, obwohl es teuer war, und auch
gleich gelesen haben, muss äußerst spannend sein.
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Die „Proben“ [33]