der Studienseminare Sekundarstufe II
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Herrn Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen Wolfgang Clement Stadttor
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Frau Ministerin Gabriele Behler Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen Völklinger Str. 49
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Vorsitzender des Schulausschusses des Landtages NRW Platz des Landtags 1 Postfach 40002 Düsseldorf
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Bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen Platz des Landtags 1 Postfach 40002 Düsseldorf
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Bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen Platz des Landtags 1 Postfach 10 11 43 40002 Düsseldorf
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Bildungspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen Platz des Landtags 1 Postfach 40002 Düsseldorf
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Bildungspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Platz des Landtags 1 Postfach 40002 Düsseldorf
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Landeselternschaft der Gymnasien in NRW Mühlenstr. 129 41236 Mönchengladbach |
Vorsitzender des Landesarbeitskreises der Fachleiterinnen und Fachleiter NRW Herrn OStD Andreas Pfennings Malmedyer Str. 61 52066 Aachen |
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Bezirksregierung Köln Dez. 45 Herrn Dr. Raue 50606 Köln |
Redaktion „Seminar“ Dr. Evelyn Jolles-Neugebauer Nußbaumerstr. 76 50823 Köln |
Staatliches Prüfungsamt für Zweite Staatsprüfungen für Lehrämter an Schulen Wagnerstr. 10 40212 Düsseldorf |
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir Fachleiterinnen und Fachleiter für das Fach Deutsch an den Studienseminaren der Sekundarstufe II erklären uns nicht einverstanden mit dem gegenwärtigen
durch die neue „Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Zweiten Staatsprüfung für Lehrämter an Schule (OVP)“ des Landes NRW vom 12.12.1997.
Trotz der Erklärungen in der OVP § 6 zum „wissenschaftlich fundierten Prozess“ des Vorbereitungsdienstes und eines Hinweises auf den „fachwissenschaftlich fachbezogenen und fachübergreifenden Unterricht“ entsteht mit der neuen OVP ein Abbau der Entwicklung fachlicher Kompetenzen der Referendarinnen und Referendare zugunsten einer allgemeinen Pädagogisierung. Dies zeigen die Erfahrungen im ersten Durchlauf der neuen OVP an den Studienseminaren.
Die im Primarbereich begonnen Überlegungen für die neue OVP wurden vom Ministerium undifferenziert auch auf die gymnasiale Oberstufe übertragen, - ohne Rücksicht auf die in dieser Schulform /-stufe deutlich anderen Ansprüche an Fachlichkeit. D.h.:
1. Es gibt nur noch 5 Unterrichtsbesuche der Fachleiterinnen und Fachleiter statt der früheren 8 - 10, in denen die fachdidaktische und fachliche Beratung und Betreuung erfolgt.
2. Es gibt in den Fächern keine Gruppenhospitationen mehr, in denen früher innovativ gearbeitet wurde und fachdidaktisch mit allen Teilnehmern auch die fachlichen Standards am Beispiel erörtert wurden.
3. Es kann keine selbständige und gründliche Einarbeitung ins Fach und in die Fachdidaktik mehr erfolgen, da wegen des selbständigen Unterrichts der Referendarinnen und Referendare ab dem zweiten Ausbildungshalbjahr im ersten Halbjahr nur noch Kurzeinführungen und eine Rezeptologie möglich sind. Referendarinnen und Referendare sind so keine „Lernersubjekte“ mehr, wie es noch kurz vorher Leitlinie des Ministeriums für die Fachseminar-Rahmenpläne war!
4. Im Planungs- und Entwicklungsgespräch (PEG) am Ende des zweiten Ausbildungshalbjahrs, das die früheren Zwischengutachten abgelöst hat und in dem auf die „Entwicklung von Qualifikationen“ (§ 16) einzugehen ist, sind nicht unbedingt mehr die Fachleiter und damit die fachspezifische Perspektive vertreten.
5. Die Beurteilung der Fähigkeit der Referendarinnen und Referendare, „Schülerinnen und Schüler in ihren fachlichen Leistungen [...] zu fördern“ (§ 17 VV 17.3), ist explizit dem Schulleiter aufgetragen, der zumeist gar nicht das entsprechende Fach vertritt.
6. Mit der Verkürzung der Hausarbeit im Zweiten Staatsexamen auf ca. 30 Seiten und vier Wochen Arbeitszeit neben dem selbständigen Unterricht und dem Ausbildungsunterricht ist ein Abbau an fachlichem Anspruch und entsprechender Gründlichkeit erfolgt.
7. Bei den Beurteilungskriterien für die Hausarbeit sind der „sachliche Gehalt“ und die „Methodenbeherrschung“ als explizite Aspekte aus der vorigen OVP nun entfallen. (§ 58.5)
8. Die Bedeutung der Langzeitbeurteilung der Referendarinnen und Referendare durch die Fachleiter ist auf 8 2 % je Fach am Gesamtergebnis der Zweiten Staatsprüfung reduziert.
9. Auch wenn die fachliche Qualität in den Anforderungen für die unterrichtspraktischen Prüfungen (UPP) angesprochen ist - „Stand der jeweiligen Fachdiskussion“ (§ 59.2) -, kann nun aber statt eines unterrichtlichen Vorhabens auch ein außerunterrichtliches Vorhaben Gegenstand der UPP sein (§ 59.3).
10. Das Kolloquium zum Abschluss des Examens wird nun i.d.R. ohne Fachleiter mit den entsprechenden Fächern der Referendarin oder des Referendars stattfinden; es geht nur noch um ein allgemein-pädagogisches Gespräch, dessen Themen der Kandidat festlegt: „Theoriekenntnisse“ zu „zentrale(n) Bereiche(n) des Lehrerhandelns“ (§ 60.2).
11. Der Abbau der Fachlichkeit zeigt sich auch an der mit der OVP neu eingeführten Funktion der Ausbildungskoordinatoren an den Schulen (AKOs): Sie sind mit schulpraktischen Aufgaben befasst und können die Reduktion der fachlichen Ausbildung und Beratung nicht ausgleichen.
12. Diese vom Schulleiter bestellten Ausbildungskoordinatoren haben i.d.R. keinen besonderen Qualifikationsnachweis, der dem aus vier Prüfungsteilen bestehenden Revisionsverfahren für Fachleiterinnen und Fachleiter äquivalent wäre und in dem bisher noch immer der Nachweis auch fachlicher Kompetenz entscheidend war. Trotzdem sind die „Verfahren der Qualitätssicherung“ in das schulische Begleitprogramm verlegt worden (§ 14.2).
13. Die neue OVP zeigt keinerlei Unterscheidung für die fachlichen Anforderungen nach Schulformen und Schulstufen!
14. Die Erfahrungen im ersten Durchlauf der neuen OVP an Studienseminaren bestätigen, dass die Referendarinnen und Referendare ihre Ausbildungsverpflichtungen selbst neu gewichten und die fachliche und fachdidaktische Ausbildung zurückzustellen versuchen: Ab dem zweiten Halbjahr laufen die Fachseminare und die fachdidaktische Beratung Gefahr, nur noch störendes Anhängsel ihres Einsatzes in der Schule zu werden, in der sie unter die Zwänge des Stundenplans und der schulischen Termine geraten. Dies hat zur Folge, dass die Referendarinnen und Referendare für die Beratung durch die Fachleiterinnen und Fachleiter oft kaum noch Zeit haben. Auch die zunehmenden Selbstverpflichtungen der Referendarinnen und Referendare für Zusatzaktivitäten in den Schulen wie ihre Zustimmung zu zusätzlichen Beauftragungen durch die Schulen sind unter dem Aspekt einer immens höheren Abhängigkeit vom Schulleiterurteil in der Gesamtnote zu verstehen. Sie führen aber u.a. auch zu häufigerem Fehlen in den Fachseminaren, so dass eine kontinuierliche fachdidaktische Arbeit unterlaufen wird.
Dieser Abbau der Fachlichkeit in der Lehrerausbildung ist beschlossen
Ø trotz der neuen Bestrebungen im Ministerium um „Qualitätssicherung“ und der Festlegung: „Der Unterricht gilt als Kern der schulischen Arbeit.“ (Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung: RdErl. „Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung...“ vom 9.12.1998 - 832.30-40/47-263/98)
Ø trotz TIMMS, Baumert-Expertise und Weinert-Studien mit ihren Hinweisen auf die hohe Bedeutung des gut strukturierten fachlichen Lernens
Ø trotz der neuen Lehrpläne im Fach Deutsch für die Sekundarstufe I und II, die eine erhöhte fachliche Ausbildung der Schülerinnen und Schüler einfordern, auf die die neuen Referendarinnen und Referendare nun nicht hinreichend eingestellt werden können.
Mit einstimmigem Beschluss haben die Fachleiterinnen und Fachleiter für das Fach Deutsch an den Studienseminaren der Sekundarstufe II auf ihrer Tagung in Bensberg am 6. Juni diese Resolution gegen den Abbau der Fachlichkeit in der Lehrerausbildung verabschiedet.
Wir bitten eindringlich um eine entschiedene Revision der z.Zt. gültigen OVP.
Mit freundlichen Grüßen
i.A.
Günther Einecke, StD
Fachleiter für Deutsch
am Studienseminar Jülich
Kurfürstenstr. 20 a - 52428 Jülich
Tel. 02461/52545 * Fax: 02461/52631