Günther Einecke:
Reflexion über
Sprache in der Sekundarstufe II - drei Unterrichtswege
(In: Reflexion über Sprache in der Sekundarstufe II -
drei Unterrichtswege. In: Fachverband Deutsch im Deutschen Germanistenverband
LV NRW (Hrsg.): Der Deutschunterricht auf der gymnasialen Oberstufe nach dem
neuen Lehrplan. Tagungsbericht. Bonn 2000, 68-98)
1. Intentionen und
Setzungen der neuen Richtlinien und Lehrpläne zum Bereich „Reflexion über
Sprache“ im Überblick
Im Folgenden werden aus den neuen Richtlinien und Lehrplänen (RLL)[1] die Angaben zum Bereich „Reflexion über Sprache“ herausgefiltert:
Ziele des Deutschunterrichts: u.a. Sprachliche Kompetenz - sprachliche Verstehens- und Darstellungskompetenz (RLL 5)
Bereiche: Sprechen - Schreiben - Umgang mit Texten und Medien - Reflexion über Sprache -
Methoden des fachspezifischen und fächerübergreifenden Arbeitens
1) Reflexion über Sprache als bereichsübergreifendes Grundprinzip (RLL 22, 33): Sprache in
Funktionszusammenhängen - im forschenden Lernen - in Formulierungsentscheidungen
2) Reflexion über Sprache als spezieller Bereich (RLL 22, 33, 35):
2 a) als Schwerpunkte für eigenständige UV (Unterrichtsvorhaben) oder
2 b) in andere UV integriert
Obligatorik (RLL 35):
verbindliche Anzahl der Unterrichtsvorhaben zur Reflexion über
Sprache:
Jg. 11: 1 UV von 4
Jg. 12/13: GK: 2 von 7 UV (bei 2 UV je Hj.)
LK: 3 von 10 UV (bei 3 UV je Hj.)
Themen zur Reflexion
über Sprache:
▪ Denken, Verstehen, Lernen
▪ Kommunikation, Kommunikationstechnologien
▪ Sprachentwicklung
▪ Sprachvarietäten
▪ Sprachstruktur, Sprachfunktion
Diese Gegenstände sind Schwerpunktthemen für explizite UV, oder sie werden in andere UV integriert. Dabei soll in der Sequenzfolge der Oberstufe auf Progression in den Unterrichtsvorhaben und auf die Möglichkeit des Rückgriffs auf Vorwissen im Rahmen des kumulativen Lernens geachtet werden.
Beispielsequenzen der Richtlinien und Lehrpläne mit explizitem Bereichsbezug zur Reflexion über Sprache (RLL 54 ff.):
|
11/I |
1. UV |
Kommunikation in Erzähltexten - kommunikative Prozesse im Unterricht |
|
11/II |
2. UV |
Wissenschaftssprache und Medienöffentlichkeit (nach: „Wissenschaftlerdrama“) |
|
12/II |
2. UV |
Sprachstrukturen und Sprachfunktionen (zu: eigene Argumentation / Facharbeit; sprach- oder literaturtheoretische Sachtexte, Essays |
|
13/I |
2. UV |
Sprachskepsis - Sprachkritik (im Kontext: Epochenumbruch 19./20. Jh. |
|
13/II |
|
Begegnung von Kulturen in Sprache und literarischen Texten (zu: deutsche und nichtdeutsche Literatur) - Mehrsprachigkeit - Übersetzung |
Aufgabenschwerpunkte:
1. Strukturen der Sprache als System und Funktionen ihres Gebrauchs in Texten und Kommunikationssituationen kennen lernen und beschreiben können:
▪ Erweiterung der grammatischen und stilistischen Kompetenz in der Arbeit an und mit
▪ Texten und Medien - nicht isoliert (RLL 23)
▪ Argumentation
▪ Rhetorik
2. Sprache als Ergebnis von ontogenetischen, historischen und interlingualen Entwicklungsprozessen verstehen:
▪ Spracherwerb: interlingual, d.h. interkulturell / Mehrsprachigkeit
▪ Sprachwandel: Epochenumbrüche / Bedeutungswandel (Arbeit an Begriffen)
3. Sprachvarietäten untersuchen und angemessen verwenden können:
▪ Sprachebenen stilistisch unterscheiden - Sprachnormen
▪ Jugendsprache, Jargon...
▪ Fachsprachen, Wissenschaftssprache
4. über das Verhältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit nachdenken:
▪ sprachtheoretische und sprachphilosophische Themen - Sprache und Denken
▪ Sprache und Wirklichkeit oder Fiktion
▪ Sprache und Popularisierung fachwissenschaftlicher Erkenntnisse
5. Veränderungen im Denken, Wahrnehmen und Kommunizieren durch die Informations- und Kommunikationstechnologien reflektieren:
▪ Sprach- und Medienkritik
▪ Massenmedien und Bewusstseinsindustrie
▪ Journalismus
▪ Internet
Arbeitsweisen im Bereich Reflexion über Sprache (RLL 26):
- operativ-kreatives Eingreifen in Sach- und Medientexte: Umgestaltung - sprachanalytische Operationen
- Textoptimierung: Operationen, Schreibkonferenzen, Gespräche über eigene Texte, Überarbeitung
- situativ oder in Lernarrangements: Sprachnormen und sprachliche Mittel reflektieren
- publizistische Sachtexte zu den sprachtheoretischen Themen
- fachübergreifendes und projektorientiertes Arbeiten
Methoden sprachanalytischer Arbeit (RLL 27 f.):
- Arbeit an Begriffen
- Beschreibung, Analyse und Bewertung von Formulierungsentscheidungen
- Beobachtung und Erprobung argumentativer und rhetorischer Strategien
- in versch. Kommunikationssituationen
- rezeptiv und produktiv
→ Integrativer Unterricht ist entscheidende Voraussetzung dafür,
dass die stilistische und grammatische Kompetenz der Jugendlichen erweitert
werden kann.
Reflexion über Sprache in
den Aufgabenarten für Klausuren und Abitur (RLL 75 ff.):
Aufgabenart I: Analyse
eines Sachtextes mit weiterführendem Schreibauftrag
z.B. sprachtheoretische Texte, sprachkritische Abhandlungen, Reden...
Aufgabenart II: Analyse
eines literarischen Textes mit weiterführendem Schreibauftrag
z.B. mit explizitem Auftrag zur Analyse der
sprachlichen Gestaltungsmittel
Aufgabenart III: argumentative
Entfaltung eines fachspezifischen Sachverhaltes
bzw.
Problems oder eines
Problems, dessen fachlicher Hintergrund aus dem
- unter Vorgabe einer
Kommunikationssituation
z.B. zu sprachlichen Problemen wie Sprachlenkung,
Kommunikationsstörungen etc.
2. Drei Planungsebenen
- drei Unterrichtswege
Die Fachkonferenz und die einzelnen Deutschlehrerinnen und -lehrer sind gefordert, die Bestimmungen der Obligatorik umzusetzen und in die zur Verfügung stehende Zeit - Unterrichtsvolumen: GK ca. 95 Stdn./Schj., LK 155 Stdn./Schj. - einzupassen.
Dabei ist neben der inhaltlichen Festlegung für die Lernbereiche noch zu beachten:
Einführungsphase Jg. 11: 4 UV (darin 1 zu Reflexion über Sprache)
- darin 1 UV fachübergreifend/fächerverbindend und 1 UV projektartig!
Qualifikationsphase Jg. 12 und 13:
GK: 7 UV (darin 2 zu Reflexion über Sprache)
LK: 10 UV (darin 3 zu Reflexion über Sprache)
- darin 1 UV fachübergreifend/fächerverbindend und 1 UV projektartig!
Und es wird eine Kombinatorik
erfolgen müssen:
- Probleme der Lebenswelt
- Lernbereiche: Sprechen und Schreiben - Umgang mit Texten - Reflexion über Sprache
- Epochen: GK: 3 Epochen/-umbrüche (18./19.Jh., 29/20.Jh., Gegenwart) - LK: 5 Epochen/-umbrüche (d.h. zusätzlich „15/16.Jh.“ und Nachkriegszeit) - keine lineare Literaturgeschichte
- Gattungen: 2 Lyrikreihen, 2 Dramen, 2 Romane/längere Erzählungen, 1 längerer Sachtext, 1 Literaturverfilmung (kann im GK 1 Drama oder 1 Roman ersetzen)
- Methoden: zum Textverstehen, zur Sprachanalyse, zur Textproduktion, zur mündlichen Kommunikation
Zentraler Planungsvorgang bei der Gestaltung eines Haus-Curriculums: Es ist zu entscheiden, welche Themen der Sprachreflexion in expliziten Unterrichtsvorhaben oder aber in andere Unterrichtsvorhaben integriert behandelt werden sollen. Dabei ist im eigenen Interesse zu berücksichtigen, welche Nutzungsmöglichkeiten das eingeführte Lehrwerk bietet.
Schließlich wäre für die Parallelarbeiten in Jg. 11 oder 12 zu entscheiden, ob ein Thema aus dem Bereich Reflexion über Sprache bezogen wird.
2.1 Explizite
Unterrichtsvorhaben
Beispiel für ein Schulcurriculum Sek. II nach dem Sequenzmodell des Lehrplans Deutsch NW
-mit Blick auf explizite
Unterrichtsvorhaben im Schwerpunkt
Reflexion über Sprache →
R
-und unter Einsatz eines
Lehrwerks als Leitmedium, z.B.: „Facetten“
(Klett 2000) →
Kap.
-die Übersicht zeigt im
Halbjahr 2 Unterrichtsvorhaben für den GK, die weiteren thematischen Hinsichten
würden im GK knapp integriert, im LK aber als 3. UV entfaltet -
Ganzschriftennennungen als Beispiele
|
Einführungsphase: Jg. 11 |
|
|
11 / I |
Thema: Verständigung und Wirklichkeitsverarbeitung |
|
1. UV R |
literarische Kommunikation in Erzähltexten - Unterrichtskommunikation: ▪ traditionelles
und modernes Erzählen (fiktionale Texte, Sachtexte und analytische Methoden)-
Kap.
„Unheimliches - Umgang mit erzählenden Texten“ - Kap. „Lesen - Lesen -
Lesen“ ▪ kommunikative Prozesse in Gesellschaft und Schule (berufliche und mediale Gesprächsformen, Gesprächsstörungen, Gesprächsübungen, Darstellungsformen) - projektartig - Kap. „Gespräche führen, Vortragen, Präsentieren“ - Kap. „Sprache und ihre Funktionen“ (z.T.) - Kap. „Medien: Erfahrungen und Reflexionen“ (Teil: Talkshow) |
|
2. UV |
„Wirklichkeit“:
Auseinandersetzung und Kritik in lyrischen und anderen Texten: ▪ lyrisches
Sprechen in einer Textfolge zu einem Motiv (problemorientierte, hermeneutische
und produktive Verfahren) - Kap. „Ich/Natur - Umgang mit
Gedichten“ ▪ Textproduktion
und Schreibkonferenz - Kap.
„Texte planen, Schreiben, Überarbeiten“ ▪ Erörterung sequenzadäquater Probleme - Kap. „Strittige Themen - Erörtern“ |
|
11 / II |
Thema: Mitverantwortung des Einzelnen in der wissenschaftlich-technischen Welt |
|
1. UV |
Wissenschaftlerfiguren im
Theater der Gegenwart: ▪ Analyse eines Schauspiels: Brecht, Leben des Galilei - (Szenenanalyse, Konflikt- / Argumentationsanalyse, historische Differenz, szenisches Interpretieren, Medien) ▪ fachübergreifende Erweiterung des Themas um Perspektiven aus anderen Fächern (vergleichende Produktionsformen) - Kap. „Der Fall Galilei - fachübergreifendes Arbeiten“ |
|
2. UV R |
Wissenschaftssprache: ▪ Sachtexte und Probleme der Fachsprachen in sozialwissenschaftlichen und naturwissenschaftlich-technischen Bereichen (Lesetechniken und Lernstrategien, Begriffsklärungen, Verbalisierung von Sachverhalten) - Kap. „Thema ‘Zeit’ - Umgang mit Sachtexten“ |
Qualifikationsphase: Jg.
12 / 13
|
|
|
12 / I |
Thema: Emanzipation des Individuums und der Gesellschaft |
|
1. UV R |
literarische Formen des
Selbstdarstellung und Selbstverwirklichung des Individuums: ▪ Epochenumbruch
18./19. Jh.: Lyrik der Anakreontik, des Sturm und Drang und der Klassik - Briefroman:
Werther - klassisches Drama: Faust I und II (Auszüge) (kontrastive Verfahren,
historisch-soziologischer und biografischer Aspekt) - Kap. „Wege
in die Autonomie - Epochenumbruch 18./19.Jh.“ - Kap. „Reden und
Schweigen - Umgang mit szenischen Texten“ ▪ Sprache der Gefühle - Reflexion über literarische Sprache: galant-höfische Sprache - emotionale Sprache des Sturm und Drang - geformte Sprache der Klassik - Sprache des Herzens in der Gegenwart (heuristisches und freies Schreiben) - Kap. „Reflexionen über Literatur“ (Teile) |
|
2. UV |
Auseinandersetzung mit
gesellschaftlichen Missständen und Gegenentwürfe: ▪
von der Poetisierung der Welt zur Kritik der
Gesellschaft: Texte aus Romantik und Vormärz: romantische Lyrik - Novelle:
E.T.A Hoffmann: Der Sandmann; Drama: Büchner, Woyzeck; politische Lyrik und
Flugschriften des Vormärz (Motivanalyse, Strukturanalyse) - Kap.
„Wege in die Autonomie - Epochenumbruch 18./19.Jh.“ - Kap. „Reden und
Schweigen - Umgang mit szenischen Texten“ |
|
R |
▪ politische,
appellative Sprachformen der Epoche (Referate, Wandzeitungen) - Kap. „Sprache
und ihre Funktionen“ (z.T.) ▪ Vorbereitung der Facharbeit (Ersatz für 1. Klausur 12/2, Ende Januar bis Ostern) - Kap. „Was darf Satire? - Eine Facharbeit schreiben“ |
|
12 / II |
Thema: Vergangenheit in der Gegenwart |
|
1. UV |
Tradition der
Gestaltungsmuster und mythische Traditionen: ▪ szenische
Texte unterschiedlicher Epochen - Kap.
„Europäische Liebesszenen - Von der Antike bis zur Moderne“ ▪ antiker Mythos in der Gegenwart: Medea - Kap. „Christa Wolf - Eine Schriftstellerin in ihrer Zeit“ |
|
2. UV R R |
Sprachstrukturen und
Sprachfunktionen: ▪ Erinnern
und Gedenken - sprachliche Auseinandersetzung mit der jüngeren Vergangenheit,
vor und nach 1945, und Problemen der Gegenwart (politische Reden,
Leitartikel; Redeanalyse, Argumentationsanalyse, Sprachkritik) - Kap.
„Sprache und Beeinflussung“ ▪ mediale Vermittlung eines Mythos - z.B. vom „dunklen Mittelalter“: Eco: Der Name der Rose - Literaturverfilmung (zwei mediale Codes: Erzählsprache und Bildsprache; Intertextualität) - Kap. „Literaturverfilmung: ‘Der Name der Rose’ - Ein Blick ins Mittelalter“ |
|
13 / I |
Thema: Tradition und Traditionsbrüche |
|
1. UV R |
Entfremdungserfahrungen: ▪ Epochenumbruch
19./20. Jh.: Roman (z.B. Kafka: Die Verwandlung - M. Walser: Ohne einander) -
expressionistische Lyrik - Drama (z.B. Hauptmann: Vor Sonnenaufgang - Brecht:
Die Heilige Johanna der Schlachthöfe) - fachübergreifende Aspekte (Kunst, Geschichte)
- Kap. „Das Janusgesicht der Moderne - Epochenumbruch 19./20.
Jh.“ ▪ Sprachkrise - Epochenstile - Sprache und Literatur in der historischen Entwicklung (Essays, Sachtexte, Problemerörterung) - Kap. „Reflexionen über Literatur“ - Kap. „Vielfalt der Sprachen“ |
|
2. UV R |
Kulturkritik - Medienkritik: ▪ Gegenwartsliteratur:
Literatur und Medien nach 1945 - Kap. „Spiegelungen - Deutsche
Literatur seit 1945“ ▪ Mediensprache und Medienkritik - multimediale und literarische Entwicklungen - ein längerer fachspezif. Sachtext (z.B. Spiegel spezial, Feature, Dossier ...) - Kap. „Medien: Erfahrungen und Reflexionen“ - Kap. „Reflexionen über Literatur“ - Kap. „Lesen-Lesen-Lesen“ |
|
13 / II |
Thema: Pluralität und Differenz: Begegnung von Kulturen in Sprache und Literatur |
|
1. UV R |
Probleme
der modernen Lebenswelt und Standort des Ichs: ▪ Texte
der modernen Weltliteratur: Zusammenhang der Denkmuster und globale literarische
Vernetzung - Kap. „Kontinente - Ausflüge in die moderne
Weltliteratur“ ▪ Vielfalt der Sprachen - Mehrsprachigkeit - literarische Übersetzungsprobleme - projektartig - Kap. „Vielfalt der Sprache(n)“ |
|
|
Abiturvorbereitung |
Die Anzahl der R zeigt bereits, dass nicht alle Themen zur Sprachreflexion als eigenständige Unterrichtsvorhaben anzulegen sind. Vielmehr sind bestimmte Themen im Rahmen anderer Unterrichtsvorhaben aufzugreifen oder anzuschließen. Darüber würde die Fachkonferenz beraten.
2.2 Module der
integrierten Sprachreflexion
„Anbindung an andere Sequenzen“ - dies ist ein Vorgang, der aus dem Unterricht der Sekundarstufe I geläufig ist, wenn es darum geht, bei der Halbjahres-/Jahresplanung die Grammatik in die anderen Lernbereiche des Faches Deutsch zu integrieren.[2] Dies ist aber auch eine Planungsmöglichkeit für die Sekundarstufe II, wenn Themenschwerpunkte der Sprachreflexion außerhalb der expliziten Unterrichtsvorhaben in Unterrichtsvorhaben der anderen Lernbereiche einbezogen werden. Man wird dann aus dem laufenden Unterricht die entsprechende Fokussierung auf die sprachliche Ebene leisten und eine Zeitlang beim sprachlichen Thema bleiben, ehe man zum Rahmenthema des Unterrichtsvorhabens zurückkehrt. So wird die Sprachreflexion besonders günstig in Funktion für die Rezeption oder Produktion von Texten verstanden. Die Dauer der Thematisierung sprachlicher Phänomene liegt hier also deutlich unterhalb eines Unterrichtsvorhabens. Dennoch sollte für die Schülerinnen und Schüler der thematische Ausschnitt als Teilsequenz zur Sprache abgehoben werden von dem Hauptthema des Unterrichtsvorhabens, in das er eingebettet ist. Der Lehrplan sieht zudem vor, dass in der Sequenzfolge der Oberstufe auf Progression im Lernen und auf die Möglichkeit des Rückgriffs auf Vorwissen im Rahmen des kumulativen Lernens geachtet werden sollte. Von daher wäre auch die Integration der Sprachreflexion langfristig zu planen und nicht als spontaner situativer Ausflug zu verstehen.
Beispiele für
Integrationsmöglichkeiten der Reflexion über Sprache in Jg. 11-13
mit Lernprogression und
Rückgriffen
|
Jg. |
Ideen
/ Beispiele |
Zuordnung |
|
1. |
Thematische Linie:
Sprachliche Formen der Textüberarbeitung |
|
|
11 |
normbezogene und stilistische
Textüberarbeitung einer längeren Passage |
2 / 4 |
|
12 |
Textrevision unter dem Aspekt
der Präsentation |
1 / 2 |
|
13 |
Textüberarbeitung als Form der
Sprachbewusstheit |
3 / 4 |
|
2. |
Thematische Linie: Sprache
der Gefühle |
|
|
11 |
Verständigung über Gefühle in
der Kommunikation - Gefühlsausdruck in moderner Lyrik |
3 / 2 |
|
12 |
Sprache der Vernunft - Sprache
des Herzens |
3 |
|
13 |
Sprache der Skepsis - Sprache
des Aufbruchs |
3 |
|
3. |
Thematische Linie:
Politischer Sprachgebrauch |
|
|
12 |
politisch-agitatorische Sprache
|
3 |
|
12 |
sozialkritische, ideologische und
ideologiekritische Sprache |
3 |
|
13 |
gesellschaftskritische Sprache
|
3 |
|
4. |
Thematische Linie: Mediale
Sprache |
|
|
11 |
Sprache der inneren Bühne |
3 |
|
12 |
Dialogische Sprache der Theaterbühne Lessing, Schiller, Büchner,... |
3 |
|
13 |
Mediale Sprache des Films oder des modernen Fernsehspiels Literaturverfilmung |
3 |
|
5. |
Thematische Linie: Sprache
und Denken |
|
|
11 |
sozialpsychologische Modelle
der Kommunikation |
3/1 |
|
12 |
sprachphilosophische Modelle
|
3 |
|
13 |
literatur- und
medientheoretische Modelle |
3 |
|
6. |
Sprachfunktionen in eigenen
Texten |
|
|
11 |
informierende Funktion |
2 / 3 |
|
12 |
argumentierende Funktion |
2 / 3 |
|
13 |
ästhetische Funktion |
2 / 3 |
2.3 Aufbau prozeduralen
sprachlichen Wissens: Sprachbewusstheit
- Sprachaufmerksamkeit
Reflexion über Sprache ist nicht nur inhaltliches Programm des Deutschunterrichts. Vielmehr sind sprachbewusste Bürgerinnen und Bürger ein pädagogisches und fachliches Ziel: Menschen, die sprachliche Vorgänge in der Gesellschaft bewusst wahrnehmen und gestalten. Über die Unterrichtsinhalte von expliziten Unterrichtsvorhaben oder integrierten Sequenzen hinaus sind dazu im Deutschunterricht grundsätzlich und langfristig Lern- und Verhaltensstrategien aufzubauen, die mit dem Bereich Reflexion über Sprache zu tun haben, so dass sprachbewusstes Verhalten habitualisiert wird. - Zu beleuchten ist der Richtlinienansatz „Reflexion über Sprache als bereichsübergreifendes Grundprinzip“ (RLL 22, 33).
Reflexion über Sprache - Language awareness [3] - entdeckendes Lernen
Aus der muttersprachlichen Sprachdidaktik vor allem in England erhält seit etwa 1992 auch die deutsche Sprachdidaktik neue Impulse. Im Gegensatz zur „Sprachbetrachtung“, die in der Deutschdidaktik traditionell auf „Sprachwissen“ und „Sprachkönnen“ abhob und ebenso traditionell ihren Schwerpunkt in der Grammatik und ihrer korrekten Anwendung hatte, entwickelte sich bei uns bereits seit Mitte der 70er Jahre der Begriff „Reflexion über Sprache“, der weiter ansetzt und die Ebene der Reflexion anspricht, die generell beim Umgang mit Sprache, sprachlichen Situationen und Texten zu beachten ist und die sprachkritische, kommunikationsanalytische, pragmatische und sprachspielerisch-ästhetische Zugriffe einschließt. Bereits dadurch war der pure Grammatikunterricht „aufgehoben“.
Nun erfolgt ein weiterer Schub zu einer neuen „Sprachbewusstheit“ (auch: „Sprachaufmerksamkeit“, Fingerhut), der sich vor allem aus gegenwärtigen Erfahrungen mit der Mehrsprachigkeit in den Schulklassen sowie aus dem neuen Europagedanken speist: zum einen das Konzept der „Begegnungssprachen“, d.h. Aufmerksamkeit für die vielen Sprachen in einer Klasse, nämlich die der traditionellen Dialektsprecher, der Migrantenkinder, Aussiedler, Flüchtlinge, Asylbewerber neben der hochsprachlichen Ziel- und Unterrichtssprache - zum anderen das Zusammenwachsen durch bewussteren Umgang mit den europäischen Sprachen angesichts der nun völlig offenen Grenzen und der Mobilität in Europa.
Im Rahmen der muttersprachlichen Sprachdidaktik lässt sich als language awareness eine Zielausrichtung erkennen, die als verstärkte Sprachbewusstheit anstrebt:
- grundlegende Sensibilisierung für Sprache, d.h. Sprache soll bewusst Objekt der Wahrnehmung sein
- grundlegende Einstellung, dass über Sprache immer geredet werden kann , d.h. "talking about language" ist Unterrichtsprinzip im Fach, und es wird immer Raum gegeben für Fragen, die auf Sprache zielen, für Kommentare zu den Äußerungen anderer, für spontane sprachliche Korrekturen, für das Experimentieren mit Sprache, für Sprache über Sprache und dabei auch für das Bescheidwissen über Strukturen, Formen und Funktionen der Sprache sowie „Sprachrichtigkeit“
- Umgang mit Sprache "across the curriculum", d.h. fächerübergreifende Aufmerksamkeit für sprachliche Vorgänge und mündliche wie schriftliche Sprachproduktionen
- Umgang mit Sprache im multilingualen Klassenzimmer, d.h. Wecken des Interesses an der Sprache der anderen sowie interkulturelle Kommunikation unter Konfrontation mit Stereotypen, Missverständnissen und sprachlichen Einstellungen
- Blick auf den tatsächlichen Sprachgebrauch, d.h. Überschreiten der fachlichen Grenze
- Förderung einer sprachkritischen Einstellung, d.h. Aufmerksamkeit für sprachlichen Missbrauch und Manipulationen, für die Rolle der Sprache im Augenblick und im weiteren gesellschaftlichen Kontext.
So gibt es eine dritte Schiene, auf der in der Oberstufe Fortschritte im Lernbereich Reflexion über Sprache zu gestalten sind. Hier sind Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler, also beide Seiten im Lernprozess, gefragt und beteiligt, Augen und Ohren für sprachliche Vorgänge offen zu halten, Sprache wahrzunehmen. Und dazu lassen sich insbesondere „Lernstrategien“ einbeziehen. Dieter Wolff (Wuppertal) befasst sich mit der Rolle von Lernstrategien. Seine praxisnahen Einsichten und Ansätze sind bei weitem den Thesen der radikalen Konstruktivisten vorzuziehen, nach denen kollektives Lernen in der Schule letztlich gar nicht mehr nötig wäre bzw. Schule nur noch „viable Angebote“ für die „selbständigen Lernersubjekte“ (Schüler) bereithalten müsste. Anders Wolff:
„Die kognitive und die konstruktivistisch orientierte Psychologie
sehen in ihren lerntheoretischen Überlegungen die Selbständigkeit des
Lernenden als unerlässlich für erfolgreiches Lernen an. Nur jemand, der
selbständig und eigenverantwortlich zu lernen vermag, wird Lernprozesse
gewinnbringend durchführen können. [...]
Die für uns relevanten Erkenntnisse der kognitiven Psychologie zum
Lernen lassen sich in den folgenden Grundannahmen zusammenfassen, die hier aus
Zeitgründen nur aufgelistet werden können:
Der Mensch wird als informationsverarbeitendes System verstanden,
das alle Informationen, mit welchen es in Berührung kommt, selbständig zu
verarbeiten und in Wissen umzuwandeln in der Lage ist.
Es wird angenommen, dass dieses System mit komplexen
Wissenskomponenten ausgestattet ist, in welchen bereits vorhandenes Wissen
strukturiert und organisiert gespeichert ist, so dass es jederzeit abrufbar
ist.
Es wird angenommen, dass neues Wissen in der Interaktion zwischen
bereits vorhandenem Wissen und eingehenden Stimuli konstruiert wird.
Es wird angenommen, dass sich das System selbst durch mentale
Operationen (Prozesse und Strategien) steuert.
Es wird angenommen, dass andere mentale Operationen das System
optimieren, d.h. Wissenszuwachs, Reorganisation und Abrufbarkeit des Wissens
steuern.
Es wird im folgenden auf zwei Stichwörter aus diesen Grundannahmen
etwas genauer eingegangen, weil sie für die didaktische Perspektivierung von Bedeutung
sind. Es handelt sich um die Stichwörter Wissenskomponente und mentale
Operation:
Die kognitive Psychologie nimmt an, dass unser Wissen organisiert
gespeichert ist. Dabei geht sie vom Schema als Organisationsstruktur aus.
Beispiele für Schemata: das Haus-Schema (die Bestandteile eines Hauses), das
Zeitungsschema (der Aufbau einer Zeitung). Diese Schemata beinhalten
deklaratives Wissen (Was-Wissen). Das Restaurant-Schema (Besuch in einem
Restaurant), das Vorlesungsschema (Ablauf einer Vorlesung) sind Schemata, die
prozedurales Wissen (Wie-Wissen) beinhalten. Wichtig ist, dass man das schematische
Wissen in ein Weltwissen und ein Sprachwissen aufteilt. Deklaratives
Sprachwissen ist z.B. ein Eintrag im mentalen Lexikon, prozedurales
Sprachwissen eine Regel, um einen Satz zu bilden, aber auch eine Strategie, um
einen Text zu lesen. Die Wissenskomponenten entwickeln sich bei jedem Menschen
unterschiedlich, sie sind kulturspezifisch geprägt.
Bei der Informationsverarbeitung unterscheidet die kognitive
Psychologie zwischen unbewusst eingesetzten Prozessen und bewusst eingebrachten
Strategien. Über Prozesse wissen wir sehr wenig, weil sie nicht beobachtbar
sind. Strategien sind fassbarer. So lassen sich z.B. die Strategien beobachten,
die wir beim Addieren und Subtrahieren einsetzen. Auch die Strategien, die wir
beim Erschließen von Wortbedeutungen einbringen, gehören dazu. Die mentalen
Operationen gehören zum prozeduralen Wissen. Auf die Bedeutung der Strategien
wird im folgenden noch zurückzukommen sein, insbesondere wird ihr Bezug zu den
Lernstrategien als Gegenstand von Unterricht zu diskutieren sein. [...]
Von besonderer Bedeutung beim Lernen ist das Prinzip der
Selbstorganisation. Der Mensch als in sich geschlossenes System organisiert
sich selbst und organisiert damit für sich die Welt.
Selbstorganisation verbindet sich mit Eigenverantwortlichkeit. Der
Mensch ist für das eigene Lernen verantwortlich, weil er damit sein Überleben
als System sichert.
Selbstorganisation und Eigenverantwortlichkeit sind an die
Fähigkeit zur Evaluation angebunden. Nur wer seine eigenen Lernprozesse und
ihre Ergebnisse bewerten kann, ist ein erfolgreicher Lerner.
Kognitive und konstruktivistische Lerntheoretiker betonen also
gleichermaßen die Eigenständigkeit und Selbstverantwortlichkeit des Lernenden
bei allen Informationsverarbeitungs- und Lernprozessen. [...]
Bei der Behandlung des Konzeptes der Lernerautonomie und seines
theoretischen Hintergrundes ist deutlich geworden, dass der Strategie als
Instrument des Lernenden zur aktiven und eigenverantwortlichen Steuerung des
Lernprozesses eine ganz entscheidende Bedeutung zukommt. Ich möchte deshalb
jetzt auf die Lernstrategie als psychologisches und didaktisches Konzept
[Hervorhebung G.E.] zu sprechen kommen und zeigen, welches Potential
Lernstrategien im Kontext des selbstbestimmten Lernens innewohnt. [...]
Strategien werden als komplexe Problemlösungsoperationen
verstanden, bei welchen das Hypothesenbilden und das Hypothesentesten von
ausschlaggebender Bedeutung sind. Strategien steuern die weniger komplexen
mentalen Operationen, die gemeinhin als Prozesse bezeichnet werden. Die meisten
Strategien, die wir im Alltagsleben verwenden und die unserem prozeduralen
Wissen zugeordnet werden können, sind voll automatisiert, wenn wir sie erprobt
und internalisiert haben. Wichtig ist auch, dass unser strategisches Wissen
kulturspezifisch geprägt ist (Franzosen subtrahieren anders als Deutsche,
Engländer lesen anders als Chinesen), und dass wir als Individuen über
unterschiedliches strategisches Wissen verfügen, das sich aufgrund unserer
Erfahrungen mit der Welt herausgebildet hat. Schließlich hat die kognitive
Lernpsychologie betont, dass wir zur Lösung eines spezifischen Problems auf
unterschiedliche Strategien zurückgreifen können. Lernen ist nach Auffassung
der kognitiven Psychologen eine strategienbestimmte Tätigkeit.
[Hervorhebung G.E.]
In
der Psycholinguistik wurde ebenfalls Anfang der achtziger Jahre deutlich
gemacht, dass menschliche Verstehensprozesse strategienbestimmt sind, dass
Menschen auf allen Ebenen der sprachlichen Verarbeitung Strategien einsetzen,
Lesestrategien, die das Dekodieren der Schriftzeichen steuern,
Inferierungsstrategien, welche Bedeutungserschließung ermöglichen, und
Generalisierungsstrategien, welche zur Verankerung des Verarbeiteten im
Gedächtnis beitragen. Ähnliche Strategien wurden für die Sprachproduktion
postuliert: Planungsstrategien, Verbalisierungsstrategien, Revisionsstrategien
sollen hier als Beispiele genannt werden. Auch die Psycholinguisten machen bei
ihren Überlegungen klar, dass die eingesetzten mentalen Operationen strategischen
Charakter haben, d.h. dass sie als mehr oder weniger bewusste Pläne anzusehen
sind, welche die produktive und rezeptive Sprachverarbeitung steuern.“ (Dieter
Wolff 1997) [4]
Lernstrategien im Überblick
allgemeine Lernstrategien:
▪
Selbstmanagement
(lernereigene Regulierung der Lernbedingungen und des Lernprozesses)
▪
Selbstevaluation
(Überprüfung von Input-Output, Erfolg und Bedarf)
▪
Kommunikationsstrategien
▪
soziale und affektive
Strategien
kognitive
Lernstrategien:
▪
Rekonstruieren von
Sachverhalten/Texten
▪
Memorieren von Fakten
▪
Generalisieren von
Regeln
▪
Erschließen von
Bedeutungen
▪
Analysieren von
Strukturen
▪
Simplifizieren von
Komplexen
▪
Kumulieren von
Lernergebnissen durch Rückgriffe und Ausblicke
▪
Transfer des Gelernten
auf Anwendungssituationen
▪
Organisation und
Bereitstellung des Gelernten
fachliche Lernstrategien:
für
die Rezeption:
▪
Lesestrategien, die
das Dekodieren der Schriftzeichen steuern
▪
Strategien der
Bedeutungserschließung
▪
Generalisierungsstrategien,
welche zur Verankerung des Verarbeiteten im Gedächtnis beitragen
▪
Strategien der
(kritischen) Auseinandersetzung
für
die Produktion:
▪
Planungsstrategien
▪
Verbalisierungsstrategien
▪
Revisionsstrategien
▪
Mitteilungs- und
Veröffentlichungsstrategien
▪
Verarbeitungsstrategien
für Reaktionen auf Texte
für
die Reflexion:
▪
Wahrnehmungsstrategien
▪
Strategien des
Selbst-Sensibilisierung
▪
Dekodierungsstrategien
für sprachliche Verschlüsselungen
▪
Strategien der
kontextuellen Klärung
▪
Einordnungsstrategien:
Unterscheidung von Inhalten, Strukturen und Funktionen
▪
Strategien des
Segmentierens, des Klassifizieren sowie des Generalisierens
▪
Strategien der Analyse
von Intentionen und Wirkungen
▪
Strategien der
kooperativen Auseinandersetzung mit Sprache
▪
Strategien der
gezielten Reaktion auf sprachliche Involvierung
(z.T. nach
Rampillon / Wolff )
Im Folgenden seien mögliche Prozeduren aufgeführt, die langfristig als Lern- und Verhaltensstrategien zur Sprachreflexion angebahnt werden können, indem sie im Unterricht unmittelbar, bei Gelegenheit oder aus Anlass sowie gezielt, geplant und wiederholt einbezogen werden:
Prozeduren sprachbewussten Lernens
und Verhaltens
|
Prozedur |
Beschreibung / Beispiel |
► Sprachgebrauch
optimieren, korrigieren, variieren:
|
sprachliche
Varianten bilden und prüfen,
um Verständigungsprobleme zu lösen |
Sprachbewusst agiert eine schreibende
Person, wenn sie bei der Konzeption von Äußerungen explizit - wenn auch „in Gedanken“ - aus einem
Bestand an sprachlichen Varianten wählt und die geeigneten im Kontext
erprobt, bis die der Intention entsprechende gefunden ist. (Bei sprechenden
Personen geschieht dieser Akt blitzschnell im Kopf und wird nicht immer
explizit vorgenommen.) - Zentral ist das Lernprinzip: →
Eine sprachliche Aufgabe lässt mehrere Lösungen zu! → neues Lernen nach
der TIMSS-Studie Zum Beispiel der Einsatz
von Passivvarianten: „Dein Beitrag wird von keinem verstanden.“ a) man-Form: Man versteht deinen Beitrag nicht. b) lassen- + sich - +
Infinitiv-Form: Dein Beitrag lässt sich nicht verstehen. c) Verbform von
"sein" + Adjektiv: Dein Beitrag ist für alle unverständlich. d) Verbform
von "sein" + Infinitiv: Dein Beitrag ist nicht zu verstehen. e) Adverbial: Beim
Verstehen deines Beitrags hat man Schwierigkeiten. g) Infinitiv-Form: Kaum
zu verstehen, dein Beitrag. i) Imperativ-Form:
Versteh einer deinen Beitrag! Ähnlich z.B. „Varianten der genauen Kennzeichnung“ von Personen und Sachverhalten: Adjektive, Attribute, Relativsätze, Appositionen, Urteilssätze... - „Varianten der Orts-/Zeitangaben“ - „modale Varianten“ - Satzbauvarianten etc. |
|||
|
Selbstkorrektur betreiben |
Als
normales Verhalten unterstützen - Toleranz üben: Beiläufig und wie
selbstverständlich korrigiert sich ein Sprecher selbst im Verlauf des
Sprechens: Als ich alles weggeräumt hab
... hatte, ging ich zum Kursraum
zurück. |
|||
|
Fremdkorrektur geben und annehmen |
Man
kann sich im mündlichen Sprachgebrauch
gegenseitig korrigieren, z.B. in Form der eingerichteten Tandem-Arbeit : Je
zwei Schülerinnen und Schüler führen im Unterricht, in Partner- oder Gruppenarbeit
wie beiläufig gegenseitig Korrekturen aktiv durch und nehmen passiv
entgegen. - Dann und wann wird die Praxis explizit durch die Lehrperson im
Unterricht thematisiert. |
|||
|
Formulierungshilfe
beim Schreiben geben oder nutzen |
Korrektur lesen, gegenlesen - Formen der Schreibkonferenz
(s.u.) - beim Schreiben am Computer den Thesaurus
nutzen ... |
|||
|
Dialekteinflüsse
beachten |
z.B.
als Fehlerursache: sie schlübfd
(schwäbische Konsonantenerweichung), scheibschenweise
(rheinische ch/sch-Verwechslung), |
|||
|
Code switching
beachten |
Sprachebenen und Sprachvarietäten explizit
thematisieren, gezielt trainieren: z.B. umgangssprachliche Wendungen -
hochsprachliche Formulierungen unterscheiden, Ton z.B. in einem Bewerbungsgespräch
- bei einer Beschwerde; Fachsprache in verschiedenen Fächern;
adressatenbezogen gewählte Sprache: Dialekt im Freundeskreis, in der Pause -
Standardsprache als Unterrichtssprache; etc. |
|||
|
Wortschatz
erweitern |
Eine Wortschatzliste zu einem wichtigen
Thema, z.B. „Öko-Lyrik“, aus einem Zeitschriftenartikel exzerpieren und der Klasse
vorstellen (z.B. als Wandzeitung). Leseumfeld anlegen: Beim Lesen
Wörterbuch und Lexikon benutzen. Bereichsspezifisches
Vokabular aufbauen: z.B. textsortenspezifisches: Wendepunkt, Perspektive, lyr. Ich etc.; z.B.
medienspezifisches: Aufmacher, Layout, Adressaten, etc. Erstellung
eines Wortfelds, einer mind map oder eines Clusters zu einem komplexen Begriff:
z.B. Cluster:
|
|||
|
Regelverstöße
erkennen |
Bezugsfehler,
idiomatische Verstöße: z.B. Kontamination (= falsche Wortkombination,
Phrasenmischung): * "Sie bekamen
Panik." Korrekt: "Sie gerieten in Panik." Oder "Sie
bekamen Angst." -
beim Schreiben am Computer das Grammatik-Korrekturprogramm einsetzen, aber
kritisch, da auch Fehllösungen vorgeschlagen werden! |
|||
|
Texte überarbeiten |
„writing“ und „rewriting“ als
Grundhaltung: Texte sind Manuskripte, für die explizit
Überarbeitungsverfahren auf verschiedenen Ebenen eingesetzt werden: die inhaltliche
Prüfung, die Antizipation, wie ein Text beim Adressaten ankommt,
die Fehlerkorrektur, die Stilprüfung (s.u.), die Kontrolle in
der Ebene der Textstruktur und in der Formulierungsebene: ESAU-Regel (Einecke 1999, 167): ERGÄNZEN - wo eine Lücke auffällt STREICHEN - wo etwas überflüssig erscheint AUSTAUSCHEN - wo ein Wort, Satz, Textteil nicht
passt UMSTELLEN - wo die Reihenfolge der
Satzglieder, Gedanken oder Abschnitte unstimmig ist. Einsatz
weiterer „Proben“ (ebd., 184 ff.): - Paraphrase, Aber-Probe, Passivprobe,
Klangprobe... V i e r Verständlichmacher (Bayer/Seidel 1979): 1.
EINFACHHEIT - Gegensatz:
Kompliziertheit 2.
GLIEDERUNG - Gegensatz: Unordnung 3.
PRÄGNANZ - Gegensatz:
Weitschweifigkeit 4. STIMULANZ - Gegensatz: Reizlosigkeit |
|||
|
Schreibwerkstatt
etablieren |
Schreibkonferenz oder
Tandem (Textentwürfe individuell - Textkritik
und Textbewertung kollektiv):
Schülerinnen und Schüler schreiben und besprechen ihre Texte untereinander: u.a. Stilprüfung: Modewörter (echt), Flickwörter (irgendwie, nun, auch),
Sprachbildfehler (falsche Bereiche verknüpft: Heute werden Bücher vom Fernsehen vertrieben. Durch mangelndes
Interesse gerät das Zusammenleben ins Wanken.), Bürokratendeutsch (Durch Unterlassen der ...), Satzkomplexität: Zumeist werden zu viele
Informationen in einen Satz gepackt - Regel: Neue Informationen in neue
Sätze! - Stopfsätze
(zu viele Attribute und Adverbiale in einem Satz), Kettensätze (zu lange
Reihung von Haupt- oder Gliedsätzen), Schachtelsätze (zu starke
Verschachtelung von Gliedsätzen), Krüppelsätze (fragmentarische Sätze, ohne
Subjekt, Gliedsätze für sich gestellt ohne Hauptsatz etc.) - Beispiele finden
und variieren. |
|||
|
in Gesprächen Redesignale und Metakommunikation
einsetzen |
-
advance organizer als Mittel der
Hörerführung bei mündlichen Darbietungen einsetzen: Ich beginne mit ... als nächstes werde ich... -
explizite Redesignale nutzen lernen: Ich
beziehe mich auf Inga ... du hast
soeben gesagt ... ich möchte das Gegenteil behaupten ... meine Rückfrage an
XY... -
in einer metakommunikativen Vorausschau
den Ablauf eines Gesprächs antizipieren, damit Gesprächsrollen,
Gesprächsziel, Initiativen und Mittel vorbedacht sind: Wir werden zu einer Entscheidung kommen müssen ... unsere Argumente können wir mit ...
stützen... - in einer metakommunikativen Rückblende die erfahrene Kommunikation reflektieren: Die eine Gruppe hat sich mit ihrer Lautstärke durchgesetzt ... XY haben sich nicht ans Thema gehalten ... PS sind auf Fragen ausgewichen... |
► Sprache bewusst wahrnehmen
- über Sprache sprechen:
|
Sprache
thematisieren |
explizit
die Grundeinstellung aufbauen: „Es
kann jederzeit über Sprache gesprochen werden.“ - über sprachliche
Unklarheiten, Fremdes, Unbekanntes, Komisches, Überraschendes - über
Schülersprache, Lehrersprache, Fachsprache, schriftliche und mündliche
Sprache - über Durchsagen, Aushänge und Rundschreiben - über Sprache in
Lehrwerken und Fächern - über Gesprächsformen, Anreden, ... |
|
sprachliche
Auffälligkeiten registrieren |
auffällige
Sprachverwendung in der „sprachlichen
Umwelt“: -
Mehrdeutigkeiten an der Autobahn: „Sie fahren mit Abstand am besten.“ -
Missverständliches: „kurabgabepflichtiger Strand“ - Worte der Woche (Rubrik in: DIE ZEIT): „Das Auto ist völlig problemlos beherrschbar.“ (1997 Nr. 48 ) |
|
Aktualitäten-Wand
einrichten |
Augen
und Ohren offen halten und auf der Pinwand aktuelle sprachliche
Beobachtungen festhalten: eine Anzeige:
„Jeder, der in nächster Zeit schwanger wird, sollte...“ - ein Plakat unterwegs: „bärenstarke gebrauchtwagen“ - TV-Nachrichten: Kollateral-Schäden (im Kosovo-Krieg 1999 für u.a. Bombentote!) |
|
öffentliche
Sprachaktionen aufgreifen |
Selbst Beiträge erörtern und Begründungen ausgestalten für: Wort des Jahres - „Sprachhunzer des Monats“ (s.u. Verein z. Wahrg. d. dt. Sprache) - „Sprachpanscher des Jahres“ (ebd.) - „Unwort des Jahres“ (s.u. Schlosser/ Inst. f. dt. Spr.): z.B. 1996 Rentnerschwemme (falsches, angstauslösendes Naturbild für einen sozialpolitischen Sachverhalt) - Gesundheitsreform (missbräuchl. Verwendung des positiv besetzten Begriffs „Reform“) - ... |
|
an einer
Medien-Debatte teilnehmen |
z.B.
Deutsch als Europa-Sprache, s. EU-Konferenz 1999 in Finnland; die Debatte um
die lingua franca Englisch; das Aussterben von Sprachen; die Entstehung der
Sprache; die Rolle der Sprache beim Lernen; das Sprachbewusstsein der
Franzosen; die Reaktionen auf eine Formulierung in einer Politikerrede;
Wahlkampfslogans etc. |
|
auf Werbung
reagieren |
mit
Denkblasen, Sprechblase auf Werbung reagieren: Steak's vom Grill - Conny's
Stricklädchen - Das Ende des Chaos - Menü’s heute; „Der
Abend war ein einziger Genuss“, sagte er. „Nur ein einziger?“, fragte sie. -
„Sie haben ein Recht auf den günstigsten Strom in Deutschland.“ RWE 7/8 1999
- ... |
|
Leserbriefe
schreiben |
auf
einen auffälligen Sprachgebrauch in einem Zeitungsartikel oder im TV mit
einem Leser-/Zuschauerbrief reagieren: z.B. Was soll das mit der Schreibform
„MontagsMovie“? → Montagsmovie“ oder „Montags-Movie“ und „Spielfilm am
Montag“? - sich an einer Medien-Debatte
zur Sprache beteiligen... |
|
Kommunikation
reflektieren |
in
Texten, Gesprächen und in eigenen Beiträgen beobachten z.B.: - Sachbezug und
Adressatenbezug - Inhalts- und
Beziehungsaspekt - Nutzung von Rederecht und
Redeinitiativen - Grad an Sachlichkeit
oder Emotionalisierung - Gerüchtebildung und
Wahrheitsgehalt - Selbstdarstellung und
Achtung des Partners |
|
Fallstudien
betreiben |
Texte
am schwarzen Brett; Sprache in Erlassen; „Rede“ auf einer Schülerversammlung;
Formularsprache... |
|
Sprachprojekt
durchführen |
Beobachtungsgang:
die sprachliche Umwelt in Werbung, Geschäftsbezeichnungen,
Schaufensterauslagen etc.; Beobachtung
der Sprache bei einem Straßenfest, in einer Popshow, einer Talkshow, in Videoclips
etc. |
|
Sprache
facherübergreifend reflektieren |
Sprache
in einem anderen Schulfach, z.B. schwierige Texte im Chemiebuch -
sprachliche Anforderungen an eigene Texte in anderen Fächern -
Fachsprachlichkeit - divergierende Definitionen ... |
►Sprachkritik üben:
|
sprachlichen
Missbrauch registrieren |
Vorurteile,
Euphemismen, Diskriminierungen, Verschleierungen, Lügen, Verleumdungen,
falsche Verdächtigungen, etc.: „ethnische Säuberungen“, Anwendung von Hygienevorstellungen
auf soziale Sachverhalte als schlimmster Euphemismus für Völkermord (s.
Krieg in Bosnien, im Kosovo; vgl. „Rassenhygiene“ unter den Nazis) kritisch: „Asylant“: Asylant -
Asylbewerber - Asylberechtigte - Flüchtling - Ausländer - Fremde - Migranten
- Einwanderer... |
||
|
phraseologischen
Sprachgebrauch untersuchen |
Erwartet
wird von Sprechern das authentische Sprechen, ihre individuelle und
unverwechselbare Redeweise; dahinter steht das Bild vom einmaligen Subjekt.
Tatsächlich benutzen wir in der Sprachgemeinschaft vorgefertigte Redeformen
und Sprachmuster; dahinter steht die Teilhaberschaft jedes Einzelnen an der
Sprachgemeinschaft und Sprachkonvention. Neben Redensarten, Sprichwörtern,
Slogans, Parolen und Klischees gibt es weitere Versatzstücke der Phraseologie: idiomatische Wendungen,
in denen vorgestanzte sprachliche Formeln die Wirklichkeitsausschnitte,
Denkbilder und ideologischen Verarbeitungsmuster einholen: „der kleine Mann“, „der Mann auf der
Straße“, „wir sitzen alle in einem Boot“, „das liegt nur an der Frauenquote“,
„wir Unternehmer“, etc. |
||
|
Sprachmoden
registrieren |
Wenn
man darauf achtet, merkt man, dass eine Zeit lang bestimmte Formulierungen
verstärkt auftreten, u.a. durch TV-Jugendkanäle verstärkt: „Hast du das verstanden? - Nicht
wirklich.“ - „Die Autos stießen im Kreuzungsbereich zusammen.“ - Alles klar?
- Kein Thema! - Viel Spaß! - Schönes Wochenende! ... |
||
|
Fremdwortgebrauch
prüfen |
z.B.
Anglizismen - Notwendigkeit oder Selbstdarstellung? - „Eine wichtige Voraussetzung für Credibility ist Awareness – im Bewusstsein der Menschen präsent sein. Etwa: ‘Wir müssen für die duale Abfallbeseitigung und das Kreislaufwirtschaftsgesetz mehr Awareness in der Bevölkerung schaffen.’ Das beste Tool (Instrument), um ins Bewusstsein seiner Target group (Zielgruppe) zu gelangen: Emotions (Emotionen) auslösen und die Message (Botschaft) so oft wie möglich penetrieren (wiederholen). Die Strategie der Kreativen lautet: Wer häufig penetriert, bei dem erhöht sich der ‘Gesamtwerbedruck’....“ (http://www.elle.de/PED/PEDC/pedc09.htm) |
||
|
Sprache dialektisch
sehen |
Formeln
der politischen Sprache von zwei Seiten sehen, aus den
Perspektiven der Reichen und Armen, der Gewinner und Verlierer, der
Mächtigen und Ohnmächtigen - „von oben und von unten“, nach Vorteil und
Nachteil, nach Schein und Wirklichkeit: z.B.
Deutschland als „kollektiver
Freizeitpark“ (1993 ein Kampfbegriff in der Diskussion um den
„wirtschaftlichen Standort“ Deutschland) „Freizeitpark“
→ Anwenden auf: „Innovation“, „Leistung“,
„Fortschritt“, „Freizeit“, ... |
||
|
Sprache
ideologiekritisch sehen |
Den
parteilichen Sprachgebrauch in
Wirtschaft, Politik, Gesellschaft daran messen, wem die Art der Formulierung
nützen soll: -
Um welches
Problem geht es im Text, im Satz, im Begriff? -
Welche
Intention verfolgt der Text: Wogegen wendet er sich? - Wofür plädiert er
offen oder verdeckt? -
Wer oder was
soll diffamiert werden? -
Zu wessen Vorteil
oder Nachteil gerät die Äußerung oder Forderung? -
Wessen
Interessen sollen gerechtfertigt werden? -
Welches
(einseitige) Lösungsmodell liefert der Text? -
An welche
Gruppe, Schicht, Kreise oder Klasse appelliert die Ideologie? z.B.
Friedenstruppen, Steuerreform, Freisetzung, Wohnpark, Seniorenresidenz,
Sonderdeponie, Grüner Punkt ... |
||
|
mit Sprache sich
wehren |
Sprechpläne entwickeln (Wagner 1978): Ein
Sprechplan ist ein Reaktions- und Verhaltensmuster, mit dem man sprachliche
Konfliktsituationen zu beherrschen versucht; mit Sprechplänen kann man schon
das erwartete sprachliche Verhalten seines Gegenübers antizipieren und die
eigenen Initiativen und Reaktionen vorbedenken oder gar spielerisch erproben,
z.B. in antizipierten Dialogen oder durch Denkblasen zu Fremdäußerungen: z.B.
Jemand wird beschuldigt. ► Reaktionen: Er/Sie verlangt eine
Begründung, weist den Vorwurf zurück, weist die Art der Formulierung zurück,
weist den Vorwurf der Sache nach zurück, erhebt einen Gegenvorwurf, gibt
teilweise zu, bittet um Entschuldigung, verweist auf eine andere Person etc. |
► Sprachwissen
anwenden, aktualisieren, erweitern:
|
lexikalische
Strategien einsetzen |
Nachschlagen - für das Textverstehen wichtige Begriffe aus
einem Wörterbuch suchen und die neuen Wörter der Lerngruppe erklären; schwierige Wörter
herleiten:
aus der Wortfamilie wie Fuhre von fahren - aus der Fremdsprache über
verwandte Begriffe wie fungieren
vgl. Funktion - aus Internationalismen
wie „Server“, „action“, „feeling“, „Globalisierung“ (Volmert, 1999) schwierige Wortkomplexe
auflösen:
Nominalisierungen, Komposita ... Fremdwörter in Zeitungsartikeln / im
Straßenbild sammeln: Fitness Center, outfit, know how, dress for success etc. ein
individuelles Fremdwörterheft
anlegen |
|
semantische
Strategien einsetzen |
- Wortbedeutung
erschließen:
- Definition: Ober- und
Unterbegriff, Merkmale der Unterscheidung - lexikalische Bedeutung: in
Lexika nachschlagen, konventionelle B. - Kontextbedeutung - „Fenster“ in Texten zu Architektur,
Computergebrauch, Astronomie... - semantische Felder in einem Text auffinden,
d.h. Wörter, die der Bedeutung nach zu einem Schlüsselwort gehören: zu Armut
z.B. frieren, hungern, Arbeitslosigkeit, Penner, herumstreunen, betteln,
Almosen... - Begriffe präzisieren: Das ist ein Text, ein
Aufsatz, ein Bericht, ein Unfallbericht ... - Struktogramme erstellen: sinnfällige
Strukturierung eigenen Lernstoffs in Tabellen, Diagrammen, Grafiken,
Bildern, Mindmaps, „Spickzetteln“ - zur Reduktion von Informationen und
Konzentration auf Zentren (Klippert 1995) - Konspekt zu den zentralen
Begriffen eines Textes und zu ihrer gedanklichen Verknüpfung anlegen: als
Struktur- oder als Flussdiagramm - thematischen Wortschatz
erstellen:
Umweltschutz, Schadstoffe, Abwässer, verklappen, ... - selektives Lesen: Themenstichwörter in einem Zeitschriftenartikel / Sachtext
unterstreichen - Vorwissen aktualisieren:
Texte
vorentlasten, Begriffe notieren - Assoziationen / Konnotationen zu einem Begriff
einbringen |
|
grammatische
Fachbegriffe wiederverwenden |
einmal
eingeführte Fachbegriffe immer wieder nutzen, als Lehrer wie als Schüler: statt „Der Nebensatz zeigt doch...“
besser: „Der Konditionalsatz zeigt
doch...“ |
|
grammatische
Fachbegriffe im Exkurs wiederholen |
Wiederholungsschleife z.B. zu einem
syntaktisches Teilsystem: Bei der Untersuchung spezifischer Gliedsätze im
Rahmen von Argumentationsanalysen steht z.B. die Unterscheidung von Kausal-,
Final-, Konsekutiv- und Konditionalsatz an; hier ist es zumeist nötig, die
Gliedsatzform überhaupt zu sichern; dazu erfolgt der Rückgriff auf:
Endstellung des finiten Verbs/Personalform des Verbs - Konjunktion am Anfang
des Satzes - Adverbialsatz etc. - und der Rückgriff auf die Sprecherintention:
Zweckangabe, Begründung, Bedingung... |
|
grammatische
Fachbegriffe im Exkurs ausbauen |
z.B.
ein semantisches Teilsystem:
Begründungssätze leisten - z.B. im Verwendungskontext des Forderns, der
Verteidigung, des naturwissenschaftlichen Experiments - Varianten des
Begründens: Rechtfertigung, Ursachenbegründung, Zweckbehauptung, Beweis,
Beleg, Zitat, Bezeugung, statistisches Ergebnis, Erklärung etc. z.B.
ein systematisches Teilsystem:
Modalsystem - Varianten der Modalität wie Konjunktiv, Modalverben,
Modalsätze, Modaladverbiale, Interjektionen (ach, oh ), modale Konjunktionen
(indem...), modales Futur (Sie werden das schon wissen.) etc. |
|
Begriffe erörtern |
Verwendungsweisen
von Wörtern; Abgrenzung zwischen Wörtern; historische
Bedeutungsverschiebungen; fachspezifischer Gebrauch von Wörtern;
epochenspezifische Wortwahl; Polysemie; konventionelle Bedeutung und
individueller Gebrauch; Definition...
- „Wort gesucht: Das Gegenteil
von 'durstig'“ - Was bedeutet „Rücksicht“? - Was ist noch „Satire“? - Was
ist „Europa“? |
|
sprachanalytische
Methoden einsetzen |
grammatische
Analyse:
Wortwahl, Syntax, Modal- und Tempussystem, textgrammatische Formen (Erzähl-,
Argumentationsverfahren ...), und ihre Funktionen für die Textaussage, die
Leserlenkung, die Wirkung; stilistisch-rhetorische
Analyse:
Adressatenbezug, Textwirkung, Stilebenen, rhetorische Figuren,
Formulierungsaufwand; Glaubwürdigkeit, Angemessenheit, Richtigkeit,
Wirksamkeit; semantische
Analyse:
Schlüsselbegriffe und zentrale Bedeutungseinheiten, semantische Felder,
Konnotationen, Phraseologie, sprachliche Register, Formen der Verständnissicherung,
sprachliche Varietäten; Argumentationsanalyse: Textintention und
Redestrategien, Behauptungs-, Begründungs- und Beweisverfahren,
Argumentationsarten, appellative Formen, ... Kommunikationsanalyse: Situationsanalyse -
Handlungsanalyse - Rede-/Gesprächsanalyse und die Verflechtung dieser drei
Ebenen; Handlungssteuerung durch Sprache; Mittel der Verständnissicherung;
sprachliche Formen der Kooperation und der Konfliktgestaltung etc. |
|
Texte verfremden,
um Intentionen und Wirkungen zu erproben |
-
Einen Text mit vielen Satzgefügen in reine Parataxen verändern. - In einem Text alle Nomen durch Pronomen ersetzen oder umgekehrt. -
Einen Text aus der Vergangenheit in die Zukunft verlegen. -
In einem Text alle Attribute oder Adverbiale weglassen. -
Einen Dialog in Prosa verwandeln. -
Aus einem Text zentrale Abschnitte weglassen. -
Abschnitte eines Textes umstellen. -
Teile eines Textes in einem anderen Stil verfassen. etc. |
|
Sprachen kontrastiv
sichten, interkultureller
Vergleich |
Wahrnehmung
von Mehrsprachigkeit;
Begegnungssprachen, Zielsprachen und Unterrichtssprache; Sprache
kontrastiv betrachten, dabei Unterschiede sehen: -
im Inhalt z.B. gram. Begriffe wie future
tense, Futur, Zukunft; -
in der Bedeutung von Begriffen wie Freund
- friend - ami; - „falsche Freunde“, d.h. ähnliche Wörter in Deutsch und Fremdsprache, die Bedeutungsgleichheit suggerieren, aber doch Verschiedenes bedeuten: z.B. span. éxito = Erfolg, nicht wie dt. Exitus = Tod; span. feria = Messe (Handels~), nicht wie dt. Ferien = Urlaub; span. artístico = künstlerisch, nicht wie dt. artistisch; ... -
unterschiedliches Sprach- und Gesprächsverhalten bei Mitschülern
ausländischer Herkunft im „multikulturellen Klassenzimmer“ -
bei Internetpartnerschaften und e-mail-Austausch sprachliche Vermittlungsprobleme,
Kommunikationsbarrieren und Übersetzungsphänomene erörtern |
|
Grammatik-Telefon
und Internet nutzen[5] |
sprachliche Zweifelsfälle klären durch Anfragen an
Sprachberatungsdienste (s.u.) - Internetangebote, Chats, Datenbanken zum
Thema Sprache erforschen |
Literatur:
Antos, Gerd (Hrsg.): Fremdheit in der Muttersprache.
DU 6/1997
Augst, Gerhard: Schreiben als Überarbeiten. In: DU
40/1988, 51-63
Baurmann, Jürgen/Ludwig, Otto: Texte überarbeiten.
In: Boueke, Dietrich/Hopster, Norbert (Hrsg.): Schreiben - Schreiben lernen.
Tübingen: Narr (Tübg. Beitrg. z. Ling. 249), 254 ff.
Bayer, Klaus/Seidel, Brigitte: Verständlichkeit. In:
PD 36/1979, 12 ff.
Bleckwenn, Helga: Stilarbeit. In: PD 101/1990, 15
ff.
Böke, Karin u.a. (Hrsg.): Öffentlicher
Sprachgebrauch. Opladen/Wiesbaden 1996
Einecke, Günther: Auf die sprachliche Ebene lenken.
Gesprächssteuerung, Erkenntniswege und Übungen im integrierten
Grammatikunterricht. In: Bremerich-Vos, Albert (Hrsg.): Zur Praxis des
Grammatikunterrichts. Freiburg: Filibach 1999, 125-191
Eisenberg, Peter/Voigt, Gerhard: Grammatikfehler?
In: PD 102/1990, 10 ff.
Häuptle-Baceló, Marianne: Lernstrategien und
autonomes Lernen. In: Christoph Edelhoff / Ralf Weskamp (Hrsg.): Autonomes
Fremdsprachenlernen. München: Hueber 1999, 50-62
Ingendahl, Werner: Sprachreflexion statt Grammatik.
Tübingen: Niemeyer 1999
Klippert, Heinz: Methoden-Training. Weinheim: Beltz
(3) 1995 (1994)
Ders.: Kommunikations-Training. Ebd. 1995
Kuhn, Christina: Arbeit mit Sach- und Fachtexten.
In: http://www.uni-kassel.de/
Liedtke, Frank/ Wengeler, Martin/ Böke, Karin
(Hrsg.): Begriffe besetzen. Opladen WV 1991
Linke, Angelika/ Voigt, Gerhard: „Sprache
kritisieren - Sprachkritik“, in: Praxis Deutsch 22 (1995) 132
Luchtenberg, Sigrid: Language
Awareness-Konzeptionen. In: DU 1/1995, 93-108
Neuland, Eva: Sprachbewußtheit und Sprachvariation.
In: Klotz, Peter / Sieber, Peter (Hrsg.): Vielerlei Deutsch. Stuttgart: Klett
1994
Dies.: Sprachbewußtsein und Sprachreflexion
innerhalb und außerhalb der Schule. In: DU 4/1992, 3 ff.
Pukas, Dietrich: Verbale Kommunikation. Rinteln:
Merkur 1976
Rüschoff, Bernd / Wolff, Dieter: Sprachlernen in der
Wissensgesellschaft. In: Dies.: Fremdsprachenlernen in der Wissensgesellschaft.
München: Hueber 1999, Kap. 2
Schiewe, Jürgen: Die Macht der Sprache. Eine Geschichte
der Sprachkritik... München: Beck 1998
Siehr, Karlheinz: „Sprachkritik“, in:
Deutschunterricht (Berlin) 2 (1996)
Spinner, Kaspar H.: „Die Welt im Medium der Sprache.
Eigenaktives Lernen im Deutschunterricht.“, in: Lernmethoden Lehrmethoden.
Friedrich Jahresheft 1997
Stötzel, Georg/ Wengeler, Martin: Kontroverse
Begriffe. Berlin: de Gruyter 1994
Volmert, Johannes (Hrsg.): Internationalismen.
Themenheft. DU 3/99
Wagner, Klaus R.: Sprechplanung. Empirie, Theorie
und Didaktik der Sprecherstrategien. Frankfurt: Hirschgraben 1978
Wolff, Dieter: Sprachbewußtheit und die Begegnung
mit Sprachen. In: DNS 6/1993, 510-531
Wolff, Dieter: „Lernen Lernen“. In: Lernmethoden
Lehrmethoden. Friedrich Jahresheft 1997
© G. Einecke -
www.fachdidaktik-einecke.de
[1] Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II - Gymnasium/Gesamtschule in NRW - Deutsch. Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung (Hrsg.). Frechen: Ritterbach 1999
[2] Vgl. zu Formen der Anbindung der Reflexion über Sprache in der Sek. I:
Einecke, Günther: Unterrichtsideen Integrierter Grammatikunterricht. Textproduktion und Grammatik. 5. - 10. Schuljahr. (Hauptbd. u. Materialien). Stuttgart: Klett (1991) 41995
Ders.: Unterrichtsideen Textanalyse und Grammatik. Vorschläge für den integrierten Grammatikunterricht. 5. - 10. Schuljahr. (Hauptbd. u. Materialien). Stuttgart: Klett (1993) 31995
Vgl. Ders.:
Fokussieren - auf die sprachliche Ebene lenken. In: DU 6 / 96, 10 - 25; dazu:
DU 3 / 97, 93 - 96
[3] Wolff, Dieter: Sprachbewußtheit
und die Begegnung mit Sprachen. In: DNS 6/1993, 510-531 - Hecht, Karlheinz:
(Anm. 7) DNS 2/1994, 128-147 - Luchtenberg, Sigrid: Language
Awareness-Konzeptionen. In: DU 1/1995, 93-108 - Neuland, Eva: Sprachbewußtheit
und Sprachvariation. In: Klotz, Peter / Sieber, Peter (Hrsg.): Vielerlei
Deutsch. Stuttgart: Klett 1994 - Dies.: Sprachbewußtsein und Sprachreflexion
innerhalb und außerhalb der Schule. In: DU 4/1992, 3 ff. - Hawkins, Eric: Awareness of Language: An
Introduction. Cambridge: CUP 1991
[4] Dieter Wolff,
Lernstrategien: Ein Weg zu mehr Lernerautonomie. Internationale
Deutschlehrertagung 1997. In: http://www.ualberta.ca/~german/idv/start.htm - 1998-2000
[5] Grammatisches Telefon - Sprachberatung:
Bibliographisches
Institut Mannheim Sprachberatung: Tel.: 0190 / 87 00 98 (Mo. - Fr. 9 - 17 Uhr)
E-Mail: duden@bifab.de
Grammatisches
Telefon Universität Aachen, Tel.: 0241/80 60 74 (Mo. - Fr. 10 - 12 Uhr)
E-Mail: gt@germanistik.rwth-aachen.de
Gesellschaft
für deutsche Sprache,
Sprachberatung:
Tel.: 0611/9 99 55 55 (Mo. - Fr. 9 - 12.30 Uhr, Mo. - Do. 14 - 16 Uhr)
Das
Spr@chtelefon Universität GH Essen,
Tel.: 0201/18 33-4 05 (Di. + Mi. + Do. 9.30 - 11 Uhr)
E-Mail: sprachtelefon@uni-essen.de
Verbrauchertelefon
für unverständliche Gebrauchsanweisungen Uni Trier
Tel.:
0651/2 01-23 31 oder 23 32 (Mi. 9 - 11 Uhr)
E-Mail-Sprachberatung
Wirtschaftsdeutsch Universität Düsseldorf - E-Mail:
sprachberatung@wirtschaftsdeutsch.de
Sprachen
im Beruf. Uni-GH Siegen, Tel.: 0271-740-2349, Fax: 0271-704-2330
E-Mail: sekretariat@sisib.uni-siegen.de
Unwort
des Jahres. Universität Frankfurt (Prof. Dr. Horst D. Schlosser)
Tel.:
069/7 98-2 22 75 (vormittags) Fax: 069/7 98-2 83 32
Internetadressen
zu Sprache, Sprachkritik etc.:
www.sprachkritik.de
(Sprachkritik)
www.weltkreis.com/mauthner.html
(Mauthner-Gesellschaft - Verein der Sprachkritiker)
www.vwds.de
(Verein zur Wahrung der deutschen Sprache - darin auch zu den Aktionen:
Sprachhunzer und Sprachpanscher)
http://www.unwortdesjahres.uni-frankfurt.de/
(Aktion „Unwort des Jahres“)
www.yahoo.de/Geisteswissenschaften/Sprach_und_Literaturwissenschaft/
www.dino-online.de/seiten/go14s.htm
(Sprache)
www.aski.org/institute/gfds.htm
(Gesellschaft für deutsche Sprache)
www.ims.uni-stuttgart.de/GfS/ (Gesellsch. f. Semantik)
http://www.ualberta.ca/~german/idv/start.htm (Internationaler Deutschlehrer-Verband (IDV)
www.june29.com/HLP/
(Ressourcen zu fast allen Sprachen der Welt, mit Tonbspp.)
www.goethe.de
(Goethe-Institut)
www.ldl.de/material/berichte/deutsch/deutsch.htm
(Berichte und Material zu „Lernen durch Lehren“ im DU)
www.du-online.com
(Unterrichtseinheiten und Material - Sprache)
http://members.aol.com/ursprach/frame_ur.htm
(Material zu Sprachentstehung, Spracherwerb)
http://legasthenie.org/
(Informationen zu LRS)
www.kultur-netz.de/rhetorik.htm
(Rhetorik, Rede etc.)
www.ids-mannheim.de
(Institut für Deutsche Sprache)
www.linse.uni-essen.de
(Sprache und Linguistik)
www.lpb.bwue.de/aktuell/puu/1_98/puu981.htm
(Sprache und Politik)
www.websprache.uni-hannover.de/index.htm (Sprache im Internet)
http://viadrina.euv-frankfurt-o.de˜wjournal/inhalt1_98.html
(Linguistik online)
www.tornsdorf.de/toss/lehrer/deutsch1.htm
(die häufigsten Fehler)
www.uni-duesseldorf.de/WWW/ulb/frau.html
(u.a. Frauen-/Männersprache Uni Düsseldorf)
www.woman.de
- www.uni-passau.de/passau/ Frauen/
(zu: u.a. Frauen-/Männersprache)
http://www.jugendsprache.uni-hannover.de/de/papers/index.htm
www.iid.de
(Themen zur Informationsgesellschaft)
www.uni-trier.de/uni/fb2/daf/projekte/grammatik.htm
(Grammatik-Projekte)
www.rrz.uni-koeln.de/ew-fak/Deutsch/Projekte/handbuch/ (Handbuch Sprachdidaktik)
www.ph-heidelberg.de/wp/huneke/hils/hils.htm (Hinweise zu Linguistik und Sprachdidaktik)
www.udoklinger.de/Grammatik/Grammatik.htm
(Grammatik-Probleme)
© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de