Günther Einecke: Vom integrierten
Grammatikunterricht zu Strategien der Sprachbewusstheit
(Beitrag zum Hamburger
Germanistentag 2000)
Im Grammatikunterricht geht es sowohl um den Aufbau eines -
didaktisch reduzierten - Orientierungswissens, das instrumentell für
die Reflexion über Sprache eingesetzt werden kann, als auch um den Aufbau von Kompetenzen,
welche die Schülerinnen und Schüler zur Reflexion über Sprache bewegen und
befähigen. Neben die Vermittlung eines Sachwissens tritt die Vermittlung von
Strategien: Lernstrategien der Sprache gegenüber (z.B. operationale Verfahren)
und Verhaltensstrategien in Kommunikationssituationen (z.B. Formen der
Sprachaufmerksamkeit).
Im integrierten Grammatikunterricht erfahren die
Schülerinnen und Schüler beim Umgang mit komplexen authentischen und
literarischen Texten in Formen des entdeckenden Lernens deklaratives
und prozedurales Sprachwissen in Funktion für die
Arbeitsbereiche „Literatur, Sachtexte und Medien“, „Schreiben“ sowie „Sprechen
und Gespräch“.
Die Elemente des zu erwerbenden Sachwissens erhalten
einen Zusammenhang in der Zusammenschau „kleiner grammatischer Teilsysteme“,
die unter semantischem Aspekt für die sprachlichen Wahlmöglichkeiten im eigenen
Formulierungsverhalten oder für das Erkennen der Formulierungsentscheidungen
in fremden Texten relevant sind: z.B. Präzisierung durch Adverbialgruppen;
Differenzierung durch Wortwahl; Temporalgruppe; Modalgruppe; Passivvarianten;
Varianten der Attribuierung; Varianten der
Verknüpfung; Varianten des geschlechtsneutralen oder geschlechterdifferenzierenden
Formulierens; Varianten der Textkomplexität (Nominalisierung vs.
Verbalisierung, Satzreihe vs. Satzgefüge, Neben- vs. Unterordnung); etc.
Neben die grundlegenden Unterrichtsmethoden des
entdeckenden Lernens und der induktiven Erarbeitung treten tendenziell nach
Alter abgestufte Handlungsweisen: spielerisch-experimentelle Verfahren -
produktive sowie analytisch-interpretierende
Verfahren - problemorientierte sowie sprachkritische Verfahren.
Integrierter
Grammatikunterricht: Grammatik für Textproduktion und Textrezeption -
Klassen 5-10
Die integrierte
Sprachreflexion im muttersprachlichen Unterricht ist nach den Richtlinien
vieler Länder sowie dem hier vertretenen Ansatz mit Texten in den anderen
Lernbereichen zu verbinden. Seit den 70er Jahren hat die „kommunikative Wende“
im Deutschunterricht dafür gesorgt, dass im Unterricht der Sekundarstufe I
nicht das komplette „System der Sprache“ als ein im Unterricht abzubildender
Lernkomplex im Mittelpunkt steht, sondern die sprachliche Qualifizierung der
Schülerinnen und Schüler für ihre Textproduktion und Textrezeption. Allerdings
ist z.Zt. ein Wiederaufleben systemorientierter
Bemühungen unverkennbar. Tatsächlich ist auch der integrierte Grammatikunterricht
„systematisch“, systematisch nämlich in der langfristigen Progression mit
Formen des kumulativen Lernens (Anknüpfung, Wiederholung und Rückgriffe) und
systematisch im lernpsychologischen Ablauf der induktiven Prozesse bei der
Einführung neuer sprachlicher Phänomene.
Grammatik integrieren
heißt, die Funktionen und Formen sprachlicher Phänomene an motivierenden
Situationen und Texten bei der Textproduktion und der Textrezeption zu
erarbeiten.
Als Planungsverfahren
haben sich drei mehrfach publizierte [1]
Schritte bewährt:
▪
in der Reihenplanung „anbinden“,
d.h. im Jahresplan Verknüpfungen zwischen grammatischem Lernstoff und den
Texten und Schreibaufgaben der anderen Teilbereichen herstellen, z.B. Konjunktiv
II an „Wunschtexte, Utopien, Phantastereien“
▪
in der Stundenplanung „induktiv
einführen“, d.h. bei der Einführung eines grammatischen Phänomens im
Sequenzzusammenhang einer Textrezeption oder Textproduktion (= Kontextuierung)
einen lernpsychologischen Weg beachten: von der Erfahrung an Sprache und
Texten (Textrezeption oder Textproduktion) zur Reflexion
(Thematisierung des im Text auffälligen sprachlichen Phänomens - Beobachtung -
Bezeichnung - Funktionsbestimmung) zur Anwendung (Erkanntes an weiteren
Texten wiedererkennen oder im eigenen Schreiben anwenden - Üben)
▪
in der Phasenplanung „fokussieren“,
d.h. in den spezifischen Stunden zur Sprachreflexion, insbesondere in den sogen. Einführungsstunden den Wechsel von der Inhaltseben der Texte auf die sprachliche Ebene gezielt
methodisieren (s.u.)
Deutschunterricht
Sekundarstufe I
Integration
der Lernbereiche: integrierter Grammatikunterricht
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Sach- und Problemorientierung ↓ Literaturunterricht |
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Textrezeption |
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literarischer musischer kreativer |
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Textproduktion |
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lesen, sehen und hören: verstehen |
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medienorientierter handlungsorientierter projektorientierter Deutschunterricht |
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schreiben und sprechen: sich mitteilen |
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↑ |
↑ Sprachunterricht |
↑ |
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funktional |
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kommunikative Funktionen kontextuelle Funktionen stilistische Funktionen Sprachfunktionen Zeichenfunktionen der sprachlichen Formen |
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pragmatische Hör-
und Leseerziehung |
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funktionale
Grammatik |
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pragmatische Sprech-, Schreib- und Rechtschreiberziehung |
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-
thematisieren -
nachdenken |
|
Reflexion über Sprache |
|
- besprechen - benennen - kritisieren |
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in höheren Jahrgangsstufen auch: |
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Kommunikationsanalyse Sprachkritik Sprache und
Gesellschaft Sprache und
Herrschaft Sprachgeschichte Sprachvarietäten interkulturelle
Leistungen der Sprache |
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Funktionale
Grammatik: die Funktionen und das „Funktionieren“ der sprachlichen Mittel
Beispiel: Attribute
Vorgang der Kontextuierung
für die Integration in eine Lernsequenz
|
1. Reihenplanung: „anbinden“ |
Unterrichtssequenz - Richtlinien - Jahresplan: Textsorten
+ grammatische Phänomene
Verwendungszusammenhang: Kommunikations-
und Lebenssituationen
Lernbereiche: Umgang mit Texten + Textproduktion
+ Reflexion über Sprache
Funktionen: kommunikative,
kontextuelle und stilistisch-rhetorische Funktionen
semantische, syntaktische und pragmatische Ebene
Beispiel: Jg. 6/7 grammatisches Thema:
Attribute Textsorte: Personenbeschreibungen
Verwendungszusammenhang: Literatur: Kriminalgeschichten -
Aufsatzerziehung
Funktion:
Präzisierung in der Beschreibungssprache
|
2. Stundenplanung: „induktiv einführen“ |
Kerntext: in dem Text, an dem ein grammatisches
Phänomen explizit eingeführt
werden soll,
kommt das grammatische
Element natürlich, stark repräsentiert
und funktional vor
Kontextuierung:
Umgang mit Texten und Aufsatzerziehung
Lernpsychologischer Ablauf: Prozeß der Induktion
Beispiel:
Erzähltext: Hans
Bender, „Ein Bär wächst bis zum Dach“ - Kriminalgeschichte
|
3. Phasenplanung: „fokussieren“ |
Wechsel der Betrachtungsebenen:
Arbeit in der Inhaltsebene + in der Formebene
Gesprächssteuerung: z.B. Textverfremdung
Unterrichtsmethoden:
- entdeckendes Lernen:
Beispiel:
Diebstahl
Jungen gelang es gestern am
Nachmittag, den Jungbären an sich zu nehmen und zu entführen. Die Täter
entkamen über den Zaun. Nach Aussagen trugen die Jungen Hosen und Hemden. Der
Verein bittet die Bevölkerung, bei der Suche behilflich zu sein und Angaben
an ihn direkt oder an das Polizeirevier zu machen.
- operationale Verfahren: Ergänzungsprobe...
/blaue / grüne
Was für Hosen und Hemden? → / Hosen und / Hemden
Man sollte beachten, dass diese Integration zwar
grundsätzlich immer möglich ist; nur sollte sie nicht fortwährend geschehen, da
Deutschunterricht auch noch problemorientiert, musisch, literarisch,
medienorientiert etc. angelegt werden soll.
Nun ist die Reflexion über Sprache und die damit verbundene
Einführung fachsprachlicher Begrifflichkeit für
grammatische Einzelphänomene (Nomen, Kasus, Inhaltssatz, Inversion, ...),
für sprachliche Phänomene
(Umgangssprache, Konnotation, Appell, Sprachhandlung, ...) sowie für sprachliche
Prozeduren („Proben“ wie Klangprobe, Textrevision, Vergleich von
Formulierungsvarianten etc.) in jahrgangstypischen Lernportionen
zu konzipieren. Der Hamburger Rahmenplan z.B. zeigt zum einen bereits eine angemessenere Verteilung der Lerngegenstände, indem er die
übliche Ballung der Menge an grammatischen Phänomenen in den Jahrgängen 5-6
überwindet. Zum anderen können seine drei Grundprinzipien „Aneignen -
Nachdenken - Verständigung“ ebenfalls gut als Schwerpunkte auf die einzelnen
Jahrgangsstufen verteilt werden, auch wenn immer alle drei Aspekte zusammengehören:
Reflexion über Sprache - Sekundarstufe I
|
Jg. 5/6 |
Aneignen
- Nachdenken - Verständigung |
|
sprachliche
Gegenstände |
grammatisches
Grundwissen - Bauformen, Regeln und Funktionen: Satzarten - Satzglieder
- Wortarten - Wortbildung - Wortbedeutung |
|
sprachliche
Methoden |
operationale Verfahren -
„Proben“: W-Fragenprobe, Nachschlagen... ESAU-Regel: Ergänzen - Streichen
- Austauschen - Umstellen |
|
Unterrichts-methoden |
Reflexion in Gang setzen: Spielen
und Experimentieren mit Sprache Beobachten - Erklären - Üben an Texten |
|
Beispiel |
ottos mops - Satzgliedstellung |
|
Jg. 7/8 |
Aneignen - Nachdenken - Verständigung |
|
sprachliche
Gegenstände |
grammatisches Grundwissen
- Bauformen, Regeln und Funktionen: Gliedsätze, Satzglieder, Passiv-Aktiv, Attribute,
Konjunktiv |
|
sprachliche
Methoden |
operationale Verfahren - „Proben“: Klangprobe,
Segmentierung, Passivprobe, Umstellprobe, syntaktische Varianten, semantische
Präzisierung ... |
|
Unterrichts-methoden |
Reflexion in Gang setzen: Analysieren und Reflektieren -
Sprachuntersuchung an Texten Textoptimierung:
Produktion von
Formulierungsvarianten:
„kleine grammatische Teilsysteme“ |
|
Beispiel |
Redewiedergabe in der Inhaltsangabe (Covertext,
Filmrezension...) |
|
Jg. 9/10 |
Aneignen - Nachdenken - Verständigung |
|
sprachliche
Gegenstände |
grammatisches Grundwissen
- Bauformen, Regeln und Funktionen: Sprachebenen, Stil (Nominal-/Verbalstil, Infinitiv- und
Partizipgruppe, ...), Mediensprache, Sprachwandel, rhetorische Mittel |
|
sprachliche
Methoden |
operationale Verfahren - „Proben“: Textparaphrase,
Textrevision und Stilübungen, Begriffsklärung und Definition, semantische
Verfahren, Kommunikationsanalyse, Metakommunikation - Strategien der
Sprachbewusstheit |
|
Unterrichts-methoden |
Reflexion in Gang
setzen: Konfrontation mit „sprachlichen Fällen“ -
eingreifende Verfahren (Leserbriefe, Sprachkritik,
Glosse...) bei Rezeption gesellschaftlicher und medialer
Auseinandersetzungen um Sprache, Verständigung und Kommunikation (sich)
über Sprache informieren - Kenntnisse
über Sprache |
|
Beispiel |
„kurdisches Sprachverbot“ - Sprachbewusstheit in aktuellen
Fällen |
Es gibt inzwischen viele Sprachspiele[2] oder
auch spielerische Texte[3], bei denen
die Schüler unwillkürlich Umgang mit Sprache haben. Sie lassen sich oft
nutzen, um gezielt auf einzelne, das Spiel oder den Text beherrschende
sprachliche und grammatische Phänomene einzugehen. Die Schüler können auch
eigene Spielideen durch Übertragung entwickeln oder mit eigenen Texten
experimentieren. Dabei muss nur darauf geachtet werden, welche grammatischen
Phänomene durch Spiele und spielerische Texte abgedeckt werden können und
welche auf andere Weise zu thematisieren sind.
Sprachspiele als
Ausgangspunkt nehmen:
Wortmaschine: Eine
Art Sortiermaschine bietet in
verschiedenen Schächten eine Anzahl Wörter an, die zu neuen Komposita
zusammengefügt werden.
Kofferpacken: Übung
zur Verwendung von Nomen, z.B. Schüler
A: In meinem Koffer sind zwei
Hemden, Schüler B: In meinem Koffer sind zwei Hemden und ein Paar
Schuhe... (Schlangenbildung)
Heiß-kalt-Versteckspiel: Übung in Präpositionen/Adverbialen: z.B. Ist
es auf dem Fensterbrett? - kalt!
Ist es
hinter der Gardine? - wärmer...
Teekesselchen: Die
Mitschüler müssen Homonyme (gleichlautende, in der
Bedeutung aber verschiedene Wörter) erraten: z.B. Bank, Birne, Kunde, Gericht, Steuer, Kiefer, Tau etc. - z.B. Schüler A: Mein Teekesselchen ist aus
Metall. / Schüler B: Mein Teekesselchen ist aus Stein. ...
(also: "Schloss")
Rätseltexte:
Schüler schreiben Texte über bedeutende Persönlichkeiten oder bekannte Gegenstände so, dass sie die
Namen oder Bezeichnungen nicht
verwenden, statt dessen müssen sie mit Pronomen arbeiten; die Mitschüler erraten
die Person oder Sache.
Klopfwörter-Texte:
Dies kann zur Unterscheidung von
Wortarten eingesetzt werden; dabei sind im Spielauftrag also entsprechende
Vorgaben zu machen: Eine bestimmte Wortart wird angegeben, dann erfolgt ein
Klopfzeichen. Bei jedem Klopfzeichen schreibt man ein Wort aus der vorgegebenen
Wortart hin, das man gerade im Kopf habt. Man
überlässt sich dabei dem Zufall. Acht-
bis zehnmal erfolgen der Wechsel in der Wortart und das Klopfzeichen in einigem
Abstand. - Aus den notierten Wörtern verfasst man dann innerhalb von 10
- 15 Minuten einen Text, der alle Wörter enthält. Man kombiniert dabei wie in
einem Puzzlespiel. - Willkürliche, phantastische Texte entstehen z.B. nach den
Wortarten Nomen / Adjektiv / Nomen / Verb / Zeitadverb / Präposition / Nomen →
die assoziativ gewonnenen "Klopfwörter": Hitze / blau / Hemd / laufen
/ heute / Affe → der Text: Heute komme ich vor Hitze um. Strahlend blauer
Himmel. Ich laufe nur noch im Hemd. Mich laust der Affe. ...
Satzscharade:
Einige Schüler tragen auf Plakaten Satzglieder vor sich her, und die Klasse
muss durch Umstellen, d.h. Verschiebeprobe, die Schüler zu sinnvollen Sätzen
nebeneinander stellen. Beim Umstellen ist zu bemerken, dass der Schüler mit dem
finiten Verb/Prädikat stehen bleibt.
Satzglieder- Memory: eine
größere Zahl Karten mit ganzen Sätzen, in denen bestimmte Satzglieder fett
hervorgehoben sind, und entsprechend viele Karten mit entsprechenden Satzgliedbezeichnungen;
gemischt und umgedreht auf den Tisch verteilen; 3 - 5 Schülerinnen und Schüler
decken reihum eine Karte auf und drehen sie wieder um; finden sie eine
Satzgliedbezeichnung zu einem in Erinnerung gebliebenen Satz mit dem Satzglied
(und umgekehrt), dürfen sie beide aufdecken; man sammelt also möglichst viele
Paare; - kann man selber herstellen (lassen).
Satzbaukasten: Die
Schüler füllen frei oder aus vorgegebenem Wortmaterial vorgegebene Satzmuster,
für die sie ggf. selbst die Art und Reihenfolge der Satzglieder festlegen.
Dabei kommen sie Satzbildungsregeln auf
die Spur (z.B. Satzakzent,
Inversion, Gesetz der wachsenden Glieder, ZAOG-Regel
für die Folge der Adverbiale etc.)
|
Satzglied |
Subjekt (Plural) |
Prädikat (Präsens) |
Adverbiale (temp.) |
Objekt (Akk.) |
Adverbiale (lokal) |
|
Beispiel |
Die Vögel |
finden |
morgens |
ihr Futter |
im Wald |
Falttexte: In
Gruppen sollen miteinander, aber verdeckt, neue, kuriose Sätze gebildet werden:
Man besetzt die Gruppen mit so vielen Mitgliedern, wie Satzglieder in den
beabsichtigten Sätzen vorkommen sollen. Ein Schiedsrichter diktiert für alle
Gruppen nacheinander jeweils die grammatische Bezeichnung der Satzglieder (und
Gliedsätze). Bei jedem Kommando schreiben die ersten Mitglieder einer jeden
Gruppe ein Textstück, das die Form des bezeichneten Satzglieds hat, in der
obersten Zeile eines linierten Blattes auf, sie falten die oberste Zeile nach
hinten, so dass die zweiten Gruppenmitglieder die Zeile nicht sehen, und
reichen das Blatt an sie weiter; die schreiben wieder auf Kommando das nächste
Satzglied usw. - Der Schiedsrichter muss darauf achten, dass seine Satzgliedfolge
auch einen vernünftigen Satz ergeben kann. Beispiel:
|
Adverbiale Bestimmung
des Ortes |
Prädikat/finites Verb (intransitiv/Singular) |
Adverb |
Subjekt |
|
Im Hinterhof |
hustete |
soeben |
die Lehrerin. |
|
In der Dunkelkammer |
kreischt
|
hungrig |
eine Rose. |
|
Im Leichenwagen |
blüht
|
samstags |
der Minister. |
Folienpuzzle: Wenn
mit sprachlichen Elementen umgegangen wird, die zu größeren Einheiten zusammengefügt werden sollen, können die Elemente
wie ein Puzzle erstellt und zunächst willkürlich aufgelegt und dann von den Schülern sinnvoll angeordnet
werden: z.B. Kompositapuzzle,
Satzgliedpuzzle...
Schreibspiel ELFCHEN:
Die Schüler entwerfen Kurztexte, Gedichte, Schlagzeilen etc., die aus nur genau
elf Wörtern bestehen dürfen, die wiederum nach folgender Regel auf fünf Zeilen
zu verteilen sind. Die Schüler schreiben alleine oder entwickeln gemeinsam oder
reichen beim Schreiben weiter: Der erste schreibt ein Wort, der nächste zwei,
der dritte drei; wenn vier Wörter in der Reihe stehen, muss der fünfte ein
treffendes Abschlusswort finden. - Syntaktische und semantische Beobachtungen
schließen sich an: z.B.
|
wagemutig rannten sie durch den Wald um sich zu retten geschafft! |
|
Wolken am Himmel ziehen in Fetzen weil Wind sie jagt vorbei |
Subjekt/Objekt-Schlange: Wer eine 1 oder eine 6
würfelt darf beginnen. Die Schüler bewegen sich auf einer Reise - eingezeichnet
auf einer Spielunterlage - mit ihren Hütchen vorwärts
und müssen bei einer bestimmten Würfelzahl auf Feldern, in denen ein Wort als
Subjekt oder als Objekt vorgegeben ist, einen entsprechenden Satz mit dem
vorgegebenen Wort / Satzglied bilden. Erst wenn der Partner einverstanden ist,
darf der Spieler weiterwürfeln.
|
Computertexte: |
ich ich ich
ich ich ich ich ich ich
ich ich ich ich ich du ich ich ich ich ich ich
ich ich ich ich ich ich
ich ich ich |
Die Möglichkeiten der Textbearbeitung nutzen: z.B. Nomen und Verben ersetzen, den Numerus, die Flexionsendungen,
das Tempus etc. verändern; so entstehen Textbilder, Buchstabenobjekte,
konkrete Poesie... |
Spielerische Texte
als Ausgangspunkt nehmen und kreative Übungen anschließen:
Klasse 6:
Attribute (Adjektivattribute / präpositionale
Attribute)
Was ich alles zum Geburtstag bekam
Von Onkel Rolf einen ausgestopften Wolf, von Kusine (Veronika) __________________________ von meinem Freund (Hans-Peter) __________________________ usw. |
Was ich dir zum Geburtstag wünsche einen Nachmittag mit viel Ruhe einen Fund in einer Truhe _____________________ _____________________ usw. |
[in: Domengo
(1984), 18 / nach Elfriede Kuntz, Karlsruhe]
Allerdings: All diese Spiele
führen erst zur Reflexion über Sprache und zum Kennenlernen der Formen, Begriffe und Funktionen, wenn
durch eine Fokussierung eine kognitive Phase eingeleitet wird:
Spielen mit Sprache und Texten
↓
Fokussierung: Schwenk vom Spiel oder
Text auf die Ebene der sprachlichen Formen
↓
Reflexion in der Formebene
des Spieles oder Textes: sprachliche
Erscheinungen - grammatische Elemente - Untersuchung der Formen
↓
Reflexion der Funktionen der
thematisierten sprachlichen Mittel: im Spiel → im Satz - im Text - für
das Verständnis - für die Wirkung etc.
↓
Phase der Rückwendung zum Spiel oder Text
Stundenthema: Ernst
Jandls Lautgedicht "ottos mops" - Satz, Subjekt und Prädikat (Jg. 5)[4]
|
ottos mops
ottos
mops trotzt otto: fort mops fort ottos mops hopst fort otto: soso 5 otto holt koks otto holt obst otto horcht otto: mops mops otto hofft 10 ottos mops klopft otto: komm mops komm ottos mops
kommt ottos mops
kotzt otto: ogottogott |
|
1. Textvortrag - Spontanes - Inhaltsebene (Text mit OHP-Folie projiziert!) Schüler wenden sich zu: dem Mops und seinem Herrchen Otto,
den einzelnen Tätigkeiten und Vorgängen, dem Gesamtablauf der Handlung -
Paraphrase 2. Zweites Lesen -
Klangeindruck - Gestaltebene Schüler erkennen: "o"- Vokal als Grundlage der
Wortwahl, Reimlosigkeit, fehlende Satzzeichen bis auf ":",
Kleinschreibung, Kürze der Verszeilen, Zeilenstil, Wechsel zwischen Handlungen und wörtlichen Reden etc. 3.
Fokussierung auf die Zweiteilung
in den einzelnen Zeilen hin: Durch vertikales Abdecken
der ersten 1 bzw. 2 Wörter im Text mit Papierstreifen auf der Folie - Otto
oder Ottos Mops -wird in der vertikalen Struktur die Zweiteilung von Sätzen
besonders gut gespiegelt: Otto und Ottos Mops als Subjekte - ihre
Aktivitäten (Prädikat + Objekt bzw. Doppelpunkt = „sagt“ + Äußerung) |
Folie:
|
ottos mops |
trotzt |
weitere |
|
Tafel 1: |
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|||||||
|
otto |
holt koks |
Beispiele → |
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Otto horcht. |
|
|
||||||
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ottos
mops |
klopft |
|
|
|
↓ |
|
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||||||
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Tafel 2: |
|
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Satz |
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||||||
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Wer oder Was? |
Was tut er/sie? |
Erfragen |
|
↓ |
|
↓ |
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Subjekt |
Prädikat |
Begriff |
|
Subjekt |
|
Prädikat |
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||||||
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Handlungsträger |
Handlung |
Funktion |
|
|
|
↓ |
|
||||||
|
otto |
holt koks |
Beispiel |
|
|
|
Prädikatsgruppe |
|
||||||
4. Reflexion: Schüler
beobachten die zwei Satzgliedgruppen Subjekt und Prädikat und erkennen, dass
zum einen Handlungsträger und zum andern die Handlung durch die Satzglieder
repräsentiert sind (nach didaktischer Reduktion auf "Handlungssätze"
hin; später zu erweitern um Vorgangs- und Zustandssätze)
5. Stillarbeit zur
systematischen Suche: Schüler tragen weitere Beispiele zusammen
Sie unterscheiden Ottos und Mops' Tätigkeiten, sie bilden neue
Sätze, indem sie die Doppelpunkte durch verba dicendi ersetzen; Auswertung
6. Vorschlag neuer
Titel für eigene Texte und spielerische Textproduktion:
Peters Esel segelt; Annas Aal malt; Ruths Uhu ruft; Franks
Ara klagt; Inges Iltis isst...
Unterrichtsmethoden
- 7/8:
Textoptimierung:
Produktion von Formulierungsvarianten
Bei der Konzeption von Äußerungen wählt man -
„in Gedanken“ oder mit Notizen - aus einem Bestand an sprachlichen Varianten
und erprobt die geeigneten im Kontext, bis die der Intention entsprechende
Formulierung gefunden ist.
Zentral ist das Lernprinzip:
Eine sprachliche Aufgabe lässt mehrere Lösungen zu!
Zum Beispiel der
Einsatz von Passivvarianten:
Die Farbe wird verstrichen.
a) man-Form: Man verstreicht die Farbe kreuzweise.
b) reflexive Form: Die Farbe
verstreicht sich gut.
c) lassen-Form:
Die Farbe lässt sich streifenfrei verstreichen.
d) Verbform von "sein" + Adjektiv mit Endung -bar: Die Farbe ist sofort verstreichbar.
e) Adverbial: Beim
Verstreichen muss man vorsichtig sein.
g) Imperativ-Form:
Verstreichen Sie die Farbe in langen Zügen.
h) Infinitiv-Form: Farbe
sofort verstreichen.
i) Sie/Du-Aussage-Form:
Sie verstreichen sofort die Farbe.
Als „Realitätserfahrungskomplexe“ [6] bezeichnet Pauly Teilsysteme der Sprache, die
einen semantischen Komplex darstellen und unterschiedliche sprachliche,
grammatische Füllungen erlauben. Wenn die Schülerinnen und Schüler die
Grundkenntnisse an Wortarten, Satzarten, Gliedsätzen etc. erreicht haben,
stellt der Überblick über solche Teilsysteme ab Jg. 7/8 eine
verbesserte Orientierung des elementhaften Wissens
und eine gute Anwendungsmöglichkeit im Rahmen des eigenen Formulierens her. Realitätserfahrungskomplexe sind z.B.:
▪
Lokales: Ort, Richtung, Abstand,
Entfernung, Herkunft, Ziel...
▪
Temporales: Gegenwart, Vergangenheit,
Zukunft, Vorzeitigkeit, Gleichzeitigkeit, Nachzeitigkeit, Rückblende,
Vorausdeutung, Zeitverlauf, Stillstand, Zeitlosigkeit...
▪
Modales: Tatform, Leideform,
Sicherheit und Wahrscheinlichkeit, Möglichkeit und Unmöglichkeit, Grade der
Obligation, der Erlaubnis...
▪
Dynamik: Zustand, Vorgang,
Initiierung, Verstärkung, Beruhigung....
▪
Sexus: natürliches und
grammatisches Geschlecht, geschlechtsbetonte und geschlechtsneutrale
Darstellung...
▪
Bestimmtheit - Unbestimmtheit
▪
Gegensatz - Gleichheit
▪ Einheit
- Vielheit
▪
Formen der Textverknüpfung:
Konjunktionen, Pronomen, Adverbien, Gliedsätze, explizite Leserführung durch advance organizer, ...
▪
Formen der Präzisierung:
Adverbiale, Attribute etc. in unterschiedlicher gram. Füllung
Für einen Realitätskomplex sind dann die sprachlichen Varianten auszumachen:
z.B. Grammatische Varianten im Teilsystem „Lokales“
●
Nomen: Wald, Straßenkreuzung
●
Präpositionalgefüge als adverbiale Bestimmung: sie
steht auf dem Platz
●
präpositionales Attribut: das Fenster am
Hinterausgang
●
lokale Präpositionen: auf, über, hinter, vor,
neben, unter
●
Adverbien: dort
●
Pronominaladverbiale: dahinter
●
Lokalsätze: Wir sehen uns wieder, wo wir uns
Dienstag getroffen haben.
●
lokaler Relativsatze: der Tisch, auf dem ein
Buch liegt
●
Fragesatz und lokales Interrogativpronomen: Wo
ist meine Tasche?
●
indirekter Fragesatz: Sie weiß nicht, wo ihre
Tasche liegt.
●
komplexe Formulierungen, die diese grammatischen
Elemente kombinieren.
Im Unterricht lässt sich das Wissen um Teilsysteme induktiv
aufbauen:
|
bei der Textproduktion -
Erproben von Formulierungen -
Auswahl und Formulierungsentscheidung -
Umformulieren -
Präzisieren -
wirkungsvolles Schreiben |
bei der Textrezeption - Erfahren der Wirkung
verschiedener Textvarianten -
Erschließen der Formulierungsspielräume des Verfassers -
Erschließen der Wirkungsabsicht |
In Formen der Schreibkonferenz oder Tandemarbeit schreiben
und besprechen die Schülerinnen und Schüler ihre Texte untereinander: Textentwürfe individuell - Textkritik und Textbewertung zu zweit oder dritt.
Beispiel für die
Fokussierung durch Experimentieren mit eigenen Formulierungsvarianten
Bei der Textproduktion sollten immer auch Verfahren der
Textoptimierung genutzt werden. Dazu dienen die "Proben", die
Ergänzungsprobe, Streichprobe, Austauschprobe und Umstellprobe, die Klangprobe,
die Segmentierung und die Paraphrase.
Diese Proben sind zugleich Prozeduren, mit denen sprachliche Vorgänge und
Erscheinungen beobachtet werden können. Indem die Schüler selbst erproben,
befassen sie sich mit bestimmten Formen und Funktionen und müssen dabei die
grammatische Metasprache als Instrument verwenden, wenn sie die eine Variante
von der anderen unterscheiden und darüber sprechen wollen.
Unterrichtsbeispiel: Stundenthema: Indianergeschichten - Inhaltsangabe - Inhaltssätze
(Jg. 7)
Voraussetzung:
Die Schüler haben in der Reihe schon an Inhaltsangaben gearbeitet.
1. Entwicklung einer Problemstellung für die
Produktion: Die Schüler sollen die wörtliche Rede der Originaltexte in
raffender Form wiedergeben.
2. Angehen eines Textbeispiels und Aufgabe:
L: "Ihr habt gerade eine Indianergeschichte gelesen. Wir verfassen dazu
eine Inhaltsangabe für einen Buchprospekt. Lasst uns ausprobieren, wie man die
langen Dialogteile aus der Erzählung in einer knappen Inhaltsangabe unterbringen
kann! -
S:
beobachten, schlagen vor, erproben etc.
3.
Fokussierung: Die Schüler lesen Text A und schlagen Formulierungen vor,
z.B. wie in B. Diese Varianten aus den Schülerangeboten werden herausgegriffen
(Tafel/Folie) und beobachtet.
|
|
Original |
|
Schülertexte |
|
A) |
(Old Shatterhand) Ich
fragte den Gefangenen: "Was denkst du wohl, was ich nun mit dir
tue?" "Ni niskhi tsetsetsokhiskhan shi - töte und skalpiere mich!" antwortete er. "Nein, das tue ich
nicht", sagte ich. "Ich bin nicht dein Feind; ich bin ein Freund
aller roten Männer. Ich nahm dich nur gefangen, um mich vor Schaden zu bewahren.
Zu welchem Volk gehörst du?" |
B1) B2) B3) |
Old Shatterhand nimmt den Sioux nur gefangen und erklärt ihm, er sei
ein Freund der Indianer. Old Shatterhand nimmt den Sioux nur gefangen und erklärt ihm, dass
er ein Freund der Indianer sei. Old Shatterhand nimmt den Sioux nur gefangen und stellt sich als
Freund der Indianer dar. |
4. Reflexion
der Lösungen und ihrer sprachlichen Mittel: Die Schüler vergleichen:
inhaltlich - welche Informationen in der Transformation erhalten sind; formal
- durch welche syntaktischen Formen die Raffung erfolgt und wie die wörtliche
Rede einer Textfigur als Ausgangspunkt dennoch erkennbar bleibt. à
Inhaltssatz.
5. Kognitivierung der Variantenbildung von Inhaltssätzen: Man kann verschiedene Umformungsproben machen. à
Redewiedergabe als indirekte Rede im angefügten zweiten Hauptsatz (B1) oder
im dass-Satz (B2) oder als Zitat (B3) - Die Schüler beurteilen die unterschiedliche Wirkung der Varianten und
entscheiden sich für eine Lösung.
Unterrichtsmethoden
- 9/10: Konfrontation mit „sprachlichen Fällen“
Die Schülerinnen und Schüler können fast jeden Tag eine
Auseinandersetzung mit Erscheinungsformen der Sprache in den Medien und in
ihrer sprachlichen Umwelt beobachten: sprachliche Lässigkeiten, sprachliche
Gewalt oder Diskriminierung, sprachliche Einflussnahme und Werbung, sprachliche
Verstöße etc. Der Bereich „Reflexion über Sprache“ will auch den
sprachaufmerksamen Bürger, der sprachbewusst und somit kritisch sprachliche
Vorgänge registriert und ggf. darauf reagiert, privat oder öffentlich; z.B.
mit „eingreifenden Verfahren“ wie Leserbriefe,
Sprachkritik, Glosse, Widerspruch, Zustimmung, Diskussion, Bitte um Klärung
etc. Dazu gehört dann auch, dass die Schülerinnen und Schüler Zeitungslektüre
betreiben, Magazine in den Medien sehen und hören, also an der öffentlichen
Meinungsbildung teilnehmen.
Wiederum ist es notwendig, im Unterricht auch die
sprachlichen und grammatischen Mechanismen zu erarbeiten, die bei solchen
„sprachlichen Fällen“ wirksam sind:
Kölner Stadtanzeiger 27. 8. 1999
Leserbriefe
Mediendeutsch
- Kurdisches Sprachverbot?
In Ihrem Kommentar „Jetzt
ist Ankara am Zug“ wird gefordert, „das kurdische Sprachverbot“ aufzuheben.
Bisher ist nicht bekannt, dass die Kurden eine Sprache verboten haben. Also
muss es sich wieder einmal um die falsche Zuordnung eines Adjektivs handeln.
[...]
das
Sprachverbot der Kurden ?
das kurdische Sprachverbot
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das
Verbot der kurdischen Sprache ?
Kompositum
Adjektiv Bestimmungswort
Grundwort
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das kurdische
Sprach-...................... verbot
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Aufbau prozeduralen sprachlichen
Wissens: Sprachbewusstheit -
Sprachaufmerksamkeit[7]

Authentische Texte, entdeckendes Lernen und Lernerautonomie
sind maßgebliche didaktische Kategorien für den integrierten
Grammatikunterricht ab Jg. 9/10. - Nachdem in den Jahrgängen 5 - 8 eher die
syntaktischen und lexikalischen Grundphänomene im Mittelpunkt des Lernbereichs
Reflexion über Sprache standen, soll es in 9/10 verstärkt um semantische,
kommunikationsanalytische, sprachkritische und medienkritische Aspekte gehen.
Dazu benötigen die Schülerinnen und Schüler vor allem prozedurales
Wissen, mit dem sie sprachbewusst wahrnehmen und dem öffentlichen Sprachgebrauch
gegenüber selbstbewusst agieren können. Die „kognitivistische
Wende“ der 70-80er Jahre und zuletzt - allerdings übertrieben in der
Radikalisierung der Lernerautonomie - die „konstruktivistische Wende“ der 90er
Jahre haben die Forderung betont, dass die Schülerinnen und Schüler im
Deutschunterricht an möglichst authentischen Texten und Situationen (incl.
eigene Texte und Mitschülertexte sowie schulische Situationen) selbständig
Prozeduren entwickeln und anwenden lernen, mit denen sie jenseits von Schule
als sprachbewusste Bürgerinnen und Bürger die ihnen begegnende Sprache aufmerksam
erfassen und auf sie reagieren. Solche Prozeduren müssen immer noch im
Unterricht vermittelt und angewandt werden, damit sie für die Zeit nach der
Schule habitualisiert sind. Diese Prozeduren lassen sich grundsätzlich und
langfristig als Strategien für Sprachreflexion, als Lern-
und Verhaltensstrategien entwickeln und werden gleichsam als Handlungsschemata
mental gespeichert. Handlungswissen oder prozedurales
Wissen tritt mithin neben das sprachliche Faktenwissen.
„Die kognitive und die konstruktivistisch
orientierte Psychologie sehen in ihren lerntheoretischen Überlegungen die
Selbständigkeit des Lernenden als unerlässlich für erfolgreiches Lernen an. Nur
jemand, der selbständig und eigenverantwortlich zu lernen vermag, wird
Lernprozesse gewinnbringend durchführen können. [...]
Strategien werden als komplexe
Problemlösungsoperationen verstanden, bei welchen das Hypothesenbilden und das
Hypothesentesten von ausschlaggebender Bedeutung sind. Strategien steuern die
weniger komplexen mentalen Operationen, die gemeinhin als Prozesse bezeichnet
werden. Die meisten Strategien, die wir im Alltagsleben verwenden und die
unserem prozeduralen Wissen zugeordnet werden können,
sind voll automatisiert, wenn wir sie erprobt und internalisiert haben.
Wichtig ist auch, dass unser strategisches Wissen kulturspezifisch geprägt ist
(Franzosen subtrahieren anders als Deutsche, Engländer lesen anders als
Chinesen), und dass wir als Individuen über unterschiedliches strategisches
Wissen verfügen, das sich aufgrund unserer Erfahrungen mit der Welt
herausgebildet hat. Schließlich hat die kognitive Lernpsychologie betont, dass
wir zur Lösung eines spezifischen Problems auf unterschiedliche Strategien
zurückgreifen können. Lernen ist nach Auffassung der kognitiven Psychologen
eine strategienbestimmte Tätigkeit. [Hervorhebung G.E.]
In der Psycholinguistik wurde ebenfalls Anfang der
achtziger Jahre deutlich gemacht, dass menschliche Verstehensprozesse
strategienbestimmt sind, dass Menschen auf allen Ebenen der sprachlichen
Verarbeitung Strategien einsetzen, Lesestrategien, die das Dekodieren der
Schriftzeichen steuern, Inferierungsstrategien,
welche Bedeutungserschließung ermöglichen, und Generalisierungsstrategien,
welche zur Verankerung des Verarbeiteten im Gedächtnis beitragen. Ähnliche
Strategien wurden für die Sprachproduktion postuliert: Planungsstrategien,
Verbalisierungsstrategien, Revisionsstrategien sollen hier als Beispiele
genannt werden. Auch die Psycholinguisten machen bei ihren Überlegungen klar,
dass die eingesetzten mentalen Operationen strategischen Charakter haben, d.h.
dass sie als mehr oder weniger bewusste Pläne anzusehen sind, welche die produktive
und rezeptive Sprachverarbeitung steuern.“ (Dieter Wolff 1997) [8]
Im Folgenden seien mögliche Prozeduren aufgeführt, die
langfristig bereits ab Jg. 9/10 sowie in der Oberstufe als Lern- und
Verhaltensstrategien zur Sprachreflexion angebahnt werden können, indem sie im
Unterricht unmittelbar, bei Gelegenheit oder aus Anlass sowie gezielt, geplant
und wiederholt einbezogen werden:
Prozeduren sprachbewussten
Lernens und Verhaltens
|
Prozedur |
Beschreibung / Beispiel |
► Sprachgebrauch
optimieren, korrigieren, variieren:
|
sprachliche
Varianten bilden und prüfen,
um Verständigungsprobleme zu lösen |
Sprachbewusst agiert eine
schreibende Person, wenn sie bei der Konzeption von Äußerungen explizit - wenn auch „in Gedanken“ - aus einem
Bestand an sprachlichen Varianten wählt und die
geeigneten im Kontext erprobt, bis die der Intention entsprechende gefunden
ist. (Bei sprechenden Personen geschieht dieser Akt blitzschnell im Kopf und
wird nicht immer explizit vorgenommen.) - Zentral ist das Lernprinzip: →
Eine sprachliche Aufgabe lässt mehrere Lösungen zu! → neues Lernen nach
der TIMSS-Studie Zum Beispiel der Einsatz
von Passivvarianten: „Dein Beitrag wird von keinem verstanden.“ a) man-Form: Man versteht deinen Beitrag nicht. b) lassen- + sich - +
Infinitiv-Form: Dein Beitrag lässt sich nicht verstehen. c) Verbform von "sein" + Adjektiv: Dein
Beitrag ist für alle unverständlich. d) Verbform von
"sein" + Infinitiv: Dein Beitrag ist nicht zu verstehen. e) Adverbial: Beim
Verstehen deines Beitrags hat man Schwierigkeiten. g) Infinitiv-Form: Kaum
zu verstehen, dein Beitrag. i) Imperativ-Form:
Versteh einer deinen Beitrag! Ähnlich
z.B. „Varianten der genauen Kennzeichnung“ von Personen und Sachverhalten:
Adjektive, Attribute, Relativsätze, Appositionen, Urteilssätze... -
„Varianten der Orts-/Zeitangaben“ - „modale Varianten“ - Satzbauvarianten
etc. |
|||
|
Selbstkorrektur betreiben |
Als
normales Verhalten unterstützen - Toleranz üben: Beiläufig und wie
selbstverständlich korrigiert sich ein Sprecher selbst im Verlauf des
Sprechens: Als ich alles weggeräumt hab
... hatte, ging ich zum Kursraum
zurück. |
|||
|
Fremdkorrektur geben und annehmen |
Man
kann sich im mündlichen Sprachgebrauch
gegenseitig korrigieren, z.B. in Form der eingerichteten Tandem-Arbeit : Je
zwei Schülerinnen und Schüler führen im Unterricht, in Partner- oder
Gruppenarbeit wie beiläufig gegenseitig Korrekturen aktiv durch und nehmen
passiv entgegen. - Dann und wann wird die Praxis explizit durch die
Lehrperson im Unterricht thematisiert. |
|||
|
Formulierungshilfe
beim Schreiben geben oder nutzen |
Korrektur lesen, gegenlesen - Formen der Schreibkonferenz
(s.u.) - beim Schreiben am Computer den Thesaurus nutzen ... |
|||
|
Dialekteinflüsse
beachten |
z.B.
als Fehlerursache: sie schlübfd
(schwäbische Konsonantenerweichung), scheibschenweise (rheinische ch/sch-Verwechslung), |
|||
|
Code switching beachten |
Sprachebenen und Sprachvarietäten explizit
thematisieren, gezielt trainieren: z.B. umgangssprachliche Wendungen - hochsprachliche Formulierungen unterscheiden, Ton z.B. in
einem Bewerbungsgespräch - bei einer Beschwerde; Fachsprache in
verschiedenen Fächern; adressatenbezogen gewählte Sprache: Dialekt im
Freundeskreis, in der Pause - Standardsprache als Unterrichtssprache; etc. |
|||
|
Wortschatz
erweitern |
Eine Wortschatzliste zu einem wichtigen
Thema, z.B. „Öko-Lyrik“, aus einem Zeitschriftenartikel exzerpieren und der Klasse
vorstellen (z.B. als Wandzeitung). Leseumfeld anlegen: Beim Lesen
Wörterbuch und Lexikon benutzen. Bereichsspezifisches
Vokabular aufbauen: z.B.
textsortenspezifisches: Wendepunkt, Perspektive, lyr.
Ich etc.; z.B.
medienspezifisches: Aufmacher, Layout, Adressaten, etc. Erstellung
eines Wortfelds, einer mind map oder
eines Clusters zu einem komplexen
Begriff: z.B. Cluster:
|
|||
|
Regelverstöße
erkennen |
Bezugsfehler,
idiomatische Verstöße: z.B. Kontamination (= falsche Wortkombination,
Phrasenmischung): * "Sie bekamen
Panik." Korrekt: "Sie gerieten in Panik." Oder "Sie
bekamen Angst." -
beim Schreiben am Computer das Grammatik-Korrekturprogramm einsetzen, aber
kritisch, da auch Fehllösungen vorgeschlagen werden! |
|||
|
Texte überarbeiten |
„writing“
und „rewriting“ als Grundhaltung: Texte sind
Manuskripte, für die explizit Überarbeitungsverfahren auf verschiedenen
Ebenen eingesetzt werden: die inhaltliche Prüfung, die Antizipation,
wie ein Text beim Adressaten ankommt, die Fehlerkorrektur,
die Stilprüfung
(s.u.), die Kontrolle in der Ebene der Textstruktur und in der Formulierungsebene:
ESAU-Regel (Einecke 1999, 167): ERGÄNZEN - wo eine Lücke auffällt STREICHEN - wo etwas überflüssig erscheint AUSTAUSCHEN - wo ein Wort, Satz, Textteil nicht passt UMSTELLEN - wo die Reihenfolge der
Satzglieder, Gedanken oder Abschnitte unstimmig ist. Einsatz
weiterer „Proben“ (ebd., 184 ff.): - Paraphrase, Aber-Probe, Passivprobe,
Klangprobe... V i e r Verständlichmacher (Bayer/Seidel 1979): 1.
EINFACHHEIT - Gegensatz:
Kompliziertheit 2.
GLIEDERUNG - Gegensatz: Unordnung 3.
PRÄGNANZ - Gegensatz:
Weitschweifigkeit 4.
STIMULANZ - Gegensatz:
Reizlosigkeit |
|||
|
Schreibwerkstatt
etablieren |
Schreibkonferenz oder
Tandem (Textentwürfe individuell - Textkritik
und Textbewertung kollektiv):
Schülerinnen und Schüler schreiben und besprechen ihre Texte untereinander: u.a. Stilprüfung: Modewörter (echt), Flickwörter (irgendwie, nun, auch),
Sprachbildfehler (falsche Bereiche verknüpft: Heute werden Bücher vom Fernsehen vertrieben. Durch mangelndes
Interesse gerät das Zusammenleben ins Wanken.), Bürokratendeutsch (Durch Unterlassen der ...), Satzkomplexität: Zumeist werden zu viele
Informationen in einen Satz gepackt - Regel: Neue Informationen in neue
Sätze! - Stopfsätze
(zu viele Attribute und Adverbiale in einem Satz), Kettensätze (zu lange Reihung
von Haupt- oder Gliedsätzen), Schachtelsätze (zu starke Verschachtelung von
Gliedsätzen), Krüppelsätze (fragmentarische Sätze, ohne Subjekt, Gliedsätze
für sich gestellt ohne Hauptsatz etc.) - Beispiele finden und variieren. |
|||
|
in Gesprächen Redesignale und Metakommunikation
einsetzen |
-
advance organizer
als Mittel der Hörerführung bei mündlichen Darbietungen einsetzen: Ich beginne mit ... als nächstes werde
ich... -
explizite Redesignale nutzen lernen: Ich
beziehe mich auf Inga ... du hast soeben
gesagt ... ich möchte das Gegenteil behaupten ... meine Rückfrage an XY... -
in einer metakommunikativen Vorausschau
den Ablauf eines Gesprächs antizipieren, damit Gesprächsrollen,
Gesprächsziel, Initiativen und Mittel vorbedacht sind: Wir werden zu einer Entscheidung kommen müssen ... unsere Argumente können wir mit ...
stützen... -
in einer metakommunikativen Rückblende
die erfahrene Kommunikation reflektieren: Die eine Gruppe hat sich mit ihrer Lautstärke durchgesetzt ... XY haben
sich nicht ans Thema gehalten ... PS sind auf Fragen ausgewichen... |
► Sprache bewusst
wahrnehmen - über Sprache sprechen:
|
Sprache
thematisieren |
explizit
die Grundeinstellung aufbauen: „Es
kann jederzeit über Sprache gesprochen werden.“ - über sprachliche
Unklarheiten, Fremdes, Unbekanntes, Komisches, Überraschendes - über
Schülersprache, Lehrersprache, Fachsprache, schriftliche und mündliche
Sprache - über Durchsagen, Aushänge und Rundschreiben - über Sprache in
Lehrwerken und Fächern - über Gesprächsformen, Anreden, ... |
|
sprachliche
Auffälligkeiten registrieren |
auffällige
Sprachverwendung in der „sprachlichen
Umwelt“: -
Mehrdeutigkeiten an der Autobahn: „Sie fahren mit Abstand am besten.“ -
Missverständliches: „kurabgabepflichtiger Strand“ -
Worte der Woche (Rubrik in: DIE ZEIT): „Das Auto ist völlig pro- blemlos
beherrschbar.“ (1997 Nr. 48 ) |
|
Aktualitäten-Wand einrichten |
Augen
und Ohren offen halten und auf der Pinwand aktuelle sprachliche
Beobachtungen festhalten: eine Anzeige:
„Jeder, der in nächster Zeit schwanger wird, sollte...“ - ein Plakat unterwegs: „bärenstarke gebrauchtwagen“ - TV-Nachrichten: Kollateral-Schäden (im
Kosovo-Krieg 1999 für u.a. Bombentote!) |
|
öffentliche
Sprachaktionen aufgreifen |
Selbst
Beiträge erörtern und Begründungen ausgestalten für: Wort des Jahres - „Sprachhunzer des Monats“ (s.u. Verein z. Wahrg. d. dt. Sprache) - „Sprachpanscher des Jahres“ (ebd.) - „Unwort des Jahres“ (s.u.
Schlosser/ Inst. f. dt. Spr.): z.B. 1996 Rentnerschwemme (falsches, angstauslösendes
Naturbild für einen sozialpolitischen Sachverhalt) - Gesundheitsreform (missbräuchl.
Verwendung des positiv besetzten Begriffs „Reform“) - ... |
|
an einer
Medien-Debatte teilnehmen |
z.B.
Deutsch als Europa-Sprache, s. EU-Konferenz 1999 in Finnland; die Debatte um
die lingua franca Englisch; das Aussterben von Sprachen;
die Entstehung der Sprache; die Rolle der Sprache beim Lernen; das
Sprachbewusstsein der Franzosen; die Reaktionen auf eine Formulierung in
einer Politikerrede; Wahlkampfslogans etc. |
|
auf Werbung
reagieren |
mit
Denkblasen, Sprechblase auf Werbung reagieren: Steak's
vom Grill - Conny's Stricklädchen - Das Ende des
Chaos - Menü’s heute; „Der
Abend war ein einziger Genuss“, sagte er. „Nur ein einziger?“, fragte sie. -
„Sie haben ein Recht auf den günstigsten Strom in Deutschland.“ RWE 7/8 1999
- ... |
|
Leserbriefe
schreiben |
auf
einen auffälligen Sprachgebrauch in einem Zeitungsartikel oder im TV mit
einem Leser-/Zuschauerbrief reagieren: z.B. Was soll das mit der Schreibform
„MontagsMovie“? → Montagsmovie“
oder „Montags-Movie“ und „Spielfilm am Montag“?
- sich an einer Medien-Debatte zur
Sprache beteiligen... |
|
Kommunikation
reflektieren |
in
Texten, Gesprächen und in eigenen Beiträgen beobachten z.B.: - Sachbezug und
Adressatenbezug - Inhalts- und
Beziehungsaspekt - Nutzung von Rederecht
und Redeinitiativen - Grad an Sachlichkeit
oder Emotionalisierung - Gerüchtebildung und
Wahrheitsgehalt - Selbstdarstellung und
Achtung des Partners |
|
Fallstudien
betreiben |
Texte
am schwarzen Brett; Sprache in Erlassen; „Rede“ auf einer Schülerversammlung;
Formularsprache... |
|
Sprachprojekt
durchführen |
Beobachtungsgang:
die sprachliche Umwelt in Werbung, Geschäftsbezeichnungen,
Schaufensterauslagen etc.; Beobachtung
der Sprache bei einem Straßenfest, in einer Popshow, einer Talkshow, in
Videoclips etc. |
|
Sprache facherübergreifend reflektieren |
Sprache
in einem anderen Schulfach, z.B. schwierige Texte im Chemiebuch -
sprachliche Anforderungen an eigene Texte in anderen Fächern -
Fachsprachlichkeit - divergierende Definitionen ... |
►Sprachkritik üben:
|
sprachlichen
Missbrauch registrieren |
Vorurteile,
Euphemismen, Diskriminierungen, Verschleierungen, Lügen, Verleumdungen,
falsche Verdächtigungen, etc.: „ethnische Säuberungen“, Anwendung von
Hygienevorstellungen auf soziale Sachverhalte als schlimmster Euphemismus
für Völkermord (s. Krieg in Bosnien, im Kosovo; vgl. „Rassenhygiene“ unter
den Nazis) kritisch: „Asylant“: Asylant -
Asylbewerber - Asylberechtigte - Flüchtling - Ausländer - Fremde - Migranten - Einwanderer... |
|||||||||||||
|
phraseologischen
Sprachgebrauch untersuchen |
Erwartet
wird von Sprechern das authentische Sprechen, ihre individuelle und
unverwechselbare Redeweise; dahinter steht das Bild vom einmaligen Subjekt.
Tatsächlich benutzen wir in der Sprachgemeinschaft vorgefertigte Redeformen
und Sprachmuster; dahinter steht die Teilhaberschaft jedes Einzelnen an der
Sprachgemeinschaft und Sprachkonvention. Neben Redensarten, Sprichwörtern,
Slogans, Parolen und Klischees gibt es weitere Versatzstücke der Phraseologie: idiomatische Wendungen,
in denen vorgestanzte sprachliche Formeln die
Wirklichkeitsausschnitte, Denkbilder und ideologischen Verarbeitungsmuster
einholen: „der kleine Mann“, „der Mann
auf der Straße“, „wir sitzen alle in einem Boot“, „das liegt nur an der
Frauenquote“, „wir Unternehmer“, etc. |
|||||||||||||
|
Sprachmoden
registrieren |
Wenn
man darauf achtet, merkt man, dass eine Zeit lang bestimmte Formulierungen
verstärkt auftreten, u.a. durch TV-Jugendkanäle verstärkt: „Hast du das verstanden? - Nicht
wirklich.“ - „Die Autos stießen im Kreuzungsbereich zusammen.“ - Alles klar?
- Kein Thema! - Viel Spaß! - Schönes Wochenende! ... |
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|
Fremdwortgebrauch
prüfen |
z.B.
Anglizismen - Notwendigkeit oder Selbstdarstellung? - „Eine wichtige Voraussetzung für Credibility
ist Awareness – im Bewusstsein der Menschen präsent
sein. Etwa: ‘Wir müssen für die duale Abfallbeseitigung und das
Kreislaufwirtschaftsgesetz mehr Awareness in der
Bevölkerung schaffen.’ Das beste Tool (Instrument), um ins Bewusstsein seiner
Target group (Zielgruppe)
zu gelangen: Emotions (Emotionen) auslösen und die Message (Botschaft) so oft wie möglich penetrieren
(wiederholen). Die Strategie der Kreativen lautet: Wer häufig penetriert,
bei dem erhöht sich der ‘Gesamtwerbedruck’....“ (http://www.elle.de/PED/PEDC/pedc09.htm) |
|||||||||||||
|
Sprache dialektisch
sehen |
Formeln
der politischen Sprache von zwei Seiten sehen, aus den
Perspektiven der Reichen und Armen, der Gewinner und Verlierer, der
Mächtigen und Ohnmächtigen - „von oben und von unten“, nach Vorteil und
Nachteil, nach Schein und Wirklichkeit: z.B.
Deutschland als „kollektiver
Freizeitpark“ (1993 ein Kampfbegriff in der Diskussion um den
„wirtschaftlichen Standort“ Deutschland) „Freizeitpark“
von unten: das Wort diffamiert unsere Leis-tungen als Arbeitnehmer: Arbeitszeiten
sind tariflich geregelt Pausenzeiten
und Urlaub sind notwendig, damit die Konzentration, Leistung und Qualität
der Arbeit gesichert sind wer will schon
krank sein wer will schon
in den Vorruhestand und damit in die Arbeitslosigkeit? von oben: den Arbeitnehmern geht es zu gut: zu kurze
Wochenarbeitszeit zu kurze
Lebensarbeitszeit zu viele Pausen zu viel
Freizeit zu viel Urlaub zu viel
Krankfeiern zu früh in die
Rente zu kurze
Maschinenlaufzeiten Anwenden
auf: „Innovation“, „Leistung“, „Fortschritt“, „Freizeit“, ... |
|||||||||||||
|
Sprache
ideologiekritisch sehen |
Den
parteilichen Sprachgebrauch in
Wirtschaft, Politik, Gesellschaft daran messen, wem die Art der Formulierung
nützen soll: -
Um welches
Problem geht es im Text, im Satz, im Begriff? -
Welche
Intention verfolgt der Text: Wogegen wendet er sich? - Wofür plädiert er
offen oder verdeckt? -
Wer oder was
soll diffamiert werden? -
Zu wessen
Vorteil oder Nachteil gerät die Äußerung oder Forderung? -
Wessen
Interessen sollen gerechtfertigt werden? -
Welches
(einseitige) Lösungsmodell liefert der Text? -
An welche
Gruppe, Schicht, Kreise oder Klasse appelliert die Ideologie? z.B.
Friedenstruppen, Steuerreform, Freisetzung, Wohnpark, Seniorenresidenz,
Sonderdeponie, Grüner Punkt ... |
|||||||||||||
|
mit Sprache sich
wehren |
Sprechpläne entwickeln (Wagner 1978): Ein
Sprechplan ist ein Reaktions- und Verhaltensmuster, mit dem man sprachliche
Konfliktsituationen zu beherrschen versucht; mit Sprechplänen kann man schon
das erwartete sprachliche Verhalten seines Gegenübers antizipieren und die
eigenen Initiativen und Reaktionen vorbedenken oder gar spielerisch erproben,
z.B. in antizipierten Dialogen oder durch Denkblasen zu Fremdäußerungen: z.B.
Jemand wird beschuldigt. ► Reaktionen: Er/Sie verlangt eine
Begründung, weist den Vorwurf zurück, weist die Art der Formulierung zurück,
weist den Vorwurf der Sache nach zurück, erhebt einen Gegenvorwurf, gibt
teilweise zu, bittet um Entschuldigung, verweist auf eine andere Person etc. |
|||||||||||||
► Sprachwissen
anwenden, aktualisieren, erweitern:
|
lexikalische
Strategien einsetzen |
Nachschlagen - für das Textverstehen wichtige Begriffe aus
einem Wörterbuch suchen und die neuen Wörter der Lerngruppe erklären; schwierige Wörter
herleiten:
aus der Wortfamilie wie Fuhre von fahren - aus der Fremdsprache über
verwandte Begriffe wie fungieren
vgl. Funktion - aus
Internationalismen wie „Server“, „action“, „feeling“,
„Globalisierung“ (Volmert, 1999) schwierige Wortkomplexe
auflösen:
Nominalisierungen, Komposita ... Fremdwörter in Zeitungsartikeln / im
Straßenbild sammeln: Fitness Center, outfit, know-how, dress for success etc. ein
individuelles Fremdwörterheft
anlegen |
|
semantische
Strategien einsetzen |
- Wortbedeutung
erschließen:
- Definition: Ober- und
Unterbegriff, Merkmale der Unterscheidung - lexikalische Bedeutung: in
Lexika nachschlagen, konventionelle B. - Kontextbedeutung - „Fenster“ in Texten zu Architektur,
Computergebrauch, Astronomie... - semantische Felder in einem Text auffinden,
d.h. Wörter, die der Bedeutung nach zu einem Schlüsselwort gehören: zu Armut
z.B. frieren, hungern, Arbeitslosigkeit, Penner, herumstreunen, betteln,
Almosen... - Begriffe präzisieren: Das ist ein Text, ein
Aufsatz, ein Bericht, ein Unfallbericht ... - Struktogramme erstellen: sinnfällige
Strukturierung eigenen Lernstoffs in Tabellen, Diagrammen, Grafiken,
Bildern, Mindmaps, „Spickzetteln“ - zur Reduktion von Informationen und
Konzentration auf Zentren (Klippert 1995) - Konspekt zu den zentralen
Begriffen eines Textes und zu ihrer gedanklichen Verknüpfung anlegen: als
Struktur- oder als Flussdiagramm - thematischen Wortschatz
erstellen:
Umweltschutz, Schadstoffe, Abwässer, verklappen, ... - selektives Lesen: Themenstichwörter in einem Zeitschriftenartikel / Sachtext
unterstreichen - Vorwissen aktualisieren:
Texte vorentlasten, Begriffe notieren - Assoziationen /
Konnotationen zu einem Begriff einbringen |
|
grammatische
Fachbegriffe wiederverwenden |
einmal
eingeführte Fachbegriffe immer wieder nutzen, als Lehrer wie als Schüler: statt „Der Nebensatz zeigt doch...“
besser: „Der Konditionalsatz zeigt
doch...“ |
|
grammatische
Fachbegriffe im Exkurs wiederholen |
Wiederholungsschleife z.B. zu einem
syntaktisches Teilsystem: Bei der Untersuchung spezifischer Gliedsätze im
Rahmen von Argumentati-onsanalysen steht z.B. die
Unterscheidung von Kausal-, Final-, Konsekutiv- und Konditionalsatz an; hier
ist es zumeist nötig, die Gliedsatzform überhaupt zu sichern; dazu erfolgt
der Rückgriff auf: Endstellung des finiten Verbs/Personalform des Verbs -
Konjunktion am Anfang des Satzes - Adverbialsatz etc. - und der Rückgriff auf
die Sprecherintention: Zweckangabe, Begründung, Bedingung... |
|
grammatische
Fachbegriffe im Exkurs ausbauen |
z.B.
ein semantisches Teilsystem:
Begründungssätze leisten - z.B. im Verwendungskontext des Forderns, der
Verteidigung, des naturwissenschaftlichen Experiments - Varianten des
Begründens: Rechtfertigung, Ursachenbegründung, Zweckbehauptung, Beweis,
Beleg, Zitat, Bezeugung, statistisches Ergebnis, Erklärung etc. z.B.
ein systematisches Teilsystem:
Modalsystem - Varianten der Modalität wie Konjunktiv, Modalverben,
Modalsätze, Modaladverbiale, Interjektionen (ach, oh ), modale Konjunktionen
(indem...), modales Futur (Sie werden das schon wissen.) etc. |
|
Begriffe erörtern |
Verwendungsweisen
von Wörtern; Abgrenzung zwischen Wörtern; historische
Bedeutungsverschiebungen; fachspezifischer Gebrauch von Wörtern;
epochenspezifische Wortwahl; Polysemie;
konventionelle Bedeutung und individueller Gebrauch; Definition... -
„Wort gesucht: Das Gegenteil von 'durstig'“ - Was bedeutet „Rücksicht“?
- Was ist noch „Satire“? - Was ist „Europa“? |
|
sprachanalytische
Methoden einsetzen |
grammatische
Analyse:
Wortwahl, Syntax, Modal- und Tempussystem, textgrammatische Formen (Erzähl-,
Argumentationsverfahren ...), und ihre Funktionen für die Textaussage, die
Leserlenkung, die Wirkung; stilistisch-rhetorische
Analyse:
Adressatenbezug, Textwirkung, Stilebenen, rhetorische Figuren,
Formulierungsaufwand; Glaubwürdigkeit, Angemessenheit, Richtigkeit,
Wirksamkeit; semantische
Analyse:
Schlüsselbegriffe und zentrale Bedeutungseinheiten, semantische Felder,
Konnotationen, Phraseologie, sprachliche Register, Formen der Verständnissicherung,
sprachliche Varietäten; Argumentationsanalyse: Textintention und
Redestrategien, Behauptungs-, Begründungs- und Beweisverfahren,
Argumentationsarten, appellative Formen, ... Kommunikationsanalyse: Situationsanalyse -
Handlungsanalyse - Rede-/Gesprächsanalyse und die Verflechtung dieser drei
Ebenen; Handlungssteuerung durch Sprache; Mittel der Verständnissicherung;
sprachliche Formen der Kooperation und der Konfliktgestaltung etc. |
|
Texte verfremden,
um Intentionen und Wirkungen zu erproben |
-
Einen Text mit vielen Satzgefügen in reine Parataxen verändern. -
In einem Text alle Nomen durch Pronomen ersetzen oder umgekehrt. -
Einen Text aus der Vergangenheit in die Zukunft verlegen. -
In einem Text alle Attribute oder Adverbiale weglassen. -
Einen Dialog in Prosa verwandeln. -
Aus einem Text zentrale Abschnitte weglassen. -
Abschnitte eines Textes umstellen. -
Teile eines Textes in einem anderen Stil verfassen. etc. |
|
Sprachen kontrastiv
sichten, interkultureller
Vergleich |
Wahrnehmung
von Mehrsprachigkeit;
Begegnungssprachen, Zielsprachen und Unterrichtssprache; Sprache
kontrastiv betrachten, dabei Unterschiede sehen: -
im Inhalt z.B. gram. Begriffe wie future tense, Futur, Zukunft; -
in der Bedeutung von Begriffen wie Freund
- friend - ami; -
„falsche Freunde“, d.h. ähnliche Wörter in Deutsch und Fremdsprache, die
Bedeutungsgleichheit suggerieren, aber doch Verschiedenes bedeuten: z.B. span. éxito = Erfolg, nicht wie
dt. Exitus = Tod; span. feria
= Messe (Handels~), nicht wie dt. Ferien = Urlaub; span.
artístico = künstlerisch, nicht wie dt. artistisch;
... -
unterschiedliches Sprach- und Gesprächsverhalten bei Mitschülern
ausländischer Herkunft im „multikulturellen Klassenzimmer“ -
bei Internetpartnerschaften und e-mail-Austausch
sprachliche Vermittlungsprobleme, Kommunikationsbarrieren und
Übersetzungsphänomene erörtern |
|
Grammatik-Telefon
und Internet nutzen[9] |
sprachliche Zweifelsfälle klären durch Anfragen an
Sprachberatungsdienste (s.u.) - Internetangebote,
Chats, Datenbanken zum Thema Sprache erforschen |
[1] Einecke, Günther: Auf die sprachliche Ebene
lenken. Gesprächssteuerung, Erkenntniswege und Übungen im integrierten
Grammatikunterricht. In: Bremerich-Vos, Albert
(Hrsg.): Zur Praxis des Grammatikunterrichts. Freiburg: Filibach
1999, 125-191
Ders.: Fokussieren - auf die
sprachliche Ebene lenken. In: DU 6 / 96, 10 - 25; dazu: DU 3 / 97, 93 - 96
Ders.: Unterrichtsideen Integrierter Grammatikunterricht. Textproduktion und Grammatik. 5. - 10. Schuljahr. (Hauptbd. u. Materialien). Stuttgart: Klett (1991) 41995
Ders.: Unterrichtsideen Textanalyse und Grammatik. Vorschläge für den integrierten Grammatikunterricht. 5. - 10. Schuljahr. (Hauptbd. u. Materialien). Stuttgart: Klett (1993) 31995
- praktische Umsetzung des vertretenen sprachdidaktischen Ansatzes auch in: Deutschbuch. Berlin: Cornelsen
[2] Ader, D. / Bünting,
K.-D.: Spielerisch Grammatik üben. Hannover: Schroedel
Aulis-Kartenspiele (zu: Grammatik, Fremdwörter, Literatur,
Bildersprache etc.). Köln: Aulis 1995
Bartens, Brigitte: Achtung - fertig - Deutsch. Kartei 1 / 2. Brauschweig: Westermann (bes. für Deutsch als Fremdsprache)
Flick,
Katharina: Rätselecke Klasse 5-7. Lichtenau: AOL-Verlag 1990.
Friedrich,
Thorsten; Jan, Eduard von: Lernspielkartei. München: Hueber
1985
Gutte, R.: Rollenspiele als "kompensatorische Erziehung". In:
Sprache und Politik. Schriftenreihe der
Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn 1971, S. 201 ff.
Junga, Michael: Das kleine Rätselfrühstück. Pfiffige Sprach- und Wörterspiele
für zwischendurch. AOL-HTB 398. Lichtenau: AOL- Verlag 1993
Junga, Michael / Frenzl, Walter. "Noch 10
Minuten, liebe Kinder!" Kleine Sprach- und Wörterspiele für den Abschluss
des Unterrichtstages. AOL-HTB 16. Lichtenau: AOL-Verlag 1991.
Krämer,
Wolfgang: Heiteres aus der Praxis - Lukasburger
Stilblüten. München (div. Hefte)
Kroner, Bernd / Schauer, Herbert: 333 Spiele für Schule und Freizeit. Köln: Aulis 1995
Küppers,
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Spr@chtelefon Universität GH Essen, Tel.: 0201/18 33-4 05 (Di. + Mi. + Do. 9.30 - 11 Uhr)
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0651/2 01-23 31 oder 23 32 (Mi. 9 - 11 Uhr)
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im Beruf. Uni-GH Siegen, Tel.: 0271-740-2349, Fax:
0271-704-2330
E-Mail: sekretariat@sisib.uni-siegen.de
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www.sprachkritik.de (Sprachkritik)
www.weltkreis.com/mauthner.html
(Mauthner-Gesellschaft - Verein der Sprachkritiker)
www.vwds.de (Verein zur Wahrung der deutschen Sprache - darin auch zu den
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http://www.rz.uni-frankfurt.de/~schlosser/unwort.html#Start
(Aktion „Unwort des Jahres“)
www.yahoo.de/Geisteswissenschaften/Sprach_und_Literaturwissenschaft/
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(Linguistik online)
www.tornsdorf.de/toss/lehrer/deutsch1.htm
(die häufigsten Fehler)
www.uni-duesseldorf.de/WWW/ulb/frau.html (u.a.
Frauen-/Männersprache Uni Düsseldorf)
www.woman.de - www.uni-passau.de/passau/
Frauen/ (zu: u.a.
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(Grammatik-Projekte)
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