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"Faust. Der Tragödie erster Teil" (1808) ein tragisches Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe. Das Theaterstück ist eines der bedeutendsten und meistzitierten Werke der deutschen Literatur.

Das Drama basiert auf der von vielen anderen Schriftstellern inszenierten Geschichte einer Person, Johann Georg Faust, der einen Pakt mit dem Teufel (Mephistopheles) eingeht, im Austausch dafür, dass dieser ihm bei der Erfüllung seiner Wünsche hilft. Das Werk behandelt zahlreiche Themen wie das Streben nach Wissen, die Versuchung des Bösen und das Streben nach Ewigkeit.

Es wird in Faust II. zu einer Parabel über die Menschheit weiterentwickelt - war aber bei weitem nicht so erfolgreich wie Faust I.

Gustaf Gründgens (1899 - 1963) erlangte besondere Bekanntheit in seiner Rolle als Mephistopheles und als Interpret des Schlagers "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da" (1938). Der Roman von Klaus Mann "Mephisto" (1936) zeichnet schwach verhüllt seinen beruflichen Aufstieg nach.

Inhalt

Zusammenfassung

Die Handlung spielt zur Zeit von Johann Georg Faust zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Deutschland, unter anderem in Leipzig und im Harz.

Der erste Teil des Faust ist nicht in Akte unterteilt, sondern als eine Abfolge von Szenen an verschiedenen Schauplätzen aufgebaut. Nach einem Widmungsgedicht und einem Vorspiel im Theater beginnt die eigentliche Handlung mit einem Prolog im Himmel, wo der Herr zu Mephistopheles, einem Agenten des Teufels, wettet, dass Mephistopheles den strebsamen Lieblingsgelehrten des Herrn, Dr. Faust, nicht in die Irre führen kann.

Dann sehen wir Faust in seinem Arbeitszimmer, der, enttäuscht von den Erkenntnissen und Ergebnissen, die mit den natürlichen Mitteln der Wissenschaft erzielt werden können, versucht, die Natur und das Universum mit magischen Mitteln zu ergründen, aber scheitert. In seiner Enttäuschung über diesen Misserfolg denkt Faust an Selbstmord, wird aber durch die Geräusche der beginnenden Osterfeierlichkeiten davon abgehalten.

Er macht mit seinem Gehilfen Wagner einen Osterspaziergang auf dem Lande, inmitten der feiernden Menschen, und wird von einem Pudel nach Hause verfolgt. Zurück im Arbeitszimmer verwandelt sich der Pudel in Mephistopheles, der Faust einen Vertrag anbietet: Er wird Fausts Wünsche auf der Erde erfüllen, und Faust wird dasselbe für ihn in der Hölle tun (wenn, wie Faust in einer wichtigen Nebenklausel hinzufügt, Mephistopheles ihn dazu bringen kann, zufrieden zu sein):

Werd’ ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! du bist so schön!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
Dann will ich gern zugrunde gehn! (V. 1699–1702)).

Faust unterschreibt mit seinem Blut, und Mephistopheles führt ihn zunächst in Auerbachs Wirtshaus in Leipzig, wo der Teufel einigen betrunkenen Feiernden Streiche spielt. Nachdem er von einer Hexe in einen jungen Mann verwandelt wurde, trifft Faust auf Margarete (Gretchen), die seine Begierde weckt. Durch eine Intrige mit Schmuck und Gretchens Nachbarin Marthe bringt Mephistopheles die Verbindung zwischen Faust und Gretchen zustande.

Nach einer gewissen Zeit der Trennung verführt Faust Gretchen, die versehentlich ihre Mutter mit einem Schlaftrunk tötet, den Faust ihr verabreicht hat. Gretchen erfährt, dass sie schwanger ist, und ihre Qualen werden noch größer, als Faust und Mephistopheles ihren wütenden Bruder in einem Schwertkampf töten. Mephistopheles versucht, Faust abzulenken, indem er ihn zu einem Hexensabbat in der Walpurgisnacht mitnimmt, aber Faust besteht darauf, Gretchen vor der Hinrichtung zu retten, zu der sie verurteilt wurde, nachdem sie ihr neugeborenes Kind im Wahn ertränkt hatte. Im Kerker versucht Faust vergeblich, Gretchen zu überreden, ihm in die Freiheit zu folgen. Am Ende des Dramas, als Faust und Mephistopheles aus dem Kerker fliehen, verkündet eine Stimme aus dem Himmel die Rettung Gretchens.

Figuren

Eine Liste der wichtigsten Figuren des Theaterstücks "Faust I."

Außerdem: Chor der Engel, Chor der Weiber, Chor der Jünger, Spaziergänger aller Art, Bauern, Geister, Hexentiere, Böser Geist, Walpurgisnacht-Figuren, Stimme von oben, ein Pudel, Meerkatzen der Hexe.

Handlung

Zueignung

Bei dem Gedicht „Zueignung“ handelt es sich inhaltlich um eine Elegie, formal um eine Stanze. Goethe spricht darin die Personen des Dramas selbst an, berichtet vom Erwachen des Schaffensprozesses und gibt die Gefühle wieder, die sich seiner dabei bemächtigt haben. Er trauert den vergangenen Zeiten nach, seiner Jugend, seiner ersten Liebe und Leidenschaft und den verlorenen Gefährten dieser Zeit.

Vorspiel im Theater

Es diskutieren 3 Personen (der Theaterdirektor, der Dichter und ein Schauspieler) über den Zweck des Theaters.

  1. der Direktor betrachtet das Theater aus finanzieller Sicht und will durch die Zufriedenheit des Publikums ein Einkommen erzielen
  2. der Schauspieler sucht seinen eigenen Ruhm durch die Berühmtheit als Schauspieler
  3. der Dichter strebt danach, ein Kunstwerk mit sinnvollem Inhalt zu schaffen

In vielen Inszenierungen werden im weiteren Verlauf des Stücks dieselben Darsteller eingesetzt, um Verbindungen zwischen den Figuren herzustellen: der Theaterdirektor taucht als Gott, der Schauspieler als Mephistopheles und der Dichter als Faust wieder auf.

Prolog im Himmel

Das eigentliche Stück beginnt mit der Lobpreisung der Werke des Herrn durch die Dreiergruppe der Erzengel (Die Sonne tönt nach alter Weise). Deren positive Sichtweise wird durch Mephisto spöttisch in Frage gestellt. Mephisto wettet (analog zur Hiobswette im Alten Testament), er könne Faust verführen, vom rechten Weg abzuweichen. Der Herr lässt Mephisto gewähren.

Nacht

Das eigentliche Stück beginnt mit einem Monolog von Faust, der in seinem Arbeitszimmer sitzt und über all das nachdenkt, was er im Laufe seines Lebens studiert hat.

Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor.

Trotz seiner umfangreichen Studien ist er unzufrieden mit dem, was er über die Welt weiß, und stellt fest, dass er letztlich "nichts" weiß. Nachdem die Wissenschaft ihn im Stich gelassen hat, sucht Faust bei Nostradamus, im "Zeichen des Makrokosmos" und bei einem Erdgeist nach Wissen, ohne jedoch Befriedigung zu finden.

Als Faust über die Lehren des Erdgeistes nachdenkt, wird er von seinem Famulus Wagner unterbrochen. Wagner symbolisiert den eitlen wissenschaftlichen Typus, der nur das Bücherlernen versteht, und repräsentiert das Bildungsbürgertum. Seine Herangehensweise an das Lernen ist ein helles, kaltes Streben, im Gegensatz zu Faust, der von einer emotionalen Sehnsucht nach göttlichem Wissen geleitet wird.

Niedergeschlagen erspäht Faust eine Giftphiole und denkt an Selbstmord. Doch der Klang der Kirchenglocken, die das Osterfest ankündigen, hält ihn davon ab und erinnert ihn nicht an die christliche Pflicht, sondern an seine glücklichen Kindheitstage.

Vor dem Tor

Faust und Wagner machen einen Osterspaziergang durch die Stadt, wo die Menschen Ostern feiern. Sie grüßen Faust, als er an ihnen vorbeigeht, weil Fausts Vater, selbst ein Alchimist, die Pest geheilt hat. Faust ist in düsterer Stimmung. Während sie zwischen den flanierenden Dorfbewohnern spazieren gehen, offenbart Faust Wagner seinen inneren Konflikt.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
die eine will sich von der anderen trennen:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
zu den Gefilden hoher Ahnen.

Faust und Wagner sehen einen Pudel, von dem sie nicht wissen, dass es sich um Mephistopheles in Verkleidung handelt, der ihnen in die Stadt folgt.

Studierzimmer

Faust kehrt in seine Zimmer zurück, und der Hund folgt ihm. Faust übersetzt das Johannesevangelium, was ihm Schwierigkeiten bereitet, da er den Sinn des ersten Satzes nicht bestimmen kann (insbesondere das Wort Logos (altgriechisch: Λὀγος) - "Im Anfang war der Logos, und der Logos war bei Gott, und der Logos war Gott" - derzeit übersetzt als "Das Wort"). Schließlich begnügt er sich damit, es mit genau der einen Bedeutung zu übersetzen, die Logos nicht hat, und schreibt "Im Anfang war die Tat".

Faust im Studierzimmer

Faust im Studierzimmer; Öl auf Leinwand 68 cm x 53 cm; Georg Friedrich Kersting (1785 – 1847).


Die Worte der Bibel regen den Hund auf, der sich als Ungeheuer entpuppt. Als Faust versucht, ihn mit Zauberei zu vertreiben, verwandelt sich der Hund in Mephistopheles (Das also war des Pudels Kern!), der sich als reisender Gelehrter verkleidet.
Nachdem er von Faust auf seine Identität angesprochen wurde, bietet Mephistopheles (Ich bin der Geist, der stets verneint!) ihm an, ihm die Freuden des Lebens zu zeigen. Faust lehnt zunächst ab, doch der Teufel verlockt ihn zu einer Wette: Er will Faust Dinge zeigen, die er noch nie gesehen hat. Sie schließen einen Pakt: Wenn Mephistopheles Faust einen Moment schenken kann, in dem er sich nicht mehr anstrengen will, sondern darum bittet, dass dieser Moment andauert, kann er Fausts Seele haben.

Faust - Der Teufelspakt

Der Teufelspakt; Stahlstich von Julius Nisle (um 1840).


Auerbachs Keller in Leipzig

In diesem und im übrigen Drama führt Mephistopheles Faust durch die "kleine" und die "große" Welt. Die "kleine Welt" ist das Thema von Faust I, während die "große Welt", die auch den Beschränkungen der Zeit entgeht, Faust II vorbehalten ist.

Diese Szenen bestätigen, was Faust in seiner Selbstüberschätzung klar war: Er kann die Wette nicht verlieren, denn er wird nie zufrieden sein und somit nie den "großen Augenblick" erleben, den Mephistopheles ihm versprochen hat. Mephistopheles scheint den Pakt nicht einhalten zu können, da er es vorzieht, Fausts Wünsche nicht zu erfüllen, sondern ihn von seiner früheren Existenz zu trennen. Er gibt Faust nie das, was er will, sondern versucht, ihn mit oberflächlichen Genüssen zu betören und ihn so in tiefe Schuldgefühle zu verstricken.

In der Szene in Auerbachs Keller führt Mephistopheles Faust in eine Taverne, wo Faust sich langweilt und von den betrunkenen Gästen angewidert ist. Mephistopheles erkennt, dass sein erster Versuch, Faust ins Verderben zu führen, gescheitert ist, denn Faust erwartet etwas anderes.

Die Küche der Hexe

Mephistopheles bringt Faust zu einer Hexe, die ihn mit Hilfe eines Zaubertranks, der unter dem Bann des Hexen-Einmaleins gebraut wurde, in einen hübschen jungen Mann verwandelt. In einem Zauberspiegel sieht Faust das Bild einer Frau, vermutlich ähnlich den Gemälden der nackten Venus von italienischen Renaissancemeistern wie Tizian oder Giorgione, was in ihm ein starkes erotisches Verlangen weckt. Im Gegensatz zu der Szene in Auerbachs Keller, wo sich die Männer wie Tiere verhielten, verhalten sich hier die Tiere der Hexe wie Männer.

Straße

Faust erspäht Margarete, genannt "Gretchen", auf der Straße in ihrer Stadt und verlangt von Mephistopheles, sie ihm zu besorgen. Mephistopheles sieht Schwierigkeiten voraus, da Margarete ein unverdorbenes Wesen ist. Er hinterlässt Schmuck in ihrem Kabinett, was ihre Neugierde weckt.

Faust und Gretchen

„Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“
„Bin weder Fräulein, weder schön,
kann ungeleitet nach Hause gehn.“
Faust bietet Gretchen den Arm, von Peter von Cornelius (1811)


Abend

Margarete bringt den Schmuck zu ihrer Mutter, die über dessen Herkunft misstrauisch ist, und spendet ihn der Kirche, sehr zum Zorn von Mephistopheles.

Das Haus der Nachbarin

Mephistopheles hinterlässt eine weitere Kiste mit Schmuck in Gretchens Haus. Gretchen zeigt den Schmuck unschuldig ihrer Nachbarin Marthe. Marthe rät ihr, den Schmuck heimlich dort, in ihrem Haus, zu tragen. Mephistopheles überbringt Marthe die Nachricht, dass ihr lange abwesender Mann gestorben ist. Nachdem er ihr die Geschichte von seinem Tod erzählt hat, bittet sie ihn, einen weiteren Zeugen für seinen Tod zu holen, um ihn zu bekräftigen. Er willigt ein, nachdem er einen Weg für Faust gefunden hat, Gretchen zu treffen.

Garten

Bei dem Treffen im Garten flirtet Marthe mit Mephistopheles, der ihre unverhohlenen Annäherungsversuche nur mit Mühe zurückweisen kann. Gretchen gesteht Faust ihre Liebe, aber sie weiß instinktiv, dass sein Begleiter (Mephistopheles) unlautere Absichten hat.

Wald und Höhle

Fausts Monolog wird in der folgenden Szene mit Gretchens Selbstgespräch am Spinnrad kontrastiert. Dieser Monolog steht in thematischem Zusammenhang mit Fausts Eröffnungsmonolog in seinem Arbeitszimmer; er wendet sich direkt an den Erdgeist.

Gretchens Kammer

Gretchen sitzt an ihrem Spinnrad und denkt an Faust. Der Text dieser Szene wurde vor allem von Franz Schubert in dem Lied Gretchen am Spinnrade, op. 2, D. 118 (1814) vertont.

Marthens Garten

Gretchen stellt Faust die berühmte Gretchenfrage:
"Wie hältst du's mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann,
Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon."
Sie will Faust in ihr Zimmer lassen, fürchtet sich aber vor ihrer Mutter. Faust gibt Gretchen ein Fläschchen mit einem Schlaftrunk, den sie ihrer Mutter geben soll. Verhängnisvollerweise entpuppt sich der Trank als giftig, und die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Am Brunnen / An der Stadtmauer

In den folgenden Szenen hat Gretchen die ersten Vorahnungen, dass sie durch Fausts Verführung schwanger ist. Das Gespräch zwischen Gretchen und Lieschen über eine unverheiratete Mutter in der Szene am Brunnen bestätigt den Verdacht des Lesers auf Gretchens Schwangerschaft. In "An der Stadtmauer" kniet Gretchen vor der Marienstatue nieder und bittet um Hilfe. Sie verwendet den Anfang des Stabat Mater, einer lateinischen Hymne aus dem dreizehnten Jahrhundert, von der man annimmt, dass sie von Jacopone da Todi verfasst wurde.

Die Nacht

Valentin, Gretchens Bruder, ist über ihre Liaison mit Faust erzürnt und fordert ihn zum Duell heraus. Unter der Führung von Mephistopheles besiegt Faust Valentin, der kurz vor seinem Tod Gretchen verflucht.

Dom

Gretchen sucht Trost in der Kirche, aber sie wird von einem bösen Geist gequält, der ihr ins Ohr flüstert und sie an ihre Schuld erinnert. Diese Szene gilt allgemein als eine der schönsten des Stücks: Die quälenden Anklagen und Warnungen des Bösen Geistes vor Gretchens ewiger Verdammnis beim Jüngsten Gericht sowie Gretchens Versuche, sich dagegen zu wehren, sind mit Strophen des Hymnus "Dies irae" (aus dem traditionellen lateinischen Text der Requiem-Messe) verwoben, der im Hintergrund vom Domchor gesungen wird. Gretchen fällt schließlich in Ohnmacht.

Walpurgisnacht

Einem Volksglauben zufolge versammeln sich in der Walpurgisnacht in der Nacht zum 30. April - dem Vorabend des Festes der heiligen Walpurga - die Hexen auf dem Brocken, dem höchsten Berg des Harzes, und treiben mit dem Teufel ihr Unwesen. Das Fest ist ein Bacchanal des Bösen und der dämonischen Mächte.

Bei diesem Fest lockt Mephistopheles Faust von der Ebene der Liebe auf die Ebene der Sexualität, um ihn von Gretchens Schicksal abzulenken. Mephistopheles ist hier als Junker und mit gespaltenen Hufen kostümiert. Mephistopheles lockt Faust in die Arme einer nackten jungen Hexe, aber er wird durch den Anblick von Medusa abgelenkt, die ihm als "das Bild seiner Geliebten" erscheint: ein "einsames Kind, bleich und schön", das dem "süßen Gretchen" ähnelt.

Trüber Tag, Feld / Nacht, offenes Feld

Die erste dieser beiden kurzen Szenen ist der einzige Abschnitt des veröffentlichten Dramas, der in Prosa geschrieben ist, die andere ist in unregelmäßigen ungereimten Versen verfasst. Faust hat offenbar erfahren, dass Gretchen das neugeborene Kind in ihrer Verzweiflung ertränkt hat und wegen Kindermordes zum Tode verurteilt wurde. Nun wartet sie auf ihre Hinrichtung. Faust fühlt sich schuldig an ihrer Misere und macht Mephistopheles Vorwürfe, der jedoch darauf besteht, dass Faust selbst Gretchen ins Verderben gestürzt hat: "Wer hat sie ins Verderben gestürzt? Ich oder du?" Mephistopheles erklärt sich jedoch schließlich bereit, Faust bei der Rettung Gretchens aus ihrer Zelle zu helfen.

Kerker

Mephistopheles verschafft sich den Schlüssel zum Kerker und schläfert die Wachen ein, so dass Faust eintreten kann. Gretchen unterliegt bei Faust nicht mehr der Illusion der Jugend und erkennt ihn zunächst nicht. Faust versucht, sie zur Flucht zu überreden, aber sie weigert sich, weil sie erkennt, dass Faust sie nicht mehr liebt, sondern bemitleidet. Als sie Mephistopheles sieht, erschrickt sie und fleht zum Himmel: "Gericht Gottes! Dir schenke ich meine Seele!". Mephistopheles stößt Faust mit den Worten aus dem Gefängnis: "Sie ist nun gerichtet!". Gretchens Rettung hingegen wird durch Stimmen von oben bestätigt: "Ist gerettet!".

Rezensionen

Zahlreiche literarische Persönlichkeiten haben eine Rezension verfasst, darunter:

„Im Grunde genommen ist es die Liebesgeschichte eines Intellektuellen mit einer Kleinbürgerin. Das muss ja mit dem Teufel zugegangen sein.“ - Bertolt Brecht

„In Goethes Dichtungen dominiert die Natur. Man weiß bei ihm immer welche Witterung herrscht, welche Tages- und Jahreszeit, unter welchem Himmelsstrich man sich befindet, auch wo nicht die geringste Andeutung darüber gemacht wird; die äußere Atmosphäre, in der seine Menschen atmen, ist um sie herum gelegt, hüllt sie ein wie ein bestimmter Farbton ein Gemälde. Dies gilt selbst von den abstraktesten Szenen im zweiten Teil des Faust. … Er war immer Amateur, Liebhaber, Gelegenheitsdichter, Gelegenheitsdenker, Gelegenheitsforscher. … Er entdeckt heute den Zwischenknochen und schreibt morgen seine Lebensgeschichte oder Teile des Faust, vielleicht aber auch nur irgendeinen ganz gleichgültigen Bericht über Bergwerke oder Unterrichtswesen.“ - Egon Friedell

„Was ist das für ein erbärmliches Gewäsch über den ‚Faust‘! Alles erbärmlich! Gebt mir jedes Jahr 3000 Thaler, und ich will Euch in drei Jahren einen Faust schreiben, dass Ihr die Pestilenz kriegt!“ - Christian Dietrich Grabbe

„Da die meisten Volksbücher über Faust aus dem Widmanschen Werke entstanden, so geschieht darin von der schönen Helena nur kärgliche Erwähnung und ihre Bedeutsamkeit konnte leicht übersehen werden. Auch Goethe übersah sie anfänglich, wenn er überhaupt, als er den ersten Teil des Faust schrieb, jene Volksbücher kannte und nicht bloß in den Puppenspielen schöpfte. Erst vier Dezennien später, als er den zweiten Teil zum Faust dichtete, läßt er darin auch die Helena auftreten, und in der Tat, er behandelte sie con amore. Es ist das Beste oder vielmehr das einzig Gute in besagtem zweiten Teile, in dieser allegorischen und labyrinthischen Wildnis, wo jedoch plötzlich, auf erhabenem Postamente, ein wunderbar vollendetes griechisches Marmorbild sich erhebt und uns mit den weißen Augen so heidengöttlich liebreizend anblickt, daß uns fast wehmütig zu Sinne wird. Es ist die kostbarste Statue, welche jemals das Goethesche Atelier verlassen und man sollte kaum glauben, daß eine Greisenhand sie gemeißelt. Sie ist aber auch viel mehr ein Werk des ruhig besonnenen Bildens, als eine Geburt der begeisterten Phantasie, welche letztere bei Goethe nie mit besonderer Stärke hervorbrach, bei ihm ebensowenig wie bei seinen Lehrmeistern und Wahlverwandten, ich möchte fast sagen bei seinen Landsleuten, den Griechen. Auch diese besaßen mehr harmonischen Formensinn als überschwellende Schöpfungsfülle, mehr gestaltende Begabnis als Einbildungskraft, ja, ich will die Ketzerei aussprechen, mehr Kunst als Poesie.“ - Heinrich Heine

„Faust ist zwar von Goethe geschrieben, aber deshalb kein Monopol Goethes, von dem jeder andere ausgeschlossen wäre. Dieser Faust ist Gemeingut der Menschheit.“ - Nikolaus Lenau

„So ruft der Faust des ersten Teiles der Tragödie, der leidenschaftliche Forscher in einsamen Mitternächten, folgerichtig den des zweiten Teiles und des neuen Jahrhunderts hervor, den Typus einer rein praktischen, weitschauenden, nach außen gerichteten Tätigkeit. Hier hat Goethe psychologisch die ganze Zukunft Westeuropas vorweggenommen.“ - Oswald Spengler

Goethes Äußerungen über seinen Faust

Goethe selbst hat mehrfach kritisch zum Faust geäußert. Alle Zitate stammen aus den Gesprächen mit seinem engen Vertrauten Johann Peter Eckermann (1792 - 1854; "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens"):

„Aber doch ist alles (besonders im Helena-Teil von Faust II) sinnlich und wird, auf dem Theater gedacht, jedem gut in die Augen fallen. Und mehr habe ich nicht gewollt. Wenn es nur so ist, daß die Menge der Zuschauer Freude an der Erscheinung hat; dem Eingeweihten wird zugleich der höhere Sinn nicht entgehen, wie es ja auch bei der Zauberflöte und anderen Dingen der Fall ist.“

„Die Deutschen sind übrigens wunderliche Leute! – Sie machen sich durch ihre tiefen Gedanken und Ideen, die sie überall suchen und überall hineinlegen, das Leben schwerer als billig. – Ei! so habt doch endlich einmal die Courage, Euch den Eindrücken hinzugeben, Euch ergötzen zu lassen, Euch rühren zu lassen, Euch erheben zu lassen, ja Euch belehren und zu etwas Großem entflammen und ermutigen zu lassen; aber denkt nur nicht immer, es wäre Alles eitel, wenn es nicht irgend abstrakter Gedanke und Idee wäre! Da kommen sie und fragen: welche Idee ich in meinem Faust zu verkörpern gesucht? – Als ob ich das selber wüßte und aussprechen könnte. […] Je inkommensurabler und für den Verstand unfaßlicher eine poetische Produktion, desto besser.“

„Der erste Teil ist fast ganz subjektiv; es ist alles aus einem befangenerem, leidenschaftlicheren Individuum hervorgegangen, welches Halbdunkel den Menschen auch so wohltun mag. Im zweiten Teile aber ist fast gar nichts subjektives, es erscheint hier eine höhere, breitere, hellere, leidenschaftslosere Welt, und wer sich nicht etwas umgetan und einiges erlebt hat, wird nichts damit anzufangen wissen. Es sind darin einige Denkübungen, sage ich, und es möchte auch mitunter einige Gelehrsamkeit erfordert werden. ‚… Ich habe immer gefunden,‘ sagte Goethe lachend, ‚daß es gut sei etwas zu wissen.‘“

Zitate

Goethes Faust ist die Quelle zahlreicher geflügelter Worte, die bis heute oft zitiert werden, vielfach auch, ohne dass dem Zitierenden ihre Herkunft bewusst ist. Hier eine Liste mit Beispielen:

Inszenierungen

1829 – Hoftheater in Braunschweig am 19. Januar. Zur Uraufführung kam eine textlich, inhaltlich und vom Handlungsablauf gegenüber dem als unspielbar gehaltenen Originaltext Goethes radikal veränderte, für die Bühne redigirte Fassung in sechs Abteilungen. Gestrichen waren unter anderem die beiden Vorspiele sowie die Szenen „Abend“ und „Walpurgisnacht“. Die Inszenierung von Ernst August Friedrich Klingemann betonte vor allem die Gretchentragödie. Die Aufführung dauerte über dreieinhalb Stunden und war ein großer Erfolg.

1875/76 – Uraufführung, inklusive des postum 1832 veröffentlichten zweiten Teils, im Hoftheater zu Weimar unter der Regie Otto Devrient mit der Musik von Eduard Lassen. Diese Inszenierung, die Devrient auch in Berlin, Köln und Düsseldorf zur Aufführung brachte, hatte noch einen starren dreigliedrigen Bühnenbau. Zusätzliche Aufbauten waren für schnelle Szenenwechsel erforderlich.

1932 – Aufführungsserie von Lothar Müthels Faust I mit Gustaf Gründgens als Mephisto am Preußischen Staatstheater in Berlin, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs andauerte. Hier begann der gefeierte Schauspieler und (ab 1935) Generalintendant Gründgens die klassische schwarz-weiße Maske zu entwickeln, die man heutzutage mit dem Mephisto identifiziert. Anlässlich des 100. Todestages des Autors erhielt Hermann Simon den Auftrag eine neue Schauspielmusik zu Faust. Eine Tragödie zu komponieren.

1949 – In Hannover machte Alfred Noller mit seinem „Aluminium-Faust“, in der Titelrolle Gerhard Just, den Neuanfang nach dem Krieg. Noller brach mit den Prinzipien der Faust-Inszenierungen des 19. Jahrhunderts. Die Bühne von Rudolf Schulz bestand aus einem halb-kugelförmigen Gerüst aus Leichtmetall. Im Hintergrund spiegelte eine Aluminiumwand die Lichtreflexe (der Phantasie). Das Metallische symbolisiert das Kosmische. Die Räumlichkeiten vom Studierzimmer bis zum Kerker wurden nur angedeutet. Die fünfstündige Version von Faust I wies nur einen Strich auf: der Walpurgisnachtstraum entfiel. Auerbachs Keller war eine derbe Saufszene, die Walpurgisnacht mit Lichtreflexen auf der metallenen Wand eine Sinnesorgie.

1949 – Am Broadway in New York inszenierte der Wiener Schauspieler und Regisseur Leon Askin den Faust I mit großem Erfolg.

1952 – Das Berliner Ensemble unter der Regie von Egon Monk inszenierte den Urfaust als provokative Neudeutung vor dem Hintergrund spießiger Inszenierungen in der DDR. Schelte und Kritik durch die Partei war die Folge. Bert Brecht formte Goethes Vorlage episch um: Im Prolog macht Mephisto den Zuschauer mit den wichtigsten Dramengestalten bekannt. Da der Urfaust ein Fragment ist, füllte Brecht diese Leerstellen mit Brückenversen, die dem Zuschauer aus einem voluminösen Buch vorgelesen werden. Wirkungsgeschichtlich begann mit dieser Urfaust-Inszenierung die Abkehr vom realistisch-naturalistischen Bühnenbau, die von Gustaf Gründgens und Claus Peymann fortgesetzt wurde.

1956/1957 – Im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg erfolgte unter der Regie und Intendanz von Gustaf Gründgens die Neuinszenierung des Faust mit Will Quadflieg (Faust), Gründgens (Mephisto), Ella Büchi (Gretchen), Elisabeth Flickenschildt (Marthe), Max Eckard (Valentin), Eduard Marks (Wagner), Uwe Friedrichsen (Schüler). Gründgens erarbeitete mit seinem Bühnenbildner Teo Otto Schritt für Schritt eine entrümpelte Fassung. Beide bekannten sich zu ihrer „Einfallslosigkeit“ und zeigten die Bühne als nacktes Gerippe. Gründgens entwickelte seine Konzeption anhand des Vorspiels auf dem Theater. Entsprechend ist alles (Himmel, Hölle, große oder kleine Welt) die Welt des Theaters. Die Inszenierung gastierte auch in Moskau und wurde 1960 mit großem Erfolg verfilmt.

1984 – Das Berliner Ensemble spielte unter Horst Sagert Faust-Szenen mit Hermann Beyer (Faust) und Corinna Harfouch (Gretchen). Sagert knüpfte an die fragmentarische Brecht/Monk-Inszenierung von 1952/53 an und verwendete für seine Inszenierung Texte aus dem Umkreis der Dichtung, die zu einer Abrechnung mit dem „Sturm und Drang“ wird. So grenzte er Fausts Titanismus und den Titan Prometheus gegeneinander ab.

2000 – von Peter Stein – mit Bruno Ganz als „altem“ und Christian Nickel als „jungem“ Faust. Johann Adam Oest und Robert Hunger-Bühler teilten sich die Rolle des Mephisto. Dorothee Hartinger gab die Margarete. Insgesamt waren 80 Mitarbeiter, davon 33 Ensemble-Schauspieler beschäftigt. Dieses 15-Mio.-Euro-Großprojekt wurde durch das bis dato größte Kunstsponsoring Europas aus privater und öffentlicher Hand finanziert. Die Aufführungsdauer incl. Pausen betrug 21 Stunden; reine Spielzeit 15 Stunden, aufgeteilt auf 3 Wochenend- bzw. 4 Abendvorstellungen, in eigens für dieses Großprojekt adaptierten Hallen. Der einheitliche Eintrittspreis betrug 233 €. Eine vierteilige DVD-Ausgabe erschien 2005 mit einer Laufzeit von 814 Minuten (DVD 9 mit 2 Layern).

Verweise

Die Brüder Karamasow

Dostojewski hat es nie versäumt, Goethes Größe als Mensch und Künstler hervorzuheben. Er nahm den deutschen Dichter in die kurze Liste der Autoren auf, die er als Pflichtlektüre ansah, und stellte ihn gewöhnlich neben Shakespeare. Von allen Werken Goethes hinterließ "Faust" den tiefsten Eindruck Eindruck auf Dostojewski. Er las ihn zum ersten Mal auf Deutsch, als er er siebzehn Jahre alt war. Während die meisten seiner (russischen) Zeitgenossen den Faust II. negativ beurteilten, schätzte Dostojewski beide Teile des Werks.

Er nahm in mehreren seiner Romane explizit und implizit Bezug auf Goethes Faust, z.B. in "Schuld und Sühne", "Die Dämonen", "Der Jüngling" und insbesondere "Die Brüder Karamasow".

Die häufigste Verbindung zwischen Goethe und Dostojewski betrifft Dr. Heinrich Faust und Iwan Karamasow. Iwan wird als "ein russischer Faust", aber auch als "ein russischer Anti-Faust" bezeichnet. Die eine Formulierung verweist auf die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Figuren hin, die andere berührt ihre Unterschiede.

Sein Streben nimmt zwei grundlegende Formen an: die Suche nach einer allumfassenden Wissen über die Welt oder, radikaler: das Projekt, die Welt umzugestalten (Faust als Prometheus) und - letztlich - zu beherrschen. Iwan ist in beiderlei Hinsicht von diesen Impulsen besessen. Was ihn antreibt, ist das, was er "unanständigen Durst nach Leben" nennt.

Iwan macht auch Bekanntschaft mit Mephistopheles, dem Teufel, der ihn in seiner Kammer besucht. Doch der Teufel erscheint nicht vor Iwans Abenteuer, nicht um mit ihm zu paktieren und ihn aus seinem Arbeitszimmer zu holen, wie es bei Faust der Fall ist, sondern erst nachdem die wichtigsten Ereignisse des Romans bereits stattgefunden haben. Sieht man einmal von den theologischen Implikationen ab, kann die These aufgestellt werden, dass die Anwesenheit des Teufels bedeutet, dass sowohl Dostojewski als auch Goethe, die unergründliche Dualität der menschlichen Natur erkannt haben. Wenn Faust sagt: "Zwei Seelen wohnen, ach, in meine Brust" ist dies in erster Linie als Reflexion seiner Beziehung zu Mephistopheles zu interpretieren.

Doktor Faustus

"Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde" ist ein Roman von Thomas Mann.

Der Roman ist eine fiktive Biografie des Musikers Adrian Leverkühn (1885-1940), die von seinem langjährigen Freund Serenus Zeitblom erzählt wird: Dieser beginnt mit der Niederschrift der Erzählung am 23. Mai 1943, also etwas mehr als zwei Jahre nach dem Tod des Komponisten, und beendet sie 1945.

Leverkühn ist ein musikalisches Wunderkind zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dessen Leben sich nach dem Vorbild der mythischen Figur Faust entwickelt, der seine Seele an den Teufel, verkörpert durch Mephistopheles, im Austausch für Wissen verkauft. So wie der von Dämonen besessene Leverkühn seine musikalische Kunst bis zu einem entscheidenden Tag entwickelt, der ihm zum Verhängnis wird, entwickelt sich parallel dazu die deutsche Gesellschaft in Richtung des katastrophalen Schicksals, das die Entstehung des Nationalsozialismus sein wird.

Der Meister und Margarita

"Der Meister und Margarita" ist der bekannteste Roman des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow. Er gilt als ein Klassiker der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts.

Der Roman ist stark von Goethes Faust beeinflusst, und seine Themen Feigheit, Vertrauen, intellektuelle Neugier sowie Erlösung stehen im Vordergrund.

Schon im Motto verweist Bulgakow auf Goethes Faust. Es lautet: „Nun gut, wer bist du denn? – Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“

Begleitet von verschiedenen Gehilfen – am auffälligsten ist der riesige Kater namens Behemoth – erscheint eines Tages in der Karwoche der Teufel in Moskau, getarnt als der Ausländer Voland, „Professor für Schwarze Magie“.

"Der Meister" selbst ein Verweis auf Faust und Margarita (eine Verkörperung von Gretchen, deren Name eine Koseform von Margarethe ist). Die Handlung des Romans referenziert in verschiedener Hinsicht auf Goethes Werk und benutzt es als Parodie. So kann, zum Beispiel, des Meisters Pakt mit Satan als ein faustischer Pakt gelesen werden bzw. die Rettung des Meisters und der Margarita als ein Verweis auf den Schluss von Faust I. Auch auf einer symbolischen Ebene können zahlreiche Bezüge ausgemacht werden, so kommt z. B. das Pudel-Motiv mehrfach vor (Volands Spazierstock, Kette Margaritas, Motiv auf Kissen). Der Ball ist eine Variation des Themas der Walpurgisnacht.

Adaptionen

Film

Eine Liste mit den bekanntesten Filmen:

Vertonungen

Eine Liste mit den bekanntesten Vertonungen:

Hintergrund

Ort der Handlung ist Deutschland, unter anderem Leipzig und der Harz. Die Zeit ist etwa die Lebenszeit des historischen Faust (ca. 1480–1538), also die Wende vom Mittelalter zur Neuzeit.

Der Leser begegnet Faust in seiner gotisch dekorierten Studierstube. Als Zeitgenosse von Martin Luther (1483–1546) beschäftigt er sich mit einer Bibelübersetzung. Die mittelalterliche Alchemie, wie sie sein eigener Vater betrieben hat, beurteilt er sehr kritisch. Er selbst setzt dagegen auf Magie und Geisterbeschwörung, auf Offenbarungen aus einer anderen Sphäre – und ist damit Nostradamus (1503–1566), einem anderen Zeitgenossen, ähnlich.

Die tragische Historie vom Doktor Faustus

"Die tragische Historie vom Doktor Faustus" (1593), gemeinhin einfach als "Doktor Faustus" bezeichnet, ist eine elisabethanische Tragödie (seinerzeit sehr populär) von Christopher Marlowe, die auf deutschen Legende über die Titelfigur Faust basiert.

Das Stück erzählt die Geschichte von Faustus, einem Doktor der Theologie, der auf seiner Suche nach Wissen beschließt, seine Seele an den Teufel zu verkaufen, um die Gunst eines seiner Diener, des Dämons Mephistopheles, zu erlangen. Er besteht aus einem Prolog, dreizehn Szenen und einem Epilog. Es ist hauptsächlich in Blankversen (ungereimte jambische Pentameter) geschrieben, aber es gibt auch kurze Prosastücke.

Legende

Faust ist der Protagonist einer klassischen deutschen Legende, die auf dem historischen Johann Georg Faust (ca. 1480-1540) basiert.
Dieser war ein deutscher Wanderalchemist, Astrologe und Magier der deutschen Renaissance. Aus Berichten über Faust entstand in Verbindung mit älteren Magiergeschichten die in vielen literarischen und musikalischen Werken verarbeitete Faust-Sage.

Der gelehrte Faust ist sehr erfolgreich, aber unzufrieden mit seinem Leben, was ihn dazu veranlasst, an einer Kreuzung einen Pakt mit dem Teufel zu schließen und seine Seele gegen unbegrenztes Wissen und weltliche Vergnügungen zu tauschen. Die Faust-Legende war die Grundlage für zahlreiche literarische, künstlerische, filmische und musikalische Werke, die sie im Laufe der Zeit neu interpretiert haben. "Faust" und das Adjektiv "faustisch" bedeuten, dass geistige Werte für Macht, Wissen oder materiellen Gewinn geopfert werden.

Der Faust der frühen Bücher - und auch der daraus entstandenen Balladen, Dramen, Filme und Puppenspiele - ist unwiderruflich verdammt, weil er menschliches Wissen dem göttlichen vorzieht: Er legte die Heilige Schrift hinter die Tür und unter die Bank, weigerte sich, Doktor der Theologie genannt zu werden, und zog es vor, Doktor der Medizin genannt zu werden. Theaterstücke und komische Puppenspiele, die sich lose auf diese Legende stützen, waren im 16. Jahrhundert in ganz Deutschland populär und beschrieben Faust als Narr und Scharlatan hielten und Mephistopheles oft als vulgäre Witzfigur.

Seit dem 18. Jahrhunderterfolgte eine literarische Aufwertung des Fauststoffs. Der menschliche Zwiespalt zwischen der Kraft des Glaubens und der Sicherheit wissenschaftlicher Erkenntnis wurde zu einem Hauptthema. Faust ist der über seine Grenzen hinaus strebende Mensch und befindet sich im Konflikt zwischen egozentrischer Selbstverwirklichung und sozialer Anerkennung in einer stets noch religiös geprägten Welt. In Goethes Bearbeitung der Geschichte mehr als zweihundert Jahre später wird Faust zu einem unzufriedenen Intellektuellen, der sich in seinem Leben nach "mehr als irdischem Essen und Trinken" sehnt.

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