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Zum Thema Guter Unterricht gibt es einige Konzepte die hier in einer kurzen Übersicht dargestellt und verglichen werden. Die verschiebenden Merkmale sind unabhängig von Fächern. Da Unterricht aber immer fachbezogen ist, müssen diese Merkmale auf den jeweiligen Fachunterricht herunter gebrochen werden.

Definition: Der Unterricht ist eine von einer Lehrkraft ausgeübte Praxis, die darauf abzielt, Schülern, Studenten oder anderen Personen im Rahmen einer Bildungseinrichtung Kompetenzen (Wissen, Know-how und Verhaltenskompetenzen) zu vermitteln. Dieser Begriff unterscheidet sich vom Lernen, das sich auf die Aktivität des Schülers bezieht, der sich diese Kenntnisse aneignet.

Die theoretischen Grundlagen des Unterrichts liefern die Erziehungswissenschaften, die Pädagogik und Didaktik, nach der klassischen Formel von Johann Friedrich Herbart (1776 - 1841): „Jeder Unterricht erzieht“.

Zur Etymologie des Verbs "unterrichten": ‘unterweisen, Kenntnisse vermitteln, lehren’, mhd. underrihten ‘einrichten, zustande bringen, anweisen, unterweisen, belehren, im Gespräch zurechtweisen’.

Hilbert Meyer

Der Pädagoge Hilbert Meyer (Zehn Merkmale guten Unterrichts) vertritt einen handlungsorientierten Unterricht. Er war von 1975 bis zu seiner Emeritierung im 2009 Professor für Schulpädagogik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. In seinem Buch "Was ist guter Unterricht?" (Cornelsen Scriptor Berlin, Herbst 2004) entwickelt er einen Kriterien-Mix:
es wurden zum einen die Ergebnisse etlicher empirischer Studien berücksichtigt, zum anderen enthalten sie aber auch die normative Sicht des Autors auf guten Unterricht. Vor allem diese normative Seite macht es notwendig in fachliche Diskurse einzutreten. Normativ meint hier: es wird nach dem gefragt, was sein soll, insbesondere wie gehandelt werden soll und welche Werte und Ziele angestrebt werden sollen.

  1. Klare Strukturierung des Unterrichts (Prozess-, Ziel- und Inhaltsklarheit; Rollenklarheit, Absprache von Regeln, Ritualen und Freiräumen)
  2. Hoher Anteil echter Lernzeit (durch gutes Zeitmanagement, Pünktlichkeit; Auslagerung von Organisationskram; Rhythmisierung des Tagesablaufs)
  3. Lernförderliches Klima (durch gegenseitigen Respekt, verlässlich eingehaltene Regeln, Verantwortungsübernahme, Gerechtigkeit und Fürsorge)
  4. Inhaltliche Klarheit (durch Verständlichkeit der Aufgabenstellung, Plausibilität des thematischen Gangs, Klarheit und Verbindlichkeit der Ergebnissicherung)
  5. Sinnstiftendes Kommunizieren (durch Planungsbeteiligung, Gesprächskultur, Sinnkonferenzen, Lerntagebücher und Schülerfeedback)
  6. Methodenvielfalt (Reichtum an Inszenierungstechniken; Vielfalt der Handlungsmuster; Variabilität der Verlaufsformen und Ausbalancierung der methodischen Großformen)
  7. Individuelles Fördern (durch Freiräume, Geduld und Zeit; durch innere Differenzierung und Integration; durch individuelle Lernstandsanalysen und abgestimmte Förderpläne; besondere Förderung von Schülern aus Risikogruppen)
  8. Intelligentes Üben (durch Bewusstmachen von Lernstrategien, passgenaue Übungsaufträge, gezielte Hilfestellungen und "übefreundliche" Rahmenbedingungen)
  9. Transparente Leistungserwartungen (durch ein an den Richtlinien oder Bildungsstandards orientiertes, dem Leistungsvermögen der Schülerinnen und Schüler entsprechendes Lernangebot und zügige förderorientierte Rückmeldungen zum Lernfortschritt)
  10. Vorbereitete Umgebung (durch gute Ordnung, funktionale Einrichtung und brauchbares Lernwerkzeug)

Didaktisches Sechseck

Das Didaktische Sechseck (Hilbert Meyer) ist ein Analyseinstrument, das einem Beobachter ermöglicht, die Qualität im kompetenz-orientierten Unterricht mit Hilfe ausgewählter Gütekriterien zu beurteilen. Siehe auch das historisch wesentlich ältere Didaktische Dreieck.

Didaktisches Sechseck

Das Didaktische Sechseck mit den 6 Kern-Elementen: Zielstruktur, Inhaltsstruktur, Prozessstruktur, Handlungsstruktur, Sozialstruktur, Raumstruktur.


Hans Haenisch

Die folgenden "Kriterien zu gutem Unterricht" (Hans Haenisch; 2002) beziehen sich auf die übergreifenden Aspekte von Lehren und Lernen, die alle Jahrgänge und Fächer betreffen. Die empirischen Studien, aus denen die Kriterien gewonnen wurden, sind darauf ausgerichtet, den Zusammenhang zwischen Unterrichtsprozessen und -maßnahmen (als Prozessvariablen) auf der einen sowie Schülerleistungen in Form von Testergebnissen (als Produkt) auf der anderen Seite zu untersuchen.

  1. Den Unterricht curricular klar ausrichten
    • Unterricht an übergreifenden Zielen orientieren
    • Netzwerke zusammenhängenden Wissens schaffen
  2. Orientierung geben
    • Strukturen des zu Lernenden aufzeigen
    • Überblick über die Stunde geben
    • Bedeutung der Inhalte transparent machen
    • Auf die Aufgabenbearbeitung vorbereiten
    • Verstehensprozesse unterstützen
  3. Die aktive Beteiligung verstärken und Lerngelegenheiten bewusst gestalten
    • Lernumgebungen möglichst vielfältig gestalten
    • Interessante Themen in einem Diskurs bearbeiten
    • In lebensnahen Kontexten lernen
    • Schülerinnen und Schüler über Ziele, Wege und Inhalte des Lernens (mit)entscheiden lassen
    • Antworten immer auch begründen lassen
    • Mit Fragen die Wissenskonstruktion anregen
    • Durch Hausaufgaben die Lerngelegenheiten erweitern
  4. Das bisherige Wissen berücksichtigen und entsprechend umstrukturieren
    • Auf den bestehenden Vorstellungs- und Wissensstrukturen aufbauen
    • Lernen durch Umstrukturierung vorhandenen Wissens
  5. Lernstrategien zeigen
    • Den Lernprozess planen und strukturieren
    • Den eigenen Lernprozess reflektieren
    • Sich Überblick über das Gelernte verschaffen
  6. Gelegenheit bieten, das Gelernte zu üben und anzuwenden
    • Übung in variierender Form wiederholen
    • Übungen mit konkreten Anwendungen verbinden
  7. Aktivitäten und Lernfortschritte sorgfältig beobachten, kontrollieren, analysieren und Rückmeldungen geben
    • Lernfortschritte beobachten und erfassen
    • Lernerfolge und Lernschwierigkeiten diagnostizieren
    • Regelmäßig Rückmeldungen über ihre Lernfortschritte geben
    • Auch Hausaufgaben als Diagnoseinstrument nutzen
  8. Phasen kooperativen Lernens systematisch in die Lernsequenzen einbauen
    • Die Arbeit in der Gruppe vorbereiten
    • Die Arbeit in der Gruppe organisieren
  9. Für einen lernförderlichen Unterrichtskontext sorgen
    • Lehrkräfte zeigen Offenheit und Fehlertoleranz
    • Lehrkräfte nehmen Anteil am Lernen
    • Lehrkräfte fördern die Neugier
    • Freundlich, aufrichtig und geduldig sein
    • Für reibungslosen Ablauf des Unterrichts sorgen

Siehe auch: Hans Haenisch; Merkmale erfolgreichen Unterrichts. - Forschungsbefunde als Grundlage für die Weiterentwicklung von Unterrichtsqualität. Soest 1999.

Merkmale der Unterrichtsqualität

Andreas Helmke ist ein deutscher Erziehungswissenschaftler und emeritierter Professor für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie an der Universität Koblenz-Landau. Er gehört zu den Vertretern der empirischen Erziehungswissenschaft und stellte Merkmale der Unterrichtsqualität vor (vgl. Friedrich Jahresheft 2007, S. 64):

Unterrichtsentwicklung: Was guten Unterricht kennzeichnet

Marcus Pietsch ist Professor für Bildungswissenschaft, insbesondere Bildungsmanagement und Qualitätsentwicklung an der Leuphana Universität Lüneburg. In der Zeitschrift "bildung & wissenschaft" veröffentlichte er den Artikel "Was guten Unterricht kennzeichnet" (12 / 2013):

"Ob und wie gut Unterricht gelingt, lässt sich gut anhand einzelner Schlüsselmerkmale von Unterrichtsqualität festmachen. So liegen bereits seit einigen Jahren sowohl in der Schulpädagogik (Meyer, 2004) als auch der pädagogischen Psychologie (Helmke, 2006) empirisch begründete Kriterienkataloge vor, die Hinweise darauf geben, was aufseiten von Unterricht und Lehrkraft positiv zu Lernentwicklungen beitragen kann."

"Anhand der Lernfortschritte von mehr als 88 Millionen Schülerinnen und Schülern konnte so gezeigt werden, welche Merkmale eher lernförderlich sind als andere. Alle diese Arbeiten verdeutlichen, dass es in der Regel tiefenstrukturelle Merkmale des Unterrichts – und weniger Oberflächenmerkmale, wie z.B. bestimmte Lehrmethoden oder Sozialformen – sind, die zu einer Verbesserung von Lernergebnissen von Schülerinnen und Schülern beitragen."

"In der Unterrichtsrealität kommen diese einzelnen Merkmale in der Regel jedoch nicht isoliert vor, sondern stehen immer miteinander in Verbindung. Effektiver, lernwirksamer Unterricht ist daher weniger vom Einsatz eines einzelnen Unterrichtsmerkmals an sich geprägt als vielmehr vom bestmöglichen Zusammenwirken vieler Merkmale, der Orchestrierung bzw. der Choreografie des Unterrichts (Oser & Baeriswyl, 2001)."

Ergebnisse der Schul- und Unterrichtsforschung

Hartmut Ditton ist ein deutscher Erziehungswissenschaftler. Seine Forschungsschwerpunkte sind schulische und familiale Sozialisation, Bildung, sowie Evaluation und Qualitätssicherung im Bildungswesen.

Für den Unterricht wichtige Faktoren für gute Qualität

Qualität (Quality)

Motivierung (Incentives)

Angemessenheit (Appropriateness)

Unterrichtszeit (Time)

Quelle: Hartmut Ditton: Qualitätskontrolle und -sicherung in Schule und Unterricht - ein Überblick zum Stand der empirischen Forschung. In: Helmke/Hornstein/Terhart (Hrsg.): Qualitätssicherung im Bildungsbereich. Beiheft 41 der Zeitschrift für Pädagogik. Weinheim 1999.