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Induktiv und deduktiv sind Gegenbegriffe. Eine Deduktion schließt aus gegebenen Voraussetzungen auf einen speziellen Fall, Induktion hingegen ist der umgekehrte Weg: vom Besonderen zum Allgemeinen (Aristoteles).

Deduktiv versus Induktiv

Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Methoden besteht darin, dass induktives Denken darauf abzielt, eine Theorie zu entwickeln, während deduktives Denken darauf abzielt, eine bestehende Theorie zu überprüfen.
Induktives Denken geht von spezifischen Beobachtungen zu allgemeinen Verallgemeinerungen über, während deduktives Denken den umgekehrten Weg geht.


Das mathematische Verfahren der "vollständigen Induktion" ist logisch betrachtet kein induktiver Schluss, es handelt sich dabei im Gegenteil um eine deduktive Beweismethode.

Inhalt

Zusammenfassung

Beim induktiven Denken (auch Induktion genannt) geht es darum, aus spezifischen Beobachtungen allgemeine Theorien zu bilden. Die Beobachtung, dass etwas wiederholt geschieht, und die Schlussfolgerung, dass es wieder auf dieselbe Weise geschehen wird, ist ein Beispiel für induktives Denken.
Beim deduktiven Schlussfolgern (auch Deduktion genannt) werden aus allgemeinen Prämissen bestimmte Schlussfolgerungen gezogen, wie zum Beispiel: Jeder in dieser Klasse lernt Deutsch; Johann ist in dieser Klasse; daher ist Johann ein Deutsch-Student.

Induktion

Induktives Denken ist eine Methode, bei der aus einer Reihe von Beobachtungen ein allgemeines Prinzip abgeleitet wird. Sie besteht darin, auf der Grundlage spezifischer Beobachtungen weitreichende Verallgemeinerungen vorzunehmen. Induktives Denken unterscheidet sich vom deduktiven Denken. Wenn die Prämissen richtig sind, ist die Schlussfolgerung eines deduktiven Arguments sicher; im Gegensatz dazu ist die Wahrheit der Schlussfolgerung eines induktiven Arguments wahrscheinlich, basierend auf den gegebenen Beweisen.

Verstehensprozess

Der aufsteigende Verstehensprozesse "bottom up" (Prozess "von unten nach oben") beschreibt sich wie folgt:

Lehr-/Lernmethoden

Bei der induktiven Methode gilt: Wissen ist Begriff vom Allgemeinen, und Allgemeines wird zunächst an spezifischen Einzelfällen durch Vergleich untereinander erkannt (Sokrates).

Deduktion

Eine Schlussfolgerung ist deduktiv gültig, wenn die Schlussfolgerung logisch aus den Prämissen folgt, d. h. wenn es unmöglich ist, dass die Prämissen wahr und die Schlussfolgerung falsch ist. Ein Argument ist stichhaltig, wenn es gültig ist und alle seine Prämissen wahr sind.
Zum Beispiel ist der Schluss von den Prämissen "alle Menschen sind sterblich" und "Sokrates ist ein Mensch" auf die Schlussfolgerung "Sokrates ist sterblich" deduktiv gültig.

Verstehensprozess

Der absteigende Verstehensprozesse "top down" (Prozess "von oben nach unten") beschreibt sich wie folgt:

Lehr-/Lernmethoden

Bei der deduktiven Methode gilt: einen allgemeinen Satz, welcher die einzelnen Tatsachen der Erfahrung, die zu seiner Ableitung gedient haben, als spezielle Fälle in sich enthält, nennen wir ein Gesetz.

Unterricht

Die beiden Methoden lassen sich auch im Unterricht (z.B. Deutsch, Grammatik, etc.) anwenden

induktiv: vom Einzelnen und Besonderen ➧ zum Allgemeinen

  • Ausgehen von Erfahrungen mit Sprache - Beobachtungen an Sprache - Auffälligkeiten in Texten, bei Produktion und Rezeption Bestimmung von Merkmalen und Bedeutungen
  • Verallgemeinerung in Form einer Regel
  • Anwendung der Regel auf weitere Beispiele
  • Fazit: besonders für „einsichtiges Lernen“: Inhalte und Kontext wichtig

deduktiv: vom Allgemeinen ➧ zum Besonderen

  • Ausgehen von einer Regel als Verallgemeinerung eines Sachverhalts
  • Verifizierung an Beispielen - an Sachverhalten, Texten
  • Anwendung an weiteren Beispielen, in Produktion und Rezeption
  • Fazit: besonders für schnelles Vermitteln, zur Wiederholung mit Überprüfung einer Regel oder zur Provokation mit einer verblüffenden Regel

Kritik

David Hume vertrat die Position, dass es eine Induktion im Sinne eines Schlusses auf allgemeine und notwendige Gesetze, der zwingend und erfahrungserweiternd ist, nicht geben kann. Im 20. Jahrhundert haben Theoretiker wie Hans Reichenbach und Rudolf Carnap versucht, formal exakte Theorien des induktiven Schließens zu entwickeln. Karl Popper hat zu zeigen versucht, dass Induktion eine Illusion sei, dass in Wirklichkeit immer nur Deduktion zum Einsatz komme und dass sie auch ausreichend sei.

Trivia

Deduktives Denken wird im Allgemeinen mit Detektiven und der Lösung von Rätseln in Verbindung gebracht. Am bekanntesten ist der fiktive Detektiv Sherlock Holmes (Autor: Arthur Conan Doyle), der von sich behauptet, einer der weltbesten Praktiker der Deduktion zu sein, der damit Verbrechen aufklärte.

Trotz dieser Assoziation ist das Denken, das in vielen dieser Geschichten als Deduktion bezeichnet wird, in Wirklichkeit eher eine Induktion oder eine Form des Denkens, die als Abduktion bekannt ist, bei der wahrscheinliche, aber unsichere Schlussfolgerungen auf der Grundlage bekannter Informationen gezogen werden.
Charles Sanders Peirce (1839–1914) führte den Begriff in die in die wissenschaftliche Debatte ein: „Abduktion ist der Vorgang, in dem eine erklärende Hypothese gebildet wird“.

Sherlocks Verwendung des Wortes Deduktion kann stattdessen als eine (wenn auch ungenaue) Bezeichnung für systematisches Denken im Allgemeinen (Synonym: gesunder Menschenverstand) interpretiert werden.

Zitat: "Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag." Quelle: Das Diadem aus Beryll / Sherlock Holmes